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Ich gebe es zu: Bei Lanterns war meine Erwartungshaltung eher vorsichtig. Noch eine Superheldenserie, noch ein Baustein im neuen DC Universe und wieder dieser ständig bemühte Vergleich mit True Detective. Das kann ziemlich schnell nach Marketingabteilung riechen.Nach der ersten Folge muss ich allerdings sagen: Verdammt, das funktioniert erstaunlich gut.
Und vielleicht gerade deshalb, weil Lanterns über weite Strecken gar nicht versucht, wie eine typische Superheldenserie auszusehen. Statt kosmischem CGI-Dauerfeuer bekommt man einen ruhigen, düsteren Krimi, zwei ziemlich unterschiedliche Hauptfiguren und genug offene Fragen, damit man unmittelbar die nächste Episode sehen möchte.
Zum Glück kein grünes CGI-Gewitter
Meine größte Sorge bei Lanterns war eigentlich Green Lantern selbst. Wer bei dem Namen automatisch an Ryan Reynolds, grüne Ganzkörperanzüge und CGI erinnert wird, das stellenweise aussah wie frisch aus der Mikrowelle, dürfte verstehen, woher diese Skepsis kommt.
Die erste Folge macht fast das genaue Gegenteil. Natürlich gibt es die Ringe. Natürlich gibt es Kräfte. Und natürlich erkennt man jederzeit, dass hier eine Geschichte aus dem DC-Universum erzählt wird. Aber die Superkräfte stehen überraschend selten im Mittelpunkt. Stattdessen behandelt die Serie Hal Jordan und John Stewart zunächst tatsächlich eher wie zwei Ermittler. HBO selbst beschreibt Lanterns als Geschichte über die beiden intergalaktischen Gesetzeshüter, die in einen düsteren Mordfall auf der Erde hineingezogen werden.
Kyle Chandler und Aaron Pierre tragen die Folge
Noch wichtiger als irgendwelche leuchtenden Ringe sind aber Kyle Chandler als Hal Jordan und Aaron Pierre als John Stewart. Die beiden funktionieren miteinander. Nicht als klassische Superhelden-Buddys, die sich alle 30 Sekunden irgendwelche coolen Sprüche um die Ohren hauen müssen, sondern als zwei Menschen, die sich gegenseitig durchaus auf den Sack gehen können.
Jordan wirkt erfahren, abgekämpft und ziemlich überzeugt davon, dass seine Art die richtige ist. Stewart ist jünger, kontrollierter und keineswegs bereit, einfach brav hinterherzulaufen. Diese Reibung ist schon in der ersten Folge wahrscheinlich der interessanteste Teil der Serie. Genau diese Chemie zwischen Chandler und Pierre wird auch in zahlreichen Kritiken als eine der größten Stärken von Lanterns hervorgehoben. Rotten Tomatoes nennt die Beziehung der beiden ausdrücklich einen tragenden Bestandteil der Serie; auch GQ sieht das Duo als Kern des ungewöhnlich charaktergetriebenen Ansatzes.
Dieser True-Detective-Vergleich nervt – passt aber leider
Seit der Ankündigung wird Lanterns ständig als eine Art „True Detective mit Green Lanterns“ verkauft. Ich hatte ehrlich gesagt gehofft, diesen Vergleich nach der ersten Folge endlich beerdigen zu können. Er passt leider. Nicht weil Lanterns versucht, True Detective billig nachzumachen, sondern weil Atmosphäre und Erzähltempo deutlich näher an einer HBO-Krimiserie liegen als an klassischer Comic-Unterhaltung. Es gibt Ruhe, unangenehme Gespräche, Misstrauen und dieses Gefühl, dass unter der Oberfläche deutlich mehr kaputt ist, als zunächst sichtbar wird.
Wer pausenlos Action erwartet, könnte enttäuscht werden
Das dürfte gleichzeitig der Punkt sein, an dem sich bei Lanterns die Geister scheiden. Wer Green Lantern einschaltet und erwartet, dass alle fünf Minuten riesige grüne Maschinengewehre, Raumschiffe oder Fäuste aus Energie durch das Bild fliegen, wird mit der ersten Episode vermutlich nicht glücklich.
Lanterns darf gerne noch etwas länger einfach zwei Typen mit verdammt mächtigen Ringen dabei zeigen, wie sie versuchen herauszufinden, was zum Teufel eigentlich los ist.
Spoilerfrei gesagt: Das Ende erledigt seinen Job
Natürlich werde ich an dieser Stelle nicht erzählen, wie die erste Folge endet. Nur so viel: Die Episode weiß ziemlich genau, an welcher Stelle sie den Zuschauer wieder loslassen muss. Ich hatte unmittelbar danach genau eine Reaktion: Na toll. Jetzt muss ich Folge 2 sehen.
Mein Fazit zu Lanterns Folge 1
Ich bin tatsächlich positiv überrascht.
Lanterns wirkt nach der ersten Folge nicht wie der nächste verzweifelte Versuch, ein Superheldenuniversum möglichst schnell mit Content vollzustopfen. Stattdessen fühlt sich die Serie erst einmal wie eine HBO-Krimiserie an, die zufällig zwei Green Lanterns als Ermittler hat. Die Geschichte nimmt sich Zeit, die Atmosphäre stimmt und vor allem Aaron Pierre und Kyle Chandler funktionieren hervorragend zusammen.
Natürlich ist eine Folge noch viel zu wenig, um die komplette Staffel abzufeiern. Aber der Einstieg macht etwas, das bei mir inzwischen erstaunlich wenige Superheldenserien schaffen: Wenn Lanterns diesen Ton hält und das Mystery nicht irgendwann unter einem Berg aus DCU-Erklärungen und CGI-Geballer begräbt, könnte das tatsächlich eine der angenehmeren Überraschungen des neuen DC Universe werden.
- Sichtfeld : 360.0 degrees
- Artikelabmessungen: 4.72 inches
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