90%
Fire Emblem: Fortune’s Weave im Switch 2-Test – Vier Helden gegen den Weltuntergang
Rollenspiel-Bombast mit über 100 Stunden Spielzeit
| 1 (100%) | 0 (0%) |
Intelligent Systems legt mit Fire Emblem: Fortune’s Weave das bislang wohl ambitionierteste Kapitel der traditionsreichen Taktik-RPG-Reihe vor. Der Nintendo-Switch-2-Exklusivtitel verbindet anspruchsvolle Schlachten auf dem Rasterfeld mit vier eigenständigen Heldengeschichten, ausgedehnten Erkundungstouren und einer Handlung, die das bekannte Universum um zahlreiche neue Facetten erweitert. Schauplatz ist der Kontinent Dagda, dessen Kultur und Geschichte sich deutlich von Fódlan aus Fire Emblem: Three Houses unterscheiden. Der Umfang fällt extrem aus, denn wer sämtliche Handlungsstränge erleben möchte, muss viel Zeit mitbringen und sich auf eine Geschichte einlassen, die gerade zu Beginn einiges an Vorwissen und Geduld verlangt – unsere große Review zu „Fire Emblem: Fortune’s Weave“.
Fortune’s Weave beginnt dort, wo andere Rollenspiele ihren Climax ansiedeln: am Ende der Welt. Der Dämonengott Balor ist erwacht und droht, den Kontinent Dagda in den Untergang zu stürzen. Die Göttin Sothis ruft Eshmel zu Hilfe, während Fortuna, die Göttin des Schicksals, einen ungewöhnlichen Plan verfolgt. Vier legendäre Kämpfer aus der Vergangenheit sollen die Katastrophe überleben und die Menschheit vor ihrem Untergang bewahren. Dafür muss Eshmel ihre Schicksale verändern und die Ereignisse rund um die bekannten Heroic Games beeinflussen. Diese Ausgangslage führt in eine Geschichte, die anfangs etwas unübersichtlich wirkt. Dagda, seine Götterwelt und die historischen Zusammenhänge erschließen sich nicht sofort. Hinzu kommen Verbindungen zu Fire Emblem: Three Houses, die vor allem langjährige Fans beschäftigen dürften. Wer Fódlan kennt, entdeckt zahlreiche Anknüpfungspunkte, ohne dass Fortune’s Weave lediglich alte Ideen wiederholt. Die Ereignisse werden aus einer anderen kulturellen Perspektive betrachtet: Frühere Überlieferungen erscheinen plötzlich weniger eindeutig, während neue Erkenntnisse bekannte Zusammenhänge infrage stellen.
Im Zentrum stehen vier sogenannte Flame Lords: Cai, Dietrich, Theodora und Leda. Ihre Geschichten unterscheiden sich nicht nur durch die jeweiligen Schauplätze und Nebenfiguren, sondern auch durch ihre Beweggründe. Cai ist ein junger Mann aus einfachen Verhältnissen, der seinen gefangenen Vater retten will. Seine Geschichte erinnert stellenweise an ein klassisches Shōnen-Abenteuer, in dem ein zunächst unbedeutender Held in eine Verschwörung hineingezogen wird. Theodora wiederum ist eine pflichtbewusste Königin, deren Entscheidungen eng mit dem Wohl ihres Volkes verbunden sind. Leda verdient ihren Lebensunterhalt als reisende Musikerin und wird von Rachegedanken angetrieben. Besonders unterhaltsam ist Dietrich: Der Schwertkämpfer sucht vor allem starke Gegner und betrachtet selbst gefährliche Unternehmungen als willkommene Gelegenheit für einen guten Kampf. Seine Bereitschaft, sich kopfüber in Schwierigkeiten zu stürzen, macht ihn zu einem amüsanten Gegenpol zur ansonsten ernsten Handlung.
