Druck-PraxisTestberichte

SUNLU FilaDryer S4 Pro: Doppelt trocknet besser

So stimmen unsere Leser ab:

Feuchtes Filament kann einem einen eigentlich perfekten Druck ziemlich zuverlässig versauen. Stringing, eine unsaubere Oberfläche, schlechtere Layerhaftung oder das typische Knacken aus der Düse sind nur einige der möglichen Folgen. Filamenttrockner gehören deshalb mittlerweile fast genauso selbstverständlich in meine 3D-Druck-Ecke wie Ersatzdüsen und die obligatorische Kiste voller Filamentreste, die man natürlich irgendwann noch brauchen wird.

Mit dem SUNLU FilaDryer S4 Pro steht nun ein ziemlich dicker Vertreter dieser Geräteklasse auf dem Tisch. Vier Rollen passen hinein, Temperaturen bis 85 Grad Celsius sind möglich und – das ist die eigentliche Besonderheit – SUNLU teilt den Trockner in zwei unabhängig voneinander steuerbare Kammern. Ich habe mir den S4 Pro genauer angesehen und ausprobiert, wie gut das Konzept im Alltag funktioniert.

SUNLU FilaDryer S4 Pro: Technische Daten

Merkmal SUNLU FilaDryer S4 Pro
Kapazität 4 × 1-kg-Filamentrollen
Trocknungszonen 2, unabhängig regelbar
Temperaturbereich 45–85 °C
Leistung 380 Watt
Betriebsarten Trocknen, Tempern, Lagerung
Feuchtigkeitsüberwachung ja
Automatische Nachtrocknung ja
Drucken aus dem Trockner ja
PTFE-Schläuche 2 × 1 Meter
Abmessungen 458 × 218 × 310 mm
Gewicht 4,7 kg
Preis 139,99 Euro

SUNLU bietet pro Kammer einen Innenraum von maximal 220 × 210 × 211 Millimetern. Insgesamt misst der S4 Pro 458 × 218 × 310 Millimeter und wiegt 4,7 Kilogramm. Klein ist anders.

Dafür verschwinden eben auch bis zu vier handelsübliche 1-kg-Rollen gleichzeitig darin. Wer bereits einen normalen SUNLU FilaDryer S4 kennt, wird das grundsätzliche Konzept wiedererkennen. Beim Pro-Modell steckt die eigentliche Verbesserung im Inneren.

Zwei Trockner in einem Gehäuse

SUNLU trennt den S4 Pro in zwei Bereiche, die sich unabhängig voneinander konfigurieren lassen. Temperatur und Laufzeit können für jede Seite separat eingestellt werden. Und genau das ist für mich das eigentliche Highlight. Bei einem großen Trockner bringt es nur bedingt etwas, vier Rollen gleichzeitig unterzubringen, wenn alle anschließend mit der gleichen Temperatur behandelt werden müssen. Beim S4 Pro kann ich beispielsweise PLA oder PETG auf der einen Seite trocknen und gleichzeitig ein deutlich anspruchsvolleres Material in der zweiten Kammer behandeln. Beide Bereiche lassen sich zwischen 45 und 85 Grad Celsius einstellen.

Gerade wenn unterschiedliche Materialien auf mehreren Druckern verwendet werden, ist das deutlich praktischer als mehrere kleine Filamenttrockner aufzustellen. Außerdem muss ich nicht warten, bis ein Trocknungsvorgang abgeschlossen ist, bevor die nächste Materialart an die Reihe kommt. Das klingt zunächst nach einer kleinen Änderung gegenüber dem bisherigen S4, verändert die Nutzung aber erheblich.

Vor dem Trocknen wird erst einmal gebastelt

Ganz ohne Arbeit kommt der FilaDryer S4 Pro allerdings nicht aus dem Karton. SUNLU legt acht Edelstahlachsen und insgesamt 16 Lager bei. Daraus entstehen die Rollenführungen, auf denen später die Filamentspulen sitzen. Der Zusammenbau ist grundsätzlich kein Hexenwerk, allerdings auch nicht besonders elegant gelöst. Vor allem die losen Lager auf den Achsen können beim Zusammenbau schnell wieder herunterrutschen. Hier wäre eine bereits vormontierte Lösung angenehmer gewesen.

Hat man diese kleine Fingerübung hinter sich gebracht, werden die Rollenhalter einfach in die entsprechenden Aufnahmen eingesetzt. Im Boden befinden sich außerdem Bereiche für Trockenmittel. Wer seine Filamentrollen nicht sofort nach dem Auspacken entsorgt, dürfte ohnehin einen beeindruckenden Vorrat an Silicagel-Beuteln besitzen. Endlich haben die kleinen Dinger also einen Job.

