Hardware-Test: Apple AirPods 4 ANC – Ohrenschmeichler mit raffinierten Funktionen
Diese Airpods sind auch 2026 technisch nahe an der Perfektion
Klein, leuchtend weiß und laut Schätzungen inzwischen tagtäglich in den Ohren von mehr als 800 Millionen Menschen – Airpods. Mit den Apple AirPods 4 ANC erweiterte Apple seine reguläre AirPods-Serie erstmals um aktive Geräuschunterdrückung – eine Funktion, die zuvor ausschließlich den teureren Pro-Modellen vorbehalten war. Nun positionieren sie sich als Kompromiss zwischen klassischem offenen Earbud und Premium-In-Ear. Im Alltag zeigt sich recht schnell: Diese Generation gehört zu den technisch ausgereiftesten AirPods der normalen Produktlinie – unsere Review zu den kleinen Soundbuds von Apple.
Reden wir über Kopfhörer wäre es ein wortwörtliches Sakrileg (!) nicht über einen gewissen Hersteller aus Cupertino, Kalifornien zu sprechen, der nicht nur einen angebissenen Apfel zum Logo hat sondern auch für viele technische Standards heutzutage veranwortlich ist. Apple. Schreiten wir von iPhone, MacBook und iPads zu den kleinen Audiospendern für die Ohren. Der womöglich auffälligste Unterschied zu früheren Generationen ist zunächst gar nicht die Technik, sondern die Form. Während die ersten beiden AirPods-Generationen im Ohr lose hingen – zugegeben komfortabel – wirkt die vierte Generation deutlich kleiner und ergonomischer. Apple hat nach eigenen Angaben eine umfangreiche Datenbank globaler Ohrformen ausgewertet, um die Geometrie zu verfeinern. Sozusagen Ohren samt Gehörgänge einer großen Zahl von Menschen hierfür vermessen.
Mit jeweils 4,3 Gramm Gewicht verschwinden sie praktisch im Ohr. In den besten Momenten vergisst man schlicht, dass man sie überhaupt trägt. Gleichzeitig sorgt die offene Bauweise dafür, dass Luft zirkulieren kann, gerade im Sommer oder stickigen Situationen wie z.B. im überhitzten ICE nicht zu verachten. Anders als bei klassischen In-Ear-Modellen mit Silikonaufsätzen entsteht kein spürbarer Druck im Gehörgang. Dieser Komfort hat allerdings eine Schattenseite: Da keine physische Abdichtung durch Silikonstöpsel vorhanden ist, hängt die Klangwahrnehmung stärker von der jeweiligen Ohrform ab.
Technisch werden die AirPods 4 ANC vom potenten H2-Chip angetrieben – übrigens derselben Generation von Prozessor, die auch in den Pro-Modellen arbeitet. Dieser Chip übernimmt mehrere Aufgaben gleichzeitig: aktive Geräuschunterdrückung, Transparenzmodus, adaptive Klangverarbeitung und Funktionen wie „Conversation Awareness“. Letztere erkennt, wenn Nutzer:innen ein Gespräch beginnen. Die Airpods senken dann automatisch die Lautstärke und aktivieren den durchlässigen Transparenzmodus, sodass Stimmen aus naher Umgebung wieder verständlich werden. In der Praxis funktioniert das wirklich zuverlässig, besonders bei kurzen Interaktionen etwa an der Supermarktkasse oder im Café.
Die größte Überraschung meinerseits ist jedoch die Geräuschunterdrückung selbst. Offene Earbuds gelten eigentlich als ungünstige Art für effektives Noise Cancelling, weil ein Teil der Außengeräusche zwangsläufig immer physisch ins Ohr gelangt. Apple versucht dieses Problem mit gleich drei Mikrofone pro Earbud und kontinuierlicher Analyse der Umgebung zu kompensieren. Die AirPods erkennen Umgebungsgeräusche und erzeugen ein entgegengesetztes Signal das störende Frequenzen reduziert.
