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Filmkritik zu „Glass Onion: A Knives Out Mystery“ – Craig hat seinen Spaß

Mehr Spaß, weniger Krimi

Der Mordsspaß geht weiter! Regisseur Rian Johnson überraschte 2019 Zuschauer wie Kritiker durch die Bank weg mit seiner gelungenen Krimikomödie „Knives Out“ mit Daniel Craig als etwas schrulligen aber extrem klugen Privatdetektiv Benoit Blanc. Nun läuft die Fortsetzung „Glass Onion“ im Kino für eine Woche – dann auf Netflix. Unsere Kritik zum Nachfolger.

Rian Johnson wird nicht jedem „Star Wars“-Fan positiv in Erinnerung sein, aber mit seiner extrem gewitzten Krimicomedy „Knives Out“ konnte er viele Zuschauer wieder besänftigen. In bester Agatha Christie-Manier galt es einen Mord an einem vermögenden Familienpatriarch aufzuklären dessen Familie nach seinem Tod einzig die Dollar-Zeichen in den Augen hatte. Daniel Craig, vielen nur als fähigster Agent ihrer Majestät bekannt, bekam eine der schönsten Rollen seiner langen Karriere auf den Leib geschneidert. Als schrulliger Privatdetektiv konnter dank ungewöhnlich starker Ausfassungsgabe Zusammenhänge mit den kleinsten Spuren finden und überzeugte ohnehin mit sichtlicher Freude an der Rolle. Nun verbuchte die rund 40 Millionen US-Dollar teute Produktion mit über 311 Millionen US-Dollar einen ordentlichen Erfolg an den Kinokassen, sodass flott FortsetzungEN beschlossen wurde – es begann ein harter Bieterstreit, den Netflix mit über 400 Millionen US-Dollar entschied und das Franchise kaufte. Zwei weitere Filme sind geplant, von denen einer jetzt Streaming-typisch für kurze Zeit in ausgewählten Kinos läuft.

Die Welt ist dank des zerstörerischen Coronavirus im Stillstand. Zusammentreffen kaum möglich, Masken im Alltag angekommen und Benoit Blanc (Daniel Craig) seit Tagen ohne Arbeit „Among Us“-spielend in der Badewanne. Diese Umstände veranlassen den steinreichen Tech-Giganten Miles Bron (Edward Norton) seine engsten Freunde, die allesamt Größen in Politik und Lifestyle sind, ihn durch eine kreative Einladung zu folgen. Diese erhielt auch Blanc und findet sich wenig später Bron’s Privatinsel in Griechenland wieder. Dort soll ein fiktives Krimi-Spiel beginnen – bis aus Spaß tödlicher Ernst wird. Man muss Rian Johnson lassen wie satirisch gekonnt er aktuelle Standards auf’s Korn nimmt. So gibt Kate Hudson eine shitstorm-erzeugende Sängerin mit mehr Charme als Hirn oder Dave Bautista als muskulöser Twitch-Streamer, der Potenzpillen aus Nashorn-Pulver an Jugendliche verkaufen wollte. Anders als in „Knives Out“ ist die Einführung deutlich radikaler und erinnert weniger an Poirot sondern…nun ja..Netflix. Statt der englisch geprägten gar Kammerspiel-artigen Zurückhaltung ist die Präsentation flippiger und durch das helle Griechenland sommerlich. Johnson beherrscht jedoch weiterhin zündende Dialoge. Insgesamt sorgt „Glass Onion: A Knives Out Mystery“ für mehr humowvollere Spitzen als sein Vorgänger, jedoch kommen Krimi-Fans spätestens ab Mitte der Handlung auch ihre Kosten. Davor leidet Blanc’s zweiter Auftrag etwas an fehlendem Flow, da Figuren viel zu plakativ wirken. Erstaunlich ist zudem, dass die Laufzeit von 140 Minuten schlussendlich nicht gestreckt wird. Fall Zwei der kommenden Trilogie bietet frische Perspektiven, die von teils fabelhafter Kameraarbeit getragen wird.

Glass Onion: A Knives Out Mystery läuft ab dem 24. November 2022 für eine Woche exklusiv in ausgewählten Kinos und wird ab dem 22. Dezember ins Programm von Netflix aufgenommen.

Glass Onion: A Knives Out Mystery. USA 2022. Regie: Rian Johnson. Mit Daniel Craig, Kate Hudson, Ethan Hawke. 140 Minuten. FSK: Ab 12 Jahren.

Gibt es eine Post-Credit-Szene? = Nein.

Vielen Dank an CinemaxX für die freundliche Bereitstellung des Tickets. Kinotickets für „Glass Onion: A Knives Out Mystery“ gibt es hier.

Benny Illgner

Nachname hielt schon Fußbälle auf. Ich bisher nur virtuell. Sitzt seit 2005 in Digitalien fest und wartet auf den Pannendienst. Steht in fester Beziehung mit Twitter und Facebook. Schreibt Gags fürs Netz und Fernsehen. Nimmt gedeckte Schecks und Pizza gerne auf Twitter unter @IamIllgner an.

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