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Kino-Flash mit „Minions 3“, „Elvis“, „Monsieur Claude und sein großes Fest“ & „Thor – Love and Thunder“ | Juli 2022

Neueste Kinohits und Lowlights in der Kurzreview

Der stickigen Hitze im luftigen Kinosaal entfliehen – der Kino-Flash für Juli 2022 legt los! Heute servieren wir ein buntes Potpourri aus Action, Biopic, französischer Komödie und Animation u.a. mit „Minions – Auf der Suche nach dem Mini-Boss“, „Elvis“, „Monsieur Claude und das große Fest“ und der Marvel-Rückkehr eines kalauernden Donnergottes – „Thor – Love and Thunder“.

Elvis

Australiens Bombast-Regisseur Baz Luhrmann meldet sich mit einem visuell beeindruckenden Biopic rund um den King of Rock’n’Roll Elvis zurück. Thematisch im Fahrwasser von „Bohemian Rhapsody“ angesiedelt beleuchtet der Film die Jugend des exzentrischen Musikers (Austin Butler) sowie seiner Hassliebe mit dem Manager Colonel Tom Parker von Tom Hanks in bestechend diabolischer Art gespielt, sodass die durchaus herausfordernde Laufzeit von 159 Minuten nur selten auffällt. Für Luhrmann zählt bekanntermaßen Style over Substance mehr was aber nicht weiter schlecht ist, weil gerade absurd gestaltete Kamerafahrten durch offene Fenster über Straßenzüge zu Straßenlichtern deren Reflexionen sich zum Glitzer-besetzten Kragen formen im entsprechend technisch ausgestatteten Kinosaal das Publikum im Sitz umwuchten. Inhaltlich scheint es fast, dass in manchen Abschnitten merklich weggekürzt wurde, sodass kleinere Lücken entstehen, die dank der zeitlos guten Musik jedoch sanft übertüncht werden. Optisch geizt man nicht mit großzügig eingesetzten Filtern. Visuell absichtlich eigen, aber der gebotene Realismus einer Biografie eines echten Menschen mit bitteren Schicksalsschlägen einen Tick drüber. Andererseits verkörpert Austin Butler den schlussendlich tablettensüchtigen und tragisch ausgenommenen Elvis mit extrem viel emotionaler Inbrunst. Lobend zu erwähnen: Im Gegensatz zur Lebensgeschichte von Elton John in „Rocketman“ verkommt man hier nicht zu einer überladenen Musical-Revue.

Release: 23. Juni. 2022 | Länge: 159 Minuten | FSK: ab 6 | 3D: Nein. | Post-Credit Scene: Nein.

Monsieur Claude und sein großes Fest

Zum dritten Mal schlüpft der Franzose Christian Clavier, seit jeher bekannt für seine amüsanten Filme, in die Rolle des familiär geschüttelten Vaters von vier wunderschönen Töchtern, die allesamt einen Mann aus komplett anderen Kulturkreisen haben. Mit dieser familienfreundlichen Prämisse gelangen bis dato zwei recht ordentliche Culture Clash-Komödien. Charmante politische Inkorrektheit waren die Essenz der Gags welche mal mehr oder minder zündeten. Im dritten Teil sind nun die Schwiegereltern aus China, Israel und Südafrika dran von Regisseur Philippe de Chauveron durch den Kakao gezogen zu werden. Während das Dialog-lastige Zusammenspiel von Clavier mit dem Rest des Cast bestens funktioniert erhält der Subplot rund um einen deutschen Kunstsammler, der sich wohl in eine Tochter verguckt hat zu viel Screentime, um letztlich zu tragen. Daneben finden sich wieder typische kulturelle Verwechslungen, Streit um Schlafzimmer der Gäste oder aus dem Ruder gelaufene Partynächte mit anschließendem Zellenaufenthalt. Langsam aber sicher gerät die Reihe um Familienoberhaupt Verneuil in inhaltlichen Leerlauf. Zudem sind selbst eher Randstories wie ein überlappender Apfelbaum zum Nachgarten des anderen Schwiegersohns eher langatmig als tatsächlich unterhaltsam. Wer die bisherige Reihe aber mochte, macht mit „Monsieur Claude und sein großes Fest“ nicht viel falsch.

Release: 21. Juli. 2022 | Länge: 108 Minuten | FSK: ab 0 | 3D: Nein. | Post-Credit Scene: Nein.

