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Monster Hunter Stories 3: Twisted Reflection: Capcoms Monster-RPG ist mehr als nur der süße kleine Bruder

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Monster Hunter Stories 3: Twisted Reflection hat mich ziemlich überrascht. Ich bin in dieses Spiel mit der Erwartung gegangen, ein nettes Spin-off zu bekommen. Ein bisschen Monster sammeln, ein bisschen rundenbasiertes Kämpfen, ein bisschen Capcom-Fanservice mit großen Augen und noch größeren Viechern. Was ich bekommen habe, war etwas komplett anderes.

Und genau das ist der Punkt: Monster Hunter Stories 3 ist kein Monster Hunter für Leute, denen die Hauptreihe zu schwer ist. Es ist auch kein Pokémon mit Monstern. Es ist ein eigenständiges Rollenspiel, das sich den Kern der Reihe schnappt, ihn in ein rundenbasiertes System presst und dabei überraschend viel Charakter entwickelt.

Königreich, Kristalle und zwei sehr unentspannte Rathalos

Die Geschichte startet mit einem Ei. Klingt erst einmal harmlos. Ist es natürlich nicht, denn aus diesem Ei schlüpfen gleich zwei Rathalos. Und weil in solchen Spielen niemals einfach mal etwas Gutes passieren darf, hängen an diesen Zwillingen eine alte Prophezeiung, ein Krieg vor 200 Jahren und der aktuelle Konflikt zwischen den Königreichen Azuria und Vermeil.

Ihr übernehmt die Rolle des Thronfolgers beziehungsweise der Thronfolgerin von Azuria und ist gleichzeitig Captain der Ranger. Das ist nicht nur ein hübscher Titel für die Visitenkarte, sondern spielt auch wirklich in die Struktur des Spiels hinein. Die Ranger schützen das Ökosystem, untersuchen bedrohte Monsterarten, gehen gegen invasive Spezies vor und versuchen, eine Welt zusammenzuhalten, die gerade sehr unschön in Richtung Abgrund rutscht. Das klingt schwerer, als es das Spiel manchmal erzählt, aber genau diese Mischung funktioniert. Monster Hunter Stories 3 wirkt erwachsener als seine Vorgänger, ohne den Charme zu verlieren. Es gibt politische Spannungen, ökologische Themen, persönliche Bindungen und trotzdem genug klassische JRPG-Momente.

Kämpfen mit Köpfchen statt wildem Draufhauen

Wer aus der Hauptreihe kommt, muss sich umstellen. Hier wird nicht ausgewichen, gerollt, gehämmert und geflucht, während ein Diablos die eigene Lebensplanung zerstört. Monster Hunter Stories 3 setzt auf rundenbasierte Kämpfe mit einem Schere-Stein-Papier-Prinzip aus Kraft, Geschwindigkeit und Technik. Das klingt erstmal simpel, bekommt aber genug wenns und abers. Gegner greifen bestimmte Ziele an, Körperteile können gebrochen werden, Waffenarten haben unterschiedliche Schadensrollen, Spezialattacken müssen vorbereitet werden und Monstr lassen sich passend zur Situation wechseln. Gerade bei stärkeren Gegnern reicht es nicht, einfach die hübscheste Attacke zu drücken und auf das Beste zu hoffen. Man muss Muster lesen, Ressourcen verwalten und entscheiden, wann man heilt, wann man auf Bindungsangriffe spart und wann man einem Monster den Schwanz aus dem Gesicht nimmt.

Richtig stark sind die Bindungsfähigkeiten. Sobald der Balken voll ist, steigt man auf sein Monster und haut gemeinsam eine dieser herrlich übertriebenen Attacken raus, bei denen Capcom ganz tief in die Effektkiste greift. Das ist Anime-Pathos mit Monsterzähnen. Und ja, ich liebe diesen Quatsch.

Monster sammeln, ausbrüten und optimieren

Das Herzstück bleibt natürlich das Sammeln der Monster. Neue Monster kommen nicht einfach aus einem Shop oder einer Questbelohnung, sondern über Eier. Man findet Nester, klaut Eier, brütet sie aus und baut daraus sein Team. Moralisch ist das natürlich eine etwas schräge Nummer. Aber hey, im Monster-Hunter-Universum ist Kinderzimmer-Logistik offenbar Artenschutz.  Spannender wird das Ganze durch das Öko-System. Monster können freigelassen werden, Populationen verbessern sich, seltene Arten tauchen auf und bestimmte Monster entwickeln regionale Eigenschaften. Dadurch bekommt das Sammeln mehr Bedeutung als nur: Oh, das Vieh sieht cool aus, das nehme ich mit. Man optimiert, vergleicht, probiert aus und freut sich irgendwann über ein Monster, das genau in die eigene Strategie passt.

