Druck-Praxis

3D-Drucke bemalen: Schleifen, grundieren und lackieren

So stimmen unsere Leser ab:

Direkt vom Druckbett sehen viele 3D-Drucke bereits ordentlich aus. Bei Figuren, Helmen, Cosplay-Teilen oder Deko-Modellen verraten die sichtbaren Layerlinien allerdings ziemlich schnell, woher das Teil kommt. Wer eine wirklich glatte und lackierte Oberfläche möchte, kommt deshalb um etwas Nachbearbeitung kaum herum.

Die gute Nachricht: PLA, PETG und auch Resin-Drucke lassen sich mit überschaubarem Aufwand schleifen, grundieren und anschließend bemalen oder lackieren. Entscheidend ist weniger exotisches Werkzeug als die richtige Reihenfolge.

Schleifen → reinigen → grundieren → kontrollieren → gegebenenfalls erneut schleifen → Farbe → Klarlack.

Damit lässt sich aus einem sichtbar gedruckten Teil ziemlich schnell etwas machen, bei dem man zweimal hinschauen muss.

Schritt 1: Supports und Druckfehler entfernen

Bevor Schleifpapier zum Einsatz kommt, sollten zunächst sämtliche Supportreste, Brims und kleine Unebenheiten verschwinden. Größere Supportansätze lassen sich vorsichtig mit einem Seitenschneider entfernen. Für kleinere Grate eignen sich Modellbaumesser oder Feilen.

Dabei gilt: lieber zweimal vorsichtig schneiden als einmal beherzt einen halben Arm der Figur amputieren. Besonders bei dünnen Teilen kann aggressives Hebeln schnell mehr Schaden verursachen als der eigentliche Support.

Schritt 2: Layerlinien abschleifen

Danach geht es den sichtbaren Schichten an den Kragen. Für gröbere Stellen kann bei FDM-Modellen mit etwa 180 bis 240er Körnung begonnen werden. Für eine normale Oberflächenbearbeitung ist häufig 220 oder 320 ein guter Startpunkt. Anschließend arbeitet ihr euch schrittweise in Richtung 400 und 600 vor.

Eine sinnvolle Reihenfolge kann beispielsweise so aussehen:

Arbeitsschritt Körnung
starke Supportspuren 180–220
Layerlinien glätten 240–320
Oberfläche verfeinern 400
Vorbereitung für Lack 600
sehr feines Finish 800 und höher

Ihr müsst dabei nicht jedes Modell bis zur völligen Babypopo-Eskalation schleifen. Eine Füllergrundierung übernimmt später einen Teil der Feinarbeit.

Nassschleifen kann helfen

Ab feineren Körnungen kann Nassschleifen sinnvoll sein. Das Wasser bindet Schleifstaub und verhindert, dass sich das Papier so schnell zusetzt. Außerdem entsteht weniger Wärme. Das ist bei PLA durchaus relevant: Wer mit Schleifmaschine oder Dremel zu enthusiastisch arbeitet, kann den Kunststoff erwärmen und statt einer glatten Fläche plötzlich eine leicht verschmierte Mondlandschaft produzieren. Maschinen also langsam einsetzen und nicht lange auf derselben Stelle bleiben.

Schritt 3: Löcher und Nähte füllen

Große Layerlinien verschwinden nicht immer allein durch Schleifen. Besonders bei zusammengeklebten mehrteiligen Modellen können außerdem Spalten entstehen. Hier helfen Modellbauspachtel oder geeignete Kunststoffspachtelmassen. Spachtel dünn auftragen, vollständig aushärten lassen und anschließend wieder glatt schleifen.

Bei sehr kleinen Unebenheiten kann später auch ein Füller-Primer helfen. Dicke Spalten mit zehn Schichten Grundierung zuzujauchen ist dagegen keine besonders elegante Lösung. Irgendwann verschwinden nicht nur die Layerlinien, sondern auch sämtliche Details des Modells.

