
Octopath Traveler II ist inzwischen schon ein paar Tage alt. Genauer gesagt liegt der Release auf der Switch bereits seit 2023 hinter uns. Eigentlich also kein Spiel, bei dem man noch hektisch aufspringen müsste. Eigentlich. Dann kündigt Square Enix aber Final Fantasy Resonance an, dieses neue HD-2D-Final-Fantasy mit klassischem Rundentakt, Kristallen, Chocobos und allem, was alte JRPG-Herzen wieder gefährlich weich macht. Und zack, sitzt man doch wieder vor Octopath Traveler II und denkt: Ja gut, schauen wir halt mal, warum dieser Look so gut funktioniert.
Und das Gemeine ist: Nach ein paar Minuten hat es mich. Das Spiel weiß sehr genau, welche Knöpfe es drücken muss. Pixeloptik, moderne Beleuchtung, kleine Diorama-Welten, dramatische Musik, rundenbasierte Kämpfe.
Acht Figuren, acht Wege
Octopath Traveler II erzählt keine klassische Heldengruppe-gegen-Weltuntergang-Geschichte. Stattdessen gibt es acht Hauptfiguren mit eigenen Kapiteln, eigenen Problemen und eigenen Settings. Mal wird es düster, mal fast märchenhaft, mal politisch, mal persönlich.
Das macht das Spiel aber auch ein wenig zu zerfranzt. Die Gruppe reist zwar zusammen, fühlt sich aber nicht immer wie eine echte Gruppe an. In wichtigen Szenen steht oft genau die Figur im Mittelpunkt, deren Kapitel gerade läuft, während die anderen eher wie Statisten. Die Nebenstränge helfen spürbar. Sie geben einzelnen Figuren mehr Verbindung zueinander und sorgen dafür, dass Octopath Traveler II nicht ganz so sehr nach acht interschiedlichen Stories wirkt. Trotzdem: Wer eine große, durchgehende Final-Fantasy-artige Hauptstory sucht, wird hier nicht komplett glücklich. Wer aber Lust auf eine Anthologie mit starken Einzelmomenten hat, bekommt richtig gutes Futter.
Das Kampfsystem bleibt der Star
Der eigentliche Grund, warum Octopath Traveler II so schnell wieder reinzieht, ist das Kampfsystem. Gegner haben Schwächen gegen Waffenarten oder Magie. Trifft man diese Schwächen oft genug, bricht ihre Verteidigung. Dann sind sie kurz wehrlos, nehmen mehr Schaden und genau in diesem Moment lässt man die Party los. Schön mit Boost-Punkten, Spezialfähigkeiten und allem, was der Werkzeugkasten hergibt. Es ist dieser herrlicher Rhythmus aus Abwarten, Vorbereiten und dann mit voller Wucht drauf. Man spart Punkte, hält Gegner kurz vor dem Bruch, wartet auf den perfekten Moment und haut dann alles raus. Zusätzlich gibt die latenten Kräfte der Figuren. Im Grunde sind das individuelle Spezialfähigkeiten, die sich im Kampf aufladen. Nicht jede Figur ist einfach nur eine Klasse. Manche Kombinationen fühlen sich richtig schön stark an.
HD-2D ist hier keine Masche
Man kann über den Begriff HD-2D spotten. Klingt ja auch ein bisschen nach aufgeblasen mit Retro-Fetisch. Aber bei Octopath Traveler II funktioniert dieser Stil einfach brutal gut. Die Welt sieht aus wie ein altes 16-Bit-Rollenspiel, das jemand durch moderne Lichttechnik, Tiefenschärfe und liebevolle Kulissen gejagt hat. Städte, Dungeons, Wälder und Küsten haben diesen kleinen Bühnenbild-Charme, als würde man durch ein aufwendig gebautes Rollenspiel-Diorama laufen. Auf der Switch sieht das im Dock stark aus. Im Handheld-Modus wird es etwas matschiger, aber nicht kaputt. Octopath Traveler II klingt auch super. die Musik trägt viele Szenen, selbst wenn die Dialoge mal etwas breit werden.
Gerade nach der Ankündigung von Final Fantasy Resonance wirkt Octopath Traveler II fast wie die perfekte Einstimmung. Es zeigt, warum diese Mischung aus klassischem Rollenspiel, moderner Präsentation und rundenbasiertem Kampfsystem immer noch funktioniert. Nicht aus Nostalgie allein. Sondern weil gute Systeme nicht alt werden, wenn man sie sauber baut.
Bewertung
Es ist kein perfektes Spiel. Die acht Einzelgeschichten stehen sich manchmal selbst im Weg, und die große erzählerische Klammer bleibt schwächer als das Kampfsystem. Aber als klassisches JRPG auf der Switch ist das hier verdammt nah an der Oberkante. Hübsch, taktisch, umfangreich, musikalisch stark und genau die Art Spiel, bei der man nur kurz reinschauen will und dann plötzlich wieder viel zu spät ins Bett geht.
Kurzes Fazit: Octopath Traveler II ist kein mutiger Umsturz, sondern ein sauber veredeltes JRPG-Brett. Wer nach Final Fantasy Resonance wieder Lust auf HD-2D, Rundenkämpfe und alte Rollenspielmagie bekommen hat, sollte hier nicht lange rumfummeln, sondern einfach loslegen.
- Acht Reisende, ein jeder mit anderer Herkunft, Motivation und einzigartigen Begabungen
- Eine neue und vielfältige Welt zur Erkundung
- Verbesserte HD-2D-Grafik
- Eine epische Geschichte von Wiederherstellung und Vergeltung
- Erstmals die Möglichkeit, den eigenen Protagonisten individuell zu gestalten und die zerstörte Heimatstadt wieder aufzubauen
- Die Handlung knüpft an das Mobile Game OCTOPATH TRAVELER: Champions of the Continent an
Octopath Traveler II
Spielspaß - 92%
Gameplay - 88%
Grafik - 91%
Technik - 89%
90%
Octopath Traveler II ist kein mutiger Umsturz, sondern ein sauber veredeltes JRPG-Brett. Wer vor Final Fantasy Resonance Lust auf HD-2D, Rundenkämpfe und alte Rollenspielmagie bekommen hat, sollte hier nicht lange rumfummeln, sondern einfach loslegen.
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