GamingTestberichte

Metal Gear Solid: Master Collection Vol. 2 – Solid Snakes modernisierter Abgang

Kept you waiting, huh?

So stimmen unsere Leser ab:

Mit der Metal Gear Solid: Master Collection Vol. 2 schnürt Konami ein reichhaltiges Paket, das auf dem Papier für Metal Gear-Liebhaber:innen kaum reizvoller sein könnte: Drei sehr unterschiedliche Kapitel einer der prägendsten Stealth-Reihen überhaupt, technisch aufbereitet und endlich auf aktueller Hardware zugänglich. Der Mix ist wild gemischt – vom Game Boy-Color-Ableger über das ambitionierte PSP-Prequel bis hin zum bis dato PS3-exklusiven Abschluss der Hauptreihe rund um den titelgebenden Helden aus der Feder von Entwicklerlegende Hideo Kojima. oB Konami mit der zweiten Master Collection nur Nachschlag oder Frischzellenkur betreibt, klärt unser Review.

Beginnen wir doch glatt mit dem unscheinbarsten Titel der Vol. 2: Den Anfang macht mit Metal Gear: Ghost Babel ein eher unscheinbarer Kandidat – ursprünglich im Jahr 2000 für den Game Boy Color erschienen. Trotz seines europäischen Titels hat dieses Spiel wenig mit dem PlayStation-Erstling gemein. Perspektive, Präsentation und Spielgefühl orientieren sich klar an den frühen MSX-Wurzeln der Reihe. Top-down und grobpixelig sind hier die Parameter. Wirkt zunächst schlicht, entfaltet aber mit etwas Geduld eine erstaunlich dichte Agentenatmosphäre. Die Schauplätze sind simpel gezeichnet, transportieren aber genau das richtige Maß an Spannung. Wer sich darauf einlässt, entdeckt hier eine Art „De-Make“ heutiger standardisierter Metal-Gear-Ideen – inklusive angepasster Mechaniken, die den Sprung auf die limitierte Hardware erstaunlich gut meistern. Für Veteranen ein nostalgischer Ausflug, für Neulinge vielleicht nur historisches Bonusmaterial.

Ganz anders verhält es sich mit Metal Gear Solid: Peace Walker. Das PSP-Spiel aus dem Jahr 2010 galt seiner Zeit bereits weit voraus und wirkt in der Retrospektive wie ein Testlauf für den nachfolgenden Serienteil „Metal Gear Solid V: The Phantom Pain„. Die Handlung verlagert das Geschehen in die 1970er Jahre nach Mittelamerika. Big Boss – noch im Aufbau seiner Legende – gründet mit Kazuhira Miller eine Privatarmee und wird in einen Konflikt hineingezogen, der weit über regionale Interessen hinausgeht. Inhaltlich bleibt die Reihe ihrem Hang zu politischen Parabeln treu – spielerisch öffnet sich das Konzept deutlich.

So werden werden Missionen nicht per Storyline am Stück erzählt sondern einzeln angewählt, klassische Schleichpassagen wechseln sich mit direkteren Gefechten ab. Dazwischen wächst unsere eigene Basis. Rekrutierung, Forschung, Waffenentwicklung, sogar das Entsenden von Soldaten in Nebenoperationen greifen ineinander. Entscheidend: Man spielt nicht nur Snake, sondern auch angeworbene Einheiten mit individuellen Werten. Mother Base, Fortschrittssysteme, Ausrüstungsmanagement – all das findet sich hier bereits in früher Form.

Die Steuerung wurde für die Collection nicht grundlegend modernisiert, bietet aber mehrere Varianten. Klassische Shooter-Belegung, alternative Layouts und frei konfigurierbare Optionen erlauben zumindest eine Annäherung an aktuelle Standards. Dennoch blieb das Gunplay für unseren Geschmack zu sperrig. Zielgenauigkeit und Kameraarbeit wirken aus heutiger Sicht wackelig, gerade in hektischen Kampf-Situationen. Technisch basiert diese Version auf der HD Collection von 2011 – inklusive des entsprechenden Copyright-Hinweises, welcher im Hauptmenü zu sehen ist. Ein echte technische Modernisierung sieht anders aus.

Ladezeiten kaum noch vorhanden

Der zentrale Anker der Sammlung ist ohne jede Frage Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots. Lange galt der Titel als fest an die PlayStation 3 gebunden – ein System mit bekanntlich komplexer Architektur. Umso bemerkenswerter ist die gelungene Umsetzung für aktuelle Plattformen. Die Neuauflage hebt die Auflösung auf knackscharfe 4K an, stabilisiert die Framerate bei 60 Bildern pro Sekunde und verkürzt Ladezeiten drastisch. Allein der Wegfall der früher obligatorischen Installationsphasen wirkt heute wie eine Erlösung.

Inhaltlich bleibt MGS4 übrigens ein Sonderfall. Solid Snake, sichtbar durch den FOXDIE-Virus gealtert und gesundheitlich am Limit, begibt sich ein letztes Mal auf die weltweite Jagd nach seinem Erzfeind Liquid. Die Geschichte dreht die typische Kojima-Schraube bis zum Anschlag. Meta-Ebenen, politische Kommentare treffen auf bitteren Sarkasmus, Memory Lane-Momente samt absurden Wendungen – alles ist vertreten! Die Inszenierung ist durchweg exzessiv. Manche Zwischensequenzen erreichen Längen, die eher an Film als an Spiel erinnern. Unnötig: Nicht alle lassen sich überspringen. Erfordert Geduld, belohnt aber mit einer Dichte, die kaum ein anderer Titel erreicht.

