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Marathon abgecheckt – Meine Güte, warum habe ich mich auf diesen Shooter eingelassen?

Überwindet man die hohe Einstiegshürde überzeugt das Gameplay

„Marathon“ ist zurück – zumindest dem Namen nach. Wer sich an die gleichnamige Trilogie ab 1994 erinnert, verbindet damit zwangsläufig klassische Ego-Shooter-Wurzeln. Das neue „Marathon“ hingegen schlägt hingegen mehrere völlig andere Richtungen ein. Bungie verabschiedet sich vom linearen Kampagnenmodell und setzt stattdessen auf ein kompromissloses Extraction-Shooter-Konzept mit PvPvE-Fokus. Ein Schritt, der zunächst mutig wirkt, aber auch einige Risiken birgt – gerade in einem hartumkämpften Markt, der zuletzt unerbittlich zeigte, wie schnell solche Projekte scheitern können – unsere Review zu „Marathon“.

Bungie meldet sich nach Kapitel „Destiny“ und gerade den chaotischen Umständen von Teil Eins und einer bis dato treuen Anhängerschaft des Zweiten Teils zurück. „Marathon“ ist wahren Shooter-Cracks natürlich sofort ein Begriff während die anderen schulterzuckend ins Blaue schauen. Die Ausgangslage des neuen „Marathon“ ist schnell umrissen, bleibt dabei aber undurchsichtiger Story-Nebel: Im Jahr 2895 empfängt die Menschheit ein rätselhaftes Signal von ihrer Kolonie auf Tau Ceti IV. Eine Expedition folgt – und findet… nichts. Keine Menschen, keine Antworten. Nur verlassene Anlagen, das gewaltige Kolonieschiff „Marathon“ im Orbit und eine Oberfläche, auf der sich Maschinen und fremdartige Lebensformen tummeln. Was passiert ist, bleibt zunächst offen – und genau daraus zieht das Spiel einen Teil seiner Faszination. Statt klassischer Storyführung gibt es Andeutungen, Umgebungsdetails samt losen Narrativen.

Spieler:innen schlüpfen in die Rolle sogenannter Runner. Dabei handelt es sich nicht mehr um Menschen im klassischen Sinne, sondern um Bewusstseine (Achtung Plural!), die in synthetische Körper übertragen wurden. Diese Hüllen sind austauschbar, abwaschbar, sterblich – und genau darauf ist das gesamte Spielsystem aufgebaut. Runner werden von Konzernen entsendet, um Ressourcen, Daten und spezielle Artefakte zu bergen. Das klingt nach Routine, entwickelt sich aber schnell zu einem nervenaufreibenden Drahtseilakt. Der Kern von „Marathon“ folgt den bekannten Regeln des Extraction-Genres: Wer in eine Mission startet – riskiert seine gesamte Ausrüstung. Stirbt man, ist alles verloren. Gelingt die Extraktion, nimmt man Beute und Fortschritt mit an Bord. Dieses Prinzip sorgt für permanente Spannung, hebt aber auch die Einstiegshürde deutlich an. Denn „Marathon“ erklärt erstaunlich wenig. Tutorials sind für ein mainsteamiges Spiel seitens Publisher PlayStation rudimentär, wichtige Systeme bleiben zunächst im Verborgenen. Das Spiel erwartet, dass man sich selbst hineinarbeitet – oder scheitert.

Und scheitern wird man oft.

Gerade zu Beginn wirkt „Marathon“ klar abweisend. Es nimmt Spieler:innen nicht an die Hand, es belohnt keine entstandende Unachtsamkeit. Selbst erfahrene Shooter-Veteranen geraten hier sicherlich ins Straucheln. Die Kombination aus aggressiven NPC-Gegnern und realen Spielergruppen erzeugt eine permanente Bedrohungslage. Jede Entscheidung zählt. Jeder Schritt kann der letzte sein. Gespielt wird entweder solo oder in Teams mit bis zu drei Runnern. Theoretisch. Praktisch zeigt sich schnell, dass Solisten einen schweren Stand haben. Allein unterwegs verwandelt sich „Marathon“ fast in ein Stealth-Spiel. Offene Gefechte sind selten eine gute Idee, vielmehr geht es darum, Begegnungen zu vermeiden, Geräusche richtig zu deuten und im richtigen Moment zuzuschlagen. Die Time-to-Kill ist niedrig – wer überrascht, gewinnt. Wer überrascht wird, verliert.

Diese Dynamik wird maßgeblich vom exzellenten Sounddesign getragen. Geräusche sind nicht nur atmosphärisches Beiwerk, sondern ein zentrales Gameplay-Element. Schritte hallen durch leere Anlagen, Schüsse verraten Positionen über große Distanzen. Wer unvorsichtig kämpft, zieht schnell unerwünschte Aufmerksamkeit auf sich – sei es durch KI-Gegner oder andere Spieler:innen. Bungie beweist hier ein feines Gespür dafür, wie Audio zur taktischen Informationsquelle wird. Auch mechanisch gehört „Marathon“ zur Oberklasse. Das Gunplay ist präzise, direkt und fühlt sich jederzeit kontrollierbar an. Waffen haben Gewicht und spürbaren Rückstoß im Gefecht, das beherrscht Bungie einfach. Ergänzt wird das Ganze durch die unterschiedlichen Runner-Klassen, die jeweils eigene Fähigkeiten und Spielweisen mitbringen. Besonders interessant: die sogenannten Kits.

