Yoshi and the Mysterious Book gespielt – Cozy Gaming mit Scherenschnitt-Optik
Der kleine grüne Dino entdeckt seine Welt grundlegend neu
Gleich zu Anfang die Feststellung: „Yoshi and the Mysterious Book“ ist cozy gaming durch und durch. Exklusiv für die Nintendo Switch 2 positioniert sich das neue Werk von Good-Feel genau in dieser Nische, die die Reihe um den grünen Dino seit Jahren konsequent verfolgt: zugänglich, drollig und trotzdem mit genug kreativer Energie, um nicht nur die jüngsten Spieler:innen für sich zu begeistern. Inhaltlich simpel: In Yoshis Heimat fällt ein lebendiges Buch vom Himmel, ein sprechendes Nachschlagewerk namens „Enzo“ beziehungsweise Mr. Encyclopedia, das unter seinem gebundenen Äußeren mehr Fragen als Antworten mitbringt. Unvollständige Seiten und seltsame Kreaturen warten darauf entdeckt zu werden – mittendrin Yoshi, der sich – wenig überraschend – sofort in diese Parallelwelt aus Scherenschnitten hineinziehen lässt. Unsere Review zum frischen Nintendo-Neustart.
Yoshi, der grüne gutherzige Dino mit den Kulleraugen samt nostalgischer Mauz-Stimme ist wieder da! In seinem ersten Nintendo Switch 2 exklusiven Abenteuer geht es bewusst ruhiger als sonst zu. Der Einstieg ist schnell erzählt: Auf Yoshis Heimatinsel stürzt ein lebendiges Buch vom Himmel. „Enzo“, ein sprechendes Nachschlagewerk mit zwirbeligen Schnurrbart und Monokel, entpuppt sich als unvollständige Enzyklopädie voller löchriger Einträge und fehlender Kapitel. Genau diese Lücken sollen Yoshi und seine Freude füllen, während die obligatorischen Unholde Bowser Jr. und Kamek ebenfalls Interesse an dem mysteriösen Werk entwickeln und vielleicht als Bossgegner auftauchen.
Der Aufbau folgt hierbei keiner klassischen Weltkarte, sondern einer Kapitelstruktur innerhalb dieses Buches. Jede dieser Sektionen fühlt sich wie eine eigenständige Seite an, die betreten, gelesen und durch Bewegung erst vollständig verstanden wird. Das ist nicht nur ein erzählerischer Kniff, sondern prägt auch den Rhythmus des Jump’n’Runs. Yoshi scannt gewissermaßen die Seiten, springt in die Level hinein und beginnt dort eine Art spielerische Entdeckungstrips. Kreaturen beobachten, Objekte verschieben, Wege freilegen. Fortschritt entsteht nich mehr durch lineares Ablaufen, sondern durch das Sammeln von „Stars“, die aus Interaktionen mit der Umgebung resultieren. Jede gefundene Besonderheit, jedes versteckte Detail wird so zum Baustein eines größeren Puzzles innerhalb des Buches.
Im Kern bleibt „Yoshi and the Mysterious Book“ glücklicherweise ein 2D-Plattformer, allerdings einer, der sich dem heutzutage gängigen cozy gaming verpflicht hat. Kein klassisches Leben-System, keine Strafe für Fehler, keine Situationen, in denen der Spielfluss abrupt abbrechen würde. Yoshi kann zwar von Gegnern getroffen werden – fällt aber nicht aus der Welt. Statt „überleben“ steht „ausprobieren“ im spielerischen Vordergrund. Das Spiel unterstützt, dass man stehen bleibt und die Level erneut betrachtet – genau daraus entsteht sein gewolltes Tempo.
Yoshis Moveset bleibt hingegen unangetastet wie man es aus früheren Spielen kennt, wurde jedoch erweitert. Neben dem typischen Eierwurf, der nach wie vor als zentraler Angriff fungiert, spielt der charakteristische Flatter Sprung wieder eine größere Rolle. Yoshi gleitet länger durch die Luft, als die Physik eigentlich erlaubt, was Levelpassagen bewusst weitläufiger gestaltet. Neu hinzu kommen kleine Ergänzungen: Bestimmte Abschnitte erlauben es, Geschwindigkeit aufzubauen, indem Yoshi Rampen hinunterrutscht und diesen Schwung in höhere Sprünge umwandelt. Dazu kommt die Möglichkeit, Kreaturen oder Objekte auf den Rücken zu nehmen und durch die Level zu transportieren, dient weniger als herausfordernde Mechanik, sondern eher als spielerisches Experimentieren.