Schritt 4: Schleifstaub vollständig entfernen

Vor dem Grundieren muss das Modell sauber sein. Schleifstaub in Vertiefungen oder auf der Oberfläche wird sonst einfach mit einlackiert. Das Modell deshalb nach dem Schleifen mit Wasser und einer weichen Bürste reinigen und anschließend vollständig trocknen lassen. Ein fusselfreies Tuch oder Staubbindetuch hilft bei den letzten Resten. Auch Formlabs empfiehlt vor der Grundierung ausdrücklich das Entfernen des Schleifstaubs. Danach möglichst nicht mehr ständig mit den Fingern auf den vorbereiteten Flächen herumgrabschen. Fett und Schmutz verbessern die Lackhaftung erstaunlicherweise nicht.

Schritt 5: Grundieren – der wichtigste Arbeitsschritt

Die Grundierung wird gerne übersprungen. Sollte sie aber nicht. Primer sorgt nicht nur dafür, dass die spätere Farbe besser haftet. Eine gleichmäßig graue oder weiße Oberfläche macht auch Fehler sichtbar, die auf dem ursprünglichen Filament kaum aufgefallen sind. Genau deshalb ist Grundieren gleichzeitig eine Art Qualitätskontrolle.

Nach der ersten dünnen Schicht werden plötzlich Layerlinien, Schleifspuren und kleine Dellen sichtbar, von denen man fünf Minuten zuvor noch überzeugt war, sie seien längst verschwunden. Das ist normal und sogar gewollt.

Füller oder normale Grundierung?

Für deutlich sichtbare Layerlinien eignet sich ein Füller-Primer. Er trägt etwas stärker auf und kann kleine Unebenheiten ausgleichen. Bei sehr detailreichen Figuren ist eine dünne Modellbaugrundierung dagegen häufig besser. Zu viel Füller kann feine Strukturen, Schriftzüge und Gesichtszüge zusetzen.

Grundsätzlich sollten Primer und Farbe für Kunststoff beziehungsweise das verwendete Material geeignet sein. Bei unbekannten Lacken ist ein Test an einem Reststück oder einer unauffälligen Stelle wesentlich schlauer als spontane Chemieexperimente am fertigen 30-Stunden-Druck.

Lieber mehrere dünne Schichten

Bei Sprühgrundierung gilt ein Prinzip, das später genauso beim Lackieren hilft:

Mehrere dünne Schichten schlagen eine dicke.

Aus etwa 15 bis 20 Zentimetern Entfernung gleichmäßig über das Modell sprühen und den Sprühstoß möglichst schon neben dem Bauteil beginnen und auch daneben beenden. Formlabs empfiehlt ebenfalls kurze, schnelle Durchgänge und dünne Schichten. Zu viel Primer auf einmal läuft, bildet Nasen oder verschluckt Details. Danach gilt die vom Hersteller angegebene Trockenzeit. Nicht nach fünf Minuten mit dem Finger testen, ob der Lack schon trocken ist.

Schritt 6: Kontrollieren und noch einmal schleifen

Nach der ersten Grundierung lohnt sich ein genauer Blick unter gutem Licht. Sind noch Layerlinien sichtbar, kann die Grundierung vorsichtig mit 400er oder 600er Schleifpapier geglättet werden. Danach wieder reinigen und eine weitere dünne Grundierschicht auftragen. Bei besonders glatten Modellen kann dieser Kreislauf mehrfach stattfinden:

schleifen → grundieren → prüfen → schleifen → grundieren

Das klingt nach Arbeit. Aber genau hier entsteht der Unterschied zwischen „3D-Druck mit Farbe drauf“ und einer Oberfläche, die tatsächlich lackiert aussieht.

PLA bemalen

PLA lässt sich vergleichsweise unkompliziert nachbearbeiten. Nach Anschleifen und Grundierung funktionieren Modellbau- und Acrylfarben sehr gut. Für größere Flächen kann Spraylack beziehungsweise eine Airbrush eingesetzt werden, Details lassen sich anschließend mit dem Pinsel ergänzen.

