3D-DruckDruck-Praxis

3D-Drucker richtig warten: So bleibt er zuverlässig

So stimmen unsere Leser ab:

Ein 3D-Drucker kann tausende Stunden vor sich hin rattern – allerdings nicht komplett ohne Pflege. Filamentstaub im Extruder, Fett und Fingerabdrücke auf der Druckplatte, trockene Führungen oder ein langsam zerbröselnder Zahnriemen melden sich meistens nicht mit einer freundlichen Wartungsanzeige. Stattdessen kommen plötzlich schlechte erste Schichten, Layer Shifts, Ghosting oder ein Drucker, der klingt, als würde irgendwo eine Kaffeemühle mitlaufen.

Die gute Nachricht: 3D-Drucker-Wartung ist meistens keine große Sache. Wer regelmäßig ein paar Minuten investiert, muss seinen Drucker weder ständig zerlegen noch nach einem starren Stundenplan irgendwelche Teile tauschen. Viel wichtiger sind Reinigung, Sichtkontrolle und das rechtzeitige Erkennen von Verschleiß.

Dabei gilt allerdings eine Regel über allem: Nicht jeder 3D-Drucker wird an denselben Stellen geschmiert. Was beim einen Modell ausdrücklich vorgesehen ist, kann beim anderen sogar falsch sein. Deshalb hat im Zweifelsfall immer die Wartungsanleitung des Herstellers Vorrang. Sovol weist ebenfalls darauf hin, dass die Wartungsintervalle vom Druckermodell, der Umgebung und den Betriebsstunden abhängen.

Wie oft sollte ein 3D-Drucker gewartet werden?

Für den privaten Einsatz funktioniert ein einfacher Wartungsplan erstaunlich gut. Wer täglich druckt oder seinen Drucker in einer staubigen Werkstatt betreibt, sollte natürlich häufiger hinschauen als jemand, der zweimal im Monat einen Benchy ausspuckt.

Intervall Was kontrollieren?
Nach jedem Druck Druckplatte, Düse, Filamentreste, ungewöhnliche Geräusche
Wöchentlich Lüfteröffnungen, Extruderbereich, Kabel und groben Staub
Etwa monatlich Riemen, Rollen, Linearführungen, Spindeln und Schrauben
Alle paar hundert Druckstunden Führungen/Lager nach Herstellervorgabe warten, Riemenspannung und Mechanik genauer prüfen
Bei Bedarf Düse, PTFE-Schläuche, Lüfter, Riemen oder Druckplatte ersetzen

Prusa empfiehlt beispielsweise bei verschiedenen Druckern eine genauere Inspektion nach ungefähr 200 Druckstunden. Bei neueren Creality-K1-Modellen finden sich für einige mechanische Komponenten Intervalle um 300 Stunden. Das sind jedoch keine universellen Werte für jeden Drucker.

Die Druckplatte: Erst putzen, dann den Z-Offset verfluchen

Wenn ein Druck plötzlich nicht mehr auf dem Bett halten will, wird gerne direkt am Z-Offset, Flow oder an der Betttemperatur herumgefummelt. Dabei ist häufig einfach nur die Druckplatte fettig. Fingerabdrücke reichen vollkommen aus, um die Haftung deutlich zu verschlechtern.

Bei vielen PEI-Platten funktioniert warmes Wasser mit etwas normalem Spülmittel sehr gut für eine gründliche Reinigung. Für die schnelle Reinigung zwischendurch eignet sich bei vielen Oberflächen Isopropylalkohol.

Aber auch hier gilt: vorher die Herstellerangaben lesen. Nicht jede Beschichtung verträgt IPA oder aggressive Lösungsmittel. Prusa warnt beispielsweise ausdrücklich davor, bestimmte PA-Nylon-Druckplatten mit Alkohol oder IPA zu reinigen. Aceton sollte ebenfalls nur dann auf eine Druckoberfläche, wenn der Hersteller es ausdrücklich erlaubt.

Die wichtigste und günstigste Wartungsregel lautet deshalb: Finger weg von der eigentlichen Druckfläche. Flexible Platten am besten nur an den Rändern anfassen.

