3D-DruckNews

Creality KliTek: Düsenwechsel statt Filament-Geschrubbe

Creality hat zum zwölfjährigen Bestehen KliTek vorgestellt. Und ausnahmsweise ist nicht das übliche KI-Ökosystem-Blabla der spannendste Teil der Ankündigung, sondern ein ziemlich konkretes Stück 3D-Druck-Technik: ein neues Düsenwechselsystem für Mehrfarben- und Mehrmaterialdruck.

KliTek soll nicht einfach nur Filament durch eine einzelne Düse jagen und danach mit halben Müllbergen an Spülmaterial so tun, als sei das effizient. Stattdessen setzt Creality auf ein System mit mehreren Filamentkanälen und wechselbaren Düsen beziehungsweise Düsenpfaden. Der Drucker soll also bei Farb- oder Materialwechseln nicht jedes Mal das alte Material aus einer gemeinsamen Nozzle drücken müssen, sondern auf eine passende Düse wechseln.

Genau das ist der interessante Punkt. Aktuelle Multi-Color-Systeme funktionieren zwar, aber sie bezahlen jeden Wechsel mit Zeit, Purge-Türmen, Materialverlust und manchmal auch mit Farbverschleppung. KliTek soll diesen Flaschenhals umgehen. Creality spricht von einem Düsenwechsel in unter 5 Sekunden und einem Farb- oder Materialwechsel in unter 15 Sekunden. Klassische Filament-Purges sollen entfallen, abgesehen von einer minimalen Prime-Tower-Lösung.

Weniger Abfall, weniger Warten

Creality nennt als Beispiel einen deutlichen Unterschied beim Materialverbrauch. Während ein klassischer Single-Nozzle-Druck mit vielen Wechseln laut Labordaten bei 278 Gramm Filament landen kann, soll KliTek für denselben Druck mit 39 Gramm auskommen. Creality spricht von bis zu 80 Prozent weniger Filamentverbrauch pro Druck.

Solche Herstellerwerte muss man natürlich erst einmal in echten Tests sehen. Aber die Richtung ist klar. Wenn der Drucker Materialien nicht ständig durch dieselbe Düse spülen muss, spart das Zeit und Filament. Gerade bei mehrfarbigen Modellen ist das ein wunder Punkt. Jeder, der schon einmal einen hübschen kleinen Mehrfarb-Druck gestartet hat und danach eine Purge-Tower-Skulptur neben dem eigentlichen Modell hatte, kennt diesen Schmerz.

Mehrmaterialdruck wird interessanter

KliTek zielt aber nicht nur auf bunte Figuren. Creality spricht ausdrücklich von Multi-Color, Multi-Material, Multi-Hardness und Print-in-Place. Damit wird es deutlich spannender als bei einem reinen Farbwechsler.

Der Drucker soll verschiedene Materialeigenschaften in einem Bauteil kombinieren können. Also zum Beispiel harte und flexible Bereiche, unterschiedliche Farben oder verschiedene Düsendurchmesser innerhalb eines Druckjobs. Genau hier liegt das größere Versprechen. Nicht „der Drache hat jetzt vier Farben“, sondern funktionale Bauteile mit mehreren Eigenschaften in einem Druck.

Auch Print-in-Place-Modelle profitieren davon. Wenn bewegliche Teile, flexible Zonen oder unterschiedliche Oberflächen sauberer kombiniert werden können, wird aus dem üblichen Multicolor-Spielzeug plötzlich wieder ein Werkzeug. Verrückt, ich weiß.

TPU ist der eigentliche Härtetest

Besonders auffällig ist der Fokus auf TPU. Flexible Filamente sind im 3D-Druck praktisch, aber gerne mal kleine Mistviecher. Sie mögen keine langen, komplizierten Filamentwege, reagieren empfindlich auf schlechte Förderung und sind bei vielen Mehrfarb- oder Mehrmaterialsystemen eher geduldet als wirklich willkommen.

Creality will KliTek deshalb mit RFID-Filamenterkennung und dem sogenannten S-Drive-Dual-Power-Feeding kombinieren. Damit sollen auch mehrfarbige und mehrstufige TPU-Drucke mit unterschiedlichen Härtegraden möglich werden. Wenn das zuverlässig funktioniert, wären Anwendungen wie Griffe, Dichtungen, Wearables, flexible Halterungen oder sogar Schuh- und Polsterteile realistischer. Eben alles, wo harte und weiche Bereiche in einem Bauteil sinnvoll sind. Noch ist das aber ein Versprechen. TPU verzeiht wenig. Da wird sich zeigen, ob KliTek nur auf der Bühne glänzt oder auch nach mehreren Rollen Filament noch sauber arbeitet.

Wartung soll einfacher werden

Creality nennt außerdem eine einfachere Wartung. Die Ersatzzeit soll sinken, die Ersatzkosten sollen niedriger ausfallen. In den offiziellen Angaben ist von 25 Prozent weniger Austauschzeit und 75 Prozent geringeren Ersatzkosten die Rede. Das klingt erstmal nach einem modulareren Aufbau. Und das wäre bei einem Düsenwechselsystem auch dringend nötig. Wenn mehrere Düsen, Materialwege und Wechselmechaniken im Spiel sind, darf Wartung nicht zur Strafarbeit werden.

Teil eines größeren Creality-Ökosystems

Creality packt KliTek in eine größere Jubiläumsankündigung rund um KI, Cloud, Scanner, neue Hardware und ein ausgebautes Ökosystem. Für den eigentlichen Druckalltag ist aber vor allem wichtig, wie gut KliTek mit Slicer, Materialprofilen und Kalibrierung zusammenspielt.

Ein Düsenwechselsystem steht und fällt mit der Software. Der Drucker muss wissen, welche Düse welches Material führt, welche Temperatur passt, wann gewechselt wird und wie Übergänge sauber bleiben. Wenn das nicht sitzt, wird aus „Zero Waste“ sehr schnell „Zero Geduld“.

Creality nennt für KliTek einen Start im dritten Quartal 2026. Bis dahin bleiben noch offene Fragen: Welche Drucker bekommen das System? Kommt KliTek als eigener Drucker oder als Plattform für mehrere Modelle? Wie viele Düsen werden unterstützt? Was kostet der Spaß?

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Torsten Schmitt (Pixelaffe)

Geboren 1976 im schönen Schwetzingen und nicht weggekommen. Ich habe somit den Aufstieg des Internet miterlebt und beruflich auch vorangetrieben. Hier schreibe ich über all die Technologien die mir auf meiner Reise durch das "Neuland" auffallen. Wenn ihr mir was für einen Kaffee oder neue Gadgets zukommen lassen wollt, könnt ihr das gerne über www.paypal.me/pixelaffe tun

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