KinoKritiken

Kritik zu „One Night Only“ – In dieser Purge sind Kondome Mangelware

Bundesweiter Kinostart: 27. August 2026

So stimmen unsere Leser ab:

One Night Only spielt mit einer durchaus pikanten Prämisse, die wie ein gesellschaftliches Gedankenexperiment wirkt: In einer alternativen Weltordnung ist Sex vor der Ehe verboten, mit genau einer einzigen Ausnahme – einer festgelegten Nacht, in der diese Regel außer Kraft gesetzt wird. Der Film nutzt dieses Purge-artige Setting nicht als reine Fantasie-Spielerei, sondern als Rahmen für eine Geschichte über Erwartungsdruck, emotionale Orientierungslosigkeit und die Frage, wie frei Entscheidungen unter künstlichen Regeln tatsächlich sind. Zumal die Chemie zwischen den Hauptdarsteller:innen stimmt – unsere Kritik zu „One Night Only“.

Kennen wir vermutlich alle, man geht aus, durchstreift im freundschaftlichen Verbund die Bars der Stadt und manchmal treffen sich bestimmte Blicke. Ein Wort ergibt das Andere und plötzlich steht man knutschend am Kippenautomaten oder in einer Seitenstraße. Was danach folgt ist meistens eine spritzige Nacht voller Spaß, aber was wäre wenn plötzlich dieses Unterfangen gesetzlich verboten und nur für wenige Stunden einmal pro Jahr erlaubt wäre? Zumal dieses Verbot sogar mit einem biochemischen Stempel am Handgelenk weitab üblicher Überwachungssysteme überprüfbar ist? Will Glucks neuer Film – nach seinem RomCom-Hit „Wo die Lüge hinfällt“ – erzählt uns von diesem derbsüßen alternativen Zukunftsszenario.

Im Zentrum stehen Owen (Cullum Turner) und Allie (Monica Barbaro), zwei Menschen, die beide von Personen verlassen werden, mit denen sie diese Ausnahme ursprünglich verbringen wollten. Owen hatte geplant, seiner Freundin in genau dieser Nacht einen Heiratsantrag zu machen – ein Vorhaben, das durch ihre Entscheidung, die Gelegenheit mit jemand anderem zu nutzen, abrupt zerplatzt. Allie hingegen ist Single und lässt sich an diesem Abend treiben. In beiden Fällen kommen beide Figuren nicht so wie gedacht zu ihrem Höhepunkt und sind umgeben von herummachenden Paaren auf Straßen, in U-Bahnen oder selbst in Cafés.

Was folgt, ist keine klassische RomCom im herkömmlichen Sinn, sondern ein tastendes Navigieren durch ein eng begrenztes Zeitfenster. Owen und Allie versuchen, innerhalb der wenigen verfügbaren Stunden eine neue Verbindung zu finden, was trotz jeglichen Chancen im spaßigen Chaos endet. Der Film interessiert sich dabei weniger für die Idee einer „richtigen“ Paarbildung, sondern ergründet unterschwellig eine Realität, in der eine Regierung bis auf den Meeresgrund unserer Privatsphäre eigene Regeln durchsetzt und wir, in diesem Fall Owen & Allie, schnell daran gewöhnen und mitspielen. Widerstand regt sich mit direkten Sprüchen wie „Fuck the Law“, was unweigerlich mit seiner Prämisse an die erfolgreiche „The Purge„-Reihe erinnert. Zu Erinnerung: Hier wurden für 12 Stunden jegliche Verbrechen völlig legal. Im Gegensatz zum geistigen Vorbild sind statt Schusswaffen nur Kondome Mangelware oder werden für absurd teure Beträge angeboten.

Inszenatorisch bleibt One Night Only rasant und dank guter Schreibe im Drehbuch pointiert witzig. Gerade das häufige eher zufällige Aufeinandertreffen des widerwilligen Duos ohne Möglichkeit zum koitalen Vergnügen in einer ohnehin schlaflosen Stadt wie New York macht den Film zu einem optischen Schmankerl. Zumal sich Regisseur wie Autor Gluck für seine beiden Figuren herrlich absurde Situationen einfallen ließ – wie den glücklosen Owen nach einem Dating-App Scam am Baum gefesselt zu hinterlassen oder Allie ein Date mit einem exzentrischen Schmusepop-Star nicht so beendet wie erhofft. Owen und Allie entwickeln sich dabei nicht entlang klarer romantischer Bahnen, sondern durch ihr schieres Unglück am jeweils anderen. Dankenswerterweise passt die Chemie zwischen Turner und Barbaro enorm gut. Als Zuschauer:in fiebert, leidet und freut sich mit ihnen mit, sobald sie endlich in die Nähe von zwischenmenschlichen Berührungen kommen. Amüsant wird’s das dann erst recht, wenn Owen seine Mutter (Molly Ringwald) versehentlich bei einem durchgeknallten Fetisch überrascht.

Wo die Lüge hinfällt
  • Ein Pärchen wider Willen - hinreißende romantische Komödie von Will Gluck (EINFACH ZU HABEN)
  • Die jungen Stars Sydney Sweeney (EUPHORIA,ONCE UPON A TIME IN HOLLYWOOD) und Glen Powell (TOP GUN - MAVERICK) bilden das ungleiche Pärchen

Am Ende bleibt One Night Only weniger eine Geschichte über eine besondere Nacht als über die politische wie gesellschaftliche Ebene von echter Liebe. Zumal er in gewisser Art derb sein will, jedoch dank seines guten Hauptdarsteller-Duos enorm viel Charme versprüht und jede noch so versaute Pointe fast im Zuckerguss ertrinkt – positiv ausgedrückt. Dank gelungener Gags samt erfrischendem Storykonzept schafft man eine enorm befriedigende RomCom.

One Night Only. USA 2026. Verleih: Universal Pictures. Regie: Will Gluck. Mit Callum Turner, Monica Barbaro, Molly Ringwald. Genre: Komödie. 102 Minuten. FSK: Ab 12 Jahren.

Gibt es eine Post-Credit-Szene? = Nein.

Disclaimer: Vielen Dank an CinemaxX für die freundliche Bereitstellung des Tickets. Kinotickets für „One Night Only“ gibt es hier.

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Benny Illgner

Benny Illgner

Redakteur
Tech-Journalist
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Nachname hielt schon Fußbälle auf. Ich bisher nur virtuell. Sitzt seit 2005 in Digitalien fest und wartet auf den Pannendienst. Steht in fester Beziehung mit Twitter und Instagram. Schreibt Gags fürs Netz und Fernsehen. Nimmt gedeckte Schecks und Pizza gerne auf Twitter/Threads unter @IamIllgner an.

Schreibt und lebt nebenher das glorreiche Leben eines Technik-Bloggers. Interessiert sich für technische Spielereien jeglicher Art und spielerische Technik der allgegenwärtigen Videospiel-Konsolen. Primär für Gaming-, Smart Home-Krams und Reviews zuständig. Schlechte Wortspiele in Reviews eingeschlossen.

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