Resident Evil Requiem gespielt – Capcom serviert ein brutales Meisterwerk
Hier findet längst keine Totenmesse statt...
Denkt man an die seit nunmehr dreißig Jahren bestehende Reihe rund um umherwandelnde Untote, durch Fenster springende Zombiehunde und völlig fehlgeschlagene T-Virus Experimente kommt einem unweigerlich nur „Resident Evil“ in den Sinn. 1996 begann der japanische Entwickler und Publisher Capcom mit seiner unvergleichlichen Mischung aus Rätsel, Erkundung und hartem Survival-Horror. Was einst im mondänen Herrenhaus begann, weitete sich später auf eine komplette Großstadt aus, führte anschließend ins ländliche Spanien und schlug mit dem siebten Teil schließlich eine neue Richtung ein. Jetzt steht erneut ein Richtungswandel ins Haus – die Verschmelzung zwischen gegenwärtigem und vergangenem Horror. Genau hier setzt „Resident Evil Requiem“ an – unsere Review zum Capcom-Spiel.
Doch was bedeutet der Titel des aktuellen Serienteils eigentlich? Ein Requiem bezeichnet in der katholischen Tradition die Totenmesse für Verstorbene, häufig am Tag der Beerdigung. Gleichzeitig steht der Begriff für musikalische Vertonungen dieses Gottesdienstes. Der Name leitet sich vom Introitus „Requiem aeternam dona eis, Domine“ ab („Ewige Ruhe schenke ihnen, Herr“). Liegt darin also ein Hinweis auf den möglichen Abgesang der langlebigen Reihe rund um das T-Virus, Leon S. Kennedy und blutgierige Untote? Keineswegs! Im Gegenteil: Unser Eindruck im Test ist ein ganz anderer – die Serie wirkt frischer und lebendiger als seit Langem.
Ein entscheidender Grund dafür ist der inhaltliche Neustart. Statt Ethan Winters aus den Teilen sieben und acht rückt diesmal eine neue Figur in den Mittelpunkt: FBI-Analytikerin Grace Ashcroft. Der gewaltsame Tod ihrer Mutter hat die junge Frau schwer traumatisiert. Dennoch stürzt sie sich kompromisslos in ihre Arbeit und wird bald mit einer Reihe rätselhafter Morde konfrontiert. Alle Opfer zeigen deutliche Anzeichen einer Infektion – doch die Ursache bleibt zunächst unklar. Als Grace einen Tatort in einem heruntergekommenen Hotel untersucht, entpuppt sich die Situation als perfide Falle. Hinter dem Ganzen steckt der fanatische T-Virus-Forscher Victor Gideon, ein ehemaliger Umbrella-Wissenschaftler, der sich längst von jeder moralischen Grenze verabschiedete. Er verschleppt Grace in dessen abgelegenes Sanatorium, die verwinkelten Gebäudeteile werden bald zum Mittelpunkt der Handlung.
Zeitgleich betritt ein alter Bekannter erneut die Bühne. Leon S. Kennedy, mittlerweile Mitglied einer Anti-Biowaffen-Einheit, verfolgt eigene Spuren in derselben Angelegenheit – und stößt ebenfalls auf Gideons Experimente. Beide Handlungsstränge laufen schließlich im Sanatorium zusammen. Dieses Gebäude wird schnell mehr als nur ein Schauplatz: Die labyrinthartigen Fakultäten, versteckten Patiententrakte und halb verfallenen Flure erinnern an klassische Serienkulissen, während kleinere Schlüsselrätsel, verschlossene Abteilungen und versteckte Räume bewusst an die Struktur früher Teile anknüpfen.
Gerade diese Mischung aus Tradition und neuen Ideen prägt das Gameplay von Resident Evil Requiem. Capcom verfolgt hier einen zweigeteilten Ansatz. Grace steht klar für die Horror-Seite des Spiels. Die junge FBI-Analytikerin ist körperlich deutlich schwächer als viele Figuren der Serie und muss mit einer stark eingeschränkten Auswahl an Waffen auskommen. Schleichen wird deshalb zum zentralen Element. Gegner zu umgehen, Lichtquellen gezielt ein- oder auszuschalten und versteckte Wege zu nutzen gehört zu ihren wichtigsten Überlebensstrategien. Einige Kreaturen reagieren empfindlich auf Licht, andere wiederum nutzen die Dunkelheit zu ihrem Vorteil. Das Spiel erzeugt daraus eine Atmosphäre permanenter Unsicherheit, bei der jeder Raum zunächst vorsichtig erkundet werden will – das schafft Spannung
Notfalls mit Kettensäge
Hinzu kommen klassische Survival-Mechaniken. Ressourcen bleiben knapp, Munition ist selten und selbst Heilmittel (Grünes Kraut) wollen überlegt eingesetzt werden. Besonders interessant sind spezielle Injektionen, mit denen sich infizierte Gegner dauerhaft ausschalten lassen. Ohne diese Mittel besteht die Gefahr, dass gefallene Zombies später erneut aufstehen – dann allerdings als sogenannte Blister Heads. Diese grotesk mutierten Varianten zählen zu den gefährlichsten Gegnern des Spiels: widerstandsfähig, aggressiv und deutlich schneller als gewöhnliche Untote.
