KinoKritiken

Kritik zu „Die Odyssee“ – Der spektakulär bildgewaltige Heimweg von Odysseus

Bundesweiter Kinostart: 16. Juli 2026

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Ausnahmeregisseur und Autorenfilmer Christopher Nolan nimmt sich in seinem neuesten Werk der vermutlich allerersten Abenteuergeschichte der Menschheit an – der Odyssee des griechischen Dichters Homer. Die Modernisierung des altbekannten Stoffes geschieht weniger durch eine digitale Präsentation, sondern vielmehr durch eine dichte Erzählweise sowie spannungsreiche Episoden, in denen Hauptdarsteller Matt Damon als Odysseus wandeln muss, um nach dem Sieg von Troja wieder nach Hause zurückzukehren. In einer Zeit scheinbarer Magie… – unsere Filmkritik zu „Die Odyssee“.

Christopher Nolan hat wahrscheinlich von mehreren Hunderten Geschichtslehrkräften den Auftrag erhalten, prüfungsrelevanten Schulstoff so ausführlich und unterhaltsam wie möglich in ein Blockbuster-Gewand zu pressen. Anders lassen sich seine zuletzt stark historischen Ausflüge nach „Dunkirk“ oder zur Erfindung der Atombombe durch „Oppenheimer“ kaum erklären. Nun also die große, epochale griechische Sage rund um den Krieger Odysseus sowie dessen wahrhaft unglaublichen Heimweg nach der blutigen Schlacht um Troja. Homers Odyssee gehört zu den am häufigsten adaptierten Stoffen der Literaturgeschichte und wurde bereits über 30 Mal für Film und Fernsehen verfilmt. Dennoch lockt Regisseur Nolan dem Stoff noch einige frische Fetzen aus dem abgenagten Kadaver, um im Bild dieser Zeit zu bleiben. Es ist düster in Ithaka.

Auf der paradiesisch gelegenen Heimatinsel fehlt seit rund 20 Jahren der König. Seit dem Kampf um Troja gilt Odysseus (Matt Damon) als tot, verschleppt oder gar ganz vom Erdboden direkt in den Hades verschluckt. Dort herrschen nach Jahren seines Verschwindens Zustände wie Sodom und Gomorra – die Leidtragenden sind seine Frau und Königsgemahlin Penelopé (Anne Hathaway) und Sohn Telemachos (Tom Holland). Unter dem Vorwand, sich der Königin als neuer Partner anzubiedern, belagern jeden Abend Freier das Anwesen, fressen und saufen sich ihre Mägen voll. Telemachos macht sich indies auf, seinen Vater zu suchen – dieser hat jedoch mit seiner eigenen Odyssee zu kämpfen. Homer konnte zu seinen vermeintlichen Lebzeiten um 800 vor Chr. unmöglich von Christopher Nolan geahnt haben, dennoch teilen sich beide einen kreativen Kniff. Um die Spannung stets aufrechtzuerhalten, bediente sich Homer einer sehr komplexen Erzählweise. Er arbeitet zum Beispiel mit Parallelhandlungen, Rückblenden, Einschüben sowie Perspektiv- und Erzählerwechseln. Nolan lässt auch in „Die Odyssee“ wieder mehrere Zeitebenen miteinander verschwimmen, sodass man wie so manche Figur mitten in die Handlung geschleudert wird und fast an ausgesprochenen Namen oder unausgesprochenen Verhältnissen zu ertrinken droht.

Konzentriert sich die Geschichte jedoch weitgehend auf Odysseus und dessen wahrhaft unglaubliche Abenteuer, bekommt das Historienepos einen spürbaren Drive. Um nicht zu viel vorwegzunehmen – dank der Vorlage darf Nolan deutlich fantastischer agieren als jemals zuvor. Der im Vorfeld angedeutete Zyklop ist nur die Spitze des Eisbergs. Mit seinen untergebenen Soldaten trifft er bald auf überdimensional große Armeen, und sogar Horror-Momente in Verbindung von Hexerei sind erstaunlicherweise vorhanden.

Durchweg zu loben sind Locations und Ausstattung. Verfolgt man „Die Odyssee“ – einzig richtig – im technisch bestens ausgestatteten IMAX-Kino, schaut man dieses Spektakel nicht, sondern erlebt es. Die stark eingefangenen Panorama-Sequenzen über die zahlreichen Drehorte lassen einen staunend vor der Leinwand sitzen. Zudem gehört Christopher Nolan noch zu der Sorte Filmemacher, die zwar CGI nutzen, aber nur in nötigen Portionen. Will heißen: Sind 1.000 Statisten für eine Massenszene verlangt, stehen dort auch echte 1.000 Statisten. Das wirkt ungemein wertig. Das gilt auch für die Szenen auf hoher See, zumal hier tatsächlich während Wellengangs gedreht wurde.

Der Cast ist bis in die kleinste Nebenrolle wirklich grandios besetzt. Einerseits nimmt man Hauptdarsteller Matt Damon seine Figur als kämpferischer, aber oftmals zweifelnder Odysseus auf wortwörtlichen Abwegen problemlos ab, während Tom Holland und Anne Hathaway auf der anderen Seite seine unwissende Familie glaubhaft verkörpern. Dazwischen darf in kurzen Momenten auch Zendaya als „Athene“ glänzen – wenig Screentime, jedoch starke Präsenz. Gleiches gilt übrigens auch für Charlize Theron – sie ist als „Kalypso“ geschichtlich nicht unwichtig, von ihr hätte man sich jedoch mehr Kontext gewünscht. Robert Pattinson, so viel sei verraten, spielt mit sichtlicher Freude die machtgierige Arschgeige vom Dienst.

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  • Dieser Artikel hat Deutsche Sprache und Untertitel.

„Die Odyssee“ lebt einerseits vom bis dato währenden Mythos, sich als Mensch gegen allwissende und herrschende Götter aufzulehnen, und hier im Speziellen von der Art des besonderen Filmemachens seitens Christopher Nolan. Das antike Original schildert die über zehnjährige Irrfahrt des Königs Odysseus, der nach dem Trojanischen Krieg versucht, wieder nach Hause zurückzukehren. Jeder Schnitt, jede Szene und jede Aussage ist im modernisierten Werk kein Füllstoff, sondern wirkt clever wie unterhaltsam ineinandergewoben. Selbst bei knapp drei Stunden Laufzeit ist das Verlangen, auf die Uhr zu blicken, nicht einmal vorhanden. Man erzählt hier nicht weniger als von epochaler griechischer Tragik, göttlichen Mächten, verlogenen Herrschern und dem Preis für Erfolg, den einige zu zahlen bereit sind – egal wie hoch er sein mag.

The Odyssey. USA 2026. Verleih: Universal Pictures. Regie: Christopher Nolan. Mit Matt Damon, Zendaya, Charlize Theron, Tom Holland. Genre: Action. 178 Minuten. FSK: Ab 12 Jahren.

Gibt es eine Post-Credit-Szene? = Nein.

Kinotickets für „Die Odyssee“ gibt es hier.

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Benny Illgner

Nachname hielt schon Fußbälle auf. Ich bisher nur virtuell. Sitzt seit 2005 in Digitalien fest und wartet auf den Pannendienst. Steht in fester Beziehung mit Twitter und Instagram. Schreibt Gags fürs Netz und Fernsehen. Nimmt gedeckte Schecks und Pizza gerne auf Twitter unter @IamIllgner an.

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