
Der Streit zwischen Bambu Lab und der Open-Source-Community nimmt nicht ab. Im Gegenteil: Jetzt hat sich auch Josef Prusa öffentlich eingeschaltet. Der Gründer von Prusa Research wirft Bambu Lab vor, schon seit dem ursprünglichen Fork von PrusaSlicer mit der AGPL-Lizenz auf ziemlich dünnem Eis zu laufen. Anlass ist der aktuelle Konflikt um einen Entwickler, der einen Fork von OrcaSlicer gepflegt hatte und nach rechtlichem Druck von Bambu Lab zurückruderte.
Vom Slicer-Streit zur Grundsatzdebatte
Die Kurzfassung: PrusaSlicer steht unter der AGPL-3.0-Lizenz. Daraus entstand Bambu Studio, daraus wiederum OrcaSlicer. Genau diese Kette macht den Fall so brisant. Denn bei AGPL-Code gilt vereinfacht gesagt: Wer darauf aufbaut und daraus ein abgeleitetes Werk macht, muss den Quellcode ebenfalls offenlegen. Sonst wird aus Open Source schnell „Open, solange es uns passt“.
Prusa kritisiert vor allem das Netzwerk-Plugin von Bambu Studio. Die Slicer-Bestandteile seien zwar offen, die Komponente für die Kommunikation mit der Bambu-Cloud bleibe nach seiner Darstellung aber geschlossen. Aus Prusas Sicht bilden Slicer und Netzwerkmodul technisch ein gemeinsames Produkt, weil die Hauptfunktion ohne diese Verbindung nicht sauber getrennt betrachtet werden könne.
Das CDN-Plugin ist der wunde Punkt
Besonders heikel ist laut Prusa, dass das Netzwerkmodul nicht einfach mit der Software ausgeliefert wird. Stattdessen werde es zur Laufzeit über ein CDN nachgeladen. Damit könne sich die Komponente jederzeit ändern, ohne dass Nutzer oder unabhängige Entwickler den Cloud-relevanten Code zuverlässig prüfen können. Prusa hatte diese Architektur bereits im März 2023 öffentlich kritisiert. Passiert sei seitdem offenbar wenig.
Bambu Lab sieht den Fall anders
Bambu Lab stellt den Konflikt anders dar. Das Unternehmen betont, es gehe nicht gegen OrcaSlicer oder legitime Forks an sich. Auch Open-Source-Anpassungen seien nicht das Problem. Laut Bambu Lab gehe es um den Zugriff auf die eigene Cloud-Infrastruktur. Die AGPL gebe zwar Rechte am Code, aber keinen Anspruch auf Nutzung privater Cloud-Dienste.
Konkret wirft Bambu Lab dem betroffenen Fork vor, sich gegenüber den Servern als offizieller Bambu-Studio-Client ausgegeben zu haben. Das Unternehmen spricht von falschen Identitätsdaten in der Netzwerkkommunikation und sieht darin ein Risiko für Stabilität und Sicherheit der Cloud-Infrastruktur.
Der Entwickler des Forks widerspricht dieser Darstellung. Auf GitHub schreibt er, der verwendete User-Agent stamme aus öffentlich verfügbarem AGPL-Code von Bambu Studio. Er weist die Darstellung zurück, er habe sich als Sicherheitsrisiko oder Angreifer verhalten.
Die Community kocht weiter
Dass sich Josef Prusa nun meldet, macht aus dem Fall endgültig mehr als einen Streit zwischen Bambu Lab und einem einzelnen Entwickler. In der 3D-Druck-Szene geht es gerade um Vertrauen, Kontrolle und die Frage, wem ein gekaufter Drucker am Ende eigentlich gehört. Die Community ist laut. Sehr laut. Sie schreibt Tools, pflegt Forks, baut Profile, erklärt Einsteigern die Maschinen und entscheidet oft mit, welche Drucker empfohlen werden. Wer diese Leute gegen sich aufbringt, spart sich vielleicht kurzfristig Ärger mit der Cloud. Langfristig kann es aber ziemlich teuer werden.
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