Minions – Auf der Suche nach dem Mini-Boss

Vergisst man für einen kleinen Moment die immens riesige PR-Maschinerie dahinter, dessen Umsatz den Zweifel erwecken lässt, der neueste Animationsstreifen von Illumination ist im Grunde nur ein Werbespot für Spielsachen. Vergisst man den zweifelhaften TikTok-Trend unzähliger Jugendlicher mit Anzug im Kinosaal bekloppt Bananen zu werfen um dadurch Andere zu ähnlichem Verhalten zu animieren – ist die „Minions“-Fortsetzung gar nicht so schlecht wie erwartet. Im Gegensatz zum gänzlich hyperaktiven „Sing 2“ ist das Erzähltempo deutlich heruntergefahren und vertraut auf die zweifellos lustige Situationskomik der kleinen gelben Glotzaugen. Sind sie alleine scheint der Humor zwar albern, erinnert jedoch an Genre-Klassiker wie „Nackte Kanone“ oder gar „Ace Ventura“. Wenig wird ernstgenommen, sobald Stuart, Kevin und Bob durch Häuser, Straßen oder Unterschlüpfe stolpern. Die Storyline rund um den kindlichen Gru (Steve Carell), der so gerne einer ganz fiesen Verbrecher-Gang angehören will und nach Ablehnung ein magisches Juwel stieht aber dann selbst gejagt wird – ist simpel. Kunterbunt ist der Animationsstil, welcher zwar in manchen Momenten erstaunlich detailreich ist, aber selbstredend kaum an aktuelle Disney-Film heranreicht. Vielmehr sollen die kantigen Figuren oder Humor diese Mankos ausgleichen, was sogar im Letzteren ganz gut klappt. Die Gagdichte ist deutlich höher als in so mancher Deutschen Komödie angesiedelt. Für die Kleinsten sowie zugehörigen erwachsenen Begleitpersonen ist dieser Kinogang jedenfalls keine matschige Banane.

Release: 30. Juni. 2022 | Länge: 87 Minuten | FSK: ab 6 | 3D: Ja. | Post-Credit Scene: Ja.

Thor – Love and Thunder

Neuer Monat, neuer Marvel-Film. Nachdem „Doctor Strange and the Multiverse of Madness“ erstaunlich blass bleib und sich der A24-Beitrag erheblich besser schlug – hier unser Vergleich – lagen meine Hoffnung auf die Thor-Fortsetzung von Enfant Terrible-Regisseur Taika Waititi. Dank respektlosem Humor sowie Hang zu farbenfrohem Chaos rettete er bereits den Vorgänger quasi die komplette angeschlagene Solo-Reihe. Dieses Kunststück gelang ihm trotz guter Versuche in „Love and Thunder“ nicht. Grundsätzlich liegt das am unfokussierten Handlungsstrang – die Idee „Mighty Thor“ in Gestalt der krebserkrankten Jane (Natalie Portman) wieder auftauchen und sie zusammen mit Thor (Chris Hemsworth) gegen den Götterschlächter Gor antreten zu lassen, gelingt nur mäßig. Zu oft stehen Waititi’s Sketch-artige Szenen im Vordergrund, die in „Ragnarök“ viel passender in die Handlung glitten und jetzt spontaner Einwürfe vom Regiestuhl gleichen. Um nicht missverstanden zu werden: Die Humorebene brachte mich trotz merklichen Fehlschüssen lautstark zum Lachen, sorgte aber auch dafür den grandios spielenden Christian Bale als Antagonisten kaum ernsthafte Momente zu geben. Funktionieren mal empathische Momente verpasst er sie für sich stehen zu lassen. Optisch erwartet einen typisches Marvel-Material. Gesättigte Bilder, recht ansehnliche Action und hier mit Ansage: Humor. Gerade die erste Filmhälfte wirkt wie eine Parodie auf sämtliche Comic- und Science-Fiction Verfilmungen mit teils derben Kommentaren der Regie in Form der steinernen Nebenfigur „Korg“. Positiv fiel uns die sichtliche Freude des Cast auf, der so manche inhaltliche Schwäche durch Sympathie wieder rettet. Zudem erhielt „Love and Thunder“ einen stark lizensierten Soundtrack mit Rock-Klassikern von Guns’n’Roses etc. Liebhaber des MCU wird bestimmt der recht lange Gastauftritt der „Guardians of the Galaxy“, vor ihrem finalen Abenteuer, positiv auffallen. Zweifellos hat man mit dem vierten Thor-Film Spaß, spürt jedoch da wäre mehr drin gewesen.

Release: 6. Juli. 2022 | Länge: 119 Minuten | FSK: ab 12 | 3D: Ja. | Post-Credit Scene: Ja.

Vielen Dank an CinemaxX für die freundliche Bereitstellung des Tickets – Kinotickets für alle besprochenen Filme gibt es hier.

Benny Illgner

Nachname hielt schon Fußbälle auf. Ich bisher nur virtuell. Sitzt seit 2005 in Digitalien fest und wartet auf den Pannendienst. Steht in fester Beziehung mit Twitter und Facebook. Schreibt Gags fürs Netz und Fernsehen. Nimmt gedeckte Schecks und Pizza gerne auf Twitter unter @IamIllgner an.

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