Wreckreation im Test – Burnout mit halber Leistung
Die Ansätze machen Bock auf das Konzept, die Umsetzung steht nur im Weg.
Fünf Jahre Entwicklungszeit, zehn Entwickler:innen, eine (zu) gigantische Vision? „Wreckreation“ ist kein gewöhnliches Rennspiel, sondern der Versuch, das anarchische Herz der legendären „Burnout“-Ära wiederzubeleben – und es in eine Open World zu gießen. Hinter dem Projekt steht Three Fields Entertainment, das kleine Studio von Alex Ward und Fiona Sperry – jenen Köpfen, die einst lange Zeit bei Criterion Games das Adrenalin und den Asphalt zum Glühen brachten. Was „Wreckreation“ nun versucht, ist nichts weniger als die Rückkehr zur Essenz des Arcade-Racings, erweitert um die Freiheit eines Baukastensystems, das in seiner Konsequenz fast schon größenwahnsinnig wirkt und leider viel zu wenige Versprechungen hält. Unsere Review zu „Wreckreation“
Die Welt des Spiels trägt den nüchternen Namen „MixWorld“, was sich zunächst anhört wie eine Playlist, aber in Wahrheit eine gigantische Leinwand ist. Man fährt durch weite Graslandschaften, vorbei an Wäldern, die kaum voneinander zu unterscheiden sind, und durch urbane Zonen, die eher symbolisch wirken. Die Karte ist groß, aber selten spannend. Ohne Karte verliert man schnell das Gefühl, ob man hier schon war – viele Abschnitte ähneln sich, als hätte jemand dieselbe Textur ein Dutzend Mal kopiert. Und doch wohnt diesem gleichförmigen Terrain eine gewisse Funktionalität inne: Es ist der Spielplatz, den man doch bitte selbst gestalten soll.
Denn das Herzstück von „Wreckreation“ hört auf „Live Mix“. Mit einem Druck auf das Steuerkreuz links öffnet sich ein Menü, das einem wortwörtlich die Kontrolle über die Welt gibt: Wetter, Tageszeit, Verkehrsdichte – alles lässt sich in Echtzeit verändern. Quasi wie in einer Mod. Und natürlich darf man bauen: Rampen, Loopings, Tunnel, Skytracks, die in waghalsigen Spiralen in den Himmel wachsen. Wer will, pflastert die Landschaft mit Sprungschanzen oder platziert brennende Reifenringe mitten auf der Autobahn. Doch so spektakulär das klingt – in der Praxis ist der Editor nicht frei von Reibung. Bauteile müssen zunächst gefunden werden, und sie liegen in der Welt verstreut wie Sammelobjekte eines Sammelwahnsinnigen. Manche erreicht man nur, wenn man zuvor selbst eine Rampe baut, groß genug, um an das begehrte Stück zu kommen. Wer hier Geduld und ein gutes Auge mitbringt, wird belohnt – alle anderen fluchen leise.
Das Fahrgefühl selbst ist solide, wenn auch nicht fehlerlos. „Wreckreation“ will Arcade sein, aber das Driften fühlt sich zuweilen schwammig an, als würde man auf einer öligen Fläche schlittern. Kollisionen dagegen sind eine Wucht – im besten Sinne. Wenn man durch ein Checkpoint-Schild rast, das tatsächlich das Wort „Checkpoint“ in den Asphalt meißelt, fühlt sich das fast wie eine Parodie auf die eigene Genre-Herkunft an. Diese ironische Brechung, dieses Augenzwinkern, ist ein kleiner Triumph: Hier weiß jemand genau, welche Klischees er bedient.
Viele wiederholende Modi
Einzeln betrachtet bietet das Spiel eine Fülle an Aktivitäten. Rund 150 Events warten: klassische Rennen, Road Rages, Time Trials und Stunt Runs, die an alte „Burnout“-Zeiten erinnern. Besonders die Road-Rage-Modi leben von der schieren Aggression – jedes zerstörte Auto schenkt Bonuszeit, während der Kontakt mit falschen Zielen Sekunden vom Timer frisst. Doch trotz der Vielfalt an Eventtypen schleicht sich nach einigen Stunden ein Gefühl der Wiederholung ein. Der Flow der Rennen ist gut, aber die Umgebung wechselt zu selten das Tempo. Das „sich Sattfahren“ tritt hier früher ein, als man es bei einem Spiel dieser Größe erwarten würde. Ungefähr nach zwei Stunden hatte ich an sich alles gesehen.
