
Der More-Kult: Proteinpulver, Peak-Hype und die Kunst, aus einem Shake eine Religion zu machen
More Nutrition ist gerade nicht einfach „eine Marke“. More ist aktuell eher ein sehr lauter, sehr süßer, sehr proteinreicher Zustand. Man öffnet Instagram, TikTok oder irgendeinen Fitness-Feed und schon steht irgendwo Christian Wolf virtuell im Türrahmen, hält einen Shake hoch und erklärt einem, warum man sein Leben bisher falsch geführt hat. Ohne Total Protein, Chunky Flavour und irgendeinen Code mit 10 Prozent Rabatt offenbar sowieso.
Und ja, man muss es nüchtern sagen: Der Hype ist nicht vorbei. Der Hype ist gerade auf dem Peak. More ist nicht mehr nur ein Supplement-Hersteller. More ist eine Bewegung mit Messbecher.
Der Shake ist nicht das Geheimnis
Das Faszinierende ist: Die Produkte sind nicht magisch. Proteinpulver bleibt Proteinpulver. Ein Shake mit 20, 25 oder 30 Gramm Eiweiß ist kein alchemistischer Zaubertrank aus dem Fitness-Hogwarts. Der macht satt, schmeckt je nach Sorte ziemlich gut, hilft beim Proteinziel und passt in eine Diät. Fertig.
Das können andere auch.
Drogerie-Eigenmarken können das. Discounter können das. ESN kann das. Foodspring kann das. Bodylab kann das. Manchmal schmeckt More besser. Manchmal schmeckt die Eigenmarke überraschend okay. Manchmal schmeckt alles nach flüssigem Vanillebauschaum. So ist das Spiel.
Der Unterschied liegt nicht nur im Produkt. Der Unterschied liegt im Drumherum. Und genau da hat More die Branche einmal sauber am Shaker gepackt.
Christian Wolf verkauft kein Pulver, sondern ein Gefühl
Christian Wolf hat verstanden, dass niemand morgens aufsteht und sagt: „Heute möchte ich dringend Molkenproteinisolat konsumieren.“
Menschen wollen abnehmen. Sich besser fühlen. Nicht komplett eskalieren, wenn sie abends Bock auf Süßkram haben. Sie wollen Kontrolle, aber bitte ohne Gurkenwasser und trockene Hähnchenbrust. More verkauft deshalb nicht einfach Protein. More verkauft das Gefühl: Du darfst genießen und bist trotzdem diszipliniert.
Das ist der eigentliche Kniff.
Aus „hier ist ein Pulver“ wird „hier ist dein neuer Alltag“. Aus einem Shake wird ein Ritual. Aus einem Rabattcode wird Zugehörigkeit. Aus einer Geschmacksrichtung wird ein Event. Und aus einer simplen Bestellung wird plötzlich ein kleiner Identitätsnachweis im Küchenschrank.
Die Marketing-Kniffe sind gar nicht geheim
More spielt keine schwarze Magie. Die Marke nutzt bekannte Mechaniken. Nur eben sehr konsequent.
Fitnessprodukte verkaufen selten nur Inhaltsstoffe. Sie verkaufen:
- Disziplin
- Veränderung
- Selbstbewusstsein
- Kontrolle
- Zugehörigkeit
- Motivation
Limitierte Sorten. Drops. Rabattcodes. Influencer. Community-Sprache. Erfolgsgeschichten. Vorher-Nachher-Momente. Dauerpräsenz. Knappheit. „Nur heute“. „Fast ausverkauft“. „Kommt so schnell nicht wieder“. Zack, schon steht der Warenkorb da wie ein hungriges Tier.
Das ist FOMO in Pulverform.
Und es funktioniert, weil Fitnessprodukte emotionaler sind als viele glauben. Wer mit einem Produkt abnimmt, verbindet damit sofort mehr als nur Nährwerte. Dann ist das nicht mehr „Schoko-Cream-Protein“. Dann ist das der treue kleine Begleiter auf dem Weg zur besseren Version von sich selbst. Klingt kitschig. Funktioniert trotzdem.
Andere Marken könnten das auch
Das Spannende ist: Viele Marken könnten denselben Hype bauen. Die Produkte unterscheiden sich oft nur minimal. Mal andere Süßstoffe. Mal andere Aromen. Mal bessere Löslichkeit. Mal hübschere Dose. Mal aggressiveres Marketing.
Der Kern bleibt ähnlich: Eiweiß rein, Kalorien kontrollieren, Geschmack drauf, Alltag erleichtern.
Aber More hat es geschafft, daraus ein soziales Ding zu machen. Nicht nur „kauf unser Produkt“, sondern „sei Teil davon“. Und das ist im Jahr 2026 vermutlich wertvoller als jede Nährwerttabelle.
