KinoKritiken

Kritik zu „Backrooms“ – Beklemmender Trip im uringelben Alptraum

Bundesweiter Kinostart: 17. Juni 2026

Regisseur Kane Parsons macht mit „Backrooms“ etwas, das auf dem Papier erstaunlich leicht hätte schiefgehen können: Er nimmt ein Internet-Phänomen, das vor allem von seinem ikonischen Look, seinen Found-Footage-Bildern und Mythologie lebte – formt daraus einen Kinofilm, der nicht nur Fanservice betreibt. Die Vorlage stammt aus dem Umfeld der Creepypasta-Kultur und Parsons’ eigener YouTube-Reihe, der Film wurde von A24 veröffentlicht und setzt unter anderem auf Chrakterdarsteller wie Renate Reinsve, Chiwetel Ejiofor und Mark Duplass. Herausgekommen ist ein unheimlicher, faszinierender Horrorfilm über ekelhaft ockergelbe Hinterzimmer, Erinnerung und das unangenehme Gefühl, irgendwo gelandet zu sein, wo Menschen nicht hingehören. Unsere Kritik zu „Backrooms“.

Ockergelbe Wände. Böden, deren Aussehen schon modrig anmuten. Dazu in rauer Zahl verbaute Halogen-Lampen deren Geräuschkulisse, ein durchgehendes Summen, die Szenarie an unangenehmer Atmosphäre komplett machen. Der erst 20 jährige Kane Parsons experimentiert seit einigen Jahren mit dieser, sagen wir mal, Welt, welche nur durch „Glitches“ also Fehler im System überhaupt erst betretbar werden. Der Ursprung der „Backrooms“ liegt im Jahr 2019 auf der Plattform 4chan. In einer Rubrik mit „unheimlichen Bildern“ (Uncanny Valley) taucht urplötzlich ein Foto auf: ein fensterloser Raum mit gelbem Teppichboden, gelbstichigem Kunstlicht und schief wirkenden Wänden – die Vorlage war geboren. Parsons experimentiert nunmehr seit rund fünf Jahren mit dieser Ideen in originellen und millionenfach geklickten Kurzfilmen auf YouTube. Ähnlich wie Curry Barker, inszenierte den parallel angelaufenen „Obsession“, scheint die Videoplattform eine Brutstätte für kommende Filmemacher zu sein. Zumal beide ihre Ideen nun für größere Hollywood-Studios umsetzen dürfen.

Im Zentrum der Kino-Variante von „Backrooms“ steht Clark (Chiwetel Ejiofor), ihm gehört ein Möbelgeschäft was schlecht läuft und kurioserweise verdammt hohe Stromrechnungen verursacht. Zudem lebt er in Trennung von seiner Langzeitstudenten-Frau und geht deshalb in eine Therapie von Dr. Mary Kline (Renate Reinsve). Zufällig entdeckt einen Zugang zu den „Backrooms“ was seine Neugier rund um diesen mysteriösen Ort befeuert. Dieser Ansatz ist clever, weil „Backrooms am besten funktioniert, wenn er seinen Figuren und uns Zuschauer:innen nicht zu viel Orientierung gibt. Die endlosen Gänge, kränkliches Licht, die sterilen Wände und abnorme Verschiebung vertrauter Alltagsarchitektur erzeugen eine Form von Horror, die weniger auf Schockmomente als auf dichte Atmosphäre setzt. Man wartet nicht nur darauf, dass etwas aus der Ecke springt. Man fürchtet irgendwann, dass gar nichts kommt – und genau das ist fast schlimmer.

Visuell ist der Film deutlich stärker als viele vergangene Versuche, Internet-Horror ins Kino zu setzen. Parsons versteht, warum die „Backrooms“ so gut funktionieren: Sie sehen nicht aus wie ein klassisches Monsterversteck, sondern wie ein kaputter Nebenraum der Realität. Ein Ort, den man vielleicht in einem Möbelhaus, einem Bürokomplex oder einem verlassenen Flur wiedererkennen könnte, nur eben um wenige Grad falsch. Diese Nähe zum Banalen macht den Film unangenehm. Gerade Chiwetel Ejiofor zeigt wie wohltuend ein starker Schauspieler in solch einer einfachen Storyline ist, während Renate Reinsve der Geschichte eine analytische Note gibt, die verhindert, dass „Backrooms“ nur als ästhetisches Experimentalkino stehen bleibt. Gleiches gilt natürlich auch für Renate Reinsve.

Ganz ohne Probleme bleibt der Film trotzdem nicht. Sobald die Handlung stärker versucht, ihre eigene Mythologie zu ordnen, verliert „Backrooms“ mittendrin etwas von seiner eigentlichen Kraft. Die Vorlage lebt von Lücken, Gerüchten und Bildern, die sich im Kopf weiter ausbreiten. Ein Kinofilm braucht mehr Struktur – genau daran reibt sich die Inszenierung. Manche Sequenzen wirken daher länger als unnötig gezogen, wenngleich das auch für die Vorlage spricht. Zumal wir ausdrücklich die Sichtung in einem Saal mit Dolby Atmos-Unterstützung empfehlen.

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  • Dieser Artikel hat Deutsche Sprache und Untertitel.

Trotzdessen ist „Backrooms“ einer der spannenderen Horrorfilme des Jahres, weil er seine Herkunft nicht verleugnet und dennoch nach grandiosem Kino aussieht. Dennoch ist mit seinen fast zwei Stunden Laufzeit etwas zu lang geraten. Parsons muss sich nicht hinter der bloßen Fazination der Vorlage verstecken. Er nutzt sie als Fundament für einen Film, der besonders dann stark ist, wenn er still bleibt, Räume sprechen lässt und das Publikum langsam in eine falsche Sicherheit schiebt. Unangenehm, atmosphärisch dicht und deutlich interessanter als der nächste routinierte Franchise-Blockbuster ohne Seele.

Backrooms. USA 2026. Verleih: A24/Constantin Film. Regie: Kane Parsons. Mit Chiwetel Ejiofor, Chiwetel Ejiofor, Renate Reinsve. Genre: Horror. 110 Minuten. FSK: Ab 16 Jahren.

Gibt es eine Post-Credit-Szene? = Nein.

Disclaimer: Vielen Dank an CinemaxX für die freundliche Bereitstellung des Tickets. Kinotickets für „Backrooms“ gibt es hier.

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Benny Illgner

Nachname hielt schon Fußbälle auf. Ich bisher nur virtuell. Sitzt seit 2005 in Digitalien fest und wartet auf den Pannendienst. Steht in fester Beziehung mit Twitter und Instagram. Schreibt Gags fürs Netz und Fernsehen. Nimmt gedeckte Schecks und Pizza gerne auf Twitter unter @IamIllgner an.

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