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Kritik zu „Cabrini – Die Gesandte des Papstes“ – Gegen jeden Widerstand

Bundesweiter Kinostart: 11. September 2025

Mit „Cabrini: Die Gesandte des Papstes“ (im Original nur „Cabrini“) richtet Regisseur Alejandro Monteverde den Blick auf eine Frau, die in den Geschichtsbüchern oft nur am Rand erwähnt wird. In sorgfältig komponierten Bildern erzählt der Film von Francesca Cabrini, die Ende des 19. Jahrhunderts unermüdlich gegen Armut, Ausgrenzung und patriarchale Widerstände ankämpfte. Herausgekommen ist eine Mischung aus biografischer Chronik und bildgewaltigem Drama, das gleichermaßen inspirieren wie überfordern kann.

Cabrini zeichnet ein eindrucksvolles Porträt einer Frau, die sich – trotz Krankheit, Sprachbarrieren und institutioneller Hürden – unbeirrbar ihrer Mission widmet, in New York City für die Würde von Immigrantinnen und Kindern einzutreten. Cristiana Dell’Anna verleiht der historischen Hauptfigur eine ruhige Autorität, deren Stärke sich gerade in ihrem beharrlichen Blick offenbart. Mitunter wirkt der Film wie ein in Sepia getauchter Traum, in dem Licht und Schatten mehr erzählen als die Dialoge. David Morse, Giancarlo Giannini und ein herrlich diabolischer John Lithgow komplettieren den erstaunlich hochkarätigen Cast.

Monteverdes Regie setzt stark auf visuelle Überhöhung: Dramatische wirklungsvolle Beleuchtung sowie eine Erzählweise, die mehr über Atmosphäre als über Handlung transportiert. Das verleiht der Figur Würde und Nachdruck, führt aber auch dazu, dass sich bestimmte Muster wiederholen. Begegnungen mit kirchlichen und politischen Machthabern werden mehrfach nach ähnlichem Muster inszeniert, wodurch der Erzählfluss stellenweise ins Stocken gerät. Dennoch bleibt man bei einer stattlichen Laufzeit von 145 Minuten nicht gänzlich langweilig. Immerhin ist „Cabrini“ längst nicht so umstritten wie sein letzter Film Sound of Freedom, welcher durch Verschwörungstheorien auf sich aufmerksam machte.

Gerade in diesen Wiederholungen zeigt sich der zwiespältige Charakter des Films. Auf der einen Seite gelingt es, Cabrinis unerschütterliche Haltung greifbar zu machen, auf der anderen verliert die Geschichte durch die Häufung solcher Szenen an Schlagkraft. Die Länge von über zwei Stunden verstärkt diesen Eindruck zusätzlich. Das emotionale Pathos, das Monteverde aufbaut, erreicht zwar viele Zuschauer – lässt aber wenig Raum für Zwischentöne.

Hinzu kommt, dass Cabrinis religiöse Dimension überraschend zurückhaltend inszeniert ist. Warum lebt Sie so aufopfernd? Was ist ihre Motivation selbst in den schlimmsten Momenten weiterzumachen? War der Papst ein Vertrauter für Sie? Ihr „tiefer“ Glaube wird zwar angedeutet, doch dominieren feministische und humanistische Aspekte, die stärker in den Vordergrund treten. Das macht den Film anschlussfähig für ein säkulares Publikum, nimmt ihm aber etwas von jener spirituellen Tiefe, die Cabrinis historische Persönlichkeit prägte.

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  • Davis, Garth(Regisseur)
  • Zielgruppen-Bewertung:Freigegeben ab 12 Jahren

Trotz dieser Brüche überzeugt Cabrini: Die Gesandte des Papstes mehr durch seine Hauptdarstellerin und die visuelle Intensität, mit der Regisseur Alejandro Gómez Monteverde (Sound of Freedom) seine Szenen gestaltet. Gerade die stillen Momente, in denen Cabrini verletzlich, aber unbeugsam wirkt, verleihen dem Film Kraft. Er ist damit eine Hommage an humanitäre Standhaftigkeit und weibliche Hartnäckigkeit, die visuell fesselt, aber erzählerisch nicht immer das richtige Maß findet. Genau darin liegt sein Kern: Eine eindrucksvolle, wenn auch nicht vollkommen ausgewogene Verneigung vor einer Frau, deren Mut auch mehr als ein Jahrhundert später noch Wirkung entfaltet. Leider phasenweise cineastisch mit zu viel Pathos und Längen gestreckt.

Cabrini. USA 2024. Verleih: Angel Studios. Regie: Alejandro Gómez Monteverde. Mit Cristiana Dell’Anna, David Morse, Romana Maggiora Vergano. Genre: Drama. 145 Minuten. FSK: Ab 12 Jahren.

Gibt es eine Post-Credit-Szene? = Nein.

Disclaimer: Vielen Dank an CinemaxX für die freundliche Bereitstellung des Tickets – wir sahen innerhalb einer Sneak-Preview. Kinotickets für aktuelle Kinofilme gibt es hier.

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Benny Illgner

Nachname hielt schon Fußbälle auf. Ich bisher nur virtuell. Sitzt seit 2005 in Digitalien fest und wartet auf den Pannendienst. Steht in fester Beziehung mit Twitter und Instagram. Schreibt Gags fürs Netz und Fernsehen. Nimmt gedeckte Schecks und Pizza gerne auf Twitter unter @IamIllgner an.

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