Überraschung in der Fußgängerzone
Im Alltag zeigt sich, dass dieser Ansatz tatsächlich effektiv funktioniert. Ein Beispiel aus einem Spaziergang am vergangenen Samstag. Sonnige 20 Grad. Ein belebtes Stadtzentrum: Menschenmengen mit dem penetranten Hintergrundrauschen einer Fußgängerzone. Aktiviert man hier den ANC-Modus, reduziert sich der Lärm augenblicklich stark. Gespräche und Schritte verschwinden nicht vollständig, werden aber zu einem sehr leisen Hintergrundrauschen – laufende Musik bleibt klar im Vordergrund. Wer maximale Abschottung sucht, wird weiterhin zu Modellen mit Silikon-Seal greifen müssen, etwa den AirPods Pro 2. Dennoch ist es bemerkenswert, wie viel Alltagslärm die AirPods 4 ANC trotz ihrer offenen Bauweise ausradieren können.
Beim Klang setzt Apple weiterhin auf eine eher warme Abstimmung. Der Bassbereich ist deutlich präsent und bildet den Grundstock der Wiedergabe, während die Mitten klar darüber liegen. Stimmen werden dadurch angenehm hervorgehoben. Ein Beispiel ist Lola Youngs Song „Messy“: Der stetig treibende Soul-Pop-Rhythmus baut auf einem kräftigen Bass auf, während die rauchige Stimme sauber und differenziert im Zentrum bleibt. Die Höhen wirken eher zurückhaltend, was dem Klangbild eine leicht dunkle Note verleiht. Unterstützt wird der Klang durch „Adaptive EQ“. Dieses System analysiert ohne Unterbrechung, wie die Kopfhörer im Ohr sitzen, und passt die Frequenzkurve dynamisch an. Verschiebt sich ein Ohrhörer minimal, korrigiert der Algorithmus die Wiedergabe automatisch.
Eine weitere Besonderheit ist „Spatial Audio“. In Kombination mit kompatiblen Inhalten entsteht so ein dreidimensionaler Raumklang, der besonders bei Filmen und Serien zur Geltung kommt. In Verbindung mit dem Streamingdienst Apple Music lassen sich zudem Dolby-Atmos-Mixes abspielen. Bei Musik ist das Ergebnis gemischt – manche Produktionen profitieren deutlich, andere wirken eher künstlich erweitert. Bei audiovisuellen Medien hingegen entsteht ein überzeugender Raumklang, der Dialoge stabil im Zentrum verankert. Der ohnehin sehenswerte „F1„-Film mit Brad Pitt erhält damit eine audiovisuelle Pracht.
Die Sprachqualität gehört traditionell zu den Stärken der AirPods-Serie – auch die vierte Generation bilden hier keine Ausnahme. Selbst in lauten Umgebungen bleiben Gespräche klar verständlich. Apple kombiniert mehrere Mikrofone mit der sogenannten Sprach-Isolation, die Hintergrundgeräusche aktiv reduziert. In Tests zeigte sich die Effektivität in alltäglichen Situationen. Die Bedienung erfolgt über drucksensitive Sensoren in den schmalen Stielen. Ein kurzer Druck pausiert Musik, ein längerer aktiviert oder deaktiviert ANC. Anders als bei vielen Konkurrenzmodellen funktioniert diese Steuerung präzise und ganz ohne Fehlbedienungen. Interessanterweise verzichtet Apple weiterhin auf eine Lautstärkeregelung direkt am Ohrhörer. Eigentlich kein Nachteil, da es zu viele Funktionen auf engem Raum verhindert. Die AirPods 4 ANC sind übrigens mit dem IP54-Standard ausgestattet. Bedeutet, dass sie gegen Staub, Schweiß und Spritzwasser geschützt sind.
Wischen und Nicken
Neu sind auch Gesten zur Steuerung von Siri. Dank des H2-Chips erkennen die AirPods einfache Kopfbewegungen. Nicken können etwa eingehende Anrufe annehmen, während Kopfschütteln sie ablehnen. In der Praxis funktioniert dies wunderbar – vorausgesetzt die Bewegung wird deutlich genug ausgeführt. Beim Ladecase hat Apple ebenfalls kleinere Änderungen vorgenommen. Auf die bisherige Pairing-Taste wurde verzichtet. Stattdessen startet der Kopplungsmodus durch zweimaliges Wischen auf die Vorderseite des Gehäuses in der Nähe der LED. Das Case selbst lädt über USB-C – ein Kabel legt Apple allerdings nicht mehr bei. Im Karton befinden sich also nur die Kopfhörer, das Case und die üblichen Dokumente – alles verpackt in einer recycelbaren Kartonage. Kurzes ehrliches Wort: Anscheinend beherrscht nur Apple die Fähigkeit ein kleines, selbst für die engste Hosentasche, geeignetes Case zu designen. Zum Vergleich haben wir das Case der (ebenfalls von uns getesteten) Teufel Airy TWS Pro dazu gelegt, die Unterschiede sind eindeutig. Nicht klobig oder mit Kanten. Zumal man die Earpods am besten aus dem Case nimmt, in dem man die Fingerspitzen in die Kuhle steckt und schiebt.
