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Mouse: P.I. For Hire im großen Test – Eine Mordsgauda in stilvoller Cartoon-Optik

Micky Maus Noir räumt ordentlich in der Unterwelt auf

Es gibt Spiele, deren Idee schon beim ersten Kontakt so eigenwillig wirkt, dass man sie entweder sofort abschreibt – oder sich gedanklich festbeißt wie Maus am Stück Käse. „Mouse: P.I. For Hire“ gehörte von Beginn an zur zweiten Kategorie. Ein Ego-Shooter im Stil früher Schwarzweiß-Cartoons, irgendwo zwischen Steamboat Willie-Ära, Noir-Krimi und Arcade-Geballer – das klang zunächst wie ein bekloppter Pitch, der kaum realisierbar wirkt. Dass das fertige Ergebnis diesen Spagat nicht nur meistert, sondern dabei erstaunlich rund wirkt – ist die eigentliche Überraschung. Unsere PS5-Review zum mausigen „Mouse: P.I. For Hire“.

Die Geschichte folgt Jack Pepper, einem abgeklärten Privatdetektiv, der sämtliche Klischees seines Berufsstandes mit sich herumschleppt – inklusive innerer Monologe, die wie aus einem alten Kriminalfilm direkt ins Ohr tropfen. Sein aktueller Fall beginnt klassisch: Der Mord an der Schauspielerin Betty Lynch führt ihn durch die Straßenschluchten der Großstadt Mouseburg. Was zunächst nach Routine riecht, entwickelt sich bald zu einem Geflecht aus Intrigen, politischem Einfluss und dunklen Machenschaften, das spürbar über den ursprünglichen Mordfall hinausgeht. Der Ton bleibt dabei konsequent im Noir verankert, ohne sich mit übertriebenem Ballast zu verlieren – die cartoonhafte Präsentation sorgt immer wieder für bewusste gesetzte Überraschungen.

Das Spiel ist auf eine Mischung aus linearen Missionen und einem kleinen Hub-Bereich, der als Dreh- und Angelpunkt dient. Jacks Büro liegt an einer Straße, die gleichzeitig als zentrale Anlaufstelle fungiert: Hier finden sich ein Laden, eine Werkstatt für Upgrades, eine Bar und diverse NPCs, die Aufträge verteilen oder Hintergrundinformationen liefern. Gespräche treiben die Handlung voran, Nebenmissionen lockern den Ablauf auf. Zwischen den Schusswechseln entstehen so bewusst gesetzte Ruhephasen, in denen das Spiel einen Gang zurückschaltet – und genau hier zeigt sich eine seiner interessanteren Ideen.

Gefundene Hinweise werden im Büro gesammelt und an einer Pinnwand miteinander verknüpft. Das erinnert lose an Ermittlungsmechaniken aus „L.A. Noire“, bleibt aber angenehm zugänglich. Es geht weniger um komplexe Deduktion als um das Gefühl, Spuren zu folgen und Zusammenhänge herzustellen. Ergänzt wird das durch kleine Gameplay-Einlagen wie das Lockpicking: Jacks Schwanz dient dabei als eine Art lebendige Sonde, die sich durch Schlösser windet – ein Minispiel, das an klassische Snake-Mechaniken erinnert und gelegentlich unter Zeitdruck oder mit Hindernissen daherkommt. Simpel, aber effektiv genug, um für Abwechslung zu sorgen.

Im spielerischen Kern bleibt „Mouse: P.I. For Hire“ jedoch ein ordentlicher Shooter – und einer, der sich bewusst an den Wurzeln des Genres orientiert. Das Spiel setzt auf schnelles, direktes Gunplay, kombiniert mit hoher Beweglichkeit. Quasi eine Art „Doom“ im Comic-Verschnitt. Jack sprintet, weicht aus und nutzt einen Dash, der Kämpfe dynamisch hält, ohne in hektische Unübersichtlichkeit abzurutschen. Später kommen zusätzliche Fähigkeiten hinzu: Doppelsprung, ein rotierender Tail-Spin-Angriff, mehr vertikale Optionen in weiteren Verlauf. Das sorgt dafür, dass Gefechte nicht nur auf einer Ebene stattfinden, sondern immer wieder Bewegung im Raum verlangen.

Wummen für unkomplizierte Angelegenheiten

Das Waffenarsenal wächst im Verlauf der Kampagne stetig. Vom einfachen Revolver geht es über eine pump-action Shotgun bis hin zur „James Gun“, einer augenzwinkernden Tommy Gun. Dazu gesellen sich experimentellere Werkzeuge wie die Turpentine Gun, die Gegner regelrecht bis auf den Knochen zersetzt. Alle Waffen lassen sich über ein Rad in Echtzeit auswählen, was den Spielfluss kaum unterbricht. Entscheidend ist dabei weniger taktische Tiefe als unmittelbares Feedback: Treffer fühlen sich satt an, Gegner reagieren sichtbar und verabschieden sich oft mit überzeichneten – fast schon grotesk-komischen Sterbeanimationen.

Gerade dieser Kontrast macht einen großen Teil der Faszination aus. Während Kugeln durch die Luft jagen und Gegner in Massen auf Jack zustürmen, bleibt die Inszenierung stets in ihrer cartoonhaften Welt verankert. Figuren verformen sich, taumeln, lösen sich in absurden Animationen auf – als hätte jemand einen alten Trickfilm in eine bleihaltige Schießbude verwandelt. Das Leveldesign folgt demnach einem klaren Prinzip: Arena betreten, Gegnerwellen überstehen, Umgebung erkunden, weiterlaufen. Diese Struktur wiederholt sich oft, ohne jedoch sofort zu ermüden. Dafür sorgen zum einen die oftmals liebevoll gestalteten Areale, zum anderen kleine Variationen im Ablauf. Geheimnisse sind überall verteilt – Baupläne, Comic-Strips, Zeitungsausschnitte – und belohnen aufmerksame Spieler:innen, ohne dabei zu versteckt oder frustrierend zu sein.

