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Star Wars Jedi: Survivor im großen TEST – In fast bester Form!

Nervige Sandwühler im technischen Getriebe

Actionreiches Weltraummärchen vor langer Zeit in weit, weit entfernten Galaxis – ist das 2. Abenteuer von Jedi-Ritter Cal Kestis in der Fortsetzung zum überraschend guten “Jedi Fallen Order” von Ende 2019. Die Grundstärken aus Erkundung und stylischen Lichtschwerter-Kämpfen bleiben während die Storyline spürbar erwachsener präsentiert wird und Entwickler Respawn auf offenere Gebiete setzt. Unsere große Review zu “Star Wars Jedi: Survivor”.

Nach dem offensichtlichen Debakel rund um die kruden Gambling-Mechaniken von “Star Wars: Battlefront 2” bei denen sich Lizenzinhaber Disney fast genötigt sah die Erlaubnis zur Verwendung des wohl bekanntesten Sci-Fi Franchise der Welt spontan aufgrund mehr denn je umstrittenen Lootboxen dem Studio EA zu entziehen, zog man mit dem Action-Adventure “Star Wars Jedi: Fallen Order” andere, bessere Seiten und erzählte eine mitreißende wie spielerisch sehr eingängige Geschichte aus dem Skywalker-Kosmos. Der große unbekannte Rotschopf hörte auf den schmissigen Namen Cal Kestis und kletterte quasi als eine Art Nachfahre von Naughty Dog-Maskottchen Nathan Drake durch industrielle Anlage oder fremde wie gefährliche Planeten. Fragen mit Antworten zu versuchen trieb ihn an – ist er ein Jedi? Was ist seine Bestimmung? Ist er womöglich das Rädchen um das terrorisierende Imperium endgültig zu stürzen? Mit einem Raumschiff, namentlich Mantis, sowie einer munter zusammengewürfelten Runde aus Personen mit ähnlichen Schicksalen und dem Drank nach Vergeltung machte sich Cal auf die Galaxis zu retten. Die speziell für den Kampf gegen Jedi ausgebildeten Inquisitoren machten dazwischen Jagd auf ihn. Heraus kam flowiges Action-Adventure mit sanften Dark Souls-Anleihen, das sich zwar aus den großen Genrevertretern wie “Uncharted” oder der neugefundenen “Tomb Raider”-Reihe viel abschaute, aber es bestens in seine Welt einbettete. Nun kommt die heißerwartete Fortsetzung und stellt storytechnisch einiges auf den Kopf – so ist Cal mit einem gänzlich neuen Team unterwegs und seine Crew in alle Winde verstreut.

Für Cal Kestis ist der Kampf gegen das mächtige Imperium fast so aussichtslos wie der gegen Windmühlen von Don Quijote. Von Saw Gerrera aus der Rebellen-Allianz beauftragt, soll er geheime Dokumente samt Infos aus der imperialen Basis stehlen. Mit seinem mehrköpfigen Team gelingt diese simpel gedachte Auftrag nicht und so steht Cal bald vor den Trümmern seines Schiffs und braucht die Hilfe seines alten Teams – währenddessen sucht nicht nur das Imperium nach dem kämperischen Unruhestifter. Die Story braucht einen Tick länger um zu fesseln als im Vorgänger – man setzt nicht am Schlusspunkt des Erstlings an sondern probiert neue Ankerpunkte zu setzen. Zweifelslos gut gemeint, aber die neuen Figuren werden kaum vorgestellt und scheiden dann zu schnell wieder aus. Positiv sind emotionalen Momente, wenn es mal nicht alles spektakulär zusammenbricht sondern uns Cal Kestis seine Gefühlswelt offenbart. Macht der Kampf gegen das Böse noch Sinn oder soll ich friedlich tief in der Galaxis untertauchen? Dagegen sprechen die wunderschön wie kreativ gestalteten offenen Gebieten, in denen wir uns von Missionpunkt zu Missionspunkt durchschlagen müssen – nicht nur die leider immer feindlich gesinnte Flora & Fauna attackiert uns, Nein, auch herumstreunende Droiden, Raider oder gar Sturmtruppler vermiesen oft den Sightseeing-Trip durch die Galaxis. Zum Glück verlässt Cal niemals ohne sein Lichtschwert die Mantis und so entstehen Kämpfe bei denen zu selbstsicheres Auftreten ganz ohne Ausweichen sehr schnell zum Tode führt. Selbst die “kleinsten” Gegner treffen euch mit sauberen Schlägen, sobald ihr nicht aufpasst bzw. rechtzeitig pariert.