Weiterer praktischer Vorteil der ANC-Variante ist die Integration in das „Wo ist?“-Netzwerk. Über diese Funktion lassen sich die Ohrhörer bei Verlust lokalisieren. Anders als bei den Pro-Modellen kann jedoch nur für die einzelnen Earbuds ein Tonsignal abgespielt werden, nicht für das Case selbst. Beim Akku gibt es eine kleine Einschränkung gegenüber der Vorgängergeneration. Eine einzelne Ladung reicht für etwa fünf Stunden Wiedergabe ohne ANC. Aktiviert man die Geräuschunterdrückung, sinkt dieser Wert auf ungefähr vier Stunden. Das ist eine Stunde weniger als bei den AirPods der dritten Generation. Mit Ladecase summiert sich die Laufzeit dennoch auf rund 30 Stunden. Im Alltag relativiert sich dieser Nachteil allerdings sofort. Viele Nutzer tragen ihre Airpods ohnehin kaum über mehrere Stunden am Stück. Werden die AirPods kurz ins Case gelegt, sorgt eine Schnellladefunktion dafür, dass bereits fünf Minuten Ladezeit etwa eine Stunde Wiedergabe ermöglichen.
Apples Ökosystem bleibt das technische Drehkreuz. Funktionen wie automatischer Gerätewechsel, Akkustandanzeige oder Trageerkennung arbeiten nur vollständig mit iPhone, iPad oder Mac. Android-Nutzer:innen können die Kopfhörer zwar problemlos verwenden, müssen jedoch auf einige genannte Komfortfunktionen verzichten. Umgekehrt verhalten sich viele Android-Kopfhörer (siehe Google Buds) ähnlich gegenüber iOS – ein technisches Ökosystem bleibt eben ein eigenes Ökosystem.
Unser Fazit zu den Apple AirPods 4 ANC
Schlussendlich hinterlassen die AirPods 4 ANC einen sehr positiven Eindruck. Sie verbinden den spürbar verbesserten Tragekomfort mit effektiver Geräuschunterdrückung und einer Klangstärke, die besonders Stimmen und Musik bestens zur Geltung bringt. Die Akkulaufzeit könnte etwas großzügiger ausfallen – das halboffene Design bleibt eine Frage der persönlichen Vorliebe. Gleichzeitig zeigt sich aber auch, dass Apple hier ein technisch stimmiges Gesamtpaket geschnürt hat. Die AirPods 4 ANC sind nicht nur die bisher besten AirPods der regulären Serie – sie verschieben auch die Erwartungen daran, was offene True-Wireless-Earbuds heute leisten können.
Die größere strategische Frage lautet daher: Wie nah rücken diese AirPods an die Pro-Modelle heran? Apple verwischt die Grenze bewusst. Durch die Kombination aus offenem Design und aktiver Geräuschunterdrückung entsteht eine neue Kategorie zwischen klassischen Earbuds und vollständig isolierenden In-Ears. Für viele Nutzer dürfte diese Tatsache ausreichen. Wer maximale Abschottung oder austauschbare Silikonaufsätze bevorzugt – wird weiterhin zu den Pro greifen oder gleich zu Over-Ear-Modellen wie den AirPods Max.
Preis: ca. 199 Euro | Gewicht: 4,3 g pro Ohrhörer | Bluetooth: 5.3 | Codecs: AAC | Anschlüsse: USB-C | Akku: bis zu 5 h (4 h mit ANC), bis zu 30 h mit Case | Kompatibilität: iOS, iPadOS, macOS, Android (eingeschränkt) | Besonderheiten: ANC, Transparenzmodus, Spatial Audio, H2-Chip
Apple AirPods 4 ANC
Sound - 9.7
Ausstattung - 9.3
Bedienung - 9.8
9.6
Top!
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