
| 0 | 0 |
Bei Prusa INDX wird es langsam ernst. Nach Founders Edition, ersten Conversion-Kits und dem zwischenzeitlichen Düsen-Dämpfer baut Prusa das System jetzt deutlich breiter aus. INDX ist inzwischen nicht mehr nur als Nachrüstlösung für einen einzelnen Drucker gedacht, sondern zieht sich durch mehrere Varianten von CORE One+, CORE One+ (Gen 2) und CORE One L+ – jeweils mit vier oder acht Werkzeugen und teilweise als Bausatz oder fertig montierter Drucker.
Das Grundprinzip bleibt gleich: Statt ein Filament durch eine gemeinsame Düse zu jagen und bei jedem Wechsel ordentlich Kunststoff in die Tonne zu drücken, bekommt jedes Material seinen eigenen Werkzeugkopf samt Düse. Ein zentraler Smart Head übernimmt Extrusion, Erwärmung und Werkzeugwechsel.
Bis zu acht Materialien, Farben oder Düsengrößen können so in einem einzigen Druck verwendet werden.
Warum gibt es plötzlich so viele INDX-Versionen?
Prusa trennt inzwischen ziemlich konsequent zwischen bestehenden Druckern, aktueller Hardwaregeneration und kompletten Neugeräten. Wer bereits einen CORE One, CORE One+ oder CORE One L besitzt, kann ein passendes Conversion-Kit kaufen. Käufer eines neuen Druckers können dagegen direkt zu einer INDX-Version greifen und zwischen vier oder acht Werkzeugen wählen.
Dadurch entsteht zwar auf den ersten Blick ein kleiner Varianten-Dschungel, dahinter steckt aber eigentlich eine recht einfache Logik.
| Ausgangslage | INDX-Versionen |
|---|---|
| CORE One / CORE One+ | Conversion-Kit mit 4 oder 8 Werkzeugen |
| CORE One+ (Gen 2) | Conversion-Kit mit 4 oder 8 Werkzeugen |
| CORE One L | Conversion-Kit mit 4 oder 8 Werkzeugen |
| CORE One L+ | Conversion-Kit mit 4 oder 8 Werkzeugen |
| CORE One+ (Gen 2) neu | Komplettdrucker/Bausatz mit 4 oder 8 Werkzeugen |
| CORE One L+ neu | Komplettdrucker mit INDX-Konfigurationen |
Alleine bei den Nachrüstsätzen listet Prusa derzeit acht verschiedene Kits, weil sich die mechanischen Komponenten je nach Druckergeneration unterscheiden. Die Kits für ältere CORE-One-Modelle bringen beispielsweise Teile mit, die beim Gen-2-Modell bereits serienmäßig verbaut sind.
Vier Werkzeuge reichen vielen bereits aus
Prusa bietet INDX grundsätzlich mit vier oder acht Werkzeugen an. Technisch steckt dahinter aber kein abgespecktes System: Auch die Vier-Werkzeug-Version besitzt bereits die Infrastruktur für acht Positionen.
Wer also zunächst mit vier Farben oder Materialien starten möchte, kann später weitere Werkzeuge ergänzen. Das dürfte für viele Nutzer die vernünftigere Einstiegsversion sein. Acht gleichzeitig geladene Spulen sehen zweifellos beeindruckend aus, aber nicht jeder druckt jeden Dienstagmorgen einen achtfarbigen Pokémon-Schrein.
Werkzeugwechsel in rund zwölf Sekunden
INDX unterscheidet sich technisch deutlich von klassischen Filamentwechselsystemen. Die passiven Werkzeugköpfe besitzen jeweils eine eigene Düse, aber keine eigene Elektronik. Der Smart Head koppelt sich an das gewünschte Werkzeug und erhitzt dessen Düse über eine kontaktlose Induktionsspule. Prusa nennt je nach Konfiguration etwa 12 bis 16 Sekunden für einen Werkzeugwechsel inklusive Aufheizen aus kaltem Zustand. Pro Wechsel sollen lediglich etwa 0,013 Gramm Kunststoffabfall entstehen. Große Purge-Türme oder kilometerlange Filamentwürste sollen damit weitgehend entfallen.
