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Deathloop im großen Test | Mehr als nur Murmeltiertag

Passiert das jetzt nochmal?

Mit „Deathloop“ melden sich die französischen Entwickler:innen von Arkane fulminant zurück – der Zeitschleifen-Shooter strotzt nur so vor bizarren Humor, knalligen Sixties-Flair und offen gestalteten Levels samt anspruchsvollem Gameplay. Wir statteten der rätselhaften Insel Blackreef mehrere Besuche für eine ausführliche Review zum PS5-Exklusive ab.

Kater am Morgen

Haudegen Colt Vahn hat einen verdammt miesen Morgen. Ach, was sag ich denn. Gleich einen verdammt miesen Tag. Mit zünftigem Kater mitten am Strand liegend morgens aufwachend. Gefolgt von weiteren furchtbaren Tagen mit ebendiesem Einstieg. Außer einem brummenden Schädel erinnert sich Colt weder an seinen Namen, sein Leben oder was ihn auf das Eiland verschlug. Sein Ziel: Antworten suchen. Die Leutchen von Arkane besaßen stets das Gespür für interessante Geschichten abseits der ausgetretenen Storypfade vieler anderer Studios. Sei es das damalig schon höchst interaktive Fantasy-Rollenspiel „Arx Fatalis“, zog sich über den in bester Absicht kämpfenden kaiserlichen Leibwächter Corvo Attano bis hin zum stilistisch kühlen Weltraum-Abenteuer „Prey“, in dem man niemals sicher war, ob Gegenstände wirklich tot waren. Mit „Deathloop“ entsteigt man allen gesetzten Korsetten und serviert jenen Spielern ein rotziges Stück Story, das mühelos von James Gunn (Suicide Squad) adaptiert werden könnte.

Die zu findenden Antworten werden Colt auf unterschiedliche Art näher gebracht. Einerseits sind aus der festen Ego-Perspektive regelmäßig umherschwebende Wortfetzen bzw. hilfreiche Sätze zu lesen. Dank viel konfrontativem Humor servieren die Entwickler:innen herrliche Steilvorlagen für unsere dauerkommentierende Hauptfigur. Das passt insofern gut, weil wir oftmals Situationen erleben, in denen Colt genau das ohne Hemmungen aussspricht, was wir gerade denken. Nach einer kleinen Schießübung findet man recht schnell den Hackamajig – damit hacken wir viele Systeme und kommunzieren mit Julianna. Dazu später mehr. „Deathloop“ nimmt uns konsequenterweise die ersten Spielstunden straight an der Hand. Heißt: Eine Menge Tutorials für bald alltägliche Griffe. Gut so, denn Arkane setzt auf anspruchsvolles Gameplay mit mehreren Wechsel von Taktiken innerhalb weniger Momente. Von leisem Stealth auf knallharte Shootouts gefolgt von hastigem Wegrennen, passiert nicht nur einmal auf Blackreef. Startet Colt noch mit einer Ladehemmung-anfälligen Uzi erweitert sich das Waffenarsenal wenig später auf bis zu drei Hauptwaffen wie einem Revolver, Pistolen, Schrotflinten oder automatische Pfeffermühlen…ähm MG’s. Jeweils in qualitativen Unterschieden oder Fähigkeiten unterteilt, die dank Tafeln von den Visionären bestimmte Strategien zulassen.

Ein Attentäter für jede Tageszeit

Fast vergessen: Um was geht’s da eigentlich? Ganz einfach – es gilt sieben Visionäre auf Blackreef zu töten, um den Loop zu brechen, der dazu führt, dass sich der gleiche Tag immer auf’s Neue wiederholt. Visionäre bilden quasi kleine Mini-Bosse in den insgesamt vier weitläufigen Leveln. Richtig gehört. Ganz klassisch gibt es Level. Pro Gebiet vergeht eine in vier Phasen ablaufende Tageszeit. Zu jeder Tageszeit ändern sich Gebiete, Gegneraufkommen und Präsenz der jeweiligen Visionäre. Für Colt heißt es da nur: Infos. Infos. Infos. „Deathloop“ will kein typischer Shooter sein, sondern verbindet das bekannte „Dishonored“-Spielprinzip mit deftigen Ballereien. Wobei die aber dann viel zu taktisch angegangen werden müssen, weil eure Gegner namens „Eteralisten“ recht häufig treffen. Zwar erhaltet ihr zu Anfang die feste „Reprise“-Tafel mit der ihr zweimal in einem Loop sterben dürft, aber beim 3. Mal wieder morgens ohne verbesserte Waffen, Fähigkeiten am Strand erwacht. Klingt blöd? Stimmt. Aber ab Mitte des Abenteuers zapft ihr Residiuum von getöteten Visionären oder wenigen schimmernden Gegenständen ab, um verbesserte Tafeln sowie Waffen unabhängig des Loops behalten zu können.

