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Trek to Yomi im TEST – Schnittiges Samurai-Drama

Zwischen Schwarz-Weiß Ästhetik und spielerischer Einöde

Entwickler Flying Wild Hog erzählt mit seinem Indie-chicen Sidescroller eine stark stylische Geschichte um Ehre, Verlust und Rache im zeitgenössischen Stil von Regievisionär Akira Kurosawa. Das Japan der Edo-Epoche lud dank seiner wenig genutzten Thematik zum ausführlichen Test ein – unser Review zu „Trek to Yomi“.

Das Totenreich. Yomi. Ähnlich wie Walhalla. Aber längst nicht so bekannt. Da gab es bisher keine „Assassins Creed“-Spiele darüber. Eigentlich ganz gut, weil die „Shadowwarrior“-Schmiede so ihre ästhestisch ordentliche Samurai-Action mit dem japanischen Begriff der ewigen Jagdgründe versehen konnte. Manchmal gehen Entwickler:innen mit Entwicklungen gewisse Risiken ein. Gute Idde, aber kein finanziell starker Publisher, der etwaige Rückschläge kompensieren könne. Zum Beispiel beim Studio „Ninja Theory“ mit dem herausragenden „Hellblade: Senua’s Sacrifice“ so geschehen – also vor Microsoft’s Übernahme daraufhin. Schwieriges Thema und damals nur durch in Eigenregie überhaupt zu stemmen. Dank guten Reaktionen wurde das Action-Drama mit über einer Million verkauften Einheit ein erfolgreiches Beispiel dafür, dass nischige Stoffe nicht gleichzeitig baden gehen. „Trek to Yomi“ schreit quasi aus jeder Pore seine Indie-Herkunft heraus.

Im Edo-Zeitalter von Japan wird die Geschichte von Hiroki erzählt, der bereits als junger Schwertmeister miterleben musste, wie erst sein Dorf von Banditen geplündert und wenig später sein Lehrmeister vom übernatürlichen jedoch verletzten Anführer ermordet wird. Einige Jahre später keimt die Gefahr eines Überfalls erneut und Hiroki versucht ein entferntes Dorf, welches wohl angegriffen wird, zu schützen. Ein folgenschwerer Fehler. Nicht weniger als eine Liebeserklärung an Filmemacher Kurosawa ist „Trek to Yomi“. Angefangen bei Expositionen kerniger Figuren wie unser Titelheld „Hiroki“ mit starrem Blick auf Pflichten aber klaren Zielen bis hin zu klug gewählten festen Kameraperspektiven im Stil seiner Filme. Obwohl „fest“ nicht zutrifft, durch geschickte Zooms oder unscharfe Objekte im Vordergrund entsteht im Zusammenspiel mit der trist gehaltenen Optik eine immersive Atmosphäre. Während man ganz klar auf Style over substance abzielt, ist das Gameplay so minimalistisch wie erwartbar. In Sidescroller-Art rennen wir als Hiroki, ohne Charakterwechsel, links nach rechts um angreifende Banditen niederzustrecken oder gar auf mysterische Erscheinungen zu treffen. Per Katana sind zwei Angriffe möglich, welche sich im weiteren Spielverlauf deutlich erweitern lassen, etwa mit kürzeren Schlägen. Praktisch sind sammelbare Bo Shuriken-Pfeile. Klein aber effektiv lassen sich damit Feinde kurz abwehren. Statt einer Lebensenergie-Leiste gibt es aushaltbare Schläge, stirbt unsere Hauptfigur landet man wieder am Checkpoint einem zuvor aktivierten Samurai-Schrein.

Obwohl verschiedene Gegner im rund fünfstündigen Abenteuer unseren Weg säumen, bewegt sich die Abwechslung auf rudimentären Niveau. Außer Blocken, Kontern und Schlagen passiert außer kleinsten Erkundungen in schön designten 3D-Umgebungen etwa breiteren Hauptstraßen oder Waldstücken nicht viel. Zwar finden wir Säckchen mit denen unsere Gesundheit sowie Ausdauer erhöht wird, dennoch wäre gerade im späteren Verlauf mehr drin gewesen. Von recht simplen Symbol-Rätseln ganz zu schweigen. Die gute Atmosphäre hält bei der Stange. Grafisch überzeugt einmal mehr die Unreal Engine 4 – recht farblos (Höhö) dafür hochaufgelöste Texturen sowie eine gute Steuerung gefallen. Dank regelmäßigen schönen Kameraschwenks á la „God of War“ bei denen Hiriko bloß noch klitzeklein am Rande zu erkennen ist, während sich ein großer See auftut sind gut gezielte Eyecatcher. Die Musik ist rar gesät, passt jedoch zum Grundtenor von „Trek to Yomi“.

Unser Fazit zu „Trek to Yomi“

Die Entwickler:innen schafften mit ihrem Weg ins japanische Totenreich womöglich einen der seltenen Vertreter von in einem Rutsch erlebbaren Spielen. Knapp fünf Stunden sind freilich keine Hausnummer, aber bei Unmengen von seelen- und lustlosen Open-World Titeln immerhin gut investierte Spielzeit. Hiroki’s Odyssey sollte durch seinen körnigen Look in Schwarz-Weiß nicht abschrecken, euch erwartet nämlich ein erwachsenes Abenteuer im altertümlichen Japan.

Entwickler: Flying Wild Hog | Preis: 19,99 Euro | Für PlayStation 4|5, Xbox One|Series und PC | USK: ab 18

Trek to Yomi (PlayStation 5)

Spielspaß - 85%
Gameplay - 73%
Grafik - 79%
Technik - 81%

80%

Empfehlung!

Ehre und Tod - Erwachsener Action-Sidescroller mit viel Liebe zum Detail für ein hartes Japan im Edo-Zeitalter.

Mehr Informationen zu unserem Wertungssystem findest Du hier.

Benny Illgner

Nachname hielt schon Fußbälle auf. Ich bisher nur virtuell. Sitzt seit 2005 in Digitalien fest und wartet auf den Pannendienst. Steht in fester Beziehung mit Twitter und Facebook. Schreibt Gags fürs Netz und Fernsehen. Nimmt gedeckte Schecks und Pizza gerne auf Twitter unter @IamIllgner an.

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