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Prusa hat die erste öffentliche Preview von PrusaSlicer 3.0 veröffentlicht – und hinter der neuen Hauptversion steckt deutlich mehr als ein bisschen frische Farbe für die Oberfläche. Nach Angaben des Herstellers handelt es sich um das bislang größte Upgrade des Slicers. Große Teile der Anwendung wurden neu entwickelt, darunter Benutzeroberfläche, Profilsystem und Projektverwaltung. Dabei geht es weniger um eine einzelne Killer-Funktion als um eine neue technische Basis. Gerade mit Blick auf moderne Multi-Material- und Multi-Tool-Drucker war die bisherige Architektur offenbar an einigen Stellen ziemlich tief im Filament verknotet.
Mehrere Drucker in einem Projekt
Ein Schwerpunkt von PrusaSlicer 3.0 liegt auf dem neuen Projektsystem. Mehrere Druckbetten gab es bereits seit Version 2.9, jetzt werden sie jedoch vollständig in Projekte integriert. Jedes Druckbett kann eine eigene Konfiguration erhalten und unabhängig gesliced werden. In einem Projekt lassen sich sogar verschiedene Drucker kombinieren. So können beispielsweise Druckaufträge für einen Prusa MK4S und einen Prusa XL parallel vorbereitet und Modelle zwischen den Druckbetten verschoben werden. Die bisherige Begrenzung auf neun Druckbetten entfällt ebenfalls. Zusätzlich lassen sich mehrere Projekte gleichzeitig in Tabs öffnen. PrusaSlicer legt außerdem kontinuierlich lokale Backups geöffneter Projekte an.
Neues Profilsystem für Multi-Tool-Drucker
Gründlich umgebaut wurde auch das Profilsystem. Besonders Drucker wie der Prusa XL mit unterschiedlichen Werkzeugen und Düsendurchmessern sollen sich damit flexibler konfigurieren lassen. Anstatt für verschiedene Werkzeugkombinationen mehrere komplette Druckerprofile anzulegen, können Hardware, Druckeinstellungen und Werkzeuge künftig besser miteinander kombiniert werden.
Das Profilformat wechselt dabei von INI auf YAML. Bestehende 3MF-Projekte aus PrusaSlicer 2.x sollen weiterhin geladen und deren Einstellungen automatisch übernommen werden.
Neue Oberfläche und Plugins
Auch optisch wurde praktisch einmal die Kreissäge angesetzt. Die Benutzeroberfläche entstand von Grund auf neu. Das 3D-Fenster unterstützt nun unter anderem Schatten, Reflexionen und Ambient Occlusion. Gleichzeitig soll die Darstellung komplexer Modelle flüssiger laufen. Häufig benötigte Einstellungen lassen sich als Favoriten markieren und direkt über die rechte Seitenleiste erreichen. Eine der langfristig spannendsten Neuerungen ist das neue Plugin-System. Erweiterungen laufen über eine definierte API und können Funktionen ergänzen, ohne dass Entwickler dafür einen eigenen PrusaSlicer-Fork pflegen müssen. Als erste Beispiele liefert Prusa Plugins für einen Flow Tower und einen Temperature Tower mit.
Die Erweiterungen basieren auf Lua und laufen standardmäßig in einer Sandbox. Sie erhalten damit weder freien Zugriff auf das Dateisystem noch auf Netzwerkverbindungen. Ein Community-Marktplatz für Plugins befindet sich ebenfalls in Arbeit und soll später folgen. Gerade mit Blick auf OrcaSlicer, Bambu Studio und die diversen anderen Slicer-Ableger könnte das interessant werden. Neue Funktionen ließen sich künftig direkt nachrüsten, ohne jedes Mal die komplette Software auseinanderzunehmen.
Mehr Leistung und echter Offline-Modus
Unter der Haube verspricht Prusa ebenfalls Verbesserungen. PrusaSlicer 3.0 soll schneller starten und schneller slicen. Bei Projekten mit mehreren Druckbetten kann das Slicing zudem parallel erfolgen. Zusätzlich führt Prusa einen echten Offline-Modus ein. Ist dieser aktiviert, werden laut Hersteller die Netzwerkbibliotheken gar nicht erst geladen. Zusammen mit der Sandbox für Plugins richtet sich Prusa damit deutlich an Nutzer, die ihre Druckdaten komplett lokal behalten möchten.
Preview ist noch keine Produktivversion
Bei aller Neugier sollte allerdings der dicke Alpha-Aufkleber draufbleiben. Prusa bezeichnet die aktuelle Ausgabe ausdrücklich als frühe Preview und nicht als produktionsreife Version. Im Vergleich zu PrusaSlicer 2.9.6 fehlen noch Funktionen, einige Bestandteile sollen sogar erst mit Version 3.1 vollständig zurückkehren.
Immerhin kann PrusaSlicer 3.x parallel zu Version 2.x installiert werden, da die Profile in getrennten Verzeichnissen gespeichert werden. Aktuell steht die experimentelle Version als PrusaSlicer 3.0.0-alpha11 bereit, während die stabile Ausgabe weiterhin bei PrusaSlicer 2.9.6 liegt.
Wer einfach nur drucken will, bleibt also besser noch bei 2.9.x. Wer dagegen sehen möchte, wohin sich einer der wichtigsten Open-Source-Slicer entwickelt, bekommt mit der Preview bereits einen ziemlich guten Vorgeschmack.
Quellen
