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Kampf der Multiversen: „Doctor Strange 2“ & „Everything Everywhere All at Once“

Zwei Filme mit ähnlich wirkenden Storylines aber streng genommen grundverschieden. Steht bei Marvel’s zweitem Solo-Ausflug von Zauberer „Doctor Strange“ nur sein direktes Multiversum auf dem Spiel, erlebt Michelle Yeoh im A24-Geheimtipp den absurdesten Clash sämtlicher Multiversen ihrer Zeit. Statt nüchterner Kritik versuchen wir einen betrachtenden Vergleich.

Alles nichts, oder?

Das Multiversum. Nicht erst seit der großartigen Serie „Rick & Morty“ in der Popkultur ein Begriff. Schon die mehreren Monitore im Raum des Architekten in „Matrix Reloaded“ legten den Verdacht von verschiedenen Universen innerhalb der Filmreihe nahe. Kurz zur Erklärung: In „Multiversen“ existieren wir allesamt – aber in gänzlich anderen Verhältnissen bzw. Szenarien. Gewissermaßen bildet, in der Theorie, unser gegenwärtiges Leben einen roten Faden, der durch jegliche Entscheidung beeinflusst wird. Nun beschäftigen sich Werke mit Einblicken darin, ob bestimmte Entmischungen auch andere Wege öffnen. Michelle Yeoh’s Figur „Evelyn“ in „Everything Everywhere All at Once“ passt in dieses Schema. Als verheiratete Wäscherei-Besitzerin steckt Sie zu Beginn des Films mitten in der Sortierung von Belegen aufgrund einer Steuerprüfung. Ihre lesbische Tochter versucht ihr ihre feste Freundin Becky vorzustellen während ihr charmant-trotteliger Mann sich scheiden lassen will. Was also, wäre „Evelyn“ im anderen Leben eine kinderlose weltbekannte Schauspielerin? Würde man das eigene gegen dieses Leben sofort eintauschen?

In „Doctor Strange in the Multiverse of Madness“ verhält sich die Erzählstruktur gewohnt marvelesk – frühere Abenteuer von „Spider-Man“ bewirkten erst die heutige Gegenwart von plötzlich auftretenden Multivers-Rissen, die wiederum „America Chavez“ in jene uns bekannte Welt ließ. Weil: Eine unbekannte dunkle Macht nach etwas Einzigartiges im Multiversum giert. Obwohl Sam Raimi, immerhin Schöpfer von „Tanz der Teufel“ sowie Tobey Maguire’s „Spider-Man“, mal wieder im Regiestuhl Platz nahm, durfte er im Gegensatz zum Regie-Duo des finanziell kleineren A24-Films längst nicht so viel kreative Freiheit walten lassen. „Evelyn“ durchlebt gemeinsam mit dem Publikum eine „Tour de Farce“ durch zig Multiversen mit ungeheurer Ideenvielfalt, in dem zwei kommunizierende Steine noch relativ normal sind. Stattdessen versprach Marvel im Vorfeld einen ersten ersten Horrorfilm mit „Doctor Strange“ abzuliefern, der für diese Aussage im fertigen Film keinerlei Rechtfertigung findet. Schaurig wird es stellenweise, klar. Dennoch so mild gewürzt um noch die ganze Familie zu unterhalten. Daniel Kwan & Daniel Scheinert rotzen mit „Everything Everywhere All at Once“ darüber hinweg, bilden ulkig-derbe Gags mit Butt-Plugs oder derben Martial-Art Fights von vornherein die Grenze von FSK 16. Was absolut legitim ist.

Eine Gemeinsamkeit gilt kurioserweise in beiden Filme: Familie. Quasi das Bindemittel zwischen jeglichen Multiversen aus denen Freude, Schmerz, Wut oder Tragik entspinnen deren Motivation die Ursache für wiederum andere Lebensstile einiger Figuren sind. Raimi schaffte es in „Doctor Strange and the Multiverse of Madness“ nur sehr selten echte menschliche greifbare Emotionalität zu schaffen. Zu arg wirkt es wie das Abklappern von eher dürftigen Plotpoints während „Everything Everywhere All at Once“ dank seiner überschaubaren Figuren-Konstellation sich in emotionalen Momenten mit Verrücktheiten zurücknimmt um Dialoge mehr Gewicht zu verleihen. Insofern spannend, da das Regie-Duo mehrere Multiversen sinnvoll verbindet ohne sie ihrer mysteriösen Strahlkraft zu berauben. In diesem unserem Universum empfehle ich euch nämlich deshalb die Chance zu nutzen um A24 mit einem Kinoticket für den Mut zu loben solche besonderen Stoffe im Kino zu präsentieren.

Vielen Dank an CinemaxX für die freundliche Bereitstellung des Tickets. Kinotickets für „Doctor Strange in the Multiverse of Madness“ gibt es hier.

Kinotickets für „Everything Everywhere All at Once“ gibt es hier.

Hier findest du unsere aktuellen Filmkritiken.

Benny Illgner

Nachname hielt schon Fußbälle auf. Ich bisher nur virtuell. Sitzt seit 2005 in Digitalien fest und wartet auf den Pannendienst. Steht in fester Beziehung mit Twitter und Facebook. Schreibt Gags fürs Netz und Fernsehen. Nimmt gedeckte Schecks und Pizza gerne auf Twitter unter @IamIllgner an.

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