86%The Adventures of Elliot: The Millennium Tales – wunderschön, charmant und manchmal etwas zu sehr von gestern
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Nach Octopath Traveler und Final Fantasy ist nun das nächste Spiel aus diesem Dunstkreis dran: The Adventures of Elliot: The Millennium Tales. Und schon nach wenigen Minuten ist klar, wie das läuft. HD-2D, klassische Rollenspieloptik, eine große Reise, Monster, Dungeons und natürlich eine Welt, die gerettet werden möchte. Nur ist Elliot kein klassisches rundenbasiertes JRPG. Statt gemütlich Befehle aus Menüs zu wählen, wird hier direkt zugeschlagen, geblockt, geschossen und mit einer ziemlich redseligen Fee zusammengearbeitet.
Sieht nach Octopath aus, spielt sich aber eher wie Zelda
Optisch lässt The Adventures of Elliot kaum Zweifel daran, woher es kommt. Die Mischung aus Pixelgrafik, dreidimensionalen Umgebungen, Licht, Tiefenschärfe und modernen Effekten ist weiterhin eine verdammt hübsche Kombination.
Besonders stark ist, dass sich die verschiedenen Zeitalter auch optisch voneinander unterscheiden. Mal dominieren Braun- und Orangetöne in zerstörten Landschaften, später wird es deutlich heller, goldener und farbenfroher. Dazu kommen Partikeleffekte und größere Inszenierungen, bei denen der HD-2D-Stil wieder zeigen kann, warum er sich inzwischen zu einer Art Markenzeichen entwickelt hat. Elliot spielt sich deutlich direkter und erinnert wesentlich stärker an klassische Action-Adventures. Gegner laufen frei durch die Welt, Angriffe passieren in Echtzeit und auch Erkundung und Rätsel sind deutlich wichtiger.
Sieben Waffen sorgen zunächst für ordentlich Abwechslung
Elliot kann insgesamt sieben unterschiedliche Waffentypen verwenden. Dazu gehören unter anderem Schwert, Bogen, Lanze, Hammer und Bumerang. Zwei Waffen lassen sich gleichzeitig ausrüsten und während des Kampfes wechseln. Jede Waffe hat einen normalen und einen aufgeladenen Angriff. Dazu kommen Schild, Bomben und weitere Hilfsmittel. Ein klassisches Ausweichmanöver gibt es dagegen nicht, weshalb Blocken und Parieren entsprechend wichtiger werden.
Das Grundsystem funktioniert gut, besitzt aber einen kleinen Haken: Der Waffenwechsel könnte deutlich geschmeidiger sein. Über ein Auswahlrad lassen sich Waffen und Gegenstände umschalten, währenddessen wird der Kampf immerhin pausiert. Trotzdem nimmt dieser Wechsel immer wieder etwas Tempo aus den Gefechten. Anfangs macht das Experimentieren mit den unterschiedlichen Waffen Spaß. Später merkt man allerdings, dass man schnell bei seinen Favoriten bleibt.
Und genau hier beginnt eine der Schwächen.
Die Kämpfe verlieren irgendwann ihren Biss
The Adventures of Elliot hat kein schlechtes Kampfsystem. Im Gegenteil: Die Grundlage ist flott und angenehm direkt. Nur entwickelt sich das Ganze im Laufe des Spiels nicht stark genug weiter. Viele Standardgegner lassen sich letztlich mit denselben Methoden erledigen. Gegner werden teilweise wiederverwendet oder unterscheiden sich lediglich in einzelnen Angriffen und Elementen. Auch Bosse tauchen erneut auf. Dadurch wird aus dem zunächst abwechslungsreichen Kampfsystem irgendwann zunehmend Routine.
Gerade weil sieben Waffen zur Verfügung stehen, hätte hier noch deutlich mehr drin sein können. Mehr Kombinationen oder schnellere Waffenwechsel hätten dem Kampfsystem zusätzliche Tiefe gegeben.
Ganz so eintönig, wie das vielleicht klingt, wird es allerdings nicht. Denn Elliot ist nicht allein unterwegs.
Faie ist gleichzeitig praktisch und anstrengend
Elliots Begleiterin Faie ist weit mehr als nur ein fliegender Hinweisgeber. Sie kann entfernte Gegner angreifen, Dinge entzünden, bei der Fortbewegung helfen und über Abgründe schweben. Teilweise wird sie direkt über den rechten Stick gesteuert. Einige Bereiche und Schätze lassen sich überhaupt erst mit ihren Fähigkeiten erreichen. Ein zweiter Spieler kann Faie zudem im Koop-Modus übernehmen.