Düse und Hotend nicht zum Filamentgrab werden lassen

Rund um die Düse sammeln sich mit der Zeit kleine Filamentreste. Bleiben diese dort hängen, werden sie bei späteren Drucken wieder warm, verfärben sich und landen irgendwann als brauner oder schwarzer Blob mitten auf dem eigentlich weißen Modell. Kontrolliert deshalb regelmäßig die Düsenspitze und den Heizblock. Bei hartnäckigen Ablagerungen muss das Hotend gegebenenfalls erwärmt werden. Genau hier wird die Wartung allerdings etwas heikler: Heizblock und Düse werden mehrere hundert Grad heiß, direkt daneben sitzen Thermistor-, Heizpatronen- und Lüfterkabel.

Prusa empfiehlt bei seinen entsprechenden Hotends beispielsweise, die Düse für die Reinigung einige Minuten auf 250 Grad Celsius aufzuheizen. Das ist aber keine allgemeine Temperaturvorgabe für jeden Drucker. Verwendet bei Arbeiten am heißen Hotend immer die Anleitung eures konkreten Modells.

Eine teilweise zugesetzte Düse verrät sich häufig durch:

  • ungewöhnlich dünne oder ungleichmäßige Extrusion
  • einen klickenden Extruder
  • Filament, das schräg aus der Düse kommt
  • fehlende Linien innerhalb eines Layers
  • schwankenden Materialfluss trotz gleicher Druckgeschwindigkeit

Bevor eine vermeintlich verstopfte Düse rausfliegt, lohnt sich allerdings ein Blick auf Filament, Temperatur und Extruder. Feuchtes Filament oder eine schwergängige Spule können ziemlich ähnliche Symptome verursachen.

Messingdüsen sind Verschleißteile

Besonders aufmerksam sollte man werden, wenn regelmäßig abrasive Filamente gedruckt werden. Filamente mit Carbon-, Glasfaser-, Metall- oder Glow-in-the-Dark-Zusätzen können normale Messingdüsen deutlich schneller verschleißen. Die Öffnung wird mit der Zeit größer beziehungsweise unrund und aus einer vermeintlichen 0,4-mm-Düse wird irgendwann etwas, das eher eine kreative Interpretation dieser Größe darstellt.

Hinweise darauf sind schlechtere Maßhaltigkeit, breitere Extrusionslinien und zunehmend unsaubere Details. Dann hilft auch die zwanzigste Flow-Kalibrierung nicht mehr – die Düse muss raus.

Extruder von Filamentstaub befreien

Im Extruder entsteht mit der Zeit feiner Filamentabrieb. Besonders an den Antriebsrädern kann sich dieser Staub festsetzen und den Grip auf dem Filament reduzieren. Zur Reinigung reicht meistens eine kleine Bürste. Bei manchen Extrudern kommt man von außen an die Zahnräder, andere müssen teilweise geöffnet werden.

Prusa empfiehlt bei seinen Bondtech-Antrieben beispielsweise eine kleine Bürste oder sogar einen Zahnstocher, um Ablagerungen aus den Zahnrädern zu entfernen. Schmiermittel gehört auf solche Extruderzahnräder bei diesen Modellen ausdrücklich nicht.

Bei der Gelegenheit sollte auch der restliche Filamentweg kontrolliert werden. PTFE-Schläuche können sich mit der Zeit verfärben, verformen oder innen aufweiten. Auch ausgeschlagene Steckverbinder können dafür sorgen, dass der Schlauch beim Retract munter mitarbeitet.

Lüfter nicht vergessen

Hotend-, Bauteil- und Elektroniklüfter sind hervorragende Staubsammler. Wird der Luftstrom schlechter, können daraus ganz unterschiedliche Fehler entstehen. Ein zugesetzter Hotend-Lüfter kann beispielsweise Heat Creep begünstigen, während ein schwächelnder Bauteillüfter bei Überhängen und Brücken sichtbar wird. Vor der Reinigung den Drucker ausschalten und vom Strom trennen. Staub lässt sich mit einem weichen Pinsel oder vorsichtig mit einem Staubsauger entfernen.

Druckluft ist dagegen mit Vorsicht zu genießen. Einen kleinen Lüfter mit voller Druckluft auf astronomische Drehzahlen zu bringen, sieht vielleicht lustig aus, ist für dessen Lager aber eher mäßig sexy. Auch Sovol rät davon ab, starke Druckluft direkt auf Lager und Elektronik zu richten.

