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jazzopen 2026 – Zeitlose Coolness hat einen Namen: Lenny Kravitz

US-Rockstar präsentiert sich fulminant auf dem ausverkauften Schlossplatz

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Krawumms, dieser Auftritt hat ordentlich gesessen! Der Schlossplatz zeigt sich an diesem Freitagabend einmal mehr von seiner freundlichsten Seite. Spätsommerliche Wärme, die Sonne steht noch tief genug, um den Eingangsbereich in gleißendes Licht zu tauchen: Beste Voraussetzungen für einen spektakulären Konzertabend von US-Rockstar Lenny Kravitz und seinen Support „De’Wayne“, der ihm in Sachen musikalischer Verbundenheit zumindest audiovisuell kaum nachsteht. 7.300 Zuschauer:innen und wir waren mit dabei – unsere Eindrücke des jazzopen-Abends.

Noch steht die knallig scheinende Sonne weit oben und setzt alles daran den darunterliegenden Lebewesen auch die letzten Schweißtropfen auf die Stirn zu treiben, einige Besucher:innen suchen an diesem späten Freitagnachmittag Schutz und den enorm großen Baumkronen des Stuttgarter Schlossplatzes oder baden gleich mit ihren Füßen im kühlen Nass der Schloßplatzspringbrunnen – diese Abkühlung ist bitter nötig, weil die Show im Laufe des Abends verdammt heiß wird! Den Anfang macht De’Wayne. Ein Support, der erstaunlich gut zum Hauptact passt, ohne eine Kopie zu sein. Seine vier Bandmusiker auf der Bühne sind dabei klassisch aufgestellt: Schlagzeug, gleich zwei Bässe, dazu ein Bassist. Der zunächst durch die Lautsprecher eingespielte Opener „Happy Nowadays“ startet direkt mit einer live ausgespielten Verlängerung, kein abruptes Ende, sondern ein fließender Einstieg ins Set. Der Platz ist zu diesem Zeitpunkt vielleicht halb gefüllt, viele stehen noch an den Ständen für Longdrinks und Snacks oder schlendern gemächlich Richtung Bühne.

Frontmann De’Wayne selbst trägt Sonnenbrille, ein schwarzes, eng anliegendes Outfit mit Netzshirt und kurzer glänzende Weste, dazu eine goldene Kette und Ohrringe. Optisch irgendwo zwischen Rock-Revival der 90er und moderner Pop-Attitüde. Seine längeren Dreadlocks erinnern nicht zufällig an frühere Phasen des Headliners. Musikalisch bewegt sich das Set zwischen gitarrenlastigem Rock, leichten Punk-Anleihen und immer wieder anmutenden Brit Pop-Melodien. Gerade „Biological“ zeigt diese Leichtigkeit, während „I’ll Be There“ das Publikum eine Mitnick-Garantie vermittelt.

Was auffällt: Der Gesang ist sauberer, als man es bei diesem teils harten Gitarrensound erwarten würde. Das Publikum – sichtbar jenseits der 40 – macht bereitwillig mit, klatscht im Takt, lässt sich animieren, ohne komplett zu eskalieren. Zum vorletzten Song, seines rund einstündigen Sets, „Highway Robbery“ ist der Innenhof dann auch entsprechend gefüllt. Ein gut funktionierendes Warm-up, das uns jedenfalls die Wartezeit auf den Main Act versüßte. Zudem die Prince-Anleihen des Alternative-Musikers aus Texas wirklich den Gesamteindruck unterstrich.

Kurz darauf wird es ernst. Moderatorin Stefanie Anhalt (SWR1) kündigt den Main Act des Abends an. Lenny Kravitz steht zum inzwischen fünften Mal bei den Jazzopen Stuttgart auf der Bühne. Der Einstieg kommt dabei ganz ohne prätentiöses Brimborium aus. Die Band betritt die Bühne – und legt los. Lenny Kravitz im Schlepptau. Gleich vier Mal Grammy-prämiert und zuletzt mimte er sogar den Piratenkönig „Bamwa“ im neuen Videospiel zur James Bond-Marke „First Light“, mit tougher Coolness schreitet er zum Mikrofonständer nach vorne.

Schon nach wenigen Takten ist klar, was heute Abend auf die Zuschauerschaft zukommt. Handgemachte Musik ohne Effektorgie, ohne Augenwischerei, ohne Kompromisse. Die Gitarren röhren durch den Innenhof, der Sound sitzt, Kravitz selbst trägt rote Lederjacke, offenes Hemd, ein langer Schal, Sonnenbrille. Würde man Coolness im Lexikon suchen, käme vermutlich dieses Bild heraus. Auffällig ist die Band. Eine Schlagzeugerin mit markantem Afro treibt das Set nach vorne, zwei Backgroundsängerinnen sorgen für Druck in den Refrains, dazu ein pointiert eingesetztes Saxofon in „Dig In“ und gleich zwei Bassisten, von denen einer zusätzlich Keyboard spielt. Kravitz hält sich nicht permanent im Mittelpunkt. Immer wieder gibt er seinen Musiker:innen Raum, tritt einen Schritt zurück, dirigiert eher, als dass er dominiert. Sympathisch!

