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Fitbit Air: Tolles Band, aber Googles Gesundheitsplattform hat Verbesseungspotential

Ich habe das Fitbit Air nun mehrere Tage genutzt. Nicht mit Android, nicht im perfekten Google-Kosmos, sondern genau in der Umgebung, in der viele Nutzer am Ende landen: Apple Health, Fitbit-Daten, Google-Konto und mehrere Plattformen, die gleichzeitig Gesundheitsdaten verwalten wollen. Und genau dort zeigt sich, wie gut das Band wirklich ist. Oder eben nicht.

Das Fitbit Air ist das angenehmste Fitnessband seit Jahren

Das Erste, was auffällt: Man merkt es kaum. Das Fitbit Air ist extrem leicht. Google gibt rund 12 Gramm inklusive Band an. Nach wenigen Stunden hatte ich tatsächlich mehrfach vergessen, dass ich es überhaupt trage. Besonders nachts spielt das Band seine Stärke aus. Während viele Smartwatches beim Schlafen irgendwann stören, verschwindet das Fitbit Air praktisch am Handgelenk. Genau dafür scheint es gebaut worden zu sein: dauerhaftes Tracking ohne ständige Aufmerksamkeit.

Das Konzept ohne Display funktioniert dabei überraschend gut. Anfangs greift man automatisch ans Handgelenk, um auf die Uhr zu schauen. Nach ein paar Tagen fand ich es eher angenehm, dass das Band einfach still seinen Job macht.

Für Alltag und Gesundheit deutlich stärker als für Sport

Das Fitbit Air misst Herzfrequenz, Schlaf, SpO2, Hauttemperatur und Aktivitätsdaten. GPS gibt es nicht. Für Outdoor-Aktivitäten wird weiterhin das Smartphone benötigt. Im Alltag funktionierte das Tracking bei mir zuverlässig (nach der GPS Freigabe :-D). Schritte, Schlafdauer und Herzfrequenz wirkten plausibel. Gerade das Schlaftracking gehört für mich zu den stärkeren Bereichen des Bands. Beim Sport merkt man dagegen schnell die Grenzen. Es gibt keine Live-Anzeige am Handgelenk, keine Trainingssteuerung und keine tieferen Leistungsanalysen. Wer gezielt trainiert oder seine Belastung sehr genau überwachen möchte, bekommt bei Garmin, Polar oder Amazfit deutlich mehr Werkzeuge. Das Fitbit Air beantwortet eher die Frage: „Wie geht es meinem Körper?“ als „Wie optimiere ich mein nächstes Intervalltraining?“

Die eigentliche Baustelle ist die Software

Die größte Überraschung meines Tests war nicht das Band. Es war die neue Google-Health-Plattform. Google hat Fitbit inzwischen in Google Health integriert und ersetzt damit schrittweise die bisherige Fitbit-App und Google Fit. Die neue Oberfläche sieht moderner aus. Die Auswertungen wirken aufgeräumter. Gleichzeitig hatte ich während des Tests mehrfach das Gefühl, dass die Plattform noch nicht komplett fertig ist.

Vor allem die Synchronisation zwischen Fitbit, Google Health und Apple Health wirkte bei mir nicht immer konsistent. Teilweise erschienen Daten zeitversetzt. Aktivitätswerte unterschieden sich gelegentlich zwischen den Plattformen. Das ist kein Totalausfall. Aber es wirkt eben nicht komplett aus einem Guss.

Meine alten Daten waren nicht überall sauber sichtbar

Besonders aufgefallen ist mir die Datenhistorie. Ich hatte bereits ältere Gesundheits- und Aktivitätsdaten aus der Google-Fit-Welt. Nach der Nutzung von Google Health waren diese Daten zwar grundsätzlich weiterhin vorhanden, aber nicht überall gleich konsistent sichtbar.

Einige ältere Zeiträume wurden anders dargestellt als zuvor. Historische Trends wirkten stellenweise unvollständig. Vor allem beim Wechsel zwischen verschiedenen Ansichten und Plattformen hatte ich mehrfach das Gefühl, dass nicht jede Datenquelle identisch ausgewertet wird.

