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Dead Island 2 im großen TEST – Schlagkräftige Schlachtplatte!

Hick Hack am sonnendurchfluteten Venice Beach

Was lange währt, wird endlich gut? Nach einer gefühlten Ewigkeit erscheint tatsächlich das totgeglaubte Zombie-RPG “Dead Island 2” und versetzt uns in die Rolle eines Überlebenden im vom blutrünstigen Kreaturen überrannten Los Angeles. Statt Sightseeing am Hollywood Boulevard durchstreifen wir Villen, plündern Hotelressorts und erkunden das Santa Monica Pier auf ganz besondere Weise. Ob die Dambuster Studios das ironischerweise selbst gar totgeglaubte Zombie-Abenteuer vor der endgültigen Verwesung retten konnten, verrät unser großer Test.

Acht Jahre voller Ungewissheit

Toter Strand. Totes Eiland. Tote Entwicklung. Passend zur Hauptthematik passt auch die mehr als turbulente Entwicklungshölle…ähm Historie von “Dead Island 2”. Gründete das spätere “Dying Light”-Studio Techland noch den paradiesischen Club für leidenschaftliche Hiebwaffenschwinger im Jahr 2011, öffnete man ihn zwei Jahre später mit dem Untertitel “Riptide” nochmals um die leidgeprüften Überlebenden durch das Untoten-verseuchte Urlaubsgebiet zu schicken. Trotz mal oder weniger unterhaltsamer Ausflüge ins Mystery-Genre mit “Escape Dead Island” oder sogar als MOBA wurden die Rufe nach einem echten zweiten Teil doch lautstarker. Während sich Techland anderen Projekte widmete musste Publisher Koch Media (heute Plaion) ein geeignetes Studio suchen. Erst schien die in Berlin beheimatete Entwicklerschmiede Yager perfekt als Übernahme für die resistenten Zombies zu gelten, durch die obligatorischen kreativen Differenzen überwarf man sich und ähnliches ereignete sich einige Zeit später mit Sumo Digital. Schlussendlich wurde im britischen Studio Dambuster eine neue Heimat für die alleingelassenen Untoten. Dank Erfahrungen mit der “Timesplitters”-Reihe ist das Potenzial eine wilde Mixtur aus Action und Comedy vorhanden.

Nun ist es endgültig auf unseren Konsolen spielbar und beginnt fast schon friedlich. Unsere Helden wider Willen sicherten sich nämlich einen der letzten Evakuierungsflüge raus aus HELL-A. Im Griff liegt nicht nur ein kühler Drink sondern sogleich auch unsere Auswahl für den Charakter aka Top-Slayer – davon stehen sechs zur Auswahl und bieten RPG-typisch neben Vor- auch gewisse Nachteile. So ist Ryan ein muskelbepackter Feuerwehrmann dessen Kraft zugunsten seiner Schnelligkeit niederschlägt. Dagegen ist die raubeinige Carla schneller auf den Füßen und kann bei kritischer Gesundheit sogar noch mehr Angreifer weghauen. Für unser Abenteuer entschiednen wir uns jedoch für den toughen Lenny Kravitz-Verschnitt “Jakob”, der recht ausgeglichene Specs bietet und bei Kämpfen sogar seine Lebensenergie aufwertet. Es kommt wie es kommen muss – der Vogel rauscht wegen ungebetener Gäste wieder zu Boden. Nach Rettung der Schauspielerin Emma Jaunt lässt uns das Spiel eigentlich von der Leine. Überraschend positiv ist der Fakt, dass Dambuster nicht auf eine lahme Open-World setzt sondern uns weiträumige Areale erkunden lässt. Beginnen wir in den sonnenverwöhnten Hollywood Hills, deren schicken mit marmorüberzogenen Villen, die noch Reste von Partys hinterließen und uns die ein oder andere skurille Nebenfigur auftischen, lotst man uns in munterer Taktung in neue Gebiete. Der verlassene aber nicht ungefährliche Venice Beach sei hier zu nennen – das altbekannte Gefühl von Erkundung ist hier der größte Motivationsgeber. Die Storyline in “Dead Island 2” ist nett, aber weder tiefgründig oder packend inszeniert. Sie dient nur dazu uns einen halbwegs guten Grund zum Ziel abchecken zu geben.

Schleim und B-Movie Dialoge

Das soll nicht per se als negative Wertung gesehen werden, da “Dead Island 2” im Gameplay seine größte Spielfreude entfacht. Hauen, stechen, schlagen und später wegschießen geht nämlich nach etwas Eingewöhnungszeit recht sauber vom Controller. Neben der sinnvollen Implementierung neuer, stärkerer Gegnertypen wirft uns das Spiele abgedrehte Baupläne zur Fertigung von mehr als durchgeknallten Waffen zu. Es bleibt uns überlassen, ob wir mit strom-versetzten Wolverine-Krallen die Zombies kleinhäkseln oder per Vorschlaghammer mit Draht ordentlich für Unheil sorgen. Doch seid euch bloß nicht zu sicher – überlegen seid ihr auch mit vollem Waffeninventar nicht. Es braucht nur eine kleine Gruppe blutrünstiger Ex-Menschen oder besonders hartnäckige Gegner – prompt heißt es Game Over. Gleiches gilt für die regelmäßigen Bosskämpfe. Besonders amüsant ist der Kampf gegen eine mutierte Braut im Festsaals eines Hotels. Häufig bringt wildes Draufhauen gar nichts, da die Umgebung benutzt werden muss. Giftgas oder grüner Schleim sind häufig wichtig. Unsere Hauptfigur kommentiert einige Situationen recht glaubhaft, sodass die eindeutigen B-Movie Dialoge selten zu trashig werden. Kenner der vorherigen Teile werden bei manchen auftauchenden Figuren sogar mit der Zunge schnalzen. “Dead Island 2” bietet keinen dynamischen Tag/Nacht-Wechsel aber sobald die Gebiete ins Halbdunkle getaucht sind, entwickelt sich doch Atmosphähre. Nicht so stark wie im geistigen Nachfolger “Dying Light”, aber immerhin.

