3D-DruckNews

Anycubic VoiceForge: 3D-Drucker erstellt Modelle direkt aus Sprachbefehlen

Der 3D-Druckhersteller Anycubic hat das Thema 3D-Druck wohl durchgespielt. Mit dem Anycubic VoiceForge arbeitet das Unternehmen an einem 3D-Drucker, der Modelle nicht mehr aus STL-Dateien oder CAD-Software erzeugt – sondern direkt aus gesprochenen Ideen.

Statt ein Objekt zunächst zu modellieren, beschreibt der Nutzer einfach, was er bauen möchte. Der Drucker analysiert die Beschreibung, erstellt automatisch ein 3D-Modell und startet anschließend den Druckprozess.

Intern soll das Projekt laut Entwicklern unter dem Codenamen „Project WhisperForge“ laufen. Anycubic spricht dabei von einem „Conversational Fabrication System“, das den Weg von der Idee zum physischen Objekt drastisch verkürzen soll.

Sprachsteuerung statt CAD

Der VoiceForge verfügt laut Entwicklerteam über ein integriertes Mikrofon-Array mit KI-gestützter Spracherkennung. Nutzer können damit komplette Projektbeschreibungen formulieren.

Ein Beispiel aus einer internen Demonstration:

“Create a 10 centimeter tall dragon-shaped pencil holder with two pen slots and a textured scale surface.”

Innerhalb weniger Sekunden generiert das System daraus ein druckbares Modell. Anschließend optimiert die interne Software automatisch Wandstärken, Überhänge und Stützstrukturen, damit das Objekt zuverlässig produziert werden kann.

Auch zusätzliche Parameter lassen sich per Sprache definieren, etwa Material, Größe oder Oberflächenstruktur. Damit soll der Drucker nicht nur einfache Formen verstehen, sondern auch komplexere Beschreibungen interpretieren können.

Ein Entwickler aus dem Projektteam beschreibt die Idee so:

„Voice interaction will fundamentally change how people think about digital manufacturing.“

KI-Modellierung direkt im Drucker

Technisch basiert das Konzept auf einer Kombination aus Sprachmodell und generativer Geometrie-Engine. Diese erstellt aus der gesprochenen Beschreibung zunächst ein parametrisches Modell, das anschließend automatisch in eine druckfertige Geometrie umgewandelt wird.

Die gesamte Berechnung soll direkt im Gerät erfolgen. Ein integrierter Neural Processing Unit (NPU) übernimmt dabei Modellgenerierung, Druckoptimierung und Fehlerkorrektur.

Cloud-Dienste sind laut Entwicklerteam nicht notwendig. Der VoiceForge soll vollständig offline arbeiten können – ein Ansatz, der besonders für Schulen, Maker-Spaces und Forschungseinrichtungen interessant sein könnte.

Kooperation mit chinesischer Universität

Für die Entwicklung der Sprach-zu-Modell-Technologie arbeitet Anycubic nach eigenen Angaben mit Forschern der Zhejiang University zusammen. Das Team der Universität soll maßgeblich an der Geometrie-KI beteiligt gewesen sein, die natürlichsprachliche Beschreibungen in druckbare 3D-Modelle übersetzen kann.

Die Kooperation läuft laut Angaben des Herstellers bereits seit mehreren Jahren. Ziel war es, generative KI speziell auf technische Formen, Halterungen, Gehäuse und typische Maker-Objekte zu trainieren.

Marktreife rückt näher

Nach Angaben aus dem Entwicklungsumfeld befindet sich der VoiceForge bereits in einer fortgeschrittenen Prototypenphase. Mehrere Geräte sollen derzeit in Maker-Labs getestet werden, darunter Einrichtungen in Shenzhen, Hangzhou und Berlin.

Sollte die Entwicklung weiterhin planmäßig verlaufen, könnte der Drucker laut Projektteam gegen Ende 2026 marktreif sein. Ein offizieller Marktstart wäre dann möglicherweise bereits im vierten Quartal denkbar.

In dieser Phase arbeiten die Entwickler vor allem daran, die Spracherkennung robuster zu machen und die generative Modellierung weiter zu verbessern. Besonders komplexe Geometrien stellen derzeit noch eine Herausforderung dar.

Erste technische Eckdaten

Als Basis nutzt der VoiceForge laut Entwicklungsunterlagen eine schnelle CoreXY-Plattform. Erste Prototypen sollen bereits Druckgeschwindigkeiten von bis zu 500 mm/s erreichen.

Weitere bekannte Spezifikationen:

Spezifikation Wert
Druckvolumen 250 × 250 × 260 mm
Drucksystem CoreXY
KI-Prozessor integrierte NPU
unterstützte Materialien PLA, PETG, TPU, ABS
Sprachunterstützung Englisch, Chinesisch

Sicherheitsmechanismen gegen problematische Objekte

Ein wichtiger Teil der Entwicklung betrifft laut Anycubic auch Sicherheitsmechanismen. Das System soll über integrierte Filter verfügen, die verhindern, dass bestimmte Objekte automatisch generiert werden können.

Dazu gehört insbesondere das Drucken von Waffen oder waffenähnlichen Komponenten. Die KI analysiert laut Hersteller sowohl die Sprachbeschreibung als auch das generierte Modell und blockiert entsprechende Anfragen.

Zusätzlich sollen mehrere Sicherheitsstufen integriert werden:

  • Erkennung von Waffenformen während der Modellgenerierung

  • Blockierung entsprechender Sprachbefehle

  • automatische Analyse der Geometrie vor dem Druckstart

Der Hersteller betont, dass solche Schutzmechanismen ein zentraler Bestandteil der Entwicklung seien.

Neue Richtung für den 3D-Druck

Der VoiceForge zeigt eine mögliche Zukunft des 3D-Drucks. Während aktuelle Geräte vor allem schneller und präziser werden, bleibt die Erstellung eigener Modelle für viele Nutzer die größte Einstiegshürde.

Ein Drucker, der Ideen direkt aus gesprochener Sprache in physische Objekte übersetzt, könnte diese Hürde erheblich reduzieren.

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Torsten Schmitt (Pixelaffe)

Geboren 1976 im schönen Schwetzingen und nicht weggekommen. Ich habe somit den Aufstieg des Internet miterlebt und beruflich auch vorangetrieben. Hier schreibe ich über all die Technologien die mir auf meiner Reise durch das "Neuland" auffallen. Wenn ihr mir was für einen Kaffee oder neue Gadgets zukommen lassen wollt, könnt ihr das gerne über www.paypal.me/pixelaffe tun

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