Eines, das man nicht oft genug loben kann, ist die organisch designte Spielwelt. So verschlägt es Cal und BD-1 auf den mit saftig grünen Wiesen und wilden Flüssen durchzogenen Planeten Kodoh, bei dem sofort die offeneren Level hervorstechen. Anders als im Vorgänger “Fallen Order” lässt uns Respawn Entertainment deutlich mehr entdecken. Da eine unbekannte dunkle Höhle, hier eine Nebenquest, die passenderweise “Gerüchte” getauft wurde – manche davon sind Schema F während einige Aufträge interessante Akzente wie leichten Horror setzen. Nur im Taschenlampen-Licht durch stockdüstere Gänge zu laufen ist erst ungewohnt im “Star Wars”-Universum aber funktioniert erstaunlich gut. Genauso wie die teils schön an Nathan Drakes oder Jak und Daxter erinnernde Kraxeleien in überwucherten oder verstaubten Tempelanlagen. Naughty Dog stand bei “Star Wars Jedi: Survivor” offensichtlich Pate. Manchmal übertreibt es die Handlung mit Insiderwissen, aber davon ab kreiiert sie grandiose Momente mit bittersüßen menschlichen emotionalen Problemen. Im Gameplay gibt es keine Veränderungen: Es ist ein Action-Adventure mit Lichtschwert-Kämpfen und Klettereinlagen. Dazwischen gilt es bestimmte Wege zu finden oder Rätsel zu lösen, die jedoch rudimentär ausfallen. In gelegentlichen Prüfungshallen, welche durch ihre physikalischen Kopfnüsse an die Dungeons aus “Zelda: Breath of the Wild” erinnern, ist es schwieriger aber die Belohnung fällt höher aus. Im Spielverlauf sammeln wir Erfahrungen mit denen wir Fähigkeitspunkte verdienen – im dazugehörigen Upgradebaum darf in neue Macht-Angriffe oder höhere Gesundheitsbalken investiert werden. Durch regelmäßig auffindbare Meditationsplätze, die auch als Checkpoints dienen, kann durch “Ausruhen” unsere Energie aufgefüllt werden. Problem hierbei – alle zuvor erledigten Gegner spawnen wieder und müssen nochmal erledigt werden.

Neu ist die Möglichkeit von mehreren Kampfstilen. Ob mit einer Hand, per zwei Lichtschwerter oder später sogar mit Blaster – alles möglich aber auf zwei Slots beschränkt. Diese Mechanik lockert die oftmals herausfordernden Kämpfe auf. Cal Kestis zähmt auf seinen Wegen neuerdings Nekkos, eine Art Pferd, oder gleitet mit gefederteren Tieren über Schluchten. Gerade auf dem Planeten Jedah weckt ein Ritt auf einem giraffenkamelähnlichen Wesen altmodische Erinnerungen an den Wüstenklassiker “Lawrence von Arabien”. Solche Sequenzen lassen das Weltraummärchen im besten Licht dastehen, während die größten Probleme in der Technik zu verorten sind. An leider viel zu vielen Stellen wirkt Cal Kestis zweites Abenteuer lieblos. Regelmäßige Kameraprobleme während den Kämpfen gepaart mit unnötigen Clippingfehlern bei Kletterein reißen einen oft aus dem Flow. Hinzu kommen langanhaltende Framedrops bei Aufenthalten in weitläufigeren Gebieten. Besonders nervig sind jedoch komplette Freezes oder gar Abstürze, wir zählten davon knapp vier Stück während unseres Tests. Dazu kommen noch kleine Ärgerlichkeiten wie blitzende Schatten sowie eine in bestimmten Passagen hakelige Steuerung. Alles Zeiten, dass “Star Wars Jedi: Survivor” noch mindestens ein Jahr in Entwicklung gut getan hätte, aber EA wohl unbedingt jetzt damit rausrücken wollte. Die Hotfixes, wegen der teils unspielbaren PC-Version, hielten die Konsolen-Fassung aus dem Gröbsten raus, aber bei solch einem großen Spiel inklusive Lizenz darf sowas nicht passieren.