Ein Lüfter, der klackert, schleift oder beim Einschalten nur widerwillig anläuft, sollte ebenfalls nicht ignoriert werden.

Riemen kontrollieren – und bitte nicht ölen

Zahnriemen benötigen kein Öl und kein Fett. Im Gegenteil: Schmiermittel bindet Dreck, kann das Riemenmaterial angreifen und im dümmsten Fall Schlupf verursachen. Die Riemen sollten sauber und trocken sein. Kontrolliert sie auf ausgefranste Kanten, fehlende Zähne, Gummiabrieb und darauf, ob sie sauber über die Riemenscheiben laufen. Auch die Spannung sollte stimmen. Dabei ist „ordentlich stramm“ nicht automatisch besser. Ein zu stark gespannter Riemen belastet Motorlager und Umlenkrollen und kann ebenfalls Probleme verursachen. Die korrekte Einstellung unterscheidet sich je nach Druckermodell.

Schmieren: Hier passieren die meisten Fehler

Ein Tropfen Öl hier, eine Ladung Fett dort und schon flutscht die Kiste wieder? Der wichtigste Punkt beim Schmieren eines modernen 3D-Druckers ist, vorher herauszufinden, welche Führung überhaupt geschmiert werden darf und womit. Wie unterschiedlich das sein kann, zeigt schon ein Blick auf Prusas eigene Modelle. Beim MK4/S warnt der Hersteller davor, Schmiermittel auf Trapezmuttern beziehungsweise bestimmte Z-Gewindespindeln aufzutragen. Beim CORE One wiederum werden Z-Spindeln geschmiert, während die Linearführung ein eigenes Schmiermittel benötigt und dort normales Prusa Lubricant ausdrücklich nicht verwendet werden soll.

Creality gibt für den K1C wiederum eigene Wartungsvorgaben für Achsen und Z-Spindeln vor.

Universalöl, WD-40 und das Fett aus Opas Werkzeugkeller gehören deshalb nicht automatisch an einen 3D-Drucker.  Vor dem Nachschmieren sollte altes verschmutztes Fett beziehungsweise sichtbarer Schmutz entfernt werden. Anschließend reicht normalerweise eine dünne Schicht des vorgesehenen Schmiermittels. Viel hilft hier nicht viel: Überschüssiges Fett sammelt Staub und verteilt ihn anschließend wunderbar über die Mechanik.

Rollen und Linearführungen kontrollieren

Bei Druckern mit V-Rollen sollte regelmäßig geprüft werden, ob die Rollen gleichmäßig laufen und kein Spiel vorhanden ist. Die Exzenter nicht einfach immer weiter anziehen. Die Rollen sollen spielfrei laufen, sich aber weiterhin frei bewegen können. Zu viel Druck kann sie verformen und für erhöhten Verschleiß sorgen. Linearführungen und glatte Wellen sollten dagegen über den gesamten Bewegungsweg gleichmäßig laufen. Spürbare harte Stellen, Kratzen oder Spiel sind Warnzeichen.

Kleine Ablagerungen auf den Schienen werden zunächst mit einem fusselfreien Tuch entfernt. Danach gilt wieder: nur schmieren, wenn und wie es der jeweilige Hersteller vorsieht.

Kabel verdienen ebenfalls einen Blick

Moderne CoreXY-Drucker bewegen den Toolhead teilweise mit beeindruckender Geschwindigkeit. Dabei werden einige Kabel bei jedem einzelnen Druck tausende Male gebogen.

Schaut deshalb gelegentlich auf:

  • Scheuerstellen
  • gequetschte oder geknickte Kabel
  • sichtbare Leitungen
  • lockere Steckverbinder
  • beschädigte Kabelketten
  • Heizbett- und Hotend-Leitungen

Bei verschmorten Steckern, sichtbarem Kupfer, Rauch, Funken oder elektrischem Geruch ist Schluss mit „wird schon gehen“. Drucker ausschalten und Ursache beheben lassen. Arbeiten an Netzspannung und Leistungselektronik gehören im Zweifel in fachkundige Hände.

Schrauben prüfen, nicht festknallen

Die ständigen Richtungswechsel und Temperaturunterschiede können Schraubverbindungen mit der Zeit lockern. Interessant sind vor allem Rahmen, Toolhead, Riemenspanner, Umlenkrollen, Bettträger, Spulenhalter und Sensorbefestigungen.

