
Bambu Lab bekommt den nächsten unangenehmen Einschlag aus der Open-Source-Ecke. Die Software Freedom Conservancy wirft dem 3D-Drucker-Hersteller Verstöße gegen die AGPLv3-Lizenz vor. Im Zentrum steht Bambu Studio, die hauseigene Slicer-Software, die auf PrusaSlicer basiert und damit tief im Open-Source-Sumpf steckt. Nur eben offenbar nicht so offen, wie es die Lizenz gerne hätte.
Der Ursprung des Streits
Angefangen hat der Ärger nicht mit einer großen Klage, sondern mit einem Entwickler: Paweł Jarczak. Er hatte einen Fork von OrcaSlicer gebaut, der Bambu-Druckern wieder mehr Cloud-Funktionen ohne Bambu Connect ermöglichen sollte. Genau das wurde für Bambu Lab zum Problem. Das Unternehmen warf ihm unter anderem vor, Bambu Studio zu imitieren, Autorisierungssysteme zu umgehen und gegen Nutzungsbedingungen zu verstoßen. Jarczak entfernte den Code daraufhin von GitHub, betonte aber ausdrücklich, dass dies kein Schuldeingeständnis sei.
SFC wirft Bambu AGPL-Verstöße vor
Die Software Freedom Conservancy sieht das Problem größer. Laut SFC liefert Bambu Lab nicht den vollständigen Quellcode für alle relevanten Bestandteile von Bambu Studio aus. Konkret geht es um die proprietäre Netzwerkkomponente bambu_networking, die in Bambu Studio eingebunden wird. Die SFC argumentiert: Wenn diese Bibliothek technisch eng mit einer AGPL-Software verbunden ist, muss auch ihr Quellcode offengelegt werden. Genau das passiere aber nicht.
Der zweite Vorwurf ist noch pikanter. Die SFC wertet das Vorgehen gegen Jarczak als zusätzliche Einschränkung von Rechten, die die AGPL eigentlich ausdrücklich erlaubt. Frei übersetzt: Erst Open Source nutzen, dann Entwickler einschüchtern, wenn sie damit etwas bauen – die Community ist „not amused“.
Bambu Lab rudert zurück
Bambu Lab hat inzwischen eingeräumt, dass die Kommunikation gegenüber Jarczak als rechtliche Drohung verstanden werden konnte. Das Unternehmen bedauert diese Wirkung, bleibt aber beim grundsätzlichen Argument, dass es um Sicherheit, Cloud-Zugriffe und Kontrolle über kritische Druckerfunktionen gehe.
Damit ist der Streit aber nicht vom Tisch. Die SFC hat mit „baltobu“ ein eigenes Projekt gestartet. Ziel ist es, offene Alternativen zu Bambus proprietären Netzwerkkomponenten zu entwickeln, Forks für OrcaSlicer und Bambu Studio zu pflegen und das Thema Software-Recht auf Reparatur im 3D-Druck langfristig breiter aufzustellen. Für diese Arbeit sammelt die Organisation Geld; das Ziel liegt bei rund 250.000 US-Dollar.
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