Dass sein Begleiter Fabio eigene Pläne verfolgt und Dietrich für seine Zwecke einspannt, sorgt für eine reizvolle Dynamik. Dietrich ahnt dabei längst nicht immer, worauf er sich einlässt, aber solange am Ende ein würdiger Gegner wartet, scheint ihm das herzlich egal zu sein. Die Qualität der Figurenzeichnung und der englischen Sprachausgabe gehört zu den Stärken des Spiels. Nebenfiguren erhalten eigene Motive und entwickeln Beziehungen zu den Hauptfiguren, statt lediglich als Stichwortgeber für die nächste Schlacht zu dienen. Die vier Kampagnen greifen ineinander und verändern mitunter den Blick auf bereits bekannte Ereignisse. Wer eine Route abgeschlossen hat, versteht mehr von der Welt und entdeckt in anderen Handlungssträngen zusätzliche Zusammenhänge.
Viel Frisches im bekannten Kampfsystem
Das Herzstück bleibt zweifelohne das rundenbasierte Kampfsystem auf einem Rasterfeld, bei dem Entwicklerschmiede Intelligent Systems zeigt, wie viel sich aus dem vertrauten Grundgerüst herausholen lässt. Jede Einheit verfügt über eine bestimmte Klasse, die ihre Waffen, Fähigkeiten und Bewegungsmöglichkeiten festlegt. Schwerter eignen sich für flexible Nahkämpfer, Äxte verursachen hohen Schaden, treffen aber weniger zuverlässig. Lanzen sind besonders gegen bestimmte berittene Gegner nützlich, während Bögen Angriffe aus der Distanz ermöglichen und Magie sich unter anderem gegen schwer gepanzerte Einheiten richtet oder die Gruppe mit Heilung unterstützt. Die klassische Waffen-Dreiecksmechanik früherer Serienteile steht nicht mehr im Mittelpunkt. Stattdessen bestimmen unterschiedliche Waffeneigenschaften, Klassenfähigkeiten, Gelände und besondere Vorteile der Einheiten, wie sich eine Schlacht entwickelt. Dadurch reicht es selten, lediglich den vermeintlich richtigen Kämpfer gegen einen bestimmten Gegnertyp aufzustellen. Das entscheidet darüber, ob eine Einheit mehrere Gegner beschäftigt, ein verwundbares Gruppenmitglied schützt oder einen gefährlichen Angriff vorbereitet.
Die Karten gehören zu den gelungensten Elementen von Fortune’s Weave: Manche Missionen verlangen, zunächst einen bestimmten Gegner auszuschalten, bevor das eigentliche Ziel erreichbar wird. Andere setzen auf gefährliche Bodenfelder, deren Nachteile sich durch das Auffinden spezieller Gegenstände neutralisieren lassen. Hinzu kommen Mechanismen, Hindernisse und wechselnde Missionsziele, die verhindern, dass jede Schlacht nach demselben Muster abläuft. Gerade wenn ein sorgfältig geplanter Zug mehrere gegnerische Einheiten aus dem Spiel nimmt oder eine bedrohte Figur im letzten Moment rettet, entfaltet das Kampfsystem seinen Reiz.
Mit den Blaze Arts erhalten besonders starke Aktionen einen riskanten Gegenwert. Wer diese Fähigkeiten einsetzt, kann erheblichen Schaden verursachen, muss anschließend aber mit dem Burst-Modus rechnen. Dabei gehen zuvor aufgebaute Boni verloren, während sich die maximalen Lebenspunkte halbieren. Der richtige Zeitpunkt ist deshalb entscheidend. Wer seine stärksten Angriffe wahllos verschwendet, kann einen zunächst sicheren Kampf noch drehen – allerdings zugunsten der Gegenseite. Auch die besonderen Fähigkeiten der Flame Lords bringen Abwechslung ins Spiel: Leda kann mit ihrer Musik die Gruppe stärken und zugleich aus der Entfernung angreifen. Solche Eigenheiten beeinflussen die Zusammensetzung der Truppe und belohnen es, die Stärken der einzelnen Figuren zu berücksichtigen.
Zurückspulen erleichtet das Gameplay
Training verbessert den Umgang mit bestimmten Waffentypen, während unterschiedliche Klassen den verfügbaren Fähigkeiten zusätzliche Grenzen und Möglichkeiten setzen. Der Schwierigkeitsgrad fällt auf Normal allerdings vergleichsweise niedrig aus. Die gemeinsame Lebensenergie der Gruppe nimmt einen Teil des Risikos aus den Kämpfen, die kostenlose Möglichkeit, Züge zurückzuspulen, verzeiht Fehlentscheidungen großzügig. Wer die taktischen Systeme wirklich ausreizen möchte, sollte daher den höheren Schwierigkeitsgrad wählen. Dort werden ungünstige Positionierungen und schlecht abgestimmte Angriffe spürbar teurer. Die Option zwischen Klassischem und Casual-Modus erlaubt zudem, selbst festzulegen, wie hart Verluste langfristig ins Gewicht fallen.