Beim Schleifen sollte lediglich darauf geachtet werden, nicht zu viel Wärme zu erzeugen. Wer häufiger Figuren druckt und bemalt, kann übrigens bereits beim Slicen Arbeit sparen. Kleine Layerhöhen erzeugen zwar längere Druckzeiten, aber auch weniger ausgeprägte Stufen auf Rundungen.

Wie groß der Unterschied zwischen 0,1, 0,2 und 0,3 Millimetern ausfällt, haben wir in unserem Ratgeber zur richtigen Schichthöhe beim 3D-Druck erklärt.

PETG bemalen

PETG ist beim Lackieren etwas störrischer als PLA, weil die Oberfläche vergleichsweise glatt sein kann. Anschleifen ist deshalb besonders wichtig. Anschließend empfiehlt sich eine kunststoffgeeignete Grundierung beziehungsweise ein geeigneter Haftvermittler, bevor die eigentliche Farbe folgt.

Das Prinzip bleibt aber identisch: Oberfläche aufrauen, reinigen, geeigneten Primer verwenden und anschließend in dünnen Farbschichten arbeiten. Wer sich bei PLA, PETG oder ABS generell noch unsicher ist, findet die grundlegenden Unterschiede in unserem Vergleich der wichtigsten Filamente.

Resin-Drucke bemalen

Bei Resin-Modellen ist die Ausgangslage etwas anders. Nach dem Drucken müssen sie zunächst vollständig gemäß den Vorgaben des verwendeten Harzes gereinigt und ausgehärtet werden. Anschließend werden Supportstellen abgeschliffen. Gerade bei Figuren liefert Resin bereits sehr feine Oberflächen, weshalb meistens wesentlich weniger großflächiges Schleifen erforderlich ist als bei FDM-Drucken. Auch hier folgt anschließend eine dünne Grundierung. Formlabs empfiehlt diesen Schritt ausdrücklich, bevor die eigentliche Lackierung beginnt.

Schritt 7: Farbe auftragen

Nach der Grundierung kann endlich Farbe ins Spiel. Für Figuren und kleine Modelle sind wasserbasierte Acryl-Modellbaufarben praktisch. Sie lassen sich mit dem Pinsel oder – je nach Farbe und Verdünnung – per Airbrush verarbeiten. Größere Teile wie Cosplay-Rüstungen, Helme oder Gehäuse können auch mit geeignetem Sprühlack bearbeitet werden. Unabhängig von der Methode gilt erneut:

Nicht versuchen, mit der ersten Farbschicht vollständig zu decken.

Zwei oder drei dünne Schichten sehen normalerweise deutlich sauberer aus als eine dicke Farbsuppe. Formlabs empfiehlt ebenfalls, Deckung schrittweise mit mehreren dünnen Lackschichten aufzubauen.

Pinsel

Ideal für:

  • Figuren
  • kleine Details
  • Augen und Gesichter
  • Kanten
  • Weathering
  • einzelne Farbakzente

Airbrush

Ideal für:

  • große gleichmäßige Flächen
  • weiche Farbverläufe
  • Schatten
  • Grundfarben
  • Cosplay und Modellbau

Spraydose

Ideal für:

  • große Modelle
  • Gehäuse
  • Helme
  • einfarbige Flächen
  • schnelle Grundlackierungen

Maskieren für mehrere Farben

Sollen verschiedene Bereiche unterschiedliche Farben bekommen, hilft Modellbau-Abdeckband. Dabei müssen besonders die Kanten sauber angedrückt werden, damit Farbe nicht darunterläuft. Bei komplexen Figuren kann die Bemalung außerdem einfacher werden, wenn einzelne Teile erst nach dem Lackieren zusammengebaut werden.

Manchmal muss man den Arm eben erst anmalen, bevor man ihn dem armen Kerl wieder anklebt.