Vier Rollen gleichzeitig trocknen

Anschließend können bis zu vier 1-kg-Spulen im S4 Pro Platz nehmen. Die Rollen laufen auf den montierten Lagern angenehm leicht. Das ist insbesondere dann wichtig, wenn direkt aus dem Trockner gedruckt werden soll. Das Filament muss schließlich ohne unnötigen Widerstand nachgeführt werden können. SUNLU hat dafür mehrere verschließbare Filamentdurchführungen im Gehäuse vorgesehen. Im Lieferumfang befinden sich zusätzlich zwei jeweils einen Meter lange PTFE-Schläuche. Damit lässt sich das Filament direkt vom FilaDryer zum Drucker führen. Das ist mehr als nur eine nette Dreingabe. Besonders bei Materialien, die schnell wieder Feuchtigkeit aufnehmen, möchte ich eine frisch getrocknete Rolle schließlich nicht unbedingt wieder stundenlang offen neben den Drucker hängen.

So bleibt sie während des gesamten Druckvorgangs in einer kontrollierten Umgebung.

Bedienung braucht zunächst etwas Eingewöhnung

Auf der Vorderseite befindet sich ein gemeinsames Display für beide Trocknungsbereiche.

Darauf zeigt der S4 Pro unter anderem die aktuelle Temperatur, die eingestellte Zieltemperatur, Luftfeuchtigkeit und verbleibende Laufzeit an. Auch Material und Betriebsmodus werden dargestellt. SUNLU verwendet dafür verschiedene Abkürzungen. SV bezeichnet die eingestellte Solltemperatur, PV die aktuell gemessene Temperatur und RH die relative Luftfeuchtigkeit.

Das Display liefert damit zwar reichlich Informationen, besonders intuitiv fand ich die Bedienung anfangs allerdings nicht. Man muss sich zunächst ein wenig damit beschäftigen, welche Anzeige und welche Taste gerade für welche Kammer zuständig ist. Hat man das Prinzip einmal verstanden, funktioniert die Bedienung problemlos. SUNLU hätte die Oberfläche trotzdem etwas selbsterklärender gestalten können.

Das ist kein Drama, aber eben auch kein Bedienkonzept, bei dem man das Handbuch nach fünf Sekunden mit einem triumphierenden Grinsen zurück in den Karton feuert.

Bis zu 85 Grad Celsius

Beim normalen S4 liegt die maximale Temperatur niedriger. Der S4 Pro schafft dagegen bis zu 85 Grad Celsius. Damit erweitert SUNLU den sinnvollen Einsatzbereich deutlich.

PLA und PETG stellen für einen Filamenttrockner ohnehin keine besonders große Herausforderung dar. Spannender wird es bei hygroskopischen technischen Materialien wie Nylon beziehungsweise PA und anderen anspruchsvolleren Filamenten. Durch die beiden getrennten Kammern lassen sich dabei unterschiedliche Temperaturprofile parallel verwenden. Die Luft wird innerhalb der Kammern umgewälzt, wodurch sich die Wärme möglichst gleichmäßig verteilen soll. Im Betrieb erwärmt sich das Filament entsprechend von allen Seiten.

In meinem Test funktionierte das Trocknen wie erwartet. Besonders praktisch fand ich dabei weniger die reine Maximaltemperatur als die Möglichkeit, zwei vollkommen unterschiedliche Trocknungsvorgänge gleichzeitig laufen zu lassen.

Drei Betriebsarten

Neben dem klassischen Trocknen besitzt der S4 Pro weitere Betriebsarten. Der normale Drying Mode dürfte im Alltag am häufigsten verwendet werden. Temperatur und Zeit einstellen, Filament hinein und den Trockner seine Arbeit erledigen lassen.

Zusätzlich gibt es einen Annealing-Modus. Dabei können bereits gedruckte Bauteile kontrolliert erwärmt werden. SUNLU sieht hierfür Temperaturen bis maximal 85 Grad Celsius vor.

Interessanter finde ich allerdings den Storage-Modus. Hier überwacht der S4 Pro die Luftfeuchtigkeit innerhalb der Kammer. Der gewünschte Bereich lässt sich einstellen. Steigt die Feuchtigkeit wieder über den festgelegten Wert, startet das Gerät automatisch einen weiteren Trocknungsvorgang. Damit verwandelt sich der S4 Pro von einem reinen Filamenttrockner in eine aktive Aufbewahrungsbox.

Wer Filament regelmäßig wechselt, muss die Rollen dadurch nicht ständig wieder in Vakuumbeutel packen. Sie können einfach im Gerät bleiben und sind beim nächsten Druckjob direkt einsatzbereit.

Direkt aus der Box drucken gefällt mir besonders

Genau diese Kombination aus Trocknen, Lagern und direktem Drucken macht den S4 Pro für mich interessant. Bei meinem Setup kann das Filament nach dem Trocknen einfach in der Box bleiben und direkt zum Drucker geführt werden. Gerade bei längeren Druckjobs mit feuchtigkeitsempfindlichem Material ist das sinnvoll.

