
BYD übernimmt Unfallkosten – Da ist aber jemand sehr von sich überzeugt
BYD legt beim autonomen Fahren eine ziemlich dicke Ansage auf den Tisch. Der chinesische Autobauer will in China für Unfälle zahlen, wenn sie während der regelkonformen Nutzung seines Assistenzsystems God’s Eye passieren. Nicht als nette Kulanzgeste irgendwo im Kleingedruckten, sondern als offizielle Garantie für bestimmte Funktionen. Da ist aber jemand sehr von sich überzeugt. Konkret geht es um die urbanen NOA-Funktionen des Systems. NOA steht für „Navigate on Autopilot“ und beschreibt Fahrassistenz im Stadtverkehr. Also nicht nur Spurhalten auf der Autobahn, sondern Ampeln, Kreuzungen, Verkehr, Chaos. Genau dort, wo solche Systeme zeigen müssen, ob sie wirklich mehr können als hübsche Demo-Videos auf perfekt markierten Straßen.
BYD spricht von einer einjährigen Full Damage Coverage für Fahrzeuge mit God’s Eye 5.0 sowie für Nutzer, die entsprechend aufrüsten. Die Garantie gilt zunächst für den chinesischen Markt. Wenn bei regelkonformer Nutzung der Urban-NOA-Funktion ein rechtlich relevanter Unfall passiert, will BYD die daraus entstehenden wirtschaftlichen Schäden übernehmen. Dazu zählen laut BYD Reparaturkosten am eigenen Fahrzeug, Sachschäden Dritter und auch Haftpflichtansprüche bei Personenschäden. Versicherungsprämien im Folgejahr sollen durch solche Fälle ebenfalls nicht belastet werden.
Nicht komplett fahrerlos
Wichtig ist aber der kleine, entscheidende Haken: Das Ganze gilt bei regelkonformer Nutzung. Genau dieser Begriff wird in der Praxis spannend. Das System muss innerhalb seiner vorgesehenen Grenzen genutzt werden. Der Fahrer muss aufmerksam bleiben und bei Bedarf eingreifen. Genau diese Grenze zwischen „das Auto hat Mist gebaut“ und „der Mensch hätte eingreifen müssen“ dürfte im Ernstfall die eigentliche Musik spielen. Oder eben der eigentliche Rechtsstreit.
Frontalangriff auf Tesla
Der Schritt ist trotzdem bemerkenswert. Während Tesla seit Jahren sehr offensiv mit Autopilot und Full Self-Driving wirbt, die Verantwortung aber im Kern beim Fahrer lässt, geht BYD hier weiter. Zumindest finanziell. Der Hersteller sagt damit: Wir glauben so sehr an unsere Technik, dass wir im Schadensfall zahlen. Das ist nicht nur ein Vertrauenssignal an Kunden. Es ist auch ein Marketing-Schlag direkt in Richtung Konkurrenz. BYD will seine Assistenzsysteme nicht mehr nur über Funktionen verkaufen, sondern über Verantwortung. Und das ist in einem Markt, in dem alle über autonome Zukunft reden, aber kaum jemand für die Gegenwart geradestehen will, durchaus ein Brett.
God’s Eye wird breiter ausgerollt
BYD baut seine Assistenzsysteme derzeit massiv aus. Die God’s-Eye-Systeme werden in mehreren Varianten angeboten und sollen in immer mehr Modellen verfügbar sein. Parallel hat BYD neue Technik für künftige autonome Fahrfunktionen vorgestellt, darunter einen selbst entwickelten 4-nm-Chip für fortgeschrittene Fahrassistenz und perspektivisch automatisiertes Fahren.
Mutig, aber mit Fragezeichen
BYDs Ansage ist mutig. Vielleicht sogar clever. Denn wer Kunden überzeugen will, dass ein Assistenzsystem im Stadtverkehr wirklich taugt, muss mehr liefern als bunte Icons im Cockpit. Eine Haftungszusage wirkt da deutlich kräftiger als die nächste Hochglanzfolie. Ganz sauber ist die Sache trotzdem nicht. Die Garantie gilt nur in China, nur für bestimmte Systeme, nur für einen definierten Zeitraum und nur bei korrekter Nutzung. Damit bleibt genug Raum für Diskussionen, wenn es wirklich kracht. Trotzdem setzt BYD damit ein Signal, das andere Hersteller unangenehm finden dürften.
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