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Sniper Elite VR im Oculus Quest 2-Test – Reload in Echtzeit

Zwischen Gegenwart und Vergangenheit

Für die immer populärer werdende Quest 2-VR-Brille von Meta (früher Facebook) erschien vor einiger Zeit der erste immersive Ableger einer nicht ganz unbekannten Shooterreihe namens „Sniper Elite“. Dank eigener Storyline ohne Hauptprotagonist Carl Fairburne werden wir als italienischer Widerstandskämpfer auf die Angreifer gehetzt – lohnt sich der Trip ins sonnendurchflutete Kalabrien?

Andere Optik, neue Probleme

Virtual Reality erfreut sich nicht erst mit autarken Systemen wie dem, im Vergleich, kostengünstigen Einstiegsmodell „Meta Quest 2“ großer Beliebtheit. Auch die PSVR war vielleicht nicht der allergrößte Kassenknüller, entwickelte jedoch eine treue Fangemeinde dank guten Titeln wie etwa dem Shooter „Blood and Truth“ von PlayStation selbst. Zudem erhielt der Mainstream eine recht gute Möglichkeit in diese andere Art von Spielerei, Einblick zu erhalten. Mit Shootern ist es generell so eine Sache in der immersiven Realität – hier gelten nämlich andere Gesetze als an Konsolen. Spielbarkeit geht vor Grafik! Ohnehin vergehen noch viele Sommer bis man bei VR an die gestochen scharfen Texturen á la PlayStation 5 oder leistungsstarken PC herankommt. Probelematisch ist bei vielen Gamern schon die Fortbewegung – Thema: Motion Sickness. Einfach erklärt: Die gesehenen Bewegungen verarbeitet das Hirn zu schlecht und Übelkeit ist die Folge. Hier schreibt übrigens ein Betroffener, deshalb war ich von Teleports als Bewegungsschema angenehm überrascht. Problemlos per Touch-Controller im Level einen Punkt in Sichtweite anvisiert – nach kurzer Schwarzblende ist man schon dort. Physisch gedreht wird sich übrigens nicht mit dem Kopf sondern in ebenso, magenberuhigenden, clipartigen Seitenwechsel auf Knopfdruck.

Die Entwickler:innen von Rebellion wissen hier um ihre spezielle Art von Spielgefühl und nutzen sie für’s Storytelling. „Sniper Elite VR“ fängt nämlich ganz betulich beim Picknick im heimischen Garten mit der umhertollenden Familie an. Mit altersmilde Stimme, aber pazifistischen Unterton, wird der Einfall der Wehrmacht inmitten des 2. Weltkrieg in Italien erzählt. Aber dank Talent mit Scharfschützengewehren hielt man die Eindringlinge in knapp 20 Einsätzen in Schach. Die Präsentation gelingt trotz zahlreicher Weltkriegsklischees. Zumal das anfängliche Tutorial sich genügend Zeit lässt, aber VR-Shooter unerfahrenen Spielern jeden zwingenden Schritt mehrmals zu erklären. Beispielsweise macht Nachladen die Hälfte eines Kills aus. Karabiner-Bolzen nach hinten ziehen, Patronen einsetzen, nach vorne ziehen, abdrücken. Sobald ihr eingeübt seid, vergehen locker über 100 Schuss. Mitunter da unbeabsichtigte Controller-Kollisionen oftmals vorkommen. Besonders nervig verhält sich die viel zu empfindliche Zoom-Funktion des Karabiners, liegt ein Gegner perfekt im Fadenkreuz erreicht ihn oftmals trotzdem nicht unsere Kugel. Warum? Weil. Nimmt man das Zielfernrohr „zu nah“ ans Auge entstehen unschöne Clippingfehler. Fallen Waffen zu Boden greift man entweder selbst oder nutzt die „Griff“-Funktion mit der Gegenstände mit Ruck in die Hand rutschen. Klappt auf Anhieb nur selten.

Jene besuchten Schauplätze bieten erwartbar idyllische Schauplätze in typisch italienischem Flair. Mal ein kleiner Marktplatz mit plätscherndem Wasser, wenig später laufen wir über Gemüsefelder an halbzerstörten Bauernhöfen vorbei oder betreten unterirdische Lager mit Pistole im Halfter wie James Bond. Alles sehr stimmig, jedoch auch eintönig detailarm. Bis auf Kisten mit Munition oder sammelbaren Briefen gibt es wenig Interaktion innerhalb der Gebiete. Durch plakative Phrasen der fast immer in Scharen auftretenden Feinde wie etwa: „Du…verdammter Wichser, dich krieg ich!“ oder „Flankiert ihn!“ unterstützt man zuweilen den teils herben Trash-Faktor. Irgendwo bemerkenswert, dass die Gegner-KI oftmals so grottendämlich agiert, in dem sie in förmlich in Explosionen läuft oder unsere erarbeitete Schleichroute durch plötzliche Adleraugen sofort zunichte macht. Lobend zu erwähnen: Einerseits die gute Spiellaufzeit von über 8 Stunden samt den zahlreichen Komfort-Einstellungen für ein speifreies Vergnügen. Der Score erinnert an die Hauptreihe, bietet aber über weite Strecken nur pseudodramatisches Gedudel.

Unser Fazit zu „Sniper Elite VR“

Nach dem mäßig aufgenommenen „Medal of Honor: Above and Beyond“ bildet „Sniper Elite VR“ mit größter Sicherheit einen weitaus besseren Shooter mit Weltkriegssetting. Okay, die eigentlich ausgelutschte Widerstandskämpfer-Thematik wirkt dank „Opa erzählt vom Krieg“-Prämisse nicht allzu beliebig, nur die hakelige Steuerung könnte den Spielspaß hemmen. Dafür haben die Einsätze dank mehrerer Möglichkeiten einen gewissen Wiederspielwert – die berüchtigte Killcam verkommt hier dennoch zur bloßen Gewaltdarstellung ohne besonderen Sinn. Für Shooter-Fans, die aber mal wieder ordentlich Munition verteilen wollen, sollten einen Blick riskieren.

Entwickler: Rebellion | Preis: 29,99 Euro | Für PlayStation VR, Valve Index und Oculus Rift/Quest | USK: ab 18

Sniper Elite VR (Oculus Quest 2)

Spielspaß - 67%
Gameplay - 73%
Grafik - 49%
Technik - 62%

63%

Für Fans.

Blutrünstiger Weltkriegsshooter im schönen Urlaubsidyll, der dank VR neue Perspektiven bietet aber auch andere Probleme schafft.

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Benny Illgner

Nachname hielt schon Fußbälle auf. Ich bisher nur virtuell. Sitzt seit 2005 in Digitalien fest und wartet auf den Pannendienst. Steht in fester Beziehung mit Twitter und Facebook. Schreibt Gags fürs Netz und Fernsehen. Nimmt gedeckte Schecks und Pizza gerne auf Twitter unter @IamIllgner an.

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