KinoKritiken

Filmkritik zu „Halloween Ends“ – Das darf nicht euer Ernst sein!

Zwischen Reminiszenzen und bizarrem Schwachsinn

Regisseur David Gordon Green beschließt mit „Halloween Ends“ seine 2018 selbst initiierte Trilogie von John Carpenter’s „Halloween – Die Nacht des Grauens“. Doch statt lauschiger Gruselstimmung regieren im Abschluss bizarre Storyfäden samt inhaltlicher Unterwanderung der Schlüsselfiguren, so dass man sich fragen muss: Ist das wirklich ernst gemeint?

Am Anfang passt es ja noch irgendwie. Das Intro emanzipiert sich löblich von breitgetretenen Pfaden jenseits der Reihe, orientiert sich frech an typischen Horror-Motiven und sogar überraschend gewagt präsentiert sich „Halloween Ends“ in seinen ersten 10 Minuten. Doch dann verkommt das heiß erwartete Finale der zeitgemäßen Slasher-Trilogie zur mehr als dürftigen „Coming of Age“-Findung (richtig gelesen) einer bis dato gänzlich unbekannten sowie unbenannten Figur, welche Jamie Lee Curtis sowie den furchterregenden „Schwarzen Mann“ zu bloßen Nebenfiguren degradiert. Bedeutungsschwanger lässt uns Curtis an ihren inneren Monologen teilhaben, dass Haddonfield, diese kleine fast schon traditionell zeitlich stehengebliebene US-Kleinstadt, nach der blutigen Verwüstung von Michael Myers wieder vier Jahre später zur Ruhe kam, obwohl der hackende Serienkiller nie gefasst wurde.

Hier konterkariert erstmals „Ends“ seinen zweifellos besseren, weil konsequenteren Vorgänger – das Reboot „Halloween“ von 2018. Statt selbst Halloween-Dekoration aufzuhängen oder Kürbiskuchen im Ofen verbrennen zu lassen, hasst diese Laurie Strode die amerikanische Festivität, kerkert sich in ihrem mit Fallen ausgestattetem Haus ein und wartet auf Michael Myers, zu dem Sie eine besondere Verbindung hat. Davon ist nichts mehr übrig. Strode lebt nun mit ihrer Enkelin Allyson (Andi Matichek) wieder innerhalb der Vorstadt. Sogar eine Liebelei mit Deputy Frank Hawkins (Will Patton) schein machbar wäre da nicht, tja wäre nicht die unbändige Sucht von Haddonfield nach Horrorgeschichten. Diesmal trifft es den 19 jährigen Corey (Rohan Campbell), der nach einem schlimmen Unfall als Kindsmörder bekannt ist. Myers lebt derweil in der Kanalisation, tötet wenngleich weniger als zuvor, trifft auf Corey, der ihm nacheifend das Handwerk des Tötens beibringt. Bis dahin vergeht fast eine Stunde. Man fragt sich fast ob man nicht zufällig einem Rosamunde Pilcher-Stoff gelandet ist. Wie Green und Drehbuchautor Danny McBride im geschichtlichen Abschluss mit den Hauptfiguren umgehen ist zutiefst bizarr.

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  • Curtis, Jamie Lee, Greer, Judy, Patton, Will (Schauspieler)
  • Green, David Gordon (Regisseur)
  • Zielgruppen-Bewertung: Freigegeben ab 16 Jahren

Während das Reboot „Halloween“ von vor vier Jahren alle Charaktere ernst nahm, logisches Verhalten an erster Stelle setzte wirkte es zeitweise wie ein überlegtes Revival einer alten Band. Der Nachfolger „Halloween Kills“ wollte die Gorehounder mit Vorliebe für, serientypische, sadistische Morde zufriedenstellen – gelang in Maßen. „Halloween Ends“ ist ein halbgares Gruselabenteuer ohne wirklichen Sinn für die präsentierte Welt. Nur die Musik aus der Feder von Altmeister John Carpenter sowie Screamqueen Curtis überzeugen hier noch. Leider viel zu wenig. Ärgerlich.

Halloween Ends. USA 2022. Regie: David Gordon Green. Mit Jamie Lee Curtis, Andi Matichak, Nick Castle. 111 Minuten. FSK: Ab 18 Jahren.

Gibt es eine Post-Credit-Szene? = Nein.

Vielen Dank an CinemaxX für die freundliche Bereitstellung des Tickets. Kinotickets für „Halloween Ends“ gibt es hier.

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Benny Illgner

Nachname hielt schon Fußbälle auf. Ich bisher nur virtuell. Sitzt seit 2005 in Digitalien fest und wartet auf den Pannendienst. Steht in fester Beziehung mit Twitter und Facebook. Schreibt Gags fürs Netz und Fernsehen. Nimmt gedeckte Schecks und Pizza gerne auf Twitter unter @IamIllgner an.

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