Google betont zwar, dass bestehende Fitbit- und Gesundheitsdaten übernommen werden. In meinem Test wirkte die Zusammenführung verschiedener historischer Datenquellen aber noch nicht vollständig ausgereift.

Gerade bei Gesundheitsdaten fällt so etwas sofort auf. Wer erst seit wenigen Wochen trackt, wird das vermutlich kaum bemerken. Wer mehrere Jahre Datenhistorie besitzt, schaut deutlich genauer hin. Besipielsweise tracke ich mein Gewicht seit mehr als 10 Jahren und diese Daten sind auch im Apple Kosmos vorhanden, in der App sehe ich allerdings nur die letzten 3 Jahre.

Das Abo-Thema nervt deutlich weniger als bei Whoop

Was mir dagegen gefallen hat: Das Fitbit Air funktioniert auch ohne verpflichtendes Abo. Google bietet zwar Google Health Premium mit zusätzlichen KI- und Coaching-Funktionen an, die Grundfunktionen bleiben aber nutzbar. Das unterscheidet das Band deutlich von Whoop. Dort hängt das gesamte Produkt am laufenden Mitgliedsmodell. Für viele Nutzer dürfte genau das einer der größten Pluspunkte des Fitbit Air sein.

Die KI ist da. Vielleicht etwas zu präsent

Google setzt stark auf seinen neuen Health Coach und KI-Auswertungen. Manche Hinweise sind tatsächlich hilfreich. Andere wirken eher wie Funktionen, die zeigen sollen, dass KI vorhanden ist. Ich hätte mir stellenweise gewünscht, dass Google zuerst die klassische Datenauswertung perfektioniert und die KI etwas weiter in den Hintergrund rückt. Gute Gesundheitsdaten brauchen keine Dauerbeschallung.

Bewertung

Das Fitbit Air hat mich vor allem als Hardware überrascht. Das Band ist angenehm unauffällig, stört kaum und macht im Alltag genau das, was es soll: Daten sammeln, ohne ständig Aufmerksamkeit zu verlangen. Gerade nachts ist das ein echter Vorteil.

Die Software ist dagegen noch nicht ganz dort, wo sie sein müsste. Sync, historische Daten und die neue Google-Health-Struktur wirken stellenweise noch etwas hakelig. Das ist kein Beinbruch. Viele dieser Punkte können per Software-Update verbessert, erweitert oder sauberer nachgeliefert werden. Beim Kauf sollte man es trotzdem im Kopf behalten.

Man sollte das Fitbit Air nicht mit einer Hardcore-Fitnesswatch verwechseln. Es ist kein Gerät für Menschen, die beim Training jede Sekunde Puls, Pace und Leistungszone sehen wollen. Es ist eher ein Tracker, der über längere Zeit Muster erkennen, Ziele verfolgen, motivieren und Zusammenhänge sichtbar machen soll. Genau darin liegt der Reiz. Und manchmal eben auch das Risiko, wenn der KI-Coach etwas zu selbstbewusst halluziniert.

Ich bin deshalb etwas hin- und hergerissen. Wer einfach einen leichten Alltagstracker sucht, bekommt ein spannendes Gerät. Wer dagegen ein echter Numbercruncher ist und jede Kurve, jeden historischen Wert und jede Abweichung sauber nachvollziehen will, sollte vor dem Kauf genauer hinsehen.

Wertung: 7,5 von 10

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Torsten Schmitt (Pixelaffe)

Geboren 1976 im schönen Schwetzingen und nicht weggekommen. Ich habe somit den Aufstieg des Internet miterlebt und beruflich auch vorangetrieben. Hier schreibe ich über all die Technologien die mir auf meiner Reise durch das "Neuland" auffallen. Wenn ihr mir was für einen Kaffee oder neue Gadgets zukommen lassen wollt, könnt ihr das gerne über www.paypal.me/pixelaffe tun

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