
Christopher Nolan schickt Die Odyssee nicht einfach nur ins Kino. Natürlich nicht. Sein neues Epos erscheint in gleich sieben verschiedenen Projektionsvarianten. Wer beim Ticketkauf nur nach Uhrzeit und einem halbwegs brauchbaren Sitzplatz schaut, kann deshalb schnell in einer deutlich anderen Vorstellung landen als gedacht.
Inhaltlich bleibt der Film überall identisch. Die Unterschiede betreffen das Bildformat, die Projektion, die Größe des sichtbaren Bildausschnitts und teilweise die Tonanlage. Universal unterscheidet zwischen IMAX 70mm, digitalem IMAX, 70mm, 35mm, Dolby Cinema, Premium Large Format und der gewöhnlichen Standardfassung. Der komplette Film wurde mit IMAX-Filmkameras aufgenommen – Nolan hat das Ding also von Anfang an für möglichst große Leinwände gebaut.
IMAX 70mm: Die Version, die Nolan vermutlich selbst wählen würde
IMAX 70mm ist die technisch aufwendigste und bildgewaltigste Fassung. Das Filmmaterial läuft horizontal durch den Projektor, wobei jedes einzelne Bild 15 Perforationen breit ist. Gezeigt wird der Film im nahezu quadratischen Seitenverhältnis von 1,43:1. Dadurch ist besonders nach oben und unten deutlich mehr vom aufgenommenen Bild zu sehen.
Universal bezeichnet IMAX 70mm als größtes und höchstauflösendes verfügbares Format.
Der Haken für deutsche Kinobesucher ist ziemlich dick: In der von IMAX veröffentlichten Liste der Spielstätten für Die Odyssee befindet sich Stand 14. Juli 2026 kein deutsches Kino. In Europa wird die analoge IMAX-70mm-Fassung unter anderem in London, Manchester, Brüssel, Prag und Montpellier gezeigt. Wer das volle Brett will, muss also reisen. Weil ein Kinoticket allein offenbar nicht teuer genug sein darf.
Digitales IMAX: Mehr Bild ohne Filmrolle
Steht auf dem Ticket lediglich IMAX, handelt es sich normalerweise um eine digitale Projektion und nicht um IMAX 70mm. Die digitale Fassung von Die Odyssee wird im erweiterten Seitenverhältnis von 1,90:1 gezeigt.
Die tatsächliche Qualität hängt stark vom Kino ab. Moderne IMAX-Säle mit Laserprojektion liefern ein helles, scharfes und kontrastreiches Bild. Ältere digitale IMAX-Systeme können davon sichtbar entfernt sein.
Für Zuschauer in Deutschland dürfte digitales IMAX trotzdem eine der sinnvollsten Optionen sein. Wer möglichst viel vom ursprünglich aufgenommenen Bild sehen möchte, ohne dafür nach Brüssel oder Prag zu fahren, sollte zuerst nach einer IMAX-Vorstellung suchen.
70mm: Analog, groß und trotzdem kein IMAX
Die normale 70mm-Fassung darf nicht mit IMAX 70mm verwechselt werden. Beide nutzen breites analoges Filmmaterial, unterscheiden sich aber deutlich bei Projektion und Bildformat. Die klassische 70mm-Version von Die Odyssee wird im Seitenverhältnis 2,20:1 gezeigt. Das Bild ist damit wesentlich breiter und weniger hoch als die IMAX-Fassung.
Was verloren geht, ist ein Teil des Bildes oberhalb und unterhalb der zentralen Komposition. Dafür liefert eine gut eingerichtete 70mm-Projektion den charakteristischen analogen Look mit natürlicher Körnung, hoher Detailfülle und einer Bildwirkung, die sich von einer klinisch sauberen Digitalprojektion deutlich unterscheidet.
35mm: Weniger Auflösung, aber echter Film
Die 35mm-Fassung wird im breiten Format 2,39:1 gezeigt. Im Vergleich zu 70mm ist das Filmmaterial kleiner, entsprechend geringer fällt der mögliche Detailgrad aus. Dafür bleibt der analoge Charakter erhalten. Leichte Körnung, minimale Unruhe im Bild und die besondere Farbwiedergabe gehören hier zur Vorstellung und sind kein Zeichen dafür, dass der Projektor gerade stirbt.