Alle vier Gebiete grenzen sich mit eindeutigen Settings gut voneinander ab, sodass Colt durch scheinbar verlassene Stollen stolpert, auf dessen Berg ein riesige Antennenfront namens „Komplex“ zu finden ist oder rutscht quer über jegliche Dächer in Updaam zur persönlichen Wohnungen. Arkane tauchte „Deathloop“ jedoch kraftvoll in einen Eimer voller Sixties-Flair. Geschwungene Muster auf Teppichen, an Wänden in saftigen Safrangelb und Kupfer. So verspielt, dass problemlos ein „Austin Powers“-Film in den Häusern gedreht werden könne. Unmengen von Zetteln mit manch brauchbarer Info. Zumal es kein Auto-Health gibt, ihr müsst also Ausschau nach Medikit-Flaschen halten. Sind Kämpfe vielleicht mal doch zu gefährlich, flieht und kehrt daraufhin zurück. Gegner bemerken zwar offene Türen verhalten sich aber eher passiv. Leider ist die schnell vergessende Gegner-KI ähnlich hohlköpfig wie in „Dishonored“ geblieben. Fast jeder erledigte Visionär hinterlässt eine Tafel mit besonderer Fähigkeit – wie den Teleport. Geschickt Gefahrenzonen auskundschaften oder sonstige fixe Entdeckungen? Mit flotten Teleports für knapp 30 Meter nach vorne oder höher gelegene Ebenen, nicht schlecht. Zum Glück lädt sich der Energiebalken, sodass häufiges Einsetzen extrem erwünscht ist.

Was man mit zu wenigen Zwischensequenzen liegen lässt, reicht man mit amüsant geschriebenen Dialogen zwischen Colt und Julianna nach. Julianna ist sozusagen unsere Gegenseite, die bleihaltige Beschützerin des Loops aber auch einziger Kontakt unserer Hauptfigur. Ihre Figur gehört zu den Interessantesten, weil Sie einerseits Gefühle hegt aber kein Hehl daraus macht uns bald gerne über den Haufen zu schießen. Denn, Julianna jagt uns im Loop. Meist durch einen normalen Alarm aufgeschreckt, schließt Sie alle Tunnelverbindungen und jagt Colt unbarmherzig. Unsere einzige Chance: Julianna zuerst erwischen. Das schlägt auch die Brücke zum Multiplayer-Mode von „Deathloop“ – irgendwann dürfen wir selbst in andere Loops um andere Spieler zu treffen. Spielerisch macht die PS5-Version einerseits grafisch, andererseits aufgrund der optimalen Einbindung des DualSense viel Freude. Jeder Schritt von Colt ist genauestens fühlbar. Die Adaptive Trigger reagieren bei schweren Waffen ganz anders als bei leichten Gewehren, vermitteln also andere Widerstände. Egal, ob Stürze oder Einschusslöcher – fast alles ist dank fein justierter Vibrationen spürbar. Grandiose Arbeit von Arkane!

Angebot
DEATHLOOP | Standard Edition | [PlayStation 5]
  • Next-Gen-Power - Exklusiv für PlayStation 5
  • Singleplayer-Gameplay mit einer Dosis tödlichem Multiplayer
  • Jeder Gameplay-Loop bringt die Möglichkeit mehr zu erfahren und aus vergangenen Fehlern zu lernen

Neben dem schmissigen Rock’n’Roll mit sanften Jazz-Einflüssen versehenen Soundtrack, informieren euch bestimmte Gitarrenriffs darüber, ob ihr entdeckt werden könntet. Spielerisch macht „Deathloop“ einges her, leider ist das unübersichtliche Menü mit allerei Waffen, Tafeln etc. auch nach vielen Spielstunden schwer zu handeln. Nett ist die Aufzählung gesammelter Infos zu den Tageszeiten. Technisch gibt es Grund zum Ärger. Gelegentliche Grafikfehler wie Tearing, brüchiger Framerate und einen sehr unglücklichen Absturz mussten wir leider desöfteren hinnehmen. Grafisch macht der Shooter dank scharfer Texturen sowie netten Lichteffekten mit Raytracing-Support einigermaßen Laune. Das wirklich fummelige Menü erwähnte ich schon, oder?

Das Fazit zu „Deathloop“

Sowas lobe ich mir! Arkane setzt mit „Deathloop“ auf eine brandneue Idee, setzt diese mit gewohnter spielerischer Freiheit recht sehenswert um und langweilt in der rund 30 stündigen Kampagne nur sehr selten. Den wendungsreichen Thriller als simplen „Murmeltiertag“-Exkurs runterzubrechen, käme dem Spiel absolut nicht gerecht, weil die Mechanik in erster Linie viel mehr bietet. Experimente an unterschiedlichen Tageszeiten, um irgendwann alle sieben Visionäre in einem Loop zu erwischen. Das sorgt für Motivation! Nur bleibt das Storyende erstaunlich weit unter dem gesetzten Niveau.

Entwickler: Arkane Studios | Preis: 69,99 Euro | Für PlayStation 5 und PC | USK: ab 18

Deathloop (PlayStation 5)

Spielspaß - 87%
Gameplay - 81%
Grafik - 80%
Technik - 72%

80%

Empfehlung!

Wendungsreicher Shooter auf frischen Zeitreisepfaden mit humorigen Figuren - aber mit auffälligen Schwächen.

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Benny Illgner

Nachname hielt schon Fußbälle auf. Ich bisher nur virtuell. Sitzt seit 2005 in Digitalien fest und wartet auf den Pannendienst. Steht in fester Beziehung mit Twitter und Facebook. Schreibt Gags fürs Netz und Fernsehen. Nimmt gedeckte Schecks und Pizza gerne auf Twitter unter @IamIllgner an.

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