Die Levelstruktur selbst ist offen genug, um nicht strikt in „A nach B“-Denken zu verfallen. Zwar bleibt jedes Kapitel klar begrenzt, doch innerhalb dieser Grenzen entfaltet sich eine überraschend flexible Bewegung. Man läuft selten einfach nur geradeaus. Stattdessen entstehen kleine Umwege, Nebenpfade, spontane Abzweigungen. Genau hier zeigt sich die Stärke des Designs! Die grafische Präsentation ist einmal mehr großartig von Nintendo gestaltet. Die Welt wirkt gar wie aus einem Skizzenbuch gefallen, mit sichtbaren Linien, einer fast stop-motion-artigen Animation und einer scherenschnittartigen Eleganz, die der gesamten Ästhetik etwas Handgemachtes verleiht. Solch eine herrlich anzusehende visuelle Sprache ist längst kein Durchschnittsbrei und passt überraschend gut zu der Idee, dass jedes Level eine Buchseite ist, die erst durch den Blick der Spieler:innen vollständig wird.
Inhaltlich richtet sich das Spiel klar an ein jüngeres Publikum, ohne sich jedoch ausschließlich darauf zu beschränken. Der spielerische Anspruch ist bewusst reduziert, die Lernkurve flacher als das die Sandbank von Buckelwal Timmy, die Anforderungen moderat. Gleichzeitig entsteht durch die Vielzahl an kleinen Entdeckungen ein Sog, der auch ältere Spieler:innen für eine gewisse Zeit trägt – vor allem dann, wenn man sich auf das Experimentieren einlässt. Begleitet wird das Ganze von regelmäßigen Bosskämpfen mit Bowser Jr. und Kamek, die als Bossgegner durch Inszenierung auffallen. Auch hier bleibt das Spiel seinem Ton treu: eher verspielt als bedrohlich. Die Kämpfe funktionieren gut als kleine Unterbrechungen im Entdeckungsfluss, ohne ihn dauerhaft zu stören.
- Tauche als Yoshi in die Seiten der sprechenden Enzyklopädie Enzo ein und entdecke allerhand eigentümliche Lebewesen.
- Erforsche alle möglichen Eigenarten der Kreaturen. Manche lassen Blumen erblühen, andere erzeugen Blasen.
- Yoshi kann die Kreaturen essen, auf sie springen oder sie sogar Huckepack nehmen.
Trotz dieser konsequenten Ausrichtung auf Zugänglichkeit zeigen sich auch Grenzen. Die klare Struktur, die niedrige Fehlertoleranz im positiven Sinne und die bewusst zurückgenommene Schwierigkeit führen dazu, dass sich bestimmte Abschnitte schneller abnutzen können, als es die anfängliche Neugier vermuten lässt. Wohlgemerkt für ältere Spieler:innen. Hinzu kommt, dass einzelne Hinweise im Spielverlauf nicht immer präzise genug ausfallen. Gerade wenn Mr. Encyclopedia seine Tipps ausspielt, bleiben manche Ziele erstaunlich wirr, was gelegentlich zu kurzen Orientierungsverlusten führt, wie es in unserem Test der Fall war. Dennoch unterhielten uns die rund 14 Stunden Spielzeit nicht minder schlecht. Gerade im Vergleich zu früheren Yoshi-Spielen wie das ebenfalls grafisch imposante „Crafted World“ wirkt das neue Spiel weniger mechanisch verspielt. Die Freiheit innerhalb der Level ist spürbar größer, gleichzeitig bleibt die Herausforderung bewusst niedrig gehalten.
Unser Fazit zu „Yoshi and the Mysterious Book“
„Yoshi and the Mysterious Book“ lädt zur Entdeckung ein statt für gewöhnliche Plattformer-Kost. Als digitales Bilderbuch, das sich bewegt, reagiert und auf jede kleine Interaktion antwortet. Die Mischung aus Plattforming, Sammeln, Erkunden und Beobachten trägt dabei überraschend weit, solange man bereit ist, sich auf diesen cozy Takt einzulassen. Für ein jüngeres Publikum dürfte genau diese Struktur ideal sein, während erfahrene Spieler:innen eher zwischen Faszination für die Gestaltung und einer gewissen Monotonie pendeln. Unterhaltsam bis zur letzten Seite.
Release: 21. Mai 2026 | Entwickler: Feel-Good | Genre: Jump’n’Run | Für Nintendo Switch 2 | USK: ab 0
Yoshi and the Mysterious Book (Nintendo Switch 2)
Spielspaß - 78%
Gameplay - 85%
Grafik - 87%
Technik - 80%
83%
Empfehlung!
"Yoshi and the Mysterious Book“ setzt auf Entdeckung statt Druck und funktioniert als ruhiges, interaktives Bilderbuch. Für Jüngere ideal - für Erfahrene charmant, aber stellenweise repetitiv.
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