Ausnahmeregisseur Roland Emmerich begeistert auf der FMX 2026 – He breaks the system
Anekdoten, selbstironische Gedanken und Liebhaber von cineastischen Katastrophen
Roland Emmerich – ein Name wie Donnerhall. Nicht bloß für Cineasten auf diesem Planeten. Bis auf den letzten Platz gefüllt war der König-Karl-Saal im Rahmen der FMX 2026 in Stuttgart, vorne auf der Bühne Roland Emmerich – samt Titel, der wenig Spielraum für Überraschungen lässt: „30 Years of Independence Day“. Das finale Panel begeistert mit Selbstironie, handwerklichen Details und ein paar unerwartet offenen Einblicken in eine beispiellose Karriere, die nicht geradlinig verlaufen ist – so lief das Panel mit dem schwäbischen Katastophenliebhaber.
Kaum begrüßte Moderator Ian Failes das aufgeregte Publikum im König-Karl-Saal auf Europas einflussreichster Konferenz für Animation und Effekte tippelt ein entspannter Headliner auf die Bühne. Emmerich beginnt nicht mit Hollywood, sondern mit sich selbst. Studierter Production Designer, eigentlich immer mit dem Ziel, Regisseur zu werden. Sein Abschlussfilm an der Hochschule für Fernsehen und Film München, „Das Arche Noah Prinzip“, entsteht mit Anfang 20 – und mit einem Budget von über einer Million D-Mark. Für damalige Verhältnisse ein wahres Pfund. „Which breaks the system“, sagt er rückblickend, halb stolz, halb amüsiert. Früh zeigt sich da schon das Muster: größer denken als überhaupt vorgesehen.
Der Sprung in die USA wirkt im Rückblick dagegen absurd. Sein erstes großes Projekt dort: Der Jean-Claude Van Damme-Reißer „Universal Soldier“. Das Skript, so Emmerich, sei eines der schlechtesten gewesen, das er je gelesen habe. Warum er es trotzdem gemacht hat? Künstlerische Freiheit. Die Aussicht, ein Studio-Projekt nach eigenen Vorstellungen umzubauen. Für einen jungen Regisseur Anfang 30 ein Risiko – und gleichzeitig eine wertvolle Chance.
Mit dem bis heute populären „Stargate“ folgt dann etwas, das er selbst als Sleeper Hit beschreibt – also kein sofortiger Blockbuster, sondern ein Film, der sich langsam sein Publikum erarbeitete. Interessant wird es Jahre später: Die Macher:innen der gleichnamigen Serie müssen bei ihm die Rechte einkaufen. Emmerich kassiert seitdem bei jeder Episode eine Producer-Gebühr – nettes Detail im Anekdotenfeld.
Dann bewegen wir uns langsam zum Thema, um den sich der Abend eigentlich dreht: „Independence Day“. Entstanden in erstaunlich kurzer Zeit – das Drehbuch wurde innerhalb weniger Wochen geschrieben. Denn: Parallel arbeitet Sleepy Hollow-Regisseur Tim Burton an „Mars Attacks!“. Emmerich zieht den Starttermin vor, bringt seinen Film, passenderweise, am 4. Juli ins Kino, während Burton erst im August folgt. Ein klassischer Fall von Timing.
Was „Independence Day“ heute interessant macht, ist weniger die Geschichte als die Machart. Emmerich spricht ausführlich über Effekte – relativiert nebenbei ein gängiges Missverständnis. Nur 412 CGI-Shots habe der Film, der Rest sei mühevolle Handarbeit gewesen: Miniaturen, Modelle, physische Sets. Die berühmte Sequenz des zerstörten Weißen Hauses? Kein reiner Computertrick, sondern ein gebautes Modell. Auch das Flugzeug „Air Force One“ hing tatsächlich an Angelschnüren vor einem gemalten Hintergrund. Lens-Flares, damals noch höchst untypisch, wurden nicht digital hinzugefügt, sondern mit einer kleinen Lichtquelle direkt vor der Kamera erzeugt. Es sind diese Details, die dem Abend seine stärksten Momente geben – weil sie zeigen, wie viel Improvisation und Pragmatismus hinter einem vermeintlichen Effektfeuerwerk stecken.
Emmerich selbst ordnet den Film ohne Umschweife ein: „Independence Day is the film which made my career.“ Gleichzeitig beschreibt er sich als jemand, der gezielt im „Business of Eventfilms“ gearbeitet habe – große Bilder, klare Konzepte, maximale Wirkung. Dass er damit nicht immer richtig lag, verschweigt er nicht. „Moonfall was not a dead good movie“, meint er trocken – ein Satz, der im Saal für Lacher sorgt, gerade weil er so ungeschönt kommt. Zumal „Moonfall“ von 2022 der bis dato letzte richtig spektakuläre Emmerich-Bombastfilm war.
Überhaupt wirkt Emmerich an diesem Abend erstaunlich reflektiert. Er erzählt davon, wie oft er in seiner Karriere „Nein“ gesagt hat – etwa zu Angeboten von Produzent Joel Silver oder Sylvester Stallone. Ein kurzer Exkurs führt zu „Godzilla“, seinem vielleicht umstrittensten Projekt. Der eigens produzierte Teaser – gedreht vor dem eigentlichen Film – war als direkte Antwort auf den Erfolg von „Jurassic Park“ gedacht. Dennoch sei erwähnt: Der enorme Respekt vor Steven Spielberg steht außer Frage.
Spannend wird es, als Emmerich über Gegenwart und Zukunft spricht. Aktuell nehme er sich eine Pause, aufgrund seines Alters von frischen 70, arbeite aber parallel an zwei bis drei Projekten. Darunter ein Film, der sich explizit mit KI beschäftigen soll, außerdem eine neue Serie – und, eher beiläufig erwähnt, vielleicht ein dritter Teil von „Independence Day“. Konkreter wird er nicht. Zwischen den großen Themen streut Emmerich immer wieder kleine Seitenhiebe ein. Besonders hängen bleibt sein Kommentar zum modernen Blockbuster-Kino: „The element of slightly comedic moment is in every fucking Marvel movie.“ Kein Rant, eher eine beiläufige Feststellung – aber eine, die das Publikum lachend goutiert.

Der Rahmen der pestigeträchtigen Veranstaltung trägt seinen Teil bei. Der Saal ist voll, die Aufmerksamkeit hoch. In der ersten Reihe sitzt unter anderem Muhterem Aras, Präsidentin des baden-württembergischen Landtags.
Nach dem Panel ist der Abend noch nicht vorbei. Gemeinsam mit „seinem“ jahrelangen VFX-Spezialist Volker Engel geht es weiter ins ebenfalls bestens gefüllte Metropol Kino, der Traumpalast-Gruppe, Stuttgart, wo „Independence Day“ noch einmal im Specialscreening über die große Leinwand flimmern darf. Emmerichs Einführung ist locker – ein kurzer Rückblick, ein paar locker gestreute Geschichten, dann beginnt der Film. Und wenn eines über Leidenschaft aussagt, dann folgendes: Selbst ein Roland Emmerich bleibt am Saaleingang stehen um den Beginn seines zeitlosen Science-Fiction Klassikers nochmals mit dem Popcorn-knabbernden Publikum zu erleben.
Mehr Informationen zur FMX 2026 findet ihr auf der offiziellen Webseite.
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