Eine ihrer praktischsten Fähigkeiten ist der Sprint. Besonders wenn bereits bekannte Gebiete erneut durchquert werden müssen, spart das einiges an Zeit. Faie besitzt allerdings noch eine zweite Superkraft: reden. Und davon macht sie reichlich Gebrauch.
Hinweise zu Speicherpunkten, Gegnern und Dungeons kommen regelmäßig aus der kleinen Fee herausgesprudelt. Zum Glück lässt sich die Häufigkeit ihrer Kommentare reduzieren. Das würde ich tatsächlich ziemlich früh machen.
Die Zeitreise ist die große Idee – aber nicht immer die große Stärke
Die Geschichte beginnt im Königreich Huther, das durch eine magische Barriere vor den außerhalb lebenden Kreaturen geschützt wird. Elliot macht sich auf den Weg, geheimnisvolle Ruinen zu untersuchen und gerät schließlich in eine Geschichte, die sich über mehrere Zeitalter erstreckt.
Ein Bösewicht versucht, durch Eingriffe in die Vergangenheit den Verlauf der Geschichte zu verändern. Elliot und Faie reisen deshalb selbst durch verschiedene Zeiten. Viele Orte bleiben über die unterschiedlichen Zeitalter hinweg sehr ähnlich. Städte befinden sich weiterhin am gleichen Platz, Wege verändern sich lediglich teilweise und auch Gegner werden mehrfach verwendet. Dadurch wirken die unterschiedlichen Epochen manchmal eher wie Varianten derselben Welt als wirklich unterschiedliche Zeiten. – Gerade hier hätte ich deutlich mehr erwartet.
Wenn Zeitreisen schon das zentrale Element eines Spiels sind, möchte ich auch sehen, dass meine Reise durch die Zeit große Auswirkungen hat.
Dafür gibt es überall etwas zu entdecken
Was Elliot dagegen ziemlich gut hinbekommt, ist der klassische Drang, doch noch einmal um die nächste Ecke zu schauen. Neben der Haupthandlung gibt es kleinere Dungeons, versteckte Bereiche, Upgrades und Minispiele. Außerdem laufen überall Katzen herum, die eingesammelt werden können. Und nein, die Katzen sind nicht völlig belanglos. Wer wirklich alles sehen und insbesondere das vollständige Ende erreichen möchte, sollte sie nicht ignorieren. Neben bestimmten Aufgaben spielen auch die Katzen eine Rolle bei den Voraussetzungen für das sogenannte True Ending.
Das kann motivieren, fühlt sich stellenweise aber auch etwas nach künstlicher Verlängerung an.
Die Dungeons schwanken zwischen nett und ziemlich banal
Bei den Dungeons gehen meine Eindrücke deutlich auseinander.
Auf der einen Seite gibt es mehrstöckige Bereiche, in denen Orientierung durchaus eine Rolle spielt. Faies Fähigkeiten werden benötigt, Schätze liegen abseits der offensichtlichen Wege und kleinere Geschicklichkeitseinlagen lockern das Ganze auf.
Auf der anderen Seite sind viele Rätsel sehr einfach aufgebaut. Blöcke verschieben, Spiegel drehen oder Schlüssel finden – wirklich kompliziert wird es selten. Gerade die großen Hauptdungeons folgen häufig einem vergleichbaren Muster. Kleinere Nebendungeons besitzen teilweise interessantere Einzelideen, sind dafür aber schnell wieder vorbei.
Das Ergebnis ist solide, aber selten überraschend.
Maginite ersetzen das klassische Levelsystem
Ein klassisches Erfahrungspunkte-System gibt es nicht. Stattdessen spielen Maginite eine zentrale Rolle bei der Entwicklung von Elliot. Sie können gefunden oder aus eingesammelten Splittern erzeugt und anschließend Waffen zugewiesen werden.
Die Effekte unterscheiden sich. Ein Maginit kann etwa die Angriffskraft oder kritische Treffer verbessern, einem aufgeladenen Angriff Feuerschaden hinzufügen oder spezielle Eigenschaften einzelner Waffen verändern. Da jede Waffe nur eine begrenzte Menge davon aufnehmen kann, muss man sich irgendwann entscheiden, welche Boni wirklich wichtig sind. Das System gefällt mir grundsätzlich besser als ein simples „Zahl wird größer“-Levelsystem, weil sich dadurch zumindest unterschiedliche Ausrichtungen ausprobieren lassen.
Ganz perfekt ist es allerdings nicht. Neue Maginite werden teilweise zufällig erzeugt. Doppelte Exemplare lassen sich zwar wieder in Punkte beziehungsweise Splitter zerlegen, trotzdem kann das System stellenweise etwas nach Glücksspielautomat wirken.