Ganz anders präsentiert sich Leon. Wo Grace vorsichtig durch dunkle Korridore schleicht, entfaltet sich mit dem Serienveteranen die actionreichere Seite des Spiels. Leon verfügt über ein solides Waffenarsenal, nutzt Pistolen, Schrotflinten oder improvisierte Nahkampfwaffen und greift regelmäßig zu spektakulären Nahkampftechniken. Sein berühmter Roundhouse-Kick hat nichts von seiner Wucht verloren – man könnte fast meinen, Chuck Norris hätte persönlich die Bewegungsanimation abgenommen! Gegner lassen gelegentlich auch Nahkampfwaffen fallen, die Leon sofort aufnehmen und gegen die nächste Bedrohung schleudern kann. Und ja, Leon hat dazugelernt und greift dieses Mal selbst zur röhrenden Kettensäge. Diese Sequenzen fühlen sich deutlich dynamischer an und erinnern stellenweise an die kompromisslose Actionphase der Reihe seit Resident Evil 4.
Technisch wagt Capcom dabei einen interessanten Spagat. Während Leon weiterhin aus der klassischen Schulterperspektive gesteuert wird, erlebt man Grace überwiegend aus der Ego-Perspektive – eine direkte Weiterentwicklung der Spielweise aus „Resident Evil 7: Biohazard“. Zwischen beiden Blickwinkeln zu wechseln, wirkt zunächst ungewöhnlich, funktioniert im Spielverlauf aber erstaunlich gut. Die Perspektive unterstützt jeweils das gewünschte Spielgefühl: klaustrophobischer Horror bei Grace, brachiale Action mit Leon.
Nostalgiewissen empfohlen
Auch Veteran:innen der Serie kommen auf ihre Kosten. Ein optionaler Modus bringt die klassischen Farbbänder zurück, die nur Grace benötigt, um ihren Fortschritt zu speichern – eine bewusste Verbeugung vor den frühen Teilen. Gerade das letzte Drittel des Spiels steckt zudem voller Anspielungen und überraschender Auftritte aus der Seriengeschichte. Wer die Reihe kennt, entdeckt zahlreiche Verbindungen zu früheren Ereignissen. Ein Blick in das Remake von „Resident Evil 2“ lohnt sich daher durchaus, denn einige Rückbezüge entfalten erst mit diesem Wissen ihre volle Wirkung.
Diese Verbindung zur Vergangenheit wird auch über die Figuren hergestellt. Grace ist die Tochter von Alyssa Ashcroft, einer Journalistin, die bereits im Spin-off „Resident Evil Outbreak“ den Ausbruch in Raccoon City überlebte. Diese familiäre Verbindung sorgt nicht nur für eine emotionale Grundlage der Handlung, sondern wirft auch interessante Fragen über die Folgen der damaligen Ereignisse auf.
Technisch präsentiert sich Resident Evil Requiem auf beeindruckendem Niveau. Die hauseigene RE Engine, die seit Resident Evil 7 in jedem Spiel der Reihe tuckert, sorgt erneut für extrem detaillierte Umgebungen und glaubwürdige Charaktermodelle. Selbst auf der Basis-PS5. Gerade das Sanatorium profitiert davon enorm: abblätternde Farbe an den Wänden, flackernde Neonröhren, feuchte Kellergewölbe und mit Dokumenten überfüllte Archive erzeugen eine ungemein dichte Atmosphäre. Dazu kommt eine stimmungsvolle Musikuntermalung, die bekannte Motive der Serie aufgreift und neu interpretiert. Auch die deutsche Lokalisierung überzeugt mit sauberen Dialogen und glaubwürdiger Sprecherleistung.
Nicht zuletzt schraubt Capcom die Intensität der Begegnungen spürbar nach oben. Die Zombies gehören zu den unheimlichsten Varianten der Serie. Wenn ein scheinbar besiegter Körper plötzlich zuckt und sich unter krampfartigen Bewegungen in einen Blister Head verwandelt, bleibt oft nur eine Entscheidung: sofort kämpfen oder schleunigst abhauen. Solche Momente tragen viel zur Spannung bei und erinnern stellenweise an die gnadenlose Atmosphäre moderner Survival-Titel wie The Last of Us.
Unser Fazit zu „Resident Evil: Requiem“
Mit rund achtzehn Stunden Spielzeit bietet Resident Evil Requiem zudem genug Raum für seine Ideen. Die Mischung aus Horror, Rätseln, Ressourcenmanagement und brutaler Action bleibt bis zum Ende abwechslungsreich, ohne die Serie völlig neu zu erfinden. Dem neuesten Resi gelingt etwas, das lange als schwierig galt – es bringt die unterschiedlichen Erwartungen der Fangemeinde wieder zusammen. Der vorsichtige, taktische Horror der frühen Teile findet hier ebenso Platz wie die dynamische Actionphase der späteren Episoden. Grace Ashcroft sorgt mit ihren nervenaufreibenden Abschnitten für den klassischen Survival-Aspekt, während Leon S. Kennedy die actionreichere Seite der Serie repräsentiert. In Verbindung mit der überaus starken Präsentation, den dichten Schauplätzen und zahlreichen Rückbezügen zur Seriengeschichte entsteht ein Teil, der sich gleichermaßen vertraut und überraschend anfühlt und zeigt, dass Capcoms Horrorreihe auch nach drei Jahrzehnten noch längst nicht am Ende angekommen ist.
Release: 27.02.2026 | Entwickler: Capcom | Genre: Survival-Horror | Für PlayStation 5, Xbox Series S/X, Nintendo Switch 2 und PC | USK: ab 18
Resident Evil Requiem (PlayStation 5)
Spielspaß - 93%
Gameplay - 86%
Grafik - 94%
Technik - 90%
91%
Ausgezeichnet!
War das gruselig! Die abenteuerliche Horror-Geisterbahn von Capcom überzeugt mit Runde Neun in nahezu allen Belangen. Neben zu leichten Rätseln enttäuscht nur das repeititive Kampfsystem.
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