In Zeiten, in denen Animationsfilme um allerlei Oscars buhlen und Franchises sich gegenseitig an Originalität überbieten wollen, landet „SpongeBob Schwammkopf: Piraten Ahoi!“ mit einem sanften Plätschern auf der Kinoleinwand – vertraut, bunt und manchmal ein wenig zu sehr auf Nummer sicher. Der neue große Unterwassertrip des gelben Schwamms setzt wieder dort an, wo die Serie seit 1999 ihre Stärke hat: Bei launigen Figuren, schneller Situationskomik und einem Plot, der vor allem eines will – unterhalten. Gleichzeitig zeigt sich: Was auf der kleinen Mattscheibe noch sprunghaft charmant wirkt, verliert im langen Spielformat mitunter an Kraft und Stringenz. Ohne große Ambitionen auf filmisches Neuland liefert der Film genau das, was viele erwarten, und lässt an manchen Stellen echtes erzählerisches Potenzial ungenutzt. SpongeBob Schwammkopf: Piraten Ahoi! ist ein Film, der manchem Fan das Herz erwärmt, aber auch Korallen am Riff zu bieten hat.
Die Handlung ist derweil flott erzählt: SpongeBob, der gelbe Schwamm aus Bikini Bottom, will endlich als „großer Kerl“ gelten und seinem Chef Mr. Krabs beweisen, dass er mehr ist als nur ein eifriger Krabbenburger-Brater. Getrieben von diesem Wunsch folgt er dem geheimnisvollen Fliegenden Holländer, einem geisterhaften Piraten, und stürzt sich mit Freunden wie Patrick, Sandy und Thaddäus in ein großes Abenteuer – hinaus in die tiefsten Tiefen des Ozeans, wo allerhand Prüfungen und Überraschungen warten. Die erzählerische Struktur bleibt dabei klassisch: Es gibt Herausforderungen, Rückschläge und die obligatorischen humorvollen Exzesse, während SpongeBob sich auf einer Art innerer und äußerer Heldenreise wiederfindet. Diese Grundkonstellation lebt von der Dynamik der Figuren und den gewohnten komödiantischen Elementen, die den Reiz der bekannten Serie ausmachen. Nicht nur für für die jüngsten Zuschauer:innen gibt es hier viel zu schmunzeln.
Doch gerade diese Dynamik wird zugleich zum Knackpunkt des Films. „Piraten Ahoi!“ wirkt stellenweise so sehr wie eine verlängerte TV-Episode, dass das Format eines Spielfilms nicht immer trägt, was es verspricht. Die Slapstick-Nummern und Spaßeinlagen, die in knapp viertelstündigen Folgen frisch und witzig sind, büßen in der Spielfilmlänge von gerade mal 88 Minuten manchmal an Wirkung ein – Gags wiederholen sich zu sehr, bevor sie wirklich Greifbar an Tiefe gewinnen. Hier liegt eine der zentralen kritischen Säulen, die der Film von sich aus aufwirft: Die Balance zwischen dem, was SpongeBob so liebenswert schrill macht, und dem, was ein Kinoabenteuer narrativ braucht, gelingt daher nicht immer. Trotz flotter Inszenierung und sporadisch großartigen Einfällen bleibt der dramaturgische Bogen oft dünn und episodisch. Dagegen liefern die Ultra Lux-Sitze echten Komfort ohne Show, was man im Kino inzwischen zu schätzen weiß.
Im Vergleich zu früheren Kinoausflügen des Franchises wird dieser Eindruck besonders deutlich. Der erste SpongeBob-Kinofilm aus dem Jahr 2004 etwa erzählte noch eine überraschend kohärente Geschichte mit echtem Abenteuergefühl und behielt gleichzeitig den anarchischen Humor bei, der die Serie damals auszeichnete. Spätere Filme, etwa „SpongeBob Schwammkopf 3D“ oder „SpongeBob Schwammkopf: Eine schwammtastische Rettung“, spielten stärker mit unterschiedlichen visuellen Stilen und popkulturellen Elementen, ohne dabei die erzählerische Substanz völlig hinten anzustellen. „Piraten Ahoi!“ hingegen wirkt in seiner Erzählformierung eher wie eine ausgedehnte Serie, die nur lose um einen zentralen Plot herum gebaut ist – mit dem Vorteil, dass Fans viele vertraute Momente wiederfinden, aber mit dem Nachteil, dass das Ganze weniger wie ein eigenständiges Kinoerlebnis wirkt.
Regisseur Derek Drymon, zugleich Autor des Films und langjähriger Gefährte der Serie, inszeniert „Piraten Ahoi!“ mit einer gewissen Gewissheit: Es soll farbenfroh und temporeich sein, voller drolliger Einfälle und Verweise auf die Tonalität der Serie. Visuell bleibt der Film seinem Stil treu, ohne große stilistische Sprünge oder überraschende visuelle Experimente zu wagen. Dies mag für die jüngeren Zuschauer ideal sein, die mit der Ästhetik der Serie vertraut sind – doch für ein allgemeines Kinopublikum entsteht dadurch weniger ein eigenständiger filmischer Stil, sondern eher eine größere Episode. Und so wiederholt sich ein Eindruck, den einige Kritiken bereits zu früheren Filmen formuliert haben: Die episodische Energie der Serie trägt nicht immer über die Dauer eines Spielfilms.
„Piraten Ahoi!“ hat ohne Zweifel seine heiteren Momente und wird gerade jüngere Zuschauer mit seinen visuellen Einfällen und dem schnellen Humor erfreuen. Fans der Serie werden bekannte Running Gags und Figurenkonstellationen wiederentdecken und ihren Spaß haben. Doch wer erwartet, dass der Film über das hinausgeht, was die Serie seit Jahren bietet, der könnte sich an der erzählerischen Leichtfüßigkeit und der episodischen Struktur stören. Es ist ein unterhaltsamer, aber nicht unbedingt tiefgreifender Ausflug in die Welt von Bikini Bottom – ein Film, der kurzweilig unterhält, dabei aber an manchen Stellen erzählerisch eher auf Durchzug schaltet als aufs Gaspedal zu treten.
„SpongeBob Schwammkopf: Piraten Ahoi!“ läuft seit dem 25. Dezember 2025 im CinemaxX und weiteren deutschen Kinos.
SpongeBob Schwammkopf: Piraten Ahoi!. USA 2025. Verleih: Paramount. Regie: Derek Drymon. Mit Santiago Ziesmer, Fritz Rott, Axel Lutter. Genre: Animation. 88 Minuten. FSK: Ab 0 Jahren.
Gibt es eine Post-Credit-Szene? = Nein.
Disclaimer: Vielen Dank an CinemaxX für die freundliche Bereitstellung des Tickets. Kinotickets für „SpongeBob Schwammkopf: Piraten Ahoi!“ gibt es hier.
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