Gutes Beispiel dafür ist der Thief-Runner. Mit seiner Drohne kann er Gegner gezielt stören, sie unter Druck setzen und im besten Fall dazu bringen, wertvolle Beute fallen zu lassen. Das eröffnet taktische Möglichkeiten jenseits des reinen Ballerns. Statt frontal anzugreifen, kann man Situationen manipulieren – Türen öffnen danach Gegner in Hinterhalte locken und gezielt für Chaos stiften. Genau hier zeigt sich die unerwartete Tiefe des Spiels.

Denn „Marathon“ ist kein Shooter, der allein durch flotte Reflexe entschieden wird. Wer erfolgreich sein will, muss Systeme verstehen und Situationen lesen können. Welche Ausrüstung nehme ich mit? Welche Route wähle ich? Wann ziehe ich mich zurück? Das Spiel belohnt Planung – und bestraft Übermut. Konsequent. Optisch setzt „Marathon“ auf einen Stil, der sich bewusst vom Genre abhebt. Statt düsterer Militärästhetik dominieren leuchtende Neonfarben, klare Kontraste und futuristische Designs. Das beginnt bereits bei den Ladebildschirmen und zieht sich konsequent durch die Spielwelt. Verlassene Forschungsanlagen wirken dadurch gleichzeitig steril und fremdartig. Überall liegen Hinweise auf vergangene Aktivitäten – Dokumente, Geräte, halb zerfallene Infrastruktur. Der Soundtrack unterstützt diese Atmosphäre mit zurückhaltenden, oft sphärisch dann wieder schnellen elektronischen Klängen. Keine aufdringliche Dauerbeschallung, sondern gezielte Akzente, die Spannung aufbauen oder anschwellen lassen. Dazu kommt eine gelungene Sprachausgabe, die den wenigen narrativen Momenten Gewicht verleiht.

Weniger gelungen ist hingegen die Benutzeroberfläche – sprich das Menü. Gerade auf der Konsole wirkt das Menüdesign überladen und wenig intuitiv. Informationen sind zwar zahlreich vorhanden – vielleicht sogar zu zahlreich – aber nicht immer sinnvoll strukturiert. Während eines Runs prasselt eine Flut an Daten auf die Spieler:innen ein, die erst einmal eingeordnet werden muss. Hier fehlt es an Klarheit und Priorisierung. Es entsteht der Eindruck eines Systems, das viel will, aber nicht immer weiß, wie es sich vermitteln soll. Das konnte Bungie tatsächlich in ihrer langen Unternehmensgeschichte mal deutlich besser.

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Auch technisch läuft nicht alles rund. Die Ladezeiten selbst sind zwar überraschend kurz – meist zwischen zwei und fünf Minuten – doch die Navigation durch das Inventar ist unnötig umständlich. Gerade in einem Spiel, das so stark auf Vorbereitung und Ausrüstung setzt, fällt das echt negativ auf.

Bleibt die große Frage: Für wen ist „Marathon“ eigentlich gemacht?

Die Antwort fällt klar aus – und könnte gleichzeitig das größte Manko sein. „Marathon“ ist ein Spiel für eine sehr spezifische Zielgruppe, subjektiv betrachtet. Wer Freude daran hat, sich in komplexe Systeme einzuarbeiten, Rückschläge zu akzeptieren und aus eigenen Fehlern zu lernen, findet hier eine dichte, fordernde Shooter-Erfahrung. Wer hingegen schnelle Erfolgserlebnisse sucht oder sich allein durchkämpfen möchte, dürfte schnell frustriert sein.

Unser Fazit zu „Marathon“

Genau hier liegt auch mein persönlicher Knackpunkt. So überzeugend das Gunplay ist, so durchdacht viele Systeme wirken, so stark Atmosphäre und Sounddesign ausfallen – der Einstieg bleibt eine Hürde, die nicht jede:r nehmen will. „Marathon“ verlangt Geduld, Zeit und die Bereitschaft, immer wieder zu scheitern. Für mich hat das auf Dauer nicht funktioniert, auch wenn ich die Qualität dahinter klar erkenne. „Marathon“ gehört zweifellos zu den stärkeren Vertretern seines Genres, liefert mechanisch auf höchstem Niveau ab und bringt genug Eigenständigkeit mit, um sich von der Konkurrenz abzuheben. Gleichzeitig schreckt es mit seiner Härte, seiner Komplexität und seiner kompromisslosen Ausrichtung viele potenzielle Spieler:innen ab.

Release: 05.03.2026 | Entwickler: Bungie | Genre: Taktik-Shooter | Für PlayStation 5, Xbox Series X/S und PC | USK: ab 16

Marathon (PlayStation 5)

Spielspaß - 73%
Gameplay - 84%
Grafik - 79%
Technik - 77%

78%

Für Fans.

„Marathon“ überzeugt spielerisch mit starkem Gunplay und eigenständigem Design, verlangt aber extrem viel Geduld und eine hohe Frustrationstoleranz. Der kompromisslose Einstieg macht es trotz seiner Qualität nicht für alle zugänglich.

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Benny Illgner

Nachname hielt schon Fußbälle auf. Ich bisher nur virtuell. Sitzt seit 2005 in Digitalien fest und wartet auf den Pannendienst. Steht in fester Beziehung mit Twitter und Instagram. Schreibt Gags fürs Netz und Fernsehen. Nimmt gedeckte Schecks und Pizza gerne auf Twitter unter @IamIllgner an.

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