Andere Marken müssten also gar nicht zwingend bessere Produkte bauen. Sie müssten bessere Geschichten erzählen. Klarer kommunizieren. Näher an die Leute ran. Weniger Laborprospekt, mehr Alltag. Weniger „High Protein Vanilla“, mehr „damit überlebst du den Süßhunger um 21:47 Uhr, ohne danach die Küche zu plündern“.
Das machen nicht nur Fitnessfirmen. Das sieht man überall:
- Sneaker
- Energy Drinks
- Gaming-Hardware
- Technik
- Streetwear
- Trading Cards
- Smartphones
More hat diese Mechaniken nur extrem konsequent auf Supplements übertragen.
Und ja, ich nutze den Kram auch
Damit das hier nicht klingt wie die große Abrechnung aus dem Haferflockenbunker: Ich nutze solche Produkte selbst. Auch More. Auch andere Marken. Und ja, mit diesen ganzen kleinen Pülverchen habe ich inzwischen rund 10 Kilo abgenommen. Aber deshalb wird Christian Wolf für mich nicht direkt zum Apostel mit Shaker in der Hand.
Geschafft habe ich das nicht, weil irgendein Pulver nachts heimlich meine Kalorienbilanz sortiert hat. Geschafft habe ich das mit Verstand, Disziplin und der ziemlich langweiligen Erkenntnis, dass man weniger Energie reinschieben muss, als man verbraucht. Die Pülverchen helfen. Sie machen satt, nehmen Süßhunger die Klinge aus der Hand und sorgen dafür, dass eine Diät nicht schmeckt wie nasser Karton mit Reue.
Mehr aber auch nicht.
Sie sind Werkzeug. Kein Wunder. Kein Ersatz für Bewegung. Kein Freifahrtschein. Und schon gar kein spirituelles Erweckungserlebnis im 600-Gramm-Beutel.
Wobei man bei manchen Drops fast den Eindruck bekommt, das der Dealer neuen Stoff bekommen hat. Limited, ausverkauft, Code hier, Countdown da. Stellenweise fühlen sich die Dosen schwerer zu bekommen an als Pülverchen im Frankfurter Bahnhofsviertel. Nur halt mit Vanille-Sahne-Aroma und besserem Packaging.
Wer mit einer Marke vielleicht 20 Kilo verloren hat oder überhaupt erst Motivation zum Sport gefunden hat, verbindet damit Emotionen. Dann wird der Shake eben mehr als nur Pulver mit Aroma.
Und fairerweise: Das ist nicht automatisch schlecht.
Wenn jemand durch so eine Marke endlich anfängt:
- mehr Protein zu essen
- abzunehmen
- sich zu bewegen
- weniger Softdrinks zu trinken
- bewusster zu leben
… dann hat das durchaus einen positiven Effekt.
Der Kult ist nicht schlimm – solange man ihn erkennt
Der More-Hype ist kein Zufall. Er ist sauber gebaut. Laut, clever, emotional und extrem social-media-tauglich. Das muss man nicht bashen. Man kann es auch einfach anerkennen: Da wurde Marketing sehr genau verstanden.
Problematisch wird es erst, wenn Menschen glauben, nur diese eine Marke könne Fortschritt ermöglichen. Nein. Kann sie nicht. Sie kann helfen. Sie kann motivieren. Sie kann schmecken. Aber sie ersetzt keine Kalorienbilanz, keine Bewegung und keinen gesunden Menschenverstand.
More ist nicht der heilige Gral. More ist ein sehr gut vermarkteter Shaker mit Community-Anschluss.
Fazit
Und trotzdem: Nach diesem Artikel habe ich ein bisschen Angst, dass Christian Wolf demnächst persönlich bei mir klingelt, ernst schaut und mir wortlos einen LKW voll Produkte vor die Tür kippt. Natürlich mit Code. Natürlich limitiert. Natürlich nur heute.
Noch größer ist allerdings die Sorge, dass mir die More Squad heimlich auflauert. Keine Gewalt, versteht sich. Eher so eine pädagogisch wertvolle Panade aus Chunky Flavour und moralischer Überlegenheit.
Ich sag deshalb lieber nochmal ganz deutlich: Ich mag die Produkte. Ich mag nur auch andere.
Bitte nicht shaken!
P.S. Mit meinem Code „50PROZENT“ bekommt ihr bei eurer nächsten more Bestellung 10% Rabatt (haha, nein). Falls Christian Wolf das liest: Adresse steht im Impressum, Isotonische Getränke gehen auf mich 😀
Disclaimer
- Das Titelbild wurde mit ChatGPT erstellt.
- Ich muss die Reichweite hier jetzt mal nutzen auf einen anderen Artikel hinzuweisen den ich vor ein paar Tagen auf 0auf42.de geschrieben haben. Ich finde ihn wichtig (und auch gut geschrieben) deswegen etwas „fremd“ auch noch hier.
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