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Pokémon Pokopia angespielt – Wildes Ditto setzt *Ernten* ein!

Wurde hier ein pokétastisches Animal Crossing herangezüchtet?

Beim besten Willen – dieses Konzept haben wir kaum erwartet: „Pokémon Pokopia“ ist kein klassisches Spin-off, sondern vielmehr ein bewusster Bruch mit vielem, was die Reihe über Jahre prägte. Kämpfe spielen hier absolut keine Rolle, Orden existieren nicht und auch die typische (Helden-)Reise eines jungen Trainers fällt komplett weg. Stattdessen dreht sich alles um Aufbau, Erkundung und das Zusammenleben mit Artgenossen…ähm Pokémon. Entwickelt von Game Freak und Omega Force (Koei Tecmo), wirkt das Konzept zunächst ungewohnt, entfaltet aber mit der Zeit eine eigene Logik samt Spielspaß. Unsere Review zum cozy „Pokémon Pokopia“.

Fangen wir zunächst einmal mit dem offensichtlichsten an – Pokémon ist beliebter denn je. Seit nun mehr 30 Jahren regieren die bissig, feurigen, steinigen oder giftigen Taschenmonster einen Großteil an Schulhöfen, Kinderzimmern, Jugendhäusern und auch Männerhöhlen mit ihrer Präsenz. Dabei gelang ihr Siegeszug einerseits Analog mit Sammelkarten und Digital per, mit vielen Kindheitserinnerungen verbundenen, GameBoy-Titeln, die wir womöglich alle mit Taschenlampe unter der Bettdecke spielten bis die Batterien leer waren. Stilitisch bleibt die Reihe nicht nur auf Action-Adventures genormt sondern versuchte sich als Taktik-Kampfspiel mit der „Stadium“ (Nintendo, wann kommt endlich ein Remake dazu?!) oder als Real-Life Erkundung mit „Pokémon GO“, was 2016 zu einer regelrechten Bewegung führte. Nun folgt mit „Pokopia“ ein weiteres Spin-Off, fernab der serientypischen Norm.

Der Einstieg ist dabei erstaunlich zurückhaltend. Man wacht als Ditto auf, das die Form eines Menschen mit bemerkenswert kleinen Augen annahm, offenbar nach dem Vorbild seines verschwundenen Trainers. Die Umgebung ist leer: Kaum Pokémon, keine Menschen, nur vereinzelte Ruinen. Im Gegensatz zu anderen Serienteilen erklärt man wenig und lässt einen zunächst allein. Begleitet wird man lediglich von einem Tangoloss, das sich selbst als eine Art Professor sieht und versucht, die Situation zu deuten. Seine Theorie: Wenn die umgebende Welt wieder bewohnbar wird, kehren auch Pokémon und Menschen zurück. Das ist der erzählerische Rahmen. So weit, so klar. Eine stärker geführte Geschichte wäre hier möglich gewesen, gerade weil das Szenario ungewöhnlich genug ist. Schade, dass dieses Potenzial nicht genutzt wurde.

Danach wird schnell klar, wie Pokopia funktioniert. Kämpfe gibt es nicht, dafür werden bekannte Attacken, sagen wir mal, leicht zweckentfremdet. Attacken wir „Zerschneider“ entfernt Hindernisse, „Zertrümmerer“ räumt grobe Felsen aus dem Weg, Wasserattacken machen trockenen Boden fruchtbar. Logisch. Das fühlt sich im ersten Moment seltsam an, ergibt aber im Kontext durchaus Sinn. Das Spiel reduziert die Werkzeuge bewusst. Anfangs kann man nur einfache Dinge tun: Boden bewässern, Gras entfernen, kleine Flächen vorbereiten. Mehr braucht es aber nicht, um erste Veränderungen zu sehen.

Entscheidend sind die Muster, die man in die Landschaft setzt: Bestimmte Kombinationen aus Wasser, Pflanzen und freien Flächen sorgen dafür, dass neue Lebensräume entstehen. Und genau DAS zieht vielerlei Pokémon an. Das Spiel erklärt diese Zusammenhänge nur grob, vieles erschließt man sich selbst. Das sorgt für einen angenehmen Entdeckerdrang, kann aber auch dazu führen, dass man sich anfangs etwas orientierungslos fühlt. Besonders jüngere Zocker:innen könnten sich hier alleine gelassen fühlen. Mit der Zeit wächst die Welt deutlich. Über 100 Pokémon lassen sich finden, wobei deren Auftreten stark von der geschaffenen Umgebung abhängt. Ein Zubat (Fledermaus) braucht Dunkelheit und Höhlen, während ein Bisasam (Pflanzenpokémon) offene, helle Flächen als Habitat bevorzugt. Solche Unterschiede zwingen dazu, die Welt nicht einfach nur zu dekorieren, sondern sinnvoll zu gestalten. Wer alles wahllos hinstellt – bekommt keine funktionierenden Lebensräume.

