Mit „The Housemaid“ startete in den Deutschen Kinos jüngst ein Thriller, der aus geradeliniger Erzählweise seine Wirkung bezieht. Ein Film, der seine Spannung nicht aus Tempo oder allzu plakativen Schocks zieht, sondern aus dem langsamen, beiläufigen Eindringen in ein soziales familiäres Gefüge, das von Beginn an Risse offenbart. Der Titel ist hierbei Programm, aber auch Irreführung zugleich: Was wie ein klassisches Abhängigkeitsdrama beginnt, verschiebt sich im Laufe der Spielzeit immer wieder, ohne diesen Wandel klar zu markieren. Unsere Kritik zum jüngst gestarteten Psychothriller.
Im Mittelpunkt steht Millie (Sydney Sweeney), eine junge Frau mit mysteriöser Vergangenheit, die eine Anstellung als Hausangestellte bei einer wohlhabenden Familie annimmt. Das Anwesen wirkt modern und dennoch kühl, ein Ort, der weniger Geborgenheit ausstrahlt als Kontrolle. Schon früh wird klar, dass hier Macht nicht ausgesprochen, sondern ausgeübt wird – nicht nur in Blicken oder kleinen Gesten – wer bleiben darf und wer jederzeit ersetzbar ist. Der Film nimmt sich Zeit, diese Dynamik auszubreiten, vielleicht sogar etwas zu viel Zeit bei 130 Minuten Lauflänge, denn nicht jede Szene trägt die gleiche narrative Relevanz.
Regie und Drehbuch setzen weniger auf klassische Thrillermechaniken als auf Atmosphäre. Türen stehen offen, aber nie wirklich einladend. Gespräche verlaufen höflich, doch immer leicht versetzt, als würden die Figuren aneinander vorbeireden. Dabei schleicht sich eine latente Bedrohung ein, die weniger aus konkreten Ereignissen entsteht als aus dem Gefühl permanenter Beobachtung. „The Housemaid“ wirkt in diesen Momenten fast wie ein Sozialdrama, das zufällig im Gewand eines Thrillers daherkommt.
Problematisch wird es dort, wo der Film beginnt, seine Karten aufzudecken. Wendungen sind vorhanden, einige davon durchaus effektiv, andere hingegen recht vorhersehbar. Gerade im Mittelteil verliert sich die Handlung stellenweise in Wiederholungen derselben Konflikte, ohne sie spürbar zu vertiefen. Man versteht relativ früh, worauf der Film hinauswill, und wartet dann darauf, dass er diesen Punkt endlich erreicht. Das geschieht, aber nicht immer mit der erhofften Konsequenz.
Thematisch verhandelt „The Housemaid“ derweil Fragen von Klassenunterschieden, emotionaler Abhängigkeit und weiblicher Selbstbehauptung, bleibt dabei jedoch weitesgehend zurückhaltend bis zum Finale. Stattdessen vertraut der Film darauf, dass das Publikum zwischen den Zeilen liest, was funktioniert, solange man bereit ist, sich auf diese Zurückhaltung einzulassen. Wer klare Statements oder moralische Eindeutigkeiten sucht, dürfte hier eher unbefriedigt zurückbleiben.
Darstellerisch lebt der Film vom Zusammenspiel zwischen Sweeney und Seyfried. Kurze intensive Augenkontakte und minimale Veränderungen im Tonfall tragen mehr zur Spannung bei als jede explizite Eskalation. Gerade die Hauptfigur Millie bleibt bewusst schwer greifbar, was einerseits neugierig macht, andererseits emotionale Nähe erschwert. Auch das scheint Teil des Konzepts zu sein, fühlt sich aber nicht immer ganz stimmig an.
Am Ende ist „The Housemaid“ ein Film, der mehr andeutet als ausspricht, der lieber Atmosphäre aufbaut als gesamteinheitlich Antworten liefert. Das kann besonders ein junges Publikum faszinieren, wirkt aber stellenweise auch unausgegoren. Wer einen leisen, erotisch angehauchten Thriller mit psychologischem Fokus erwartet, dürfte auf seine Kosten kommen. Wer hingegen auf einen konsequent durchgezogenen Spannungsbogen hofft, wird sich zwischendurch fragen, ob der Film nicht mutiger hätte sein dürfen. Und etwas kürzer.
The Housemaid. USA 2025. Verleih: Leonine. Regie: Paul Feig. Mit Amanda Seyfried, Sydney Sweeney, Brandon Sklenar. Genre: Thriller. 130 Minuten. FSK: Ab 16 Jahren.
Gibt es eine Post-Credit-Szene? = Nein.
Disclaimer: Vielen Dank an CinemaxX für die freundliche Bereitstellung des Tickets. Kinotickets für „The Housemaid“ gibt es hier.
Zu unseren aktuellen Filmkritiken.
Folgt uns über Instagram, Threads und X (ehemals Twitter).
Bei den hier angezeigten Produkten handelt es sich um Affiliate Links, bei einem Kauf unterstützt ihr meine Arbeit. Letzte Aktualisierung 17.01.2026 / Bilder von der Amazon Product Advertising API. Amazon und das Amazon-Logo sind Warenzeichen von Amazon.com, Inc. oder eines seiner verbundenen Unternehmen.


