3D-DruckDruck-PraxisNews

Akku aus dem Drucker: 3D-Druck wird für Batterien spannend

3D-Druck ist längst nicht mehr nur Deko-Drachen, Benchys und Halterungen für Dinge, die vorher niemand vermisst hat. In der Batterieforschung wird additive Fertigung zunehmend zu einem echten Thema. Gemeint ist damit aber nicht, dass ihr demnächst zu Hause einen AA-Akku aus dem Ender jagt und danach stolz in die Fernbedienung stopft. Schön wär’s. So weit sind wir nicht. Und vermutlich ist das auch besser für eure Küche.

Spannend ist ein anderer Punkt: Batterien müssen nicht zwingend immer als starre Zelle, Pouch, Rundzelle oder Block gedacht werden. Mit Druckverfahren lassen sich Elektroden, Schichten und künftig auch ganze Zellstrukturen flexibler gestalten. Das kann helfen, vorhandenen Platz besser auszunutzen, Material gezielter einzusetzen und Produktionsprozesse zu vereinfachen.

Mehr Formfreiheit für Energiespeicher

Klassische Batterien sind in ihrer Form ziemlich störrisch. Sie werden in Geräte hineingeplant, aber selten wirklich Teil des Geräts. Genau hier liegt der Reiz gedruckter Batterien. Wenn Energiespeicher später an bestimmte Formen angepasst werden können, lassen sich ungenutzte Hohlräume besser füllen. Das ist besonders interessant für Drohnen, Wearables, medizinische Sensoren, kleine Elektronik, Fahrzeuge oder Geräte, bei denen jeder Millimeter zählt.

Statt also einen festen Akku irgendwo einzuklemmen, könnte die Batterie stärker an das Produkt angepasst werden. Mehr Energie im gleichen Raum. Oder gleiche Energie bei weniger Gewicht. Das klingt nach Zukunftsmusik, ist aber keine reine Fantasie mehr.

Gedruckte Elektroden statt Akku-Zauberei

Der realistische Einstieg liegt aktuell vor allem bei gedruckten Elektroden und neuen Fertigungsprozessen. Fraunhofer IFAM arbeitet beispielsweise an Batterieproduktion mit 2D- und 3D-Druckverfahren. Dabei geht es unter anderem um dickere Elektrodenschichten, neue Designs, weniger Lösungsmittel und geringere Trocknungsaufwände. Genau diese Trocknung ist in der klassischen Batteriefertigung ein ziemlicher Energiefresser. Große Anlagen, lange Prozesse, viel Aufwand. Nicht gerade sexy, aber teuer. Und teuer ist in der Batteriewelt immer das dicke Problem mit Stiefeln. Neue Druckverfahren könnten hier helfen, Material gezielter aufzutragen und bestimmte Prozessschritte sauberer zu machen.

Sodium-Ion und Festkörper im Blick

Auch bei neuen Zellchemien spielt 3D-Druck eine Rolle. Im Projekt 3DPrintBatt geht es um additive Fertigung von Natrium-Ionen-Festkörperbatterien. Natrium gilt als interessanter Kandidat, weil es breiter verfügbar und günstiger ist als Lithium. Gleichzeitig versprechen Festkörperbatterien mehr Sicherheit, weil sie ohne klassische flüssige Elektrolyte auskommen. Das heißt nicht, dass morgen jedes E-Auto mit gedruckten Natrium-Akkus herumrollt. Die Forschung ist noch am Anfang. Es geht um Materialien, Pasten, Schichtaufbau, Leitfähigkeit, Zelltests und am Ende um die Frage, ob sich das Ganze reproduzierbar und bezahlbar fertigen lässt.

Auch Europa forscht daran

Auf EU-Ebene läuft mit AM4BAT ebenfalls ein Projekt, das additive Fertigung für leistungsfähige Festkörper-Lithium-Ionen-Batterien untersucht. Zielwerte wie 400 Wh/kg und 1000 Wh/L zeigen, wohin die Reise gehen soll: höhere Energiedichte, bessere Integration und nachhaltigere Produktionsketten. Das ist ambitioniert, aber genau solche Projekte zeigen, dass 3D-gedruckte Batterien nicht nur ein nerdiger Seitenzweig sind.

Der entscheidende Punkt ist: 3D-Druck verändert bei Batterien nicht unbedingt zuerst die Chemie. Er verändert die Art, wie Batterien gebaut werden. Und das kann am Ende genauso wichtig sein. Denn was bringt der beste Akku, wenn er teuer, schwer, schlecht integrierbar oder nur mit irrem Produktionsaufwand herstellbar ist?Gedruckte Batterien sind also noch nicht der nächste heiße Basteltrend für den Hobbykeller. Aber sie könnten eine dieser Technologien werden, die erst langweilig nach Prozessoptimierung klingen und später plötzlich überall drinstecken. Ganz heimlich. So wie gute Technik das eben macht, bevor irgendeine Marketingabteilung sie wieder mit Neonlicht anschreit.

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Torsten Schmitt (Pixelaffe)

Geboren 1976 im schönen Schwetzingen und nicht weggekommen. Ich habe somit den Aufstieg des Internet miterlebt und beruflich auch vorangetrieben. Hier schreibe ich über all die Technologien die mir auf meiner Reise durch das "Neuland" auffallen. Wenn ihr mir was für einen Kaffee oder neue Gadgets zukommen lassen wollt, könnt ihr das gerne über www.paypal.me/pixelaffe tun

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