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Shadow Warrior 3 im TEST – Shooter der alten Schule

Metzelei á la Doom mit einem gewaltigen Schuss Serious Sam

Nach „Doom“ kommt nicht Eternal sondern „Shadow Warrior 3“ – Studio Flying Wild Hog zündet ein abgedrehtes Action-Feuerwerk mit viel Ironie für das eigene Medium im Sekundentakt ab. Antiheld Lo Wang ballert sich durch ein geradliniges Abenteuer, was sich ganz auf Old-School Tugenden bekannter Shooter besinnt. Für unsere Review ließen wir uns mitreißen.

Die Welt von Lo Wang ist am Arsch. Drachenarsch, genauer gesagt. Nachdem der geschwätzige Auftragskiller zwar im vorherigen Teil die Welt erst rettete, sucht nun ein monströs großer Drache den blauen Erdball heim. Netterweise teilt die Hauptfigur den Serienneulingen ebendiese Entwicklung mit recht drastischem Vokabular mit. Als Tester weiß ich gar nicht, wie diesen Artikel beginnen soll. Etwa mit der zwar geradlinigen aber deshalb temporeichen Geschichte ohne großen Tiefgang dafür herrlich hirnlosen One-Linern? Dem on point gelungenem Gunplay ohne Belästigung durch unnötige Rollenspiel-Elemente wie Schadensparameter? Oder vielleicht dem Verlangen trotz leichten Ermüdungserscheinungen „nur noch 5 Minuten“ zu spielen? Kürzen wir es zur Abwechslung mal ab – „Shadow Warrior 3“ macht verdammt viel richtig, verpasst es aber in manchen Augenblicken das erwartete Shooter-Meisterwerk zu sein.

Doch was ist dieser adrenalingetriebene Trip durch sonnendurchflutete Tempel in Asien und über die Rückenschuppen eines niederfressenden Riesendrachen eigentlich? Wie bereits oben angedeutet ist „Shadow Warrior 3“ ein reinrassiger Ego-Shooter im Stile der letzten Neuinterpretationen von „Doom“ gepaart mit dem Irrwirt des Serious’ischen Sam. Während die Jungs und Mädels von Flying Wild Hog mit dem Vorgänger ihr Gameplay noch an Diablo erinnern ließen, sieht man die einzigen springenden Zahlen im Spiel nicht mehr am Beschuss von Feinden sondern im Munitioncounter. In die Länge gezogen wird die allenfalls dünne Storyline jedoch keineswegs. So schickt man uns erst zeitlich zurück und dann in die Gegenwart, um den Verlust von Lo Wang’s Mojo einzuordnen. Ähnlich dem spielerischen Pendant bewegen wir uns durch optisch manchmal sehr sehenswerte Gebiete in einem so abgedichteten Levelschlauch, sodass vergangene „Call of Duty“-Titel wie offene Abenteuerspielplätze wirken. Dennoch verbergen sich hinter Abzweigungen oftmals Secrets wie Upgradeorbs für allerlei Fähigkeit und Verbesserung unserer Waffen. Ist jede Kugel verschossen bleibt zur Not halt die scharfe Katana – damit schnetzeln sich Gegnerhorden zum Teil auch nieder.

Roundhouse-Shot in a Row

Schreitet Lo Wang in eine von weitem klar erkennbare Arena geht es richtig rund. Denn, die Lernkurve zeigt recht flott nach oben. Dazu passt auch die deutliche Entschlackung im Waffenarsenal, gab es nämlich zuvor über 30 Wummen – sind es jetzt noch 6 Schießeisen. Ebenso entfielen Rollenspiel-Elemente mit spielerisch taktischen Werten. Keine Lebensbalken oder zusätzliche XP bei Headshots. Im Grunde ein klares Statement für das herrlich simple Gameplay früherer Tage. Mit Revolver, Shotgun, zwei Maschinenpistolen (Uzi) und auch ein Granatenbomber darf zur Beseitigung allerlei Dämonen nicht fehlen. Begegnen uns zu Anfang noch harmlos humanoide Gestalten fegt Lo Wang am Schluss ostasiatische Karikaturen von schreienden Ninja bis hin zu fliegenden Dschinns. Durch regelmäßig aufkommende Unholde entsteht oftmals ein temporeicher Flow dessen man sich vor Bethesda’s Shooter-Marke nicht zu verstecken braucht. Dazwischen sowie währenddessen reißt unser Spielfigur quasi minütlich dämlich-spaßige Sprüche aus, die von cleveren Wortspielen bis zum gewohnten Nachsingen bekannter Musikklassiker wie „It’s raining men“ reichen. So bekloppt, weil es zur bunten Atmosphäre passt. Anders als beim recht strittigen „Doom Eternal“ stören die Jump’n’Run-Passagen nicht sondern leiden vielmehr darunter repetitiv zu sein. An grün markierten überwuchterten Wänden entlanghangeln oder sich daran hochzuziehen ist beim 100. Mal doch eintönig. Zwar wird das Ganze durch Rutschpartien sowie Enterhaken-Sprünge aufgelockert, aber man merkt, da war mehr Potenzial drin.

