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Filmkritik zu „The Woman King“ – Jägerin statt Beute

In „The Woman King“ verschlägt es uns ins Jahr 1823 nach Westafrika – mitten in einen Stammeskrieg der Dahomey. Im Fokus steht neben der wachsenden Bedrohung durch skrupellose Sklavenhändler aus Europa eine rein weibliche Kriegseinheit namens „Agojie“. Wenngleich spürbar viel Pathos in der Luft liegt, brilliert Viola Davis als furchtlose Generalin. Unsere Kritik zum Actionepos.

Sieht man „The Woman King“ im rein popkulturellen Kontext könnte man durchaus meinen hier eine Art realistische Variante des Marvel-Krachers „Black Panther“ vor sich zu haben. Afrikanisches Königreich. Wirrungen zwischen Traditionen und Realität. Feinde von Außen. Doch weit gefehlt! Es ist andersherum. Der von Gina Prince-Bythewood inszenierte Film beleuchtet die tatsächlich zwischen dem 18. und 19. Jahrhundert existierende Elitegruppe „Agojie“ in Westafrika an. So startet auch die cineastische Reise mit einer gewalthaltigen Konfrontation zwischen zwei verfeindeten Stämmen innerhalb des Königreichs Dahomey. Die Feindschaft resultiert aus dem simplen Fakt, dass die eine Seite Sklavenhandel betreibt um ihre wirtschaftliche Sicherheit zu schützen während Generalin Nanisca (Viola Davis) dies unbedingt verhindern bzw. unterbinden und dem amtierenden König Gezo (John Boyega) den Handel mit selbst gewonnenem Palmöl aus den Plantagen vorschlägt. Dazwischen wird die widerspenstige aber gewillte Nawi (Thuso Mbedu) zur Kriegerin ausgebildet, in dem Sie mehrere Prüfungen durchstehen muss. Doch Nami und Naninisca verbindet ein düsteres Geheimnis.

Alleine für die drei Monate knallhartem Martial-Arts Training gebührt den Hauptdarstellerinnen schlichtweg viel Respekt. Viola Davis trägt das über zweistündige Epos dank enorm starker Performance, weil Sie es trotz sichtlicher Unnahbarkeit in emotionalen Szenen schafft dem Zuschauer und ihrem Gegenüber authentische Wärme zu vermitteln. Obwohl „The Woman King“ klar dem Genre Historiendrama zuzuordnen ist, vergessen die Drehbuchautorinnen Prince-Bythewood sowie Dana Stevens nicht ab und an etwas Comic Relief durch die von Lashana Lynch dargestellte Figur einfließen zu lassen. Dies lockert das teils recht harte Geschehen auf. Zumal durch die opulent fotografierten Schlachtsequenzen für Zartbesaitete doch eher schwierig ist. Denn die eher pointiert gesetzte Action wummst ordentlich und macht durch eine schnittarme samt toll choreographierte Inszenierung besonders im Kino echt Spaß. Da man, Gott sei Dank, nur in einzelnen Szenen auf Greenscreen-Aufnahmen setzte und der Vorlage gerecht in der optisch beeindruckenden Steppe von Afrika drehte. Während ein Großteil der Dialoge wunderbar geschrieben sind, kommt man leider nicht ohne einen Tick Pathos aus. Natürlich ist die Prämisse rund um die Agojie interessant, dennoch etwas drüber. Musikalisch darf sich Komponist Terence Blanchard austoben, weil es mal rhytmisches Getrommel, orchestrale Klänge auf die Ohren gibt.

The Woman King. USA 2022. Regie: Gina Prince-Bythewood. Mit Viola Davis, John Boyega, Hero Fiennes Tiffin. 135 Minuten. FSK: Ab 16 Jahren.

Gibt es eine Post-Credit-Szene? = Ja.

Vielen Dank an CinemaxX für die freundliche Bereitstellung des Tickets. Kinotickets für „The Woman King“ gibt es hier.

Benny Illgner

Nachname hielt schon Fußbälle auf. Ich bisher nur virtuell. Sitzt seit 2005 in Digitalien fest und wartet auf den Pannendienst. Steht in fester Beziehung mit Twitter und Facebook. Schreibt Gags fürs Netz und Fernsehen. Nimmt gedeckte Schecks und Pizza gerne auf Twitter unter @IamIllgner an.

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