Ganz frei von Kritik bleibt das Kampfsystem dennoch nicht. Einige Gegnertypen halten spürbar zu viel aus und verkommen zu klassischen Bullet Sponges. Auch die grundlegende Struktur der Gefechte kann auf Dauer eine gewisse Gleichförmigkeit entwickeln. Hier fehlt es stellenweise an überraschenden Momenten, die das Geschehen stärker auflockern könnten. Trotzdem trägt die Kombination aus Tempo, Feedback und Präsentation erstaunlich lange. Ein nicht zu unterschätzender Faktor ist die technische Umsetzung. Das Spiel läuft flutschig, die Performance bleibt stabil, Ladezeiten fallen kaum ins Gewicht. Im Performance-Modus liegt der Fokus auf hohe Bildrate (120 FPS), ideal für schnelle Shooter-Action, und stabil. Gerade in hektischen Situationen zahlt sich das aus, da der Spielfluss selten ins Stocken gerät. Die Steuerung reagiert präzise, Bewegungen fühlen sich direkt an.

Effekte sorgen für Atmosphäre

Über allem steht jedoch die audiovisuelle Gestaltung. Die sogenannte Rubber-Hose-Animation, die an frühe Zeichentrickfilme erinnert, zieht sich konsequent durch das KOMPLETTE Spiel. Figuren wirken elastisch, Bewegungen überzeichnet, Gesten bewusst unnatürlich. Die Schwarzweiß-Optik mit Filmkorn verstärkt diesen Eindruck und verleiht dem Ganzen eine fast schon filmische Qualität. Gleichzeitig bleibt die Welt dreidimensional, während Figuren und Gegner zweidimensional als Sprites gehalten sind und sich stets zur Kamera ausrichten. Dieser Mix erzeugt eine eigenwillige Tiefe, die maßgeblich zum Wiedererkennungswert beiträgt.

Vergleiche mit stilprägenden Titeln wie dem Shoot-’em-up „Cuphead“ drängen sich auf, insbesondere wenn es um die Umsetzung eines interaktiven Cartoons geht. Doch während andere Spiele diesen Ansatz oft stärker auf Präsentation und Timing ausrichten, bleibt „Mouse: P.I. For Hire“ bewusst näher am klassischen Shooter.

MOUSE: P.I. For Hire - PS5
  • Schwarz-weiße, handgezeichnete Gummischlauchanimationen, inspiriert von Cartoons der 1930er Jahre
  • Rasante Ego-Shooter-Kämpfe, bei denen ständige Bewegung entscheidend ist
  • Über 20 Level im Noir-Stil, in denen es von Mäusen, Ratten und Spitzmäusen wimmelt

Akustisch passt sich das Spiel seinem gewählten Stil an. Der ungemein turbulente Jazz-lastige Soundtrack untermalt das Geschehen mit einer Mischung aus Leichtigkeit und unterschwelliger Spannung. Gerade in ruhigeren Momenten entfaltet die Musik ihre Wirkung, während sie in Gefechten eher als treibender Rhythmus fungiert. Die Vertonung, inklusive Jacks innerer Stimme, trägt zusätzlich zur sehr dichten Atmosphäre bei.

Unser Fazit zu „Mouse: P.I. For Hire“

Dass hinter diesem Projekt ein vergleichsweise kleines Team (rund 50 Entwickler:innen) steht, macht das Ergebnis umso bemerkenswerter. Fumi Games liefert hier keinen technischen Meilenstein im klassischen Sinne, wohl aber ein Spiel mit konsequenter Umsetzung. Es ist kein Shooter, der das Genre neu erfindet – aber einer, der dessen bekannte Mechaniken in ein ungewöhnliches Gewand kleidet. Unter’m Strich bleibt ein Shooter, der genau weiß, was er sein will. Die Kampagne hält ihr Tempo über weite Strecken, die Präsentation trägt das Erlebnis, und trotz kleiner Schwächen im Detail entsteht ein rundes Gesamtbild. „Mouse: P.I. For Hire“ ist bestens für alle geeignet, die klassische Run-and-Gun-Action im höchst ungewöhnlichen Stil verbinden – zählt es ohne Zweifel zu den interessantesten Veröffentlichungen des Jahres!

Release: 16.04.2026 | Entwickler: Fumi Games | Genre: Ego-Shooter | Für PlayStation 5, Xbox Series S/X und PC | USK: ab 16

Mouse: P.I. For Hire (PlayStation 5)

Spielspaß - 92%
Gameplay - 88%
Grafik - 93%
Technik - 82%

89%

Ausgezeichnet!

Ein konsequent umgesetzter Shooter ohne Genre-Revolution, aber mit eigenständigem Stil: Mouse: P.I. For Hire überzeugt durch Tempo, Präsentation und ein stimmiges Gesamtbild – und zählt damit zu den interessantesten Run-and-Gun-Releases des Jahres!

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Benny Illgner

Nachname hielt schon Fußbälle auf. Ich bisher nur virtuell. Sitzt seit 2005 in Digitalien fest und wartet auf den Pannendienst. Steht in fester Beziehung mit Twitter und Instagram. Schreibt Gags fürs Netz und Fernsehen. Nimmt gedeckte Schecks und Pizza gerne auf Twitter unter @IamIllgner an.

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