Angebot
Star Wars Jedi: Survivor | PS5 | VideoGame | Deutsch
  • Setze Cals reise fort: Der einstige padawan Cal ist zu einem mächtigen Jedi-ritter herangewachsen
  • Wachse über dein training hinaus: Das filmische kampfsystem kehrt mit zusätzlichen machtfähigkeiten und lichtschwert-kampfstilen zurück
  • Erkunde eine ungezähmte galaxis: Erkunde in der galaxis von Star Wars neue planeten und vertraute regionen mit einzigartigen biomen, herausforderungen und gegnern

Wenigstens lenkt die oftmals hervorragende grafische Pracht von technischen Defiziten ab. Ob staubige Wüsten, graue felsige Mondgesteine oder eben Urwaldebenen mit giftgrünen Ranken samt Schlammabghängen. Hier lassen die Entwickler:innen ahnen was unter der Haube insbesonders der PlayStation 5 in kommenden Jahren noch möglich ist. Es macht schlicht Spaß sich in den Gebieten herumzutreiben um auf neue Feindestypen oder Geheimnisse aufzudecken. Löbend zu erwähnen ist der überaus gelungene Soundtrack, der zwar auf bekannte Melodien in typischer John Williams-Art setzt aber auch schöne weil szenen-bezogene eigene Kreationen bietet. Die Deutsche Lokalisierung ist auch ordentlich geworden und hält mühelos mit dem Original mit.

Unser Fazit zu “Star Wars Jedi: Survivor”

Mannigfaltige technische Probleme stehen einem stark präsentierten Weltraummärchen gegenüber, das nur in wenigen Phasen patzt. “Star Wars Jedi: Survivor” möchte schneller, größer und düsterer sein, was es auch ist. Mit Cal Kestis über die Planetenoberfläche von einer gefährlichen Situation in eine Andere zu geraten, macht den Reiz der rund 30 stündigen Kampagne aus. Die Animationen sind weitesgehend smooth aber die Technik macht dem ganz perfekten Spielspaß leider ein Strich durch die Rechnung, was richtig schade ist, weil das Spiel ansonsten wirklich ein feines Action-Adventure der klassischen Schule ist. Schicke Grafik gleicht da etwas aus, wenngleich die manchmal hakelige Steuerung gerade beim Klettern für zu viele nicht selbstverursachte Bildschirmtode verantwortlich macht. Insgesamt ist der “Fallen Order”-Nachfolger ein actionreich erzähltes Abenteuer rund um Verlust, Hoffnung und neuen Perspektiven.

Entwickler: Respawn Entertainment | Genre: Action-Adventure | Preis: 69,99 Euro | Für PlayStation 4|5, Xbox One|Series und PC | USK: ab 16

Star Wars Jedi: Survivor (PlayStation 5)

Spielspaß - 76%
Gameplay - 79%
Grafik - 86%
Technik - 68%

77%

Empfehlung!

Abwechslungsreiches Abenteuer im Star Wars-Univerum mit packenden Kämpfen aber ebenso großen technischen Problemen.

Mehr Informationen zu unserem Wertungssystem findest Du hier.

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Benny Illgner

Nachname hielt schon Fußbälle auf. Ich bisher nur virtuell. Sitzt seit 2005 in Digitalien fest und wartet auf den Pannendienst. Steht in fester Beziehung mit Twitter und Instagram. Schreibt Gags fürs Netz und Fernsehen. Nimmt gedeckte Schecks und Pizza gerne auf Twitter unter @IamIllgner an.

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