Die Welt sieht fantastisch aus, aber sie ist nicht makellos

Optisch ist Monster Hunter Stories 3 ein Brett. Nicht, weil es technisch alles in Grund und Boden rendert, sondern weil der Stil so gut sitzt. Der Cel-Shading-Look wirkt farbenfroh, lebendig und deutlich hochwertiger als man es bei einem Spin-off vielleicht erwarten würde. Monster, Attacken, Zwischensequenzen und Animationen haben richtig Wumms. Das Spiel sieht nicht aus wie die kleine Nebenreihe, sondern wie ein Capcom-RPG mit breiter Brust.

Ganz sauber ist die Technik aber nicht. Auf der Switch 2 gibt es kleinere Ruckler in Zwischensequenzen, nachladende Texturen und eine begrenzte Framerate. Das macht das Spiel nicht kaputt, fällt aber auf. Für ein rundenbasiertes RPG ist das kein Beinbruch. Aber der Lack hat an ein paar Stellen kleine Kratzer.

Nebenquests und Tutorials: Viel Futter, nicht alles lecker

Monster Hunter Stories 3 hat ordentlich Umfang. Ich habe mich ständig dabei erwischt, neue Gebiete nicht direkt der Story wegen zu verlassen, sondern erst einmal alles abzusuchen. Materialien, Monster, Eier, Nebenaufgaben, Poogies, Ausrüstung, Verbesserungen. Da ist viel drin.

Aber nicht alles ist gleich spannend. Die Nebenquests sind oft klassische RPG-Kost. Sammle dies, erledige jenes, bringe mir irgendwas, weil ich offenbar zu faul bin, selbst fünf Meter zu laufen. Zu Beginn nimmt man noch fast alles mit. Später merkt man dann, dass viele Aufgaben eher Füllmaterial sind. Die Belohnungen können sich lohnen, die Geschichten dahinter eher selten.

Kein Multiplayer, wenig Endgame

Der größte Dämpfer kommt für Veteranen nach der Story. Monster Hunter Stories 3 bietet ein starkes Abenteuer mit vielen Stunden Spielzeit, aber kein wirklich mächtiges Endgame. Wer nach den Credits noch lange auf High-Rank-Herausforderungen, Multiplayer-Aktivitäten oder große zusätzliche Systeme gehofft hat, bekommt weniger, als er vielleicht erwartet.

Für wen lohnt sich Monster Hunter Stories 3?

Monster Hunter Stories 3 lohnt sich für alle, die Monster Hunter mögen, aber nicht immer nur in Echtzeit schwitzend um ihr digitales Leben rollen wollen. Es lohnt sich für JRPG-Fans, Creature-Collector-Freunde und alle, die Lust auf ein taktisches, charmantes, schön inszeniertes Abenteuer haben.

Wer aber nur wegen Monster Hunter kommt und schnelle Action erwartet, könnte enttäuscht werden. Das hier ist langsamer, dialoglastiger und deutlich mehr Rollenspiel als Jagdsimulation. Man muss sich auf den Rhythmus einlassen. Dann zündet es aber ziemlich stark.

Meine Meinung zu Monster Hunter Stories 3

Monster Hunter Stories 3: Twisted Reflection ist für mich der bisher rundeste Teil der Stories-Reihe. Das Kampfsystem ist taktisch genug, die Monsties machen süchtig, die Story trägt erstaunlich gut und die Präsentation ist richtig stark. Abzüge gibt es für repetitive Nebenquests, viele kleine Systemerklärungen, technische Macken und das schwache Endgame.

Monster Hunter Geschichten 3
  • Züchtet euch euer Team heran: Gestaltet und züchtet ein Team von Monsties, indem ihr Bindungen zu ikonischen Monstern aus der Monster Hunter-Serie, wie etwa Chatacabra und Rey Dau, aufbaut.
  • Rundenbasierte Kämpfe: Erlebt strategische rundenbasierte Kämpfe, die auf dem beliebten Stein-Schere-Papier-System aus Kraft, Geschwindigkeit und Technik basieren.
  • Plant eure Strategien mit verschiedenen Moves und entfesselt etwa Feueratem- oder speiende Distanz-Attacken, oder attackiert im Nahkampf, um die obere Hand zu gewinnen. Mit dem neuen Synchro Rush baut...

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Monster Hunter Stories 3: Twisted Reflection

Story & Welt - 90%
Kampfsystem & Monstie-Mechaniken - 89%
Präsentation & Sound - 88%
Umfang & Motivation - 85%
Technik & Endgame - 78%

86%

Monster Hunter Stories 3: Twisted Reflection ist kein kleiner Spin-off-Happen, sondern ein starkes JRPG mit toller Monsterbindung, hübscher Präsentation und überraschend guter Geschichte. Nur das dünne Endgame, repetitive Nebenquests und kleinere technische Macken verhindern eine noch höhere Wertung.

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Torsten Schmitt (Pixelaffe)

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