Einige Missionen bieten dank ihrer skurillen Einfälle etwas Abwechslung vom Slayer-Trott. So sol Jakob mal Pizza für eine ehemalige Rockröhre liefern um einen Schlüssel für einen bestimmten Eingang zu erhalten. In Häusern, die manchmal zu sehr nach Copy und Paste anfühlen, sammeln wir Schrott und Zutaten um Medi-Kits herzustellen oder Waffen zu reparieren. Nervigerweise ist dies nur an speziellen Werkbänken verteilt in der Spielwelt möglich – Crafting im Inventar hätte uns besser gefallen. Auch sind die Übergänge in jeweils andere Gebiete nicht immer spaßig geraten. Fast eine Stunde trotten wir beispielsweise durch die ereignisarme Kanalisation, da wäre mehr gegangen. Entschädigt werden wir immerhin vom überrannten Vergnügungspark am Pier mit angreifenden Horror-Clowns, welche an den ersten “Zombieland” erinnern. Statt tumb nur Gliedmaßen zu zerstümmeln, arbeitete Dambuster an einem prozentual-berechnenden Schadenssystem. Übersetzt heißt dies: Kein Schlag ist wie der andere und wird physikalisch neu berechnet. Weggehaute Unterkiefer sehen bei jedem Durchgang eine Tick anders aus. Dies macht die Kämpfe nicht erwartbar.

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Fahrzeuge findet ihr im Höllenloch nicht, dafür teils sehr gut gewordene Quests und recht früh schon Schusswaffen. Genauso wie Schlag- oder Stichwaffen sind sie mit Upgrades aufwertbar – das erhöht die Schadenzahl und sorgt bei mehreren Feinden gleich für Vorteile. Technisch holt Dambuster nochmal viel aus der Unreal Engine 4 raus – neben leuchtenden Feuer-Effekten, liegt in der Lichtstimmung ein besonderer Touch – wodurch die auftretenden Ladepausen zwischen den Gebieten eigentlich nicht mehr zeitgemäß sind. Gleiches gilt für Neustarts nach Toden. Noch ein kleiner Hinweis: Aufgrund sehr drastischer Gewaltdarstellungen ist “Dead Island 2” zurecht erst ab 18 Jahren freigegeben. Über den Schnitt, der nur das Zerteilen von erlegten Zombies betrifft, darf trefflich diskutiert werden. Der Rest des Spiels ist jedoch mit internationalen Versionen gleich. Die Musik ist nur an bestimmten Punkten bemerkbar, falls uns College-Rock bei Kampf gegen eine Scharr von Zombies entgegen wabert, aber sonst hält sich die musikalische Untermalung im Hintergrund. Durch Verbindungsprobleme konnten wir den Vier-Spieler-Koop nicht gesondert testen. Aufgrund von teils heftigem Stumpfsinn ist das Lesen der auffindbaren Textlogs nicht zu empfehlen, aber WER liest schon in Zombiespielen.

Unser Fazit zu “Dead Island 2”

Fast schon als Treppenwitz wie das ewig verschollene “Duke Nukem Forever” geendet, schaffte es “Dead Island 2” schlussendlich nach mehr als acht Jahren Entwicklungshölle doch auf unsere System. Hat es dem Spiel geschadet? Nein. Ist das Spieldesign veraltet? Nein. Hätte mehr drin sein können? Durchaus. Gerade, weil niemand noch Erwartungen an dieses Spiel stellte, ist der Wunsch nach “mehr auf die Kacke hauen” vorhanden. Zombies bashen und Hollywood Villen bei knalliger Sonne ausstöbern, ist ein frischer Ansatz aber es stagniert dann leicht. Einerseits gibt sich die Storyline auffällig Mühe uns denkwürdige Figuren vorzusetzen, doch die eigentliche Handlung plätschert nur vor sich hin. Für eifrige Untoten-Schnetzler ist ein Fest, für die Anderen auch mit Abstrichen.

Entwickler: Dambuster Studios | Genre: Horror-Action | Preis: 79,99 Euro | Für PlayStation 4|5, Xbox One|Series und PC | USK: ab 18

Dead Island 2 (PlayStation 5)

Spielspaß - 81%
Gameplay - 81%
Grafik - 83%
Technik - 77%

81%

Empfehlung!

Hick! Bash! Schlag! Brutaler Zombieschnitzler dank herrlich skurillen Ideen mit hohem Fun-Faktor aber halbgarer Story.

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Benny Illgner

Nachname hielt schon Fußbälle auf. Ich bisher nur virtuell. Sitzt seit 2005 in Digitalien fest und wartet auf den Pannendienst. Steht in fester Beziehung mit Twitter und Facebook. Schreibt Gags fürs Netz und Fernsehen. Nimmt gedeckte Schecks und Pizza gerne auf Twitter unter @IamIllgner an.

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