Zwischen den großen Schlachten erkunden die Heldengruppen die Hauptstadt Dagsion und die umliegenden Regionen Dagdas. Die Stadt dient als Ausgangspunkt für Gespräche, Training, Rekrutierungen und kleinere Aufträge. In der Arena verbessern Einheiten ihre Fähigkeiten, während gemeinsame Mahlzeiten die Beziehungen innerhalb der Gruppe vertiefen. Beim Kochen werden Zutaten kombiniert, um Lebensenergie oder magische Ressourcen aufzufüllen. Gleichzeitig entstehen zusätzliche Szenen, die den Charakteren mehr Raum geben als bloße Dialoge vor und nach einem Kampf. Die Weltkarte funktioniert als Netz aus miteinander verbundenen Orten. Wer einen Knotenpunkt erreicht, schaltet angrenzende Bereiche frei und findet dort neue Aufgaben, Materialien, Waffenverbesserungen oder Gegner. Einige Orte bleiben zunächst verschlossen und werden erst durch die Gunst der Göttin zugänglich. Das motiviert zum Erkunden, kann aber auch ausufern. Nicht jede Nebenaufgabe bietet eine erzählerisch interessante Belohnung. Wer wiederholt nach bestimmten Gegenständen sucht oder Materialien für Verbesserungen sammelt, verbringt mitunter mehr Zeit auf der Karte als in den eigentlichen Schlachten.
Hinzu kommt ein Zeitmanagementsystem, das an Fire Emblem: Three Houses erinnert, den Kalender diesmal aber stärker in den Spielfluss einbindet. Bestimmte Aktionen auf der Weltkarte verbrauchen Züge, während Training, Mahlzeiten und andere Tätigkeiten in Dagsion nicht automatisch Zeit kosten. Vor größeren Kämpfen muss daher abgewogen werden, welche Erkundungen sich lohnen und welche Ressourcen wichtiger sind. Das kann spannend sein, weil nicht jeder Umweg kostenlos bleibt. Gleichzeitig wirkt die Menge an verfügbaren Aktivitäten anfangs erschlagend. Spätestens im zweiten Kapitel wird der Ablauf jedoch klarer und die Kampagnen gewinnen an Tempo. Eine weitere Besonderheit sind die Clashes: Diese gruppenbasierten Kämpfe treten in Dungeons und an ausgewählten Stellen der Geschichte auf. Statt die gesamte Auseinandersetzung wie eine gewöhnliche Kartenmission zu spielen, tritt die eigene Gruppe in wechselnden direkten Begegnungen gegen gegnerische Teams an.
Welche feindliche Einheit jeweils gegenübersteht, wird zufällig bestimmt. Das System nutzt bekannte Mechaniken, setzt sie aber in einem anderen Rahmen ein. Die Idee wirkt frisch und hätte durchaus das Potenzial für ein eigenständiges Kampfsystem. Die Dungeons selbst bleiben dagegen hinter den Möglichkeiten zurück. Mechanismen, besondere Arenen und einzelne Überraschungen lockern die Erkundung auf, doch die Abschnitte entwickeln sich selten zu anspruchsvollen Herausforderungen.
Abschnitt für Abschnitt in eine gemeinsame Handlung
Fortune’s Weave ist übrigens als dreiteiliges Abenteuer angelegt. Zunächst stehen die individuellen Geschichten der vier Flame Lords im Mittelpunkt. Nach dem Abschluss ihrer jeweiligen Wege öffnen sich weitere Abschnitte, in denen die Handlung stärker zusammengeführt wird und Eshmels Kampf gegen Balor mehr Raum erhält. Das sorgt für zusätzliche Perspektiven, verlangt aber auch Ausdauer. Schon eine einzelne Route beansprucht viele Stunden – wer sämtliche Inhalte und Zusammenhänge verstehen will, muss mit einem dreistelligen Zeitaufwand rechnen. Je nach Spielweise und Umfang der Nebenaktivitäten sind mehr als 120 Stunden durchaus realistisch.
