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„Gotham Knights“ im großen TEST – Batman’s-Erben versauen es leider

Schulterzucken statt Begeisterung

Neue Helden braucht die Großstadt! WB Games Montreal beerbt gleich mit vier neuen Superhelden-Azubis deren simple Aufgabe es ist Gotham vor Verbrechern und anderen übernatürlichen Übeltätern zu beschützen. Im Action-Adventuren mit deutlich gestiegenen Rollenspiel-Elementen sahen wir neben so manchem Licht jedoch auch viel Schatten. Hält Gotham Knights womöglich im Kerngameplay mit den famosen „Arkham“-Titeln von Studio Rocksteady mit? Unsere Review klärt es.

Batman ist tot, lang lebe Batgirl! Und Nightwing, Red Hood und Robin, wohlgemerkt. Doch wie kam es eigentlich dazu? Recht simpel zu erklären. Nachdem die Entwicklerschmiede Rocksteady hinter der wegweisenden „Arkham“-Reihe sich jetzt um den ersten großen spielerischen Auftritt des „Suicide Squad“ kümmert, springt das hauseigene Studio seitens Warner Bros. in die Bresche. In Montreal wurde nicht nur an der aktuellen Rückkehr nach Gotham gewerkelt sondern auch an „Arkham Origins“ – quasi einem Prequel zur Reihe. Demnach keine Unbekannten in Sachen Superhelden-Versoftung. Wie deutlich man in Montreal nämlich die Distanz zum bekannten Rocksteady-Gameplay suchte wird neben einem schmerzlich fehlenden Freeflow-Kampfsystem ungefähr dann klar, sobald man den Dunklen Ritter sterben lässt. Dies passiert rund 10 Minuten nach Beginn der Story.

Doch um was geht es in „Gotham Knights“ denn eigentlich? Der kompromisslose Terrorist und Feind der Gerechtigkeit Ra’s al Ghul kämpft mit Batman in dessen Bat-Höhle, sodass diese einstürzt und beide unter sich begräbt. Trotz Notruf von Bruce Wayne kommen seine jungen Nachfolger:innen zu spät und können schlussendlich nur die Frage nach dem „Wieso?“ klären. Die Spur führt über einen ermordeten Wissenschaftler zum eigenartigen Rat der Eulen, einer Gemeinschaft aus den mächtigsten Familien der Stadt die deren Geschicke seit Jahrzehnten leitet. Zusammen mit Butler Alfred gilt es nun eine gefährliche Verschwörung aufzudecken. Bereits am behäbigen Storytelling merkt man das Fehlen von Rocksteady. Vergessen wir kurz die emotionale Ebene jener Figuren – rein storytechnisch überzeugt „Gotham Knights“ nur selten. Es fehlen die rein psychologischen Duelle eines Batman gegen den Joker, man erinnere sich an die Bomben-Sequenz aus „Arkham Knight“. Fairerweise muss man betonen – WB Montreal hat jetzt vier neue Helden. Aber selbst aus dieser eigentlich potenziell guten Ausgangslage wird kaum etwas gemacht. Ab und zu gibt es im Glockenturm, der Hub-Raum, optionale Erinnerungsmomente deren Erzählung aber stets unterhalb vom Durchschnitt verbleibt. Dies zeigt sich im Vergleich: „Arkham Knight“ verband eine mitreißende Handlung ohne das Aufsuchen von Hub-Räumen, bei „Gotham Knight“ endet jede nächtliche Patrouille mit der zwingenden Rückkehr in den Glockenturm.

Anstatt logische Motive dafür zu schaffen, verkommt dieses unnötige Backtracking, zum bloßen Abspulen von nichtssagenden Zwischensequenzen deren Gesprächsinhalt auch locker per Funk ausgereicht hätte. Ähnlich problematisch ist das Movement. Besser gesagt teilen sich alle vier Figuren den gleichen Enterhaken – leider nicht so flink wie Catwoman – haken wir uns von Dachvorsprung zu Wasserturmspitze in ermüdend lahmer Geschwindigkeit. Im obligatorischen Fähigkeitenbaum wurde unverständlicherweise auf eine ausbaubare Geschwindigkeit verzeichtet. Auch kompliziert statt einfach gelöst – hier schaltet man mit verdienten Fähigkeitspunkten bloß für den jeweiligen Helden bestimmte Mechaniken wie härtere Angriffe frei – warum nicht für alle gleichzeitig? Insgesamt wirkt das RPG-mäßige System mit wertbasierten Waffen und Ausrüstung kaum funktional. Alle Feinde in Gotham passen sich nämlich unserem Kampflevel an – so beginnen alle Gegner zu Anfang bei 1 und steigern sich. Bedeutet also: Normale Schläge richten weniger oder mehr Schaden aus, unter Berücksichtigung einer Immunität von Kälte oder Elektrizität. Es wirkt grob aufgesetzt. Vielleicht zur Verschleierung des entfernten FreeFlow-Kampfsystems, welches Rocksteady für den Erstling „Arkham Asylum“ entwickelte und bis dato von dutzenden Spielen kopiert wurde – sogar im Konkurrenztitel „Marvel’s Spider-Man“ zu finden. In „Gotham Knight“ fehlt es und wurde durch ein Wegrollen ersetzt. So kommt kaum Flow auf, Kämpfe geraten oftmals durch arge Kameraprobleme zu unübersichtlich.

