
Das dürfte vielen Gamern sauer aufstoßen: Die EU-Kommission will Publisher derzeit nicht gesetzlich dazu verpflichten, gekaufte Videospiele nach dem Ende des kommerziellen Betriebs spielbar zu halten. Genau das war der Kern der Bürgerinitiative „Stop Destroying Videogames“, besser bekannt als „Stop Killing Games“. Statt eines Gesetzes soll es nun Gespräche mit Publishern, Verbraucherschützern und weiteren Beteiligten geben. Ziel ist ein freiwilliger Verhaltenskodex für das sogenannte „End of Life“ von Spielen.
Hintergrund ist ein Problem, das immer größer wird: Viele moderne Spiele hängen an Online-Servern. Werden diese abgeschaltet, sind die Spiele teilweise oder komplett unbrauchbar. Die Initiative wollte erreichen, dass Publisher verkaufte oder lizenzierte Spiele nicht einfach digital sterben lassen dürfen, sobald sich der Betrieb wirtschaftlich nicht mehr lohnt.
Brüssel verweist auf Rechte der Publisher
Die EU-Kommission erkennt das Problem zwar an, sieht aktuell aber keine Grundlage für eine gesetzliche Pflicht. Als Begründung nennt sie bestehende Urheber- und Schutzrechte. Rechteinhaber hätten exklusive Rechte an ihren Werken, und diese könnten nicht einfach durch eine pauschale Pflicht zur dauerhaften Spielbarkeit ausgehebelt werden. Ganz raus ist der Verbraucherschutz damit aber nicht. Anbieter müssen laut EU-Recht klar über Laufzeit und Bedingungen digitaler Inhalte informieren. Entspricht ein Spiel oder Dienst nicht dem, was Käufer vernünftigerweise erwarten durften, können Ansprüche entstehen. In bestimmten Fällen ist auch eine anteilige Erstattung möglich.
The Crew bleibt das Warnschild
Besonders sichtbar wurde die Debatte durch Ubisofts Rennspiel „The Crew“. Nach der Serverabschaltung war das Spiel für Käufer nicht mehr spielbar. Der Fall wurde zum Symbol für die Frage, was digitale Käufe heute überhaupt noch wert sind. Reuters verweist in diesem Zusammenhang auf eine Klage der französischen Verbraucherorganisation UFC-Que Choisir gegen Ubisoft. Ubisoft argumentierte demnach, Spieler hätten nur begrenzten Zugang gekauft, nicht vollständiges Eigentum.
Die Initiative sammelte fast 1,3 Millionen Unterschriften. Das ist kein kleiner Foren-Aufstand, sondern ein klares Signal: Viele Spieler wollen nicht länger akzeptieren, dass ein gekauftes Spiel irgendwann nur noch ein toter Eintrag in der Bibliothek ist.
Jetzt liegt der Ball bei der Branche
Für Publisher ist die Entscheidung aus Brüssel erstmal bequem. Kein Zwang zu Offline-Patches, keine Pflicht zu privaten Servern, keine harte Regel für abgeschaltete Spiele. Für Spieler ist es dagegen ein Dämpfer.Entscheidend wird nun, ob aus dem angekündigten Dialog mehr wird als ein höflicher Stuhlkreis. Ein brauchbarer Kodex müsste klar regeln, was Käufer vor dem Kauf wissen müssen, wie lange Online-Funktionen garantiert werden und welche Lösung es beim Abschalten eines Spiels geben soll. Alles darunter wäre wieder nur warme Luft mit EU-Briefkopf.
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