
Ja fuck ey, bin wohl gerade echt auf dem HD-2D Trip hängen geblieben :-/ Daher habe ich mir nach Octopath Traveller und Octopath Traveller II nun auch noch Dragon Quest I & II HD-2D Remake angeschaut. Dragon Quest I & II HD-2D Remake ist kein reines Nostalgie-Paket für Leute, die noch wissen, wie man Rollenspielkarten auf kariertem Papier nachzeichnet. Square Enix hat hier nicht einfach zwei alte RPGs aufgehübscht, ein bisschen Licht draufgeworfen und „fertig“ gerufen. Mehr Story, mehr Dialoge, mehr Komfort, mehr Kämpfe, mehr Struktur.
Das Paket enthält Dragon Quest I und Dragon Quest II, also die beiden Abenteuer, die die Erdrick-Trilogie schließen. Wer die HD-2D-Neuauflage von Dragon Quest III gespielt hat, bekommt hier den erzählerischen Anschluss. Nur eben rückwärts historisch, aber vorwärts in der internen Chronologie. Ja, Dragon Quest macht das ein bisschen wie Star Wars, nur mit Schleimen statt Laserschwertern.
Mehr als nur hübsche Pixel
Optisch ist das Remake gut gelungenr. Der HD-2D-Stil passt gut zu Dragon Quest. Die kleinen Figuren, die Diorama-Umgebungen, das warme Licht, die detaillierten Städte, Höhlen und Burgen: Das sieht nicht aus wie ein billiger Retro-Filter, sondern wie eine Erinnerung, die jemand mit sehr viel Liebe und sehr viel Geld neu gebaut hat.
Die Welt wirkt dadurch größer, lebendiger und weniger flach als in den Originalen. Gerade Städte profitieren enorm davon. Früher waren das oft ein paar Häuser, ein Händler, ein König, fertig. Jetzt haben viele Orte mehr Atmosphäre, mehr Tiefe und mehr Charakter. Auch die Monster wirken mit ihren Animationen herrlich charmant. Ein Slime bleibt ein Slime. Aber jetzt grinst er in HD-2D.
Dazu kommt der orchestrale Soundtrack, der die ganze Nummer sofort größer macht. Dragon Quest war musikalisch schon immer sehr klar in seiner Identität. Hier trägt die Musik viel vom märchenhaften Ton. Das Spiel will kein düsteres, schmutziges Rollenspiel sein. Es will klassische Fantasy mit klaren Linien, Königen, Monstern, Flüchen und Heldenblut. Und genau das bekommt man.
Dragon Quest I: Mehr Muskeln für einen sehr alten Klassiker
Dragon Quest I ist der schwierigere Teil dieses Pakets. Nicht, weil er schlecht wäre, sondern weil das Original so simpel war, dass jede Modernisierung automatisch an Grenzen stößt. Ein Held. Eine Welt. Ein Drachenfürst. Fertig. Das war damals wegweisend. Das Remake versucht, daraus mehr zu machen. Der Held bekommt deutlich mehr Fähigkeiten, Schriftrollen, Zauber und taktische Möglichkeiten. Es gibt mehrere Gegner pro Kampf, mehr Bosskämpfe und eine stärker ausgebaute Geschichte.
Das tut Dragon Quest I gut. Sehr sogar. Die Reise wirkt nicht mehr ganz so leer, die Welt nicht mehr ganz so spröde. Das Original war kurz, direkt und fast brutal simpel. Das Remake ist länger, erzählerischer und stärker geführt. Meistens ist das angenehmer. An manchen Stellen fühlt es sich aber auch so an, als hätte jemand einem alten Holzstuhl eine Gaming-RGB-Leiste verpasst.
Das größte Problem bleibt die Solostruktur. Weil man nur mit einem Charakter unterwegs ist, kippen manche Bosskämpfe schnell in Richtung Glücksrad. Wenn Heilung, Schaden, Statuswerte und Timing ungünstig zusammenfallen, liegt man plötzlich im Dreck und fragt sich, ob man gerade schlecht gespielt hat oder das Spiel einfach kurz schlechte Laune hatte. Das passiert nicht ständig, aber oft genug, um zu nerven.
Dragon Quest II ist der eigentliche Gewinner
Dragon Quest II profitiert deutlich stärker von der Neuauflage. Das Original hatte schon immer die größere Idee: mehrere Helden, größere Welt, mehr Freiheit, mehr Abenteuer. Es war aber auch berüchtigt dafür, sperrig, unausgewogen und stellenweise ziemlich fies zu sein. Diese Version macht daraus endlich das Spiel, das Dragon Quest II vermutlich immer sein wollte.
