
Im Streit zwischen Bambu Lab, einem OrcaSlicer-Entwickler und der Right-to-Repair-Szene hat man jetzt in den „Wahnsinss-Modus“ gewechselt. Was als technischer Streit um einen Fork begann, ist inzwischen eine offene Grundsatzdebatte darüber, wem ein 3D-Drucker nach dem Kauf eigentlich gehört. Dem Kunden? Dem Hersteller?
Im Zentrum steht der Entwickler Pawel Jarczak. Er hatte mit OrcaSlicer-BambuLab einen Fork erstellt, der eine Funktion zurückbringen sollte, die viele Nutzer vermisst haben: die direkte Steuerung von Bambu-Lab-Druckern über OrcaSlicer. Bambu Lab sah darin allerdings ein Problem und schickte Jarczak eine Unterlassungsaufforderung. Der Entwickler nahm das Projekt daraufhin freiwillig offline. Damit hätte die Sache enden können. Hat sie aber nicht. Natürlich nicht. Jetzt wird’s wild.
Louis Rossmann legt sich mit Bambu Lab an
Right-to-Repair-Aktivist Louis Rossmann wie Josef Prusa ist in die Sache eingestiegen und hat Jarczak öffentlich Unterstützung zugesagt. Rossmann will 10.000 US-Dollar für erste Anwaltskosten bereitstellen, falls Bambu Lab tatsächlich rechtlich gegen den Entwickler vorgeht. In einem Video rief er außerdem seine Community dazu auf, Jarczak zu unterstützen und im Ernstfall ebenfalls Geld für eine Verteidigung bereitzustellen.
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Rossmanns Ton war dabei, vorsichtig gesagt, nicht gerade freundkich. Er zeigte Bambu Lab mehrfach den Mittelfinger und beendete seine Ansage mit einer sehr klaren Botschaft an das Unternehmen. Sinngemäß: Legt euch mit jemandem in eurer Größe an. Für eine Branche, die sonst gerne über Druckprofile, Kalibrierung und Filamentfeuchte streitet, ist das schon ziemlich viel Testosteron im Bauraum.
Noch einen Schritt weiter ging Rossmann später, indem er den umstrittenen Fork über die GitHub-Seite seiner FULU Foundation hostete. Damit verschob sich die Sache endgültig von „ein Entwickler bekommt Druck“ zu „ein bekannter Aktivist fordert ein Unternehmen öffentlich heraus“. Das ist keine leise Fußnote mehr. Das ist ein offener Schlagabtausch mit Ansage.
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Worum es technisch eigentlich geht
Der Kern des Streits ist nicht einfach „Open Source gut, Firma böse“. Ganz so bequem ist es leider nicht. Bambu Lab argumentiert, dass es beim Fork nicht nur um lokale Kontrolle oder freie Software gehe, sondern um Zugriffe auf die eigene Cloud-Infrastruktur. Bereits im vergangenen Jahr bezeichnete Bambu Lab solche Drittanbieter-Integrationen als Risiko für die eigenen Systeme. Laut dem Unternehmen seien die Cloud-Server zeitweise mit rund 30 Millionen nicht autorisierten Anfragen pro Tag belastet worden. OrcaSlicer wurde dabei als eine Hauptquelle genannt.
Das ist der Punkt, an dem die Sache kompliziert wird. Bambu Lab kann durchaus ein berechtigtes Interesse daran haben, die eigene Server-Infrastruktur zu schützen. Niemand will, dass Cloud-Funktionen wegen wild laufender Clients abrauchen. Gleichzeitig kaufen Nutzer einen ziemlich teuren 3D-Drucker nicht, um danach bei jeder wichtigeren Funktion freundlich am Herstellertor zu klingeln. Genau hier reibt es. Heftig.
Jarczaks Fork sollte nach Angaben der Berichte wieder eine direktere Verbindung zwischen Bambu-Lab-Druckern und OrcaSlicer ermöglichen. Für viele Nutzer ist das nicht irgendein Luxus, sondern ein Stück Kontrolle über die eigene Hardware. Für Bambu Lab ist es offenbar ein Zugriff auf Systeme, die das Unternehmen selbst absichern und kontrollieren will. Und plötzlich steht nicht mehr nur ein Slicer auf dem Tisch, sondern die ganze Frage: Wie offen darf ein modernes 3D-Druck-Ökosystem sein?
Right to Repair trifft auf Cloud-Zwang
Rossmann nutzt den Fall als Beispiel für ein größeres Problem. Right to Repair bedeutet im Kern: Wer ein Gerät kauft, soll es reparieren, warten, verändern und sinnvoll weiterverwenden können. Hersteller sollen Reparatur, Diagnose und Ersatzteile nicht unnötig blockieren. Im Fall von Bambu Lab wird daraus die Frage, ob Nutzer auch Softwarewege und Steuerungsmöglichkeiten behalten dürfen, wenn ein Hersteller sein Ökosystem enger zieht. Beim X1 Carbon wurden unter anderem schwer oder nicht sinnvoll austauschbare Komponenten kritisiert. Auch der Hotend-Wechsel grenzt schon fast einer Hirn-Operation.
Die Community stellt sich auf
Rossmann hat laut Bericht noch keine echte Crowdfunding-Kampagne gestartet. Er wollte zunächst zeigen, dass es genug Menschen gibt, die Jarczak im Ernstfall finanziell unterstützen würden. Die Reaktionen auf sein Video deuten genau darauf hin.
Auch andere bekannte Stimmen aus der Szene mischen inzwischen mit. Gamers Nexus stellte den Code ebenfalls bereit und sagte laut Berichten ebenfalls 10.000 US-Dollar Unterstützung für einen möglichen Rechtsfonds zu. Jeff Geerling erklärte, nach dem Vorgang keinen Bambu-Lab-Drucker mehr kaufen zu wollen. Und Snapmaker nutzt die offene Flanke ziemlich clever: Das Unternehmen stellt Jarczak einen Snapmaker U1 Toolchanger zur Verfügung, der auf dem offenen Klipper-System basiert.
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Bambu Lab sitzt in der Image-Falle
Für Bambu Lab ist die Lage deshalb so heikel, weil das Unternehmen zwei Dinge gleichzeitig erklären muss. Einerseits will man die eigene Infrastruktur schützen. Andererseits darf es nicht so wirken, als würde man unabhängige Entwickler mit juristischem Druck kleinhalten. Genau diese Wahrnehmung ist aber schon in der Welt.
Warum der Fall als Signalfeuer gelten könnte
Am Ende geht es nicht nur um OrcaSlicer-BambuLab. Es geht auch nicht nur um Pawel Jarczak oder Louis Rossmann. Der Fall zeigt, wohin sich moderne Hardware bewegt. Geräte werden gekauft, aber viele Funktionen bleiben an Accounts, Server, Apps, Zertifikate und Herstellerentscheidungen gebunden. Heute ist es ein 3D-Drucker. Morgen ist es ein Auto, eine Kamera, ein Smart-Home-Gerät oder irgendein anderes Stück Technik, das nach dem Kauf weiter am Tropf des Herstellers hängt.
Ev. sind wir jetzt genau an dem Punkt an dem eine endgültige Entscheidung getroffen werden muss, notfalls gerichtlich.
Funfact: BambuLab sagte übrigens bis jetzt, sie haben das Schreiben von ihren Anwälten aufsetzen lassen, verschickt ist es wohl noch nicht.
Disclaimer: Titelbild wurde mit ChatGPT erzeugt
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