Bei der Geschichte bleibt Luft nach oben
Elliot selbst ist der klassische Held. Hilfsbereit, optimistisch und jederzeit bereit, den nächsten Auftrag anzunehmen. Das macht ihn sympathisch, aber nicht unbedingt besonders komplex.
Auch die übrigen Figuren und Bösewichte bleiben eher geradlinig. Gerade weil die Zeitreise theoretisch enorme Möglichkeiten für Figurenentwicklung und überraschende Wendungen bietet, bleibt die Geschichte hinter ihrem Potential zurück. Hinzu kommen mehrere Enden. Das eigentliche True Ending enthält entscheidende Teile der Geschichte, während die vorherigen Abschlüsse viele Fragen offenlassen. Wer wirklich wissen möchte, wie alles zusammengehört, kommt deshalb kaum darum herum, die Voraussetzungen für das vollständige Ende zu erfüllen.
Technisch und optisch ist Elliot richtig stark
Bei der Präsentation gibt es dagegen wenig zu meckern. Die Kombination aus Pixelcharakteren, detaillierten 3D-Umgebungen und modernen Effekten funktioniert hervorragend. Die verschiedenen Zeitalter erhalten eigene Farbpaletten und besonders größere Effekte sehen richtig gut aus. Die grundsätzliche Präsentation funktioniert, aber insbesondere Faies hohe englische Stimme kann nach mehreren Stunden ordentlich auf die Nerven gehen. Auch die Qualität der Nebenfiguren schwankt.
Wer merkt, dass Faie bereits nach der ersten Stunde am Nervenkostüm sägt: Die Häufigkeit ihrer Kommentare lässt sich reduzieren. Tut es einfach 😀
Tipps für einen einfacheren Einstieg
- Probiert die Waffen früh aus. Die sieben Waffentypen spielen sich unterschiedlich. Findet möglichst schnell zwei Waffen, mit denen ihr gut zurechtkommt, statt bei jeder Begegnung wild durchzuwechseln.
- Blocken lernen. Elliot besitzt kein normales Ausweichmanöver. Schild, Block und Parieren sind daher wesentlich wichtiger, als man zunächst vielleicht erwartet.
- Faie aktiv einsetzen. Ihre Fähigkeiten sind nicht nur für Rätsel gedacht. Sie kann entfernte Gegner treffen, Wege öffnen und Elliot bei der Fortbewegung unterstützen.
- Den Sprint von Faie nutzen. Gerade bei späterem Backtracking spart die Fähigkeit viel Lauferei.
- Maginite nicht einfach ignorieren. Sie ersetzen einen großen Teil der klassischen Charakterentwicklung. Boni sollten passend zu den bevorzugten Waffen gewählt werden. Unpassende Maginite lassen sich wieder zerlegen.
- Katzen einsammeln. Wenn euch das vollständige Ende wichtig ist, solltet ihr die Tiere unterwegs nicht einfach stehen lassen. Sie spielen später bei den Bedingungen für das True Ending eine Rolle.
- Faies Sprachfrequenz reduzieren, wenn sie nervt. Die Option existiert und dürfte manchen Spielern einige Nerven sparen.
Mein Fazit zu The Adventures of Elliot
The Adventures of Elliot: The Millennium Tales ist eines dieser Spiele, bei denen man ständig das Gefühl hat, dass hier eigentlich noch mehr drin gewesen wäre. Der HD-2D-Stil sieht hervorragend aus. Die Mischung aus Action-RPG, Zelda-artiger Erkundung und klassischen JRPG-Elementen funktioniert. Die sieben Waffen machen Spaß, Faie erweitert die Möglichkeiten sinnvoll und das Maginit-System bietet deutlich mehr Spielraum, als man zunächst erwartet.
Die Zeitreisen verändern die Welt nicht so drastisch, wie man es sich wünschen würde. Standardkämpfe verlieren mit der Zeit an Abwechslung, einige Dungeons wirken zu ähnlich und die Geschichte braucht lange, bis ihre zentrale Idee wirklich interessant wird. Trotzdem ist Elliot weit davon entfernt, ein schlechtes Spiel zu sein.
Wer den HD-2D-Stil mag und Lust auf ein klassisches Action-Adventure mit Rollenspielelementen hat, bekommt eine hübsche Welt, viel zu entdecken und ein angenehm unkompliziertes Kampfsystem.
The Adventures of Elliot: The Millennium Tales
Ein charmantes HD-2D-Action-RPG mit starken Kämpfen, schöner Welt und viel Erkundung. Etwas mehr Abwechslung bei Gegnern und Zeitreisen hätte gutgetan, trotzdem bleibt ein sehr rundes Abenteuer.
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