Deutlich besser schlägt sich der Multiplayer. Bis zu acht Spieler:innen können in einer MixWorld zusammenkommen, um gemeinsam – oder gegeneinander – Chaos zu inszenieren. Es gibt Standardrennen, kooperative Bau-Modi, Stunt-Sessions und den „DJ Mixer“-Modus: Hier dürfen andere Spieler:innen während des Rennens live neue Objekte in die Welt setzen. Das führt zu spontanen Sabotageakten – eine Rampe mitten auf der Zielgeraden oder ein plötzlich platzierter Container – und sorgt für jene unvorhersehbaren Momente, die echtes Arcade-Gold sind. Allerdings muss man erwähnen: Wer allein spielt, wird dieses Potenzial kaum spüren. Ohne gefüllte Lobbys wirkt „Wreckreation“ wie ein Freizeitpark, der gerade erst eröffnet hat – aber die Besucher:innen noch im Bus stecken. Online fanden wir nach einigen Minuten ein paar Leutchen, zum Release wohlgemerkt.
Technisch bewegt sich das Spiel im unteren Mittelfeld. Die Beleuchtung schwankt zwischen eindrucksvoll und zuweilen bizarr – etwa wenn man durch Tunnel fährt, die sich abrupt in Lichtlöcher verwandeln. Feste Objekte schweben gelegentlich in der Luft, Brückenstützen enden im Nichts, und hier und da kracht man gegen unsichtbare Wände. Diese kleinen Unsauberkeiten sind nicht spielentscheidend, aber sie nagen an der präsentierten Illusion. Dafür läuft alles flüssig, Ladezeiten sind vorhanden jedoch kurz und das Schadensmodell liefert immer wieder spektakuläre Bruchbilder, die den Geist von „Burnout“ zumindest visuell fortführen.
Im Vergleich zu früheren Werken von Three Fields – „Danger Zone“, „Dangerous Driving“ – ist „Wreckreation“ das bislang ambitionierteste Projekt. Es will mehr als bloß ein Nachfolger alter Tugenden sein, es will ein Werkzeugkasten sein, ein Sandkasten für Speed-Junkies. Und tatsächlich gelingt es den Entwickler:innen, diese Idee spürbar zu machen: Das Gefühl, während der Fahrt in Echtzeit die Welt zu verändern, bleibt faszinierend, egal wie oft man es wiederholt. Doch in diesem Ehrgeiz liegt zugleich die Schwäche des Spiels. Die Welt, die man so frei gestalten darf, ist zu leer, um sie lange zu bewohnen. Und das System, das kreative Freiheit verspricht, verlangt oft zu viel Geduld, bis es wirklich Spaß entfacht.
- Mix die Bestenlisten – Stelle Rekorde auf, wo und wann immer du auf jeder Straße in deiner MixWorld fährst: Drift, Air, Near Miss, Stunt, Crash und das eher traditionelle Zeitfahren
- Mix meine Welt – Eine riesige, offene Welt, die du entdecken und gestalten kannst. Platziere Sprünge, Loopings, Halfpipes, bewegliche Hindernisse und mehr fast überall in deiner MixWorld
- Mix mein Auto – Lackfarben, Oberflächen, Räder, Flammen, Motorgeräusche, Glasfarben, Reifen, Schaltgetriebe oder Automatik. Du kannst alles anpassen und alles ist von Anfang an verfügbar
Unser Fazit zu „Wreckreation“
Schlussendlich ist „Wreckreation“ ein interessantes Experiment – ein Spiel, das mutig genug ist, gegen den Trend der Perfektion anzutreten und lieber roh, fehlerhaft, aber mit Vision zu sein. Wer sich nach „Burnout“ sehnt, wird hier Fragmente davon finden, manchmal sogar ganze Kapitel. Doch der Rest ist noch zu unfertig – damit ist „Wreckreation“ kein makelloser Nachfolger des alten Burnout-Rezepts, aber ein ehrlicher Versuch, den kreativen Wahnsinn des Arcade-Racings ins Heute zu holen. Es vereint Fahren und Erschaffen auf eine Weise, die faszinierend, manchmal unerklärlich frustrierend, aber nie gleichgültig ist. Wer Geduld mitbringt und Freude am Bauen, Basteln und Zerstören hat wird in diesem Spiel eine Nische finden, in der Chaos eine Art von Spielfreude erschafft. Alle anderen werden es vermutlich kurz antesten, ein paar Loopings drehen – und weiterziehen.
Release: 28. Oktober 2025 | Entwickler: Three Fields Entertainment | Genre: Rennspiel | Für PlayStation 5, Xbox Series S/X und PC | USK: ab 12
Wreckreation (PlayStation 5)
Spielspaß - 66%
Gameplay - 61%
Grafik - 59%
Technik - 67%
63%
Für Fans.
Konzeptionell ambitioniertes Rennspiel mit klaren "Burnout"-Anleihen, das aber trotz vielen bekannten Elementen spielerisch wie technisch nur solide fährt.
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