Wash, Drybrush und Co.: Details ohne Nervenzusammenbruch

Nach der Grundfarbe lassen sich Figuren mit einfachen Modellbautechniken deutlich aufwerten. Ein Wash ist stark verdünnte Farbe, die sich in Vertiefungen sammelt und dort Schatten erzeugt. Beim Drybrushing wird dagegen fast sämtliche Farbe vom Pinsel entfernt, bevor leicht über erhabene Strukturen gestrichen wird. Dadurch werden Kanten und Details aufgehellt. Mit relativ wenig Aufwand entstehen so deutlich mehr Tiefe und Kontrast.

Gerade bei 3D-gedruckten Figuren ist das ein dankbarer Trick: Die Geometrie liefert die Details bereits, man muss sie nur noch sichtbar machen.

Schritt 8: Klarlack schützt die Arbeit

Ist die Bemalung fertig und vollständig durchgetrocknet, kann eine abschließende Schicht Klarlack sinnvoll sein. Sie schützt Farbe vor Abrieb und verändert gleichzeitig das Finish.

Zur Auswahl stehen typischerweise:

  • matt für Figuren und realistische Oberflächen
  • seidenmatt als Mittelweg
  • glänzend beispielsweise für Metall-, Fahrzeug- oder Effektoberflächen

Auch hier lieber mehrere leichte Durchgänge als eine dicke Schicht. Formlabs nennt Klarlack ebenfalls als abschließenden Schutzschritt.

Sicherheit: Schleifstaub und Sprühlack gehören nicht in die Lunge

Bei aller Bastelromantik: Nachbearbeitung erzeugt Staub und beim Sprühlackieren entstehen Aerosole und Lösungsmitteldämpfe. Beim Schleifen empfiehlt sich deshalb entsprechende Atemschutz-Ausrüstung. Bei Sprühgrundierung und Lack sollte nur in sehr gut belüfteten Bereichen beziehungsweise geeigneten Lackierumgebungen gearbeitet und die vom Hersteller geforderte persönliche Schutzausrüstung verwendet werden. Formlabs nennt für Sprüharbeiten ausdrücklich Atemschutz und Handschuhe.

Die Küche bei geschlossenem Fenster ist also eher keine Lackierkabine.

Die Kurzfassung: So wird der 3D-Druck glatt und bunt

Schritt Was tun?
1. Vorbereitung Supports, Brim und Grate entfernen
2. Schleifen grob beginnen, bis etwa 400–600 verfeinern
3. Spachteln größere Löcher und Nähte schließen
4. Reinigen Schleifstaub vollständig entfernen
5. Grundieren mehrere dünne Schichten
6. Kontrollieren Fehler erneut schleifen und grundieren
7. Bemalen Pinsel, Airbrush oder Spray
8. Details Wash, Drybrush und Maskierungen
9. Versiegeln optional Klarlack auftragen

Fazit: Der Drucker macht nur die halbe Arbeit

Eine gute Lackierung beginnt nicht mit der Farbe. Der wichtigste Teil passiert vorher.

Sauberes Schleifen und Grundieren entscheiden darüber, wie gut das fertige Modell aussieht. Die schönste Farbe der Welt versteckt keine tiefen Layerlinien oder Supportnarben – häufig macht sie diese sogar noch deutlicher. Für viele Projekte reicht bereits eine einfache Kombination aus Schleifpapier, Füllergrundierung und Acrylfarben. Und irgendwann kommt der Moment, in dem ihr drei Stunden schleift, grundiert, wieder schleift und anschließend stolz verkündet, dass man überhaupt nicht mehr sieht, dass das Teil aus dem 3D-Drucker stammt.

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Torsten "Pixelaffe" Schmitt

Torsten "Pixelaffe" Schmitt

CvD & Evil Genius
3D-Druck, Serien & Filme, Gaming, jede Art von Gadget
Seit 20086.051 Artikel172 Tests

Geboren 1976 im schönen Schwetzingen und nicht weggekommen. Ich habe somit den Aufstieg des Internet miterlebt und beruflich auch vorangetrieben. Hier schreibe ich über all die Technologien die mir auf meiner Reise durch das "Neuland" auffallen.

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