Lenny Kravitz
© Opus Festival-, Veranstaltungs- und Management GmbH / Reiner Pfisterer

„Always On The Run“ ist einer der ersten Songs, in denen der Funke erstmals komplett überspringt. Kravitz begrüßt die Stuttgarter Crowd mit einem knappen „Hallo!“ und einem ebenso lässigen „So good to be here“. Mehr braucht es nicht. Nun folgt ein Set, das stark über seine Dynamik funktioniert. Songs werden nicht einfach runtergespielt, sondern laufen aus, kippen in kleine Jam-Phasen, bevor der nächste bekannte Refrain einsetzt.

Bei „I Belong To You“ wird es erstmals ruhiger. Der Innenhof reagiert prompt, viele stehen inzwischen, einige singen sichtbar mit. Als der ewige Kravitz-Klassiker „Stillness Of Heart“ erklingt schmelzen nicht nur die Eiswürfel im Aperol-Glas der Gäste, sondern auch die Herzen. Viel Soul, viel Gefühl – ohne Kitsch. Kravitz lässt seine Nummer wirken während seine hohe Gesangsstimme hier besonders zur Geltung kommt. Danach ein sanfter Moment: Eine schlichte, mit der Akustikgitarre begleitende Einlage durch seinen Leadgitarristen Craig Ross. Wunderbar!

Solche Momente sind es, die den Unterschied in solch einem prallgefüllten Musikfestival machen. Während viele Acts versuchen, jede Sekunde zu füllen, lässt Kravitz Platz. Auch in der Interaktion. Da wirft der coolste New Yorker seit De Niro auch mal galant ein für den Schweiß abgewischtes Handtuch ins Publikum, der Refrain von „Stillness Of Heart“ wird gemeinsam noch einmal zusammen angestimmt. Mit Einbruch der Abenddämmerung verändert sich die Stimmung. Die härteren Songs „Beyond the 7th Sky“ oder „The Chamber“ bekommen eine andere Wirkung, wirken ungemein dicht. „American Woman“ bringt schließlich auch die letzten Reihen auf die Beine. Spätestens hier steht die Tribüne geschlossen auf den Beinen.

Dazwischen immer wieder diese typische Kravitz-Lässigkeit! Ein Griff in den Schritt hier, ein kurzer Blickkontakt da. Das Ganze bleibt dabei erstaunlich unaufgeregt. Nichts wirkt erzwungen. Eher wie jemand, der genau weiß, dass er es nicht mehr beweisen muss. Charmant wird es, sobald Lenny schwungvoll zur jungen Gebärdensprachdolmetscherin geht und ihr für ihren Einsatz dankt und ihr vorsichtig den Schweiß vom Gesicht wischt, ein wahrer Gentleman!

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  • Zeitlos Explosiv Romantisch Inspirierend Wie kann man Blue Electric Light, Lenny Kravitzs 12. Studioalbum sonst charakterisieren? Kravitzs Beherrschung des Deep-Soul-Rock'n Roll ist eine seit langem...
  • Er ist weiterhin eine globale dynamische Präsenz in Musik, Kunst und Kultur. Blue Electric Light ist eine leidenschaftliche Suite von Songs, die diese Unterscheidung erweitert und der neueste Beitrag...
  • Produzent und Multi-Instrumentalist schwingen, während er die meisten Instrumente selbst schrieb und spielte, mit dem langjährigen Gitarristen Craig Ross. Lenny Kravitz hat vier GRAMMY Awards...

Natürlich ist das Set gegen Schluss auch eine Reise durch die bekannten Hits. „Fly Away“, „Are You Gonna Go My Way“ – diese Songs funktionieren, keine Frage. Hier wippen Köpfe und Füße im Takt gleichermaßen mit – mehr denn je in dieser Nacht ist eine extrem energetische Stimmung zu spüren. Das Grande Finale gehört seinem 89′-Debüt„Let Love Rule“. Und plötzlich ist da dieser große Chor. 7.300 Stimmen im Innenhof, die den Refrain tragen, während die Band langsam ausblendet. Gegen kurz vor halb elf ist dann auch Schluss. Lenny Kravitz bewies einmal mehr, was für eine coole Sau er, nicht nur musikalisch, ist. Anbei, Respekt für die durchtrainierten Bauchmuskeln mit 62. Die jazzopen Stuttgart liefern damit zum vierten Mal den unvergesslichen Rahmen für einen Abend, der seines gleichen sucht.

Kommende Termine der jazzopen 2026 (Auswahl):

11. Juli 2026 – Jamie Cullum & Joss Stone
12. Juli 2026 – Moby

Mehr Informationen und Tickets zu den jazzopen Stuttgart 2026 findet ihr hier.

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Benny Illgner

Nachname hielt schon Fußbälle auf. Ich bisher nur virtuell. Sitzt seit 2005 in Digitalien fest und wartet auf den Pannendienst. Steht in fester Beziehung mit Twitter und Instagram. Schreibt Gags fürs Netz und Fernsehen. Nimmt gedeckte Schecks und Pizza gerne auf Twitter unter @IamIllgner an.

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