Sämtliche Dialoge mit jeder Nebenfigur nehmen sich nur selten ernst, sind aber stimmig gesprochen. Auf eine deutsche Lokalisierung wurde verzichtet. Dafür legen sich die englischen Sprecher ins Zeug. Ob Gespräche mit unserem Auftraggeber, dann Erzfeind und jetzt zum Sidekick gewordenen Orochi Zilla oder auch die zur Tötung des Drachen genötigten Maske eines eigentlich toten Gottes sind meistens amüsant getextet. Grafisch darf sich „Shadow Warrior 3“ in kleinen Momenten als beeindruckend schön mit farbintensiven Sonnenuntergängen rühmen, wobei matschige Texturen natürlich ebenso ins Auge stechen. Grund könnte die PS4-Fassung als einzig verfügbare Version für die PlayStation sein. Jedoch sind einige Details scharf hochaufgelöst wie Wang’s Katana oder herrlich designten Gegner. Musikalisch ist die Untermalung oftmals treibend rockig, ausgeflippt fiebsig, beherrscht in Ruhepausen aber auch gefühlvolle Melodien. Unter 60fps kam es im Spielbetrieb selten, hingegen es leider einen Komplettabsturz gab. Genau wie Lo Wang’s Arsenal wurde der Umfang geschmälert – kein Multiplayer oder Koop. Ihr spielt nur die rund sechsstündige Storykampagne. Nicht mehr, nicht weniger.

Unser Fazit zu „Shadow Warrior 3“

Ausgeflippt, bunt und verdammt schnell. Lo Wang’s drittes Abenteuer zeichnet sich durch Entlastung zum arg Dialo-mäßigen Vorgänger aus. Keine verschieden starken Waffentypen in übermäßig hoher Anzahl, Gegner als Loot-Quellen oder gemeinsame Koop-Erlebenisse. Mit „Shadow Warrior 3“ bekommt ihr eine der durchgeknalltesten Shooter-Kampagne seit vielen Jahren, der dank seiner eingänglichen Art einfach verdammt großen Spaß macht. Gegnerhorden mit ordentlich Feuerkraft wegzubrennen ohne Rücksicht auf widerstandsfähige Rüstungen oder deren schadenshemmende Parameter zu nehmen, fehlte auf Konsole einfach viel zu lange. Lasst euch durch den dürftigen Umfang bloß nicht beirren.

Entwickler: Flying Wild Hog | Preis: 49,99 Euro | Für PlayStation 4|5, Xbox One|Series und PC | USK: ab 18

Shadow Warrior 3 (PlayStation 4)

Spielspaß - 91%
Gameplay - 87%
Grafik - 78%
Technik - 71%

82%

Ausgezeichnet!

Mystischer bunter verrückter Shooter aus dem Hause Devolver, der sich nicht im komplexen Gameplay verliert sondern trotz technischen Mankos herrlich unterhält.

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Benny Illgner

Nachname hielt schon Fußbälle auf. Ich bisher nur virtuell. Sitzt seit 2005 in Digitalien fest und wartet auf den Pannendienst. Steht in fester Beziehung mit Twitter und Facebook. Schreibt Gags fürs Netz und Fernsehen. Nimmt gedeckte Schecks und Pizza gerne auf Twitter unter @IamIllgner an.

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