Die Größe ist zugleich Stärke und Schwäche. Viele Figuren, Nebenmissionen und Querverbindungen verleihen Dagda eine bemerkenswerte Spieltiefe. Nicht jede Aufgabe rechtfertigt allerdings ihren Zeitbedarf – das wiederholte Sammeln von Ressourcen kann den gesetzten Flow bremsen. Auch die Handlung verlangt gerade zu Beginn Aufmerksamkeit. Neulinge, die noch keinen Kontakt mit Three Houses (unsere Review) hatten, könnten Schwierigkeiten haben, die historischen und religiösen Bezüge der Reihe einzuordnen. Die Geschichten funktionieren zwar auch ohne vollständiges Vorwissen, doch ein Teil ihrer vollen Wirkung entfaltet sich erst mit Kenntnis der Reihe.
- Exklusiv für Nintendo Switch 2 und mit Unterstützung für den Maus-Modus der Joy-Con 2-Controller.
- Vier Helden mit eigenen Geschichten und Fähigkeiten, die parallel gespielt und jederzeit gewechselt werden können.
Technisch präsentiert sich das Spiel farbenfroher als Three Houses. Die Zwischensequenzen sind wunderbar aufwendig inszeniert – der Soundtrack begleitet die epochalen Momente mit orchestraler Wucht und auch die Englische Sprachausgabe trägt viel zur Wirkung der Figuren bei. Auf der technischen Seite bleibt die Bildrate allerdings bei 30fps, dafür ist das Gameplay schön flüssig – selbst im Handheld-Modus. Für ein rundenbasiertes Rollenspiel kein gravierendes Problem, aber auch kein Vorzeigewert für einen großen Switch-2-Exklusivtitel. Immerhin stehen Optionen für Untertitel, Kameraführung, Kampfanimationen und Spielgeschwindigkeit bereit. Selbst die Darstellung bestimmter Gegnertypen lässt sich anpassen.
Unser Fazit zu „Fire Emblem: Fortune’s Weave“
Was lässt sich schlussendlich sagen? Fire Emblem: Fortune’s Weave verbindet die erzählerischen Stärken von Three Houses mit dem präzisen taktischen Kampfdesign von Engage und erweitert die Reihe um eine bemerkenswert umfangreiche Welt. Die vier Hauptfiguren tragen ihre Kampagnen mit unterschiedlichen Motiven und eigener Dynamik, während die abwechslungsreichen Karten selbst erfahrene Strategen regelmäßig zum Umdenken zwingen. Nicht jede Erkundung ist nötig, die Dungeons bleiben hinter den Schlachten zurück und der enorme Umfang verlangt Geduld. Wer sich darauf einlässt, bekommt jedoch ein herausragendes Taktik-RPG, das die Möglichkeiten der Serie konsequent ausbaut und zu ihren stärksten Vertretern zählt.
Release: 16. September 2026 | Entwickler: Intelligent Systems | Genre: Rundenstrategie | Für Nintendo Switch 2 | USK: ab 12
Mehr Informationen zu unserem Wertungssystem findest Du hier.
Hier findest du unsere aktuellen Gaming-Reviews.
Weitere News aus der Technik-Welt findet ihr hier. 24/7.
Fire Emblem: Fortune's Weave (Nintendo Switch 2)
Fire Emblem: Fortune’s Weave überzeugt mit fabelhaft geschriebenen Charakteren, einer vielschichtigen Geschichte und taktischen Kämpfen, die selbst erfahrene Strateg:innen fordern. Der gewaltige Umfang und die teils zähe Erkundung kosten zwar Zeit, doch Intelligent Systems liefert eines der besten Taktik-RPGs der Reihe.
Bei den hier angezeigten Produkten handelt es sich um Affiliate Links, bei einem Kauf unterstützt ihr meine Arbeit. Letzte Aktualisierung 16.10.2026 / Bilder von der Amazon Product Advertising API. Amazon und das Amazon-Logo sind Warenzeichen von Amazon.com, Inc. oder eines seiner verbundenen Unternehmen.