Spielerisch verschiebt sich der Fokus von reiner Stealth-Action auf offene Konflikte als in früheren Teilen, das Arsenal ist entsprechend umfangreich. Drebin’s Shop erlaubt es, Waffen, Munition und Ausrüstung jederzeit zu kaufen. Ressourcenknappheit war einst im Original ein zentraler Spannungstreiber. Hier wird sie durch ein Wirtschaftssystem ersetzt, das kaum wirklich einschränkt. Gleichzeitig bleibt das Stealth-Gameplay in gewissen Abschnitten stark: Bewegungsmuster und situative Anpassung funktionieren auch heute noch bestens. Snakes Anzug reagiert auf Untergründe, Sichtlinien lassen sich gezielt ausnutzen. Wer leise vorgeht, wird weiterhin belohnt, was viele MGS-Fans freuen dürfte.

Visuell aus der Frischzellenkurz – zumindest in Teil Vier

Visuell überrascht das Spiel positiv. Effekte wie aufkommender Rauch, Schutt oder Reflexionen wirken selbst heute noch stimmig. Die Schauplätze – vom Nahen bis Mittleren Osten – transportieren ebenfalls eine bedrückende Atmosphäre. Inhaltlich trifft das Thema rund um Krieg dessen Nutznießer einen Nerv, der heute aktueller erscheint als zur Veröffentlichung. Private Militärfirmen, entkoppelte Kriege ohne klare Ideologie aber territorialer Machtgier, Konflikte als Geschäftsmodell – die Kommentare aus der Kojima-Schmiede sind und waren unverblümt, zudem oft bitter ironisch. Gerade Snakes eigene Reflexionen verleihen dem Ganzen Gewicht. Ergänzt wird das Paket durch umfangreiche Extras. Digitale Bücher, Artworks und Hintergrundmaterial liefern Kontext für die höchst komplexe Lore. Besonders die sogenannte Data Base von MGS4/PeaceWalker dient als absolutes Nachschlagewerk für Figuren, Begriffe und Ereignisse. Selbst Kenner finden hier sicherlich noch Details. Gleichzeitig wird klar, wie verschachtelt diese Reihe nach Dekaden ist.

Angebot
Metal Gear Solid: Master Collection Volume 2 – Day One Edition - Switch 2
  • Bonusinhalte: Metal Gear: Ghost Babel ist ein Bonusspiel mit MASTER COLLECTION VOLUME 2
  • Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots erscheint auf modernen Plattformen und bewahrt dabei originalgetreu das PS3-Erlebnis, während zeitgemäße Verbesserungen der Benutzererfahrung eingeführt werden

Technisch verbindet die Collection ihre Inhalte mit klarer Zielsetzung: Eine bessere Zugänglichkeit. Alle drei Spiele laufen stabiler, sehen sauberer aus und sind auf aktueller Hardware spielbar. Gleichzeitig bleibt der Eindruck, dass Konami bewusst auf konservative Portierungen setzt. Gerade Peace Walker hätte von einer umfassenderen Überarbeitung profitiert. Die Bezeichnung „Master Collection“ weckt damit Erwartungen, die nur teilweise erfüllt werden.

Unser Fazit zur Metal Gear Solid: Master Collection Vol. 2

Vol. 2 der „Metal Gear Solid“-Master Collection ist weniger eine Modernisierung als eine kuratierte Archivbox. Die Auswahl ist spannend, weil sie drei sehr unterschiedliche Entwicklungsstufen der vielschichtigen Reihe vereint. Ghost Babel liefert nostalgischen Charme, Peace Walker zeigt die Evolution zentraler Systeme und Guns of the Patriots bleibt ein in vieler Hinsicht einzigartiger Abschluss mit erstaunlicher Aktualität. Technisch solide, aber selten ambitioniert. Für Fans ein Pflichtkauf, für Neueinsteiger ein anspruchsvoller Einstieg in eine komplexe, manchmal sperrige, aber nach wie vor faszinierende Serie.

Release: 27. August 2026 | Entwickler: Konami | Genre: Action | Für PlayStation 5, Xbox Series S/X, Nintendo Switch 1/2 und PC | USK: ab 18

Unsere Bewertung

Metal Gear Solid: Master Collection Vol. 2 (PlayStation 5)

Empfehlung!
80%

Kuratierte Archivbox mit drei sehr unterschiedlichen Stufen der "Metal Gear"-Reihe – vom kultigen Retro-Charme über spielerische Evolution bis zum erzählerisch starken Abschluss. Technisch solide bis aufgebohrt, aber ohne großen Fortschritt.

Gameplay80%
Grafik78%
Spielspaß85%
Technik75%

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Benny Illgner

Benny Illgner

Redakteur
Tech-Journalist
Seit 20161.707 Artikel304 Tests

Nachname hielt schon Fußbälle auf. Ich bisher nur virtuell. Sitzt seit 2005 in Digitalien fest und wartet auf den Pannendienst. Steht in fester Beziehung mit Twitter und Instagram. Schreibt Gags fürs Netz und Fernsehen. Nimmt gedeckte Schecks und Pizza gerne auf Twitter/Threads unter @IamIllgner an.

Schreibt und lebt nebenher das glorreiche Leben eines Technik-Bloggers. Interessiert sich für technische Spielereien jeglicher Art und spielerische Technik der allgegenwärtigen Videospiel-Konsolen. Primär für Gaming-, Smart Home-Krams und Reviews zuständig. Schlechte Wortspiele in Reviews eingeschlossen.

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