Die einzelnen Werkzeuge können außerdem mit unterschiedlichen Düsendurchmessern zwischen 0,25 und 0,8 Millimetern ausgestattet werden. Damit lassen sich beispielsweise große Bereiche mit einer gröberen Düse drucken, während ein anderer Werkzeugkopf feinere Details übernimmt. Noch interessanter wird INDX bei echten Materialkombinationen. TPU-Griffe können direkt mit steifen PETG- oder PLA-Komponenten verbunden werden, während für Support-Strukturen ein eigenes lösliches oder leicht ablösbares Material bereitsteht.
Technische Daten von Prusa INDX
| Merkmal | Prusa INDX |
|---|---|
| System | Passiver Werkzeugwechsler |
| Maximale Werkzeuge | 8 |
| Einstiegskonfiguration | 4 Werkzeuge |
| Werkzeugwechsel | ca. 12–16 Sekunden |
| Abfall pro Wechsel | ca. 0,013 g |
| Heizsystem | Kontaktlose Induktion |
| Temperaturmessung | Drahtlos und kontaktlos |
| Max. Düsentemperatur | 300 °C |
| Filament | 1,75 mm |
| Düsengrößen | 0,25 / 0,4 / 0,5 / 0,6 / 0,8 mm |
| Standarddüse | 0,4 mm High Flow |
| Unterstützte Materialien | PLA, PETG, ABS, ASA, TPU, PC, PA, PVA, BVOH u. a. |
| Spulen-Chip erforderlich | Nein |
| Extruder | Bondtech Dynamic Dual Drive |
| Beschleunigungssensor | Im Smart Head integriert |
Beim CORE One L+ reduziert sich der verfügbare Bauraum mit INDX leicht auf 298 × 275 × 330 mm. Dafür bleibt die auf bis zu 60 °C temperierte Kammer nutzbar.
Eine wichtige Einschränkung bleibt bei den Düsen
Ganz ohne Fußnote kommt die Sache allerdings nicht aus. Die aktuell ausgelieferten Standarddüsen bestehen aus oberflächengehärtetem, nitrocarburiertem Stahl und nicht aus vollständig gehärtetem Stahl. Für PLA, PETG, ABS, ASA, TPU oder normale Nylon-Filamente ist das weitgehend unkritisch. Für dauerhaft stark abrasive Materialien wie Glow-in-the-Dark oder stark gefüllte Carbon- und Glasfaserfilamente empfiehlt Prusa die derzeitigen Düsen dagegen ausdrücklich nicht. Prusa arbeitet nach eigenen Angaben gemeinsam mit Bondtech an einer robusteren Lösung, nennt dafür bislang aber weder einen Termin noch einen Preis.
Wir hatten über das Thema bereits ausführlich berichtet: Prusa „Nozzlegate“: INDX-Kits mit falschen Düsen ausgeliefert.
Aus Nachrüstlösung wird eine komplette Plattform
Spannend ist weniger die reine Anzahl der Varianten als die Richtung, in die Prusa INDX inzwischen schiebt. Was zunächst wie ein ziemlich exotisches Upgrade für CORE-One-Besitzer aussah, wird langsam zu einer eigenen Multimaterial-Plattform. Der große Vorteil liegt nicht zwingend bei acht Farben. Interessanter sind acht unabhängige Materialpfade und Düsen. Unterschiedliche Düsendurchmesser, TPU zusammen mit starren Materialien oder spezielle Support-Filamente machen INDX auch für funktionale Teile interessant.
Und genau dort unterscheidet sich das Konzept von den typischen AMS- und MMU-Systemen. INDX ist weniger Filamentwechsler und mehr Werkzeugkasten.
Verfügbarkeit
Prusa hat den Versand der ersten INDX-Kits inzwischen aufgenommen. Neue Bestellungen für CORE-One- und CORE-One+-Conversion-Kits werden laut aktuellem Shop je nach Ausführung ab Mitte Oktober beziehungsweise später im Jahr 2026 abgearbeitet.
Für die CORE-One-L-Versionen nennt Prusa derzeit einen Versandstart Anfang November. Die konkreten Lieferzeiten hängen allerdings von Modell, Werkzeuganzahl und Bestellzeitpunkt ab.
Eine allgemeingültige Euro-Preisliste lässt sich aktuell nicht sinnvoll angeben, weil der Prusa-Shop Preise abhängig von Lieferland, Mehrwertsteuer und Konfiguration ausspielt. Das Vier-Werkzeug-Kit wird von Prusa grundsätzlich als günstigster Einstieg angeboten, die Acht-Werkzeug-Variante entsprechend darüber.