Vergleiche mit der Animal Crossing-Reihe (ebenfalls Nintendo) liegen nahe, greifen aber unserer Meinung zu kurz. Zwar geht es auch hier um Gestaltung und Nachbarschaft, die Dimensionen sind aber größer. Die Gebiete bieten mehr Platz – die Eingriffe in die bestehende Landschaft gehen deutlich weiter. Gleichzeitig erinnert das Block-Bauen an Systeme wie Minecraft oder Dragon Quest Builders, hier war praktischerweise Koei Tecmo als Entwickler tätig. Blöcke lassen sich abbauen, einsammeln und neu zusammensetzen. Das Bausystem wächst Schritt für Schritt. Anfangs stehen nur wenige Objekte zur Verfügung, später erweitert sich die Auswahl deutlich. Häuser, Wege, kleine Details sind optional veränderbar. Pokémon, die sich angesiedelt haben, bringen zusätzlich eigene Wünsche ein. Sie wollen bestimmte Bereiche umgestaltet haben oder wünschen sich mehr Komfort. Diese Aufgaben sind rudimnetär, geben aber eine klare Richtung vor, wenn man nicht nur planlos bauen möchte.

Ein Großteil der spielerischen Motivation entsteht durch die Bewohner:innen selbst. Pokémon laufen nicht einfach nur herum, sondern wirken wie Teil einer kleinen Gemeinschaft. Sie treffen sich, bleiben stehen, reagieren auf ihre (neue) Umgebung. Manchmal entstehen kleine Szenen, die nicht inszeniert wirken, sondern schlichtweg passieren. Genau das gibt der Welt eine gewisse Authentizität. Fortschritt zeigt sich weniger über Zahlen oder absolvierte Levels, sondern über die Welt selbst. Aus einer leeren Fläche wird langsam ein belebter Ort. Pflanzen wachsen, Pokémon ziehen ein, neue Bereiche werden erschlossen. Dieser Wandel ist der eigentliche Antrieb. Das Spiel verzichtet bewusst auf klassische Systeme und setzt stattdessen auf sichtbare Veränderungen.

Ganz rund läuft die cozy Pokémon-Sim aber nicht immer. Die Steuerung wirkt stellenweise träge, vor allem beim Platzieren von Objekten oder im Inventar. Menüs sind nicht immer übersichtlich, und manche Abläufe dauern länger, als sie müssten. Das bremst den Spielfluss immer wieder leicht aus, unnötig. Optisch setzt „Pokopia“ auf einen lieblichen leicht verspielten Stil. Die Welt wirkt anfangs simpel, gewinnt aber mit jeder Veränderung an Charakter. Je mehr man gestaltet, desto lebendiger wird das Gesamtbild. Der Detailgrad bei Animationen und Umgebungsreaktionen erinnert stellenweise an das leider unterschätzte New Pokémon Snap.

Eine Besonderheit sind die sogenannten Trauminseln. Das sind separate Gebiete, die viele Ressourcen bieten. Allerdings darf man pro Tag nur eine davon besuchen. Diese Begrenzung bringt etwas Planung ins Spiel, wirkt aber auch unnötig restriktiv. Hier hätten wir gerne mehr Freiheit gesehen. In unserem längeren Test bleibt „Pokopia“ erstaunlich stabil mit 60fps. Selbst wenn man die wichtigsten Ziele erreicht hat und alle Pokémon einsammelte, gibt es genug zu tun. Neue Bereiche lassen sich weiter ausbauen, bestehende Orte verändern, Details verbessern. Das Endgame besteht sozusagen aus Hektarpflege.

Unser Fazit zu „Pokémon Pokopia“:

Ein besonderes Spin-Off zum 30 jährigen Jubiläum der Taschenmonster! „Pokémon Pokopia“ funktioniert vor allem dann, wenn man es (gar) nicht mit den Hauptspielen vergleicht. Der Fokus auf Aufbau und Lebensräume trägt überraschenderweise über viele Stunden, auch wenn Steuerung und Interface nicht immer mithalten. Selbst ich musste mich für diesen Test hier quasi zwanghaft von der Switch 2 losreißen. Die weitesgehend fehlende Storyline fällt negativ auf, gerade weil das Szenario richtiges Potenzial für eine Kampagne hätte. Trotzdem bleibt ein eigenständiges Spiel, das genug eigene Ideen mitbringt, um mehr zu sein als nur ein kurioses Experiment.

Release: 05. März 2026 | Entwickler: Game Freak / Koei Tecmo | Genre: Shooter | Für Nintendo Switch 2 | USK: ab 6

Pokémon Pokopia (Nintendo Switch 2)

Spielspaß - 88%
Gameplay - 76%
Grafik - 86%
Technik - 79%

82%

Empfehlung!

„Pokémon Pokopia“ überzeugt mit seinem erfrischenden Aufbau-Ansatz, schwächelt aber bei Story und Steuerung. Ein eigenständiges Spin-off - mehr ist als nur ein Experiment.

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Benny Illgner

Nachname hielt schon Fußbälle auf. Ich bisher nur virtuell. Sitzt seit 2005 in Digitalien fest und wartet auf den Pannendienst. Steht in fester Beziehung mit Twitter und Instagram. Schreibt Gags fürs Netz und Fernsehen. Nimmt gedeckte Schecks und Pizza gerne auf Twitter unter @IamIllgner an.

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