35mm ist vor allem für Filmfans interessant, die bewusst eine traditionelle Kinoprojektion erleben möchten. Wer dagegen maximale Schärfe, Helligkeit und Bildfläche sucht, ist mit IMAX, 70mm oder Dolby Cinema besser bedient.
Dolby Cinema: Starkes Bild und noch stärkerer Ton
Dolby Cinema kombiniert eine Dual-4K-Laserprojektion mit Dolby Vision und einer Dolby-Atmos-Anlage. Das System ist auf hohe Helligkeit, kräftige Farben, starke Kontraste und möglichst tiefe Schwarzwerte ausgelegt. Der Ton kann räumlich im gesamten Saal und auch oberhalb der Zuschauer positioniert werden.
Die Odyssee kann im Dolby Cinema je nach Leinwand im Seitenverhältnis 1,85:1 oder 2,39:1 laufen. Vor dem Ticketkauf lohnt sich deshalb ein Blick auf den jeweiligen Saal. Die Bezeichnung Dolby Cinema ist im Gegensatz zu einem einfachen Dolby-Atmos-Hinweis ein vollständiges Kinokonzept aus Bild, Ton und Saalausstattung.
In Deutschland gibt es Dolby-Cinema-Säle unter anderem in München, Hamburg und Esslingen. Für Zuschauer, denen kräftiger Kontrast und ein möglichst wuchtiger Ton wichtiger sind als eine analoge Filmkopie, dürfte das eine der besten verfügbaren Varianten sein.
Premium Large Format: Groß, aber nicht eindeutig definiert
Premium Large Format, häufig nur PLF genannt, ist der schwammigste Eintrag in der Liste. Gemeint sind besonders große und technisch besser ausgestattete Säle, die von Kinoketten häufig unter eigenen Markennamen betrieben werden. Die Odyssee wird in diesen Sälen abhängig von der Leinwand im Seitenverhältnis 1,85:1 oder 2,39:1 gezeigt. Eine PLF-Vorstellung kann hervorragend aussehen und klingen, muss aber nicht automatisch besser sein als ein gutes reguläres Kino. Hier hilft leider nur der Blick auf die technische Ausstattung des konkreten Saals.
Standardfassung: Derselbe Film, weniger technischer Zirkus
Die normale Digitalfassung läuft in gewöhnlich ausgestatteten Kinosälen. Sie bietet weder den erweiterten IMAX-Bildausschnitt noch eine analoge Filmprojektion oder verbindlich festgelegte Premiumtechnik.
Das bedeutet nicht, dass der Film dort schlecht aussieht. Ein gepflegter Saal mit moderner Laserprojektion kann eine überzeugende Vorstellung liefern. Bei einem Werk, das vollständig mit IMAX-Kameras gedreht wurde, verschenkt die Standardfassung allerdings einen Teil dessen, wofür der technische Aufwand betrieben wurde.
Welche Version sollte man buchen?
IMAX 70mm ist die kompromisslose Wahl und zeigt den größten Bildausschnitt. In Deutschland ist diese Version aktuell allerdings nicht verfügbar. Wer nicht ins Ausland reisen möchte, muss sich zwischen Bildfläche, analogem Look sowie besonders starkem Kontrast und Ton entscheiden.
Digitales IMAX ist die beste Wahl, wenn möglichst viel vom Bild zu sehen sein soll. Eine klassische 70mm-Vorstellung empfiehlt sich für Zuschauer, die Nolans Film tatsächlich analog erleben möchten. Dolby Cinema punktet mit Laserprojektion, starken Schwarzwerten und Dolby Atmos. 35mm ist eher eine Liebhabervariante, während ein guter PLF-Saal die praktische Alternative sein kann, wenn IMAX, 70mm und Dolby Cinema nicht in Reichweite liegen.
Die Odyssee startet am 16. Juli 2026 in den deutschen Kinos.
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