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Der wichtigste Eingriff ist die neue vierte Figur, die Prinzessin von Cannock. Sie fügt sich überraschend sauber in die Gruppe ein und wirkt nicht wie ein später angeflanschter Bonuscharakter. Zusammen mit dem Prinzen von Midenhall, dem Prinzen von Cannock und der Prinzessin von Mondbach entsteht eine Party, die im Kampf und in der Geschichte deutlich besser funktioniert.
Das Kampfsystem hat dadurch viel mehr Raum. Rollen sind klarer verteilt, Bosse lassen sich besser designen, Strategien greifen sauberer. Dragon Quest II fühlt sich dadurch nicht einfach leichter an, sondern fairer. Das ist ein wichtiger Unterschied. Es darf weh tun. Es soll nur nicht nach rostigem Game-Design aus der Gruft schmecken. Auch erzählerisch legt Dragon Quest II ordentlich zu. Die Welt ist größer, die Figuren bekommen mehr Profil, einzelne Abschnitte wirken deutlich stärker verbunden. Gerade die Reise über das Meer und die zunehmende Öffnung der Welt geben dem Spiel diesen klassischen Abenteuerzug. Man zieht los, entdeckt neue Orte, bekommt auf die Fresse, lernt dazu, kommt später stärker zurück. So muss das.
Nicht alles sitzt perfekt. Unterwasserbereiche können zäh werden, manche späten Dungeons ziehen sich, und an ein paar Stellen merkt man, dass hier sehr alter Rollenspielknochen unter moderner Haut steckt.
Kämpfe mit mehr Biss
Die Kämpfe bleiben klassisch rundenbasiert. Befehle wählen, Gegner einschätzen, heilen, buffen, draufhauen. Wer moderne Action-RPGs erwartet, ist hier falsch. Wer aber klassische JRPG-Kämpfe mag, bekommt ein System, das angenehm aufpoliert wurde. Die neuen Sigils bringen zusätzliche Entscheidungen in die Kämpfe. Dazu kommen mehr Fähigkeiten, bessere Balance und verschiedene Komfortfunktionen. Kampftempo, Schwierigkeitsgrad, Kartenhilfen, Questmarker, Erinnerungsfunktion und Boss-Rematches nehmen viel alten Frust raus, ohne das Spiel komplett weichzuspülen.
Trotzdem bleibt Dragon Quest Dragon Quest. Es gibt Zufallskämpfe. Es gibt Grind. Es gibt Momente, in denen man drei Schritte läuft und schon wieder ein Monster aus dem Boden grinst wie ein Steuerbescheid mit Fangzähnen. Wer das grundsätzlich hasst, wird hier nicht plötzlich bekehrt. Wer damit leben kann, bekommt aber ein angenehm modernisiertes Oldschool-RPG.
Für wen lohnt sich das?
Dragon Quest I & II HD-2D Remake lohnt sich vor allem für Spielerinnen und Spieler, die klassische JRPGs mögen und wissen, worauf sie sich einlassen. Das ist kein Final Fantasy VII Rebirth, kein Persona und kein modernes Open-World-Rollenspiel mit 400 Icons auf der Karte. Es ist Dragon Quest. Direkt. Märchenhaft. Rundenbasiert. Manchmal altmodisch. Aber eben auch erstaunlich charmant.
Für Neueinsteiger ist das Paket ebenfalls interessant, vor allem nach Dragon Quest III HD-2D Remake. Wer die Erdrick-Trilogie einmal sauber erleben möchte, bekommt hier einen deutlich besseren Zugang als über die Uraltfassungen. Dragon Quest I bleibt dabei eher historisch spannend und angenehm modernisiert. Dragon Quest II ist der Teil, wegen dem das Paket wirklich zieht.
Wertung
Dragon Quest I & II HD-2D Remake ist eine starke Neuauflage, aber keine makellose. Dragon Quest I wird deutlich besser spielbar, kämpft aber weiter mit seiner sehr alten Grundstruktur. Dragon Quest II dagegen gewinnt massiv und fühlt sich endlich wie ein vollständiges, großes Abenteuer an.
- DRAGON QUEST I & II HD-2D Remake ist eine atemberaubende Neuauflage der ersten zwei legendären Abenteuer der Erdrick-Trilogie in einem Paket.
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Dragon Quest I & II HD-2D Remake
Grafik - 90%
Sound - 90%
Gameplay - 82%
Story - 80%
Umfang - 80%
Nostalgie - 88%
85%
Dragon Quest I & II HD-2D Remake ist kein Pflichtkauf für jeden, aber ein richtig gutes Paket für klassische JRPG-Fans. Der erste Teil ist charmant und etwas steif, der zweite Teil dagegen die große Überraschung: runder, stärker, besser erzählt und endlich nicht mehr nur der sperrige Bruder, den man aus Pflichtgefühl mitnimmt.
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