Batman’s Erben wiederum überzeugen kaum auf Handlungsebene dafür mit unterschiedlichen Kampfsystemen. Nightwing ist flink unterwegs während in Konfrontationen seine Kampfstöcke deftige Treffer austeilen. Dagegen ist Red Hood grobschlächtig mit seinen Fäusten oder Pistolen unterwegs. Batgirl und Robin setzen auf schnelle Treffer sowie Gadgets in Form der metallenen Bararangs. Bestimmt aus dem Erbnachlass von Bruce Wayne. Überzeugt dann wenigstens die Stadt? Nun ja, teilweise. Gotham ist in drei Bereiche Unterteils, die jeweils optisch andere Viertel besitzen. So wartet in „New Gotham“ eine ähnliche Lichterpracht wie am Times Square während das zeitliche Äquivalent durch geschmackliche Backsteinbauten für mehr Altstadt-Flair sorgt. Als Fortbewegungsmittel dient das Batbike. Selten rauschte man langsamer durch die Straßen einer Großstadt – es ist oftmals erschreckend wie wenig es die Entwickler interessierte ob Gameplay-Elemente nützlich oder gar Spaß machen. Neben der Hauptkampagne sind kleinere Nebenaktiviäten verfügbar aber bis recht dürftig gestaltet. Einzig die Nebenhandlung um „Clayface“ darf als gelungen bezeichnet werdet, so verfolgen wir ein humanoides Lehmwesen, der halb Gotham zerstört und dadurch spektakulärere Momente schafft als insgesamt die Haupthandlung.

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Gotham Knights (PlayStation 5)
12 Bewertungen
Gotham Knights (PlayStation 5)
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  • Einzigartige Charakterfähigkeiten und Anpassung - Jeder Held hat einzigartige Fähigkeiten, Ausrüstung, Waffen und einen individualisierbaren Anzug

Ebenfalls ließ uns die grafische Präsentation enttäuscht zurück – Rocksteady ließ uns vor sieben Jahren (!) häufig die Kinnlade runtermachen, weil schöne Wassereffekte auf ein düster leuchtendes Gotham trafen. Selbst die physikalisch korrekte Wehung von Batman’s Umhang war mehr als aussagekräftig. In „Gotham Knights“ ist kaum etwas von der gewohnten Detailverliebtheit zu finden – das Mindestmaß wurde umgesetzt. Aus der Rocksteady’s wilder See rund um Gotham ist nun ein plätschender See. Tragisch zu sagen, aber oftmals wirkt alles wie ein billig entwickelter Free-to-Play Titel. Statt dreckig glänzenden Straßen, aufgrund des Regens den es hier auch nicht mehr gibt, wurden matte Texturen. Ärgerlich ist an alldem die begrenzte FPS von 30. Selbst auf potenten Konsolen sowie dem PC – warum eigentlich? Auf technischer Seite läuft auch nicht alles rund – unaufgelöste Texturen und fallen der Spielfiguren durch die Levelstruktur inklusive darauffolgendem Neustart. Hätte nicht sein müssen. Koop-Teilzeithelden dürfen die gesamte Kampagne übrigens zu zweit erleben.

Unser Fazit zu „Gotham Knights“

Neben zahlreichen Ärgernissen hatte ich zugegeben auch so manchen Spaß mit Batman’s Nachfolger:innen, wenngleich WB Montreal viel zu wenig aus den Figuren machte. Noch mehr übrigens nicht aus dem bekannten und beliebten Gameplay besonders dem FreeFlow-Kampfsystem. Gotham als Spielort, die Handlung gefolgt von dem großen Mysterium einer funktioniernden Technik. WB Montreal versuchte zwar neue Elemente, verursachte aber Frust statt Spielspaß. Insofern auch bitter, weil es Rocksteady mindestens zwei Spiele vormachten wie es besser geht. Comic-Fans sollten zugreifen, da sie immerhin in der verworrenen Storyline durchsteigen.

Entwickler: WB Games Montreal | Preis: 69,99 Euro | Für PlayStation 4|5, Xbox One|Series und PC | USK: ab 16

Gotham Knights (PlayStation 5)

Spielspaß - 65%
Gameplay - 71%
Grafik - 61%
Technik - 57%

64%

Für Fans.

Anspruchslose wie spielerisch blasse Rückkehr nach Gotham - neben einer verschenkten Story ist selbst das Gameplay lieblos.

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Benny Illgner

Nachname hielt schon Fußbälle auf. Ich bisher nur virtuell. Sitzt seit 2005 in Digitalien fest und wartet auf den Pannendienst. Steht in fester Beziehung mit Twitter und Facebook. Schreibt Gags fürs Netz und Fernsehen. Nimmt gedeckte Schecks und Pizza gerne auf Twitter unter @IamIllgner an.

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