Aber auch hier gilt: Nachziehen heißt nicht, mit dem Inbusschlüssel bis zum Knacken weiterzumachen. Gerade in Kunststoffteilen sind Gewinde schnell ruiniert.

Nach der Wartung kalibrieren

Nach einer normalen Reinigung ist keine komplette Neukalibrierung nötig. Wer allerdings Hotend, Extruder, Druckbett oder Mechanik verändert hat, sollte abhängig vom Drucker einige Werte erneut prüfen. Dazu können gehören:

Bed Mesh und Z-Offset: nach Änderungen am Druckbett oder Toolhead.

Flow und Pressure Advance: nach größeren Änderungen an Extruder oder Hotend.

Input Shaping: wenn an Riemen, Toolhead-Masse oder Mechanik erheblich gearbeitet wurde.

Danach empfiehlt sich ein kleiner First-Layer-Test. So merkt man relativ schnell, ob nach der Wartung noch alles dort sitzt, wo es hingehört.

Diese Wartungsfehler solltet ihr vermeiden

Einige gut gemeinte Aktionen richten mehr Schaden an als ein bisschen Dreck.

Besser nicht Warum?
Riemen ölen oder fetten Kann Schmutz binden und Schlupf verursachen
Jede Führung mit Universalöl behandeln Nicht alle Lager und Führungen benötigen denselben Schmierstoff
Tonnenweise Fett auftragen Überschuss bindet Staub
Lüfter mit Druckluft hochdrehen Lager und Elektronik können Schaden nehmen
Düse ungeschützt heiß abbürsten Verbrennungs- und Kurzschlussgefahr
Schrauben brutal nachziehen Kunststoffteile und Gewinde können beschädigt werden
Mehrere Dinge gleichzeitig verändern Danach weiß niemand mehr, was den Fehler verursacht hat
Mechanische Probleme im Slicer „wegkalibrieren“ Spiel und Verschleiß verschwinden dadurch nicht

20 Minuten, die viele Fehldrucke verhindern können

Wer keine Lust auf einen ausgefeilten Wartungskalender hat, kann ungefähr einmal im Monat einen kleinen Rundgang machen:

  1. Drucker ausschalten und abkühlen lassen.
  2. Druckplatte reinigen.
  3. Düse und Heizblock anschauen.
  4. Filamentreste und Staub entfernen.
  5. Lüfter kontrollieren und reinigen.
  6. Riemen und Rollen prüfen.
  7. Führungen beziehungsweise Spindeln kontrollieren.
  8. Kabel und Steckverbindungen ansehen.
  9. Lockere Befestigungen prüfen.
  10. Nur die vom Hersteller vorgesehenen Stellen sparsam schmieren.
  11. Anschließend einen kleinen First-Layer-Test drucken.

Das reicht bei einem normal genutzten Hobbydrucker schon für einen ziemlich guten Überblick.

Wartung ist billiger als Fehlersuche

3D-Drucker sind heute erheblich wartungsärmer als noch vor einigen Jahren. Automatisches Bed Leveling, automatische Kalibrierungen und immer mehr Sensoren nehmen einem viel Arbeit ab. Staub wegzaubern, Fett verteilen oder einen beschädigten Zahnriemen wieder gesundbeten können sie allerdings noch nicht. Ein sauberer Drucker mit korrekt laufender Mechanik macht nicht automatisch schönere Modelle – aber ein verschmutzter oder mechanisch verschlissener Drucker macht ziemlich zuverlässig irgendwann hässliche.

Und bevor nach dem ersten Layer Shift wieder drei Stunden lang Pressure Advance, Flow und Beschleunigung verstellt werden: Erst einmal schauen, ob nicht schlicht irgendwo eine Schraube locker ist. Manchmal ist es tatsächlich so banal.

Torsten "Pixelaffe" Schmitt

Torsten "Pixelaffe" Schmitt

CvD & Evil Genius
3D-Druck, Serien & Filme, Gaming, jede Art von Gadget
Seit 20086.104 Artikel172 Tests

Geboren 1976 im schönen Schwetzingen und nicht weggekommen. Ich habe somit den Aufstieg des Internet miterlebt und beruflich auch vorangetrieben. Hier schreibe ich über all die Technologien die mir auf meiner Reise durch das "Neuland" auffallen.

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