Vier Rollen gleichzeitig im Gerät bedeuten außerdem, dass sich der S4 Pro gut neben einem Multi-Material-System oder mehreren Druckern macht. Natürlich ersetzt er kein automatisches Materialsystem. Die Rollen werden nicht automatisch gewechselt und es gibt keine elektronische Kommunikation mit dem Drucker.

Aber als zentrale trockene Materialstation funktioniert das Konzept ziemlich gut.

Ein kleiner Brocken

Man sollte allerdings vorher den Zollstock auspacken. Mit fast 46 Zentimetern Breite beansprucht der S4 Pro ordentlich Platz auf dem Tisch. Neben einem kompakten Drucker wirkt der Filamenttrockner fast schon wie dessen kleiner, ziemlich breiter Bruder. Wer nur einen Drucker besitzt und gelegentlich eine einzelne Rolle PLA trocknen möchte, braucht diesen Aufwand schlicht nicht.

Dann reicht ein kleiner FilaDryer völlig aus. Bei mehreren Druckern, häufig wechselnden Materialien oder einem größeren Filamentbestand sieht die Sache anders aus. Dort ersetzt der S4 Pro unter Umständen gleich mehrere einzelne Trockner und Dryboxen.

Was mir beim SUNLU FilaDryer S4 Pro gefällt

Die größte Stärke sind eindeutig die beiden getrennten Trocknungsbereiche. Dadurch kann ich unterschiedliche Materialien gleichzeitig behandeln, ohne Kompromisse bei der Temperatur eingehen zu müssen. Auch die maximale Temperatur von 85 Grad Celsius erweitert den Einsatzbereich gegenüber einfacheren Filamenttrocknern. Dazu kommen die vier Spulenplätze, das Drucken direkt aus der Box und der automatische Storage-Modus.

Weniger begeistert bin ich von der etwas fummeligen Montage der Rollenführungen und der Bedienoberfläche. Beides funktioniert, hätte aber eleganter gelöst werden können. Und natürlich braucht das Ding Platz. Viel Platz.

Fazit: Ein Filamenttrockner für Vielverdrucker

Der SUNLU FilaDryer S4 Pro ist definitiv kein Filamenttrockner, den jeder 3D-Drucker besitzen muss. Wer hauptsächlich PLA druckt und alle paar Wochen einmal eine feuchte Rolle retten möchte, kann sich die knapp 46 Zentimeter breite Kiste auf dem Schreibtisch sparen.

Bei regelmäßigem Einsatz verschiedener Materialien sieht die Sache allerdings ganz anders aus. Die zwei unabhängig steuerbaren Kammern sind für mich das entscheidende Argument für den S4 Pro. Dadurch lassen sich beispielsweise PLA und PETG parallel zu technischen Materialien trocknen, ohne dass eine Seite auf die andere warten muss. Die Möglichkeit, anschließend direkt aus dem Trockner zu drucken und die Rollen über die Feuchtigkeitsregelung dauerhaft trocken zu halten, macht aus dem Gerät zudem mehr als einen simplen Filamentofen.

Die Montage könnte schöner gelöst sein und bei der Bedienung muss man sich zunächst etwas einfuchsen. Danach macht der S4 Pro aber genau das, was er soll. Für einen einzelnen Drucker ist das vermutlich mit Kanonen auf Filamentspulen geschossen. In einer gut gefüllten Maker-Ecke mit mehreren Druckern und unterschiedlichen Materialien ergibt das Konzept dagegen verdammt viel Sinn.

Preis und Verfügbarkeit

SUNLU bietet den FilaDryer S4 Pro aktuell im deutschen Shop für 139,99 Euro inklusive Mehrwertsteuer an.

Unsere Bewertung

SUNLU FilaDryer S4 Pro

89%

Der SUNLU FilaDryer S4 Pro überzeugt vor allem durch seine zwei unabhängig regelbaren Trocknungskammern, vier Spulenplätze und bis zu 85 Grad Celsius. Für Vielverdrucker und Nutzer verschiedener Materialien ist das Konzept stark. Etwas Luft nach oben gibt es bei Montage und Bedienung.

Verarbeitung & Aufbau86%
Bedienung82%
Trocknungsleistung92%
Funktionsumfang94%
Preis/Leistung90%
Torsten "Pixelaffe" Schmitt

Torsten "Pixelaffe" Schmitt

CvD & Evil Genius
3D-Druck, Serien & Filme, Gaming, jede Art von Gadget
Seit 20085.972 Artikel172 Tests

Geboren 1976 im schönen Schwetzingen und nicht weggekommen. Ich habe somit den Aufstieg des Internet miterlebt und beruflich auch vorangetrieben. Hier schreibe ich über all die Technologien die